Papyrus 63 (nach Gregory-Aland mit Sigel bezeichnet) ist eine frühe griechische Abschrift des Neuen Testaments. Dieses Papyrusmanuskript enthält einen Teil des Johannesevangeliums und abschnittsweise „Deutungen“ dazu. Es sind nur die Verse 3,14–18 und 4,9–10 erhalten geblieben. Mittels der Paläographie wurde es auf das 4. oder 5. Jahrhundert datiert.Kurt und Barbara Aland: Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1989, S. 110. ISBN 3-438-06011-6
Text Der griechische Text des Kodex repräsentiert den Alexandrinischen Texttyp, enthält jedoch auch einige Byzantinische Lesarten. Kurt Aland ordnete ihn in Kategorie II ein.
In Kapitel 3 des Johannesevangeliums sind die folgenden Verse in Griechisch erhalten:
In Johannes 3,16 findet sich die Textvariante υιον αυτου. Sie wird auch durch die Handschriften א2, A, L, Θ, Ψ, 063, 083, 086, 0113, f1, f13, Byz und Didache gestützt.
Eine Besonderheit des Papyrus 63 ist, dass es sich nicht um ein Manuskript handelt, das ausschließlich den biblischen Text enthält, sondern auch „Deutungen“. Nach einer Passage des Johannes-Textes folgt mehrfach die Überschrift ερμηνια (ἑρμηνεῖα/hermeneia), gefolgt von Kommentaren dazu. Anders als früher angenommen handelt es sich dabei nicht um kommentierende Auslegungen im eigentlichen Sinne, sondern um sogenannte Bibelorakel. Diese enthielten nur bestimmte, gut geeignete Ausschnitte der Bibel und wurden vermutlich dazu benutzt, sie zufällig aufzuschlagen und so eine Art Orakel herbeizuführen. Vergleichbare Papyri sind unter anderem Papyrus 55 und Papyrus 80.Bruce M. Metzger, Greek Manuscripts of John’s Gospel with ‘Hermeneiai’, in T. Baarda u. a. (Hrsg.), Text and Testimony. Essays on New Testament and Apocryphal Literature in Honour of A.F.J. Klijn, Kampen 1988, 162–169. Hinzu kommt als weitere Besonderheit, dass in Papyrus 63 die „Deutungen“ sowohl auf Griechisch stehen als auch auf Koptisch übersetzt wurden.
Aufbewahrung Die Handschrift befindet sich in der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums in Berlin und wird unter Inventarnummer P. 11914 aufbewahrt.
Weblinks Eintrag P. 11914 in der Berliner Papyrusdatenbank
Einzelnachweise
Literatur Otto Stegmüller: Zu den Bibelorakeln im Codex Bezae. In: Biblica 34 (1953), S. 13–22.
Kategorie:Papyrus des Neuen Testaments Kategorie:Handschrift der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums Berlin Kategorie:Bibelhandschrift (4. Jahrhundert) Kategorie:Handschrift (5. Jahrhundert)