Karl Baumgartner (* 20. August 1922 in München; † 23. Januar 2012 in Brünnighausen) war ein deutscher Pyrotechniker beim Film und einer der (auch international) gefragtesten deutschen Spezialeffekte-Techniker nach 1945.

Leben Der gebürtige Bayer hatte bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs erste Kontakte zur Filmbranche geknüpft, als er in Niederbayern Wurstwaren für die Bavaria-Studios organisierte. Sein filmtechnisches Handwerk erlernte er unter dem bedeutendsten Pyrotechniker des deutschen Films bis 1945, Erwin Lange. Baumgartner belieferte Produktionen mit Benzin und Sprengstoff, den er aus entschärften Fliegerbomben gewann. Nebenbei ließ er sich zum Feinmechaniker ausbilden und arbeitete kurzzeitig als Luftfahrtingenieur.

Nach seiner staatlichen Prüfung zum Sprengmeister sorgte er in den 1950er Jahren mehrfach für die pyrotechnischen – Brände, Explosionen und Ähnliches – Effekte bei Peter Ostermayrs Ganghofer-Filmen. Baumgartner arbeitete von Anbeginn auch für amerikanische, in Europa gedrehte Produktionen. Neben explosionsträchtigem Feuerwerk in den beide Weltkriege thematisierenden Produktionen wie Wege zum Ruhm, Die Brücke, Der längste Tag und Dünkirchen, 2. Juni 1940 schuf „Charly-Bum-Bum“, wie Karl Baumgartner in der Branche genannt wurde, auch zahlreiche andere Spezialeffekte (von Felsen stürzende Fahrzeuge, künstliche Schnee- sowie Unterwasserlandschaften, Sturmfluten und Ähnliches) für Kinofilme wie auch für eine große Anzahl von Fernsehproduktionen (Tatort, Mathias Kneißl, Wallenstein, Peter der Große) und Operninszenierungen (Das Rheingold).

Zu seinen bekanntesten Einzelkreationen zählen die 300 Lagerfeuer für Joseph L. Mankiewicz’ Monumentalepos Cleopatra, die Bunkerexplosion in Der längste Tag und der Fliegerangriff auf den deutschen Marinestützpunkt in Wolfgang Petersens Das Boot. 1992 erhielt Baumgartner das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.

Filmografie 1950: Entscheidung vor Morgengrauen (Decision Before Dawn) 1951: Die Alm an der Grenze 1951: Die Martinsklause 1952: Der Herrgottschnitzer von Ammergau 1953: Der Klosterjäger 1954: Schloß Hubertus 1955: Das Schweigen im Walde 1956: Der Jäger von Fall 1957: Der Edelweißkönig 1957: Wege zum Ruhm (Paths of Glory) 1958: Der Schäfer vom Trutzberg 1958: Der Schinderhannes 1959: Die Brücke 1961: Der längste Tag (The Longest Day) 1962: Cleopatra 1963: Kapitän Sindbad (Captain Sindbad) 1964: Der Tag danach (Up From the Beach) 1964: Dünkirchen, 2. Juni 1940 (Weekend à Zuydcoote) 1965: Lady L 1965: Der blaue Max (The Blue Max) 1967: Eine Handvoll Helden 1968: The Last Escape (UA: 1970) 1969: Pascal (L’arbre de Noël) 1969: Stoßtrupp Gold (Kelly’s Heroes) 1969: Waterloo (Waterloo) 1970: Jaider – der einsame Jäger 1971: Rivalen unter roter Sonne (Soleil rouge) 1972: Blutiger Freitag 1972: Ein Käfer gibt Vollgas 1974: Zündschnüre 1975: Inside Out – Ein genialer Bluff 1975: Berlinger 1976: Das Schweigen im Walde 1976: Der Winter, der ein Sommer war (Fernsehfilm) 1977: Grete Minde 1976: Aus einem deutschen Leben 1977: Das Schlangenei 1977: Der Hauptdarsteller 1977: Fedora 1977: Caravans 1978: Verstecktes Ziel (Brass Target) 1979: Sonntagskinder 1980/81: Das Boot 1981: Firefox (Firefox) 1982: Die wilden Fünfziger 1983: Ediths Tagebuch 1983: Die Libelle (The Little Drummer Girl) 1984: Heimat 1985: Enemy Mine – Geliebter Feind (Enemy Mine) 1985: Der Sommer des Samurai 1986: Bitte laßt die Blumen leben 1987: Die Geierwally 1988: Anna – Der Film 1990: Rama dama 1991/92: Stalingrad 1993: Verlassen Sie bitte Ihren Mann!

Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 280.

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