Sport ist ein Überbegriff, der zu Turnen, Wettkämpfen oder auch Übungen wie Laufen oder Werfen hinleitet. Die Ursprünge des Sports liegen im Altertum.

Das moderne sportliche Denken begann mit dem rationalen Denken der Renaissance.Arnd Krüger, John McClelland (Hrsg.): Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance. ( =Beiträge und Quellen zu Sport und Gesellschaft, Bd. 2). Arena, London 1984. Siehe aber beispielsweise Rudolf W. Keck (Hrsg.): „Homo ludens“ oder „Homo militans“. Zur Geschichte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Sportbetätigung. In: Max Liedtke (Hrsg.): Sport und Schule. Geschichte und Gegenwart (= Schriftenreihe zum Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen. Bd. 17). Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1998, ISBN 3-7815-0936-2, S. 55–88. Es wurden nun Leibesübungen wie zuvor schon in der Antike in der gesamten Breite praktiziert und erkundet.Werner Körbs: Vom Sinn der Leibesübungen zur Zeit der italienischen Renaissance. 2. Auflage. Hrsg.: Wolfgang Decker. [Nachdr. der Ausg.] Berlin 1938. Weidmann, Hildesheim 1988, ISBN 3-615-00037-4. Das moderne Denken zeigte sich in der Ausformulierung eines Regelwerkes, in der Anwendung der Naturwissenschaften und der Mathematik (vor allem der Geometrie) auf den Sport. Die Leibesübungen wurden zum Zwecke der Gesundheit, des Kriegshandwerks, der Selbstverteidigung oder einfach als Wettkampfsport betrieben.Arnd Krüger, John McClelland (Hrsg.): Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance. Arena, London 1984 John McClelland: Body and Mind: Sport in Europe from the Roman Empire to the Renaissance (Sport in the Global Society). Routledge, London 2007. Die umfangreichste Bibliographie noch immer bei Arnd Krüger, John McClelland: Ausgewählte Bibliographie zu Leibesübungen und Sport in der Renaissance. In: A. Krüger, J. McClelland (Hrsg.): Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance. Arena, London 1984, S. 132–180. Das sich wandelnde Verständnis des menschlichen Körpers zeigte sich auch im Tanz und weiteren Körperpraktiken.Jean-Claude Margolin, Jean Ceard, Marie-Madeleine Fontaine (Hrsg.): Le Corps à la Renaissance: actes du XXXe colloque de Tours 1987. Aux amateurs de livres, Paris 1990, ISBN 2-87841-022-X; John McClelland, Brian Merrilees (Hrsg.): Sport and culture in early modern Europe. Le sport et la civilisation de l'Europe pré-moderne. Centre for Reformation and Renaissance Studies, Toronto 2009, ISBN 978-0-7727-2052-8.

Begriff Der Begriff Sport entstand im 18. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich die spezifische Form der Leibesübungen im damaligen England. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff vermehrt für jegliche Bewegungs- und Wettkampfformen verwendet. So werden heute auch Formen der Leibesübungen, die vor dem 18. Jahrhundert entstanden sind, rückwirkend als „Sportarten“ bezeichnet, obwohl der damalige Zeitgenosse einen anderen Begriff dafür verwendete (z. B. Gymnastik, Leibesertüchtigung).

Sport in der Antike

Bereits in der griechischen Antike diente Sport der Steigerung der körperlichen Fitness zu militärischen Zwecken, wie sich insbesondere am Waffenlauf (Hoplitodromos) zeigte. Es gab nicht nur den aktiven, selbst betriebenen Sport, sondern auch das öffentliche Sportereignis für Zuschauer. Die olympischen Spiele der Antike waren das bedeutendste, aber nicht das einzige sportliche Großereignis. Bereits damals wurden im weitesten Sinne sportliche Wettkämpfe auch politisch genutzt. Die Darbietung zum Kanon der von der Bevölkerung erwarteten Daseinsfürsorge (Euergetismus). In der Römischen Republik diente die Finanzierung und Organisation, insbesondere von Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen, auch der Mobilisierung von Wählerstimmen. In der römischen Kaiserzeit kam es nicht mehr auf die Mobilisierung von Wählerstimmen an, sondern auf die Beschäftigung der städtischen Bevölkerung als Kompensation für fehlende politische Mitwirkungsmöglichkeiten (Panem et circenses).

Sport vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit Die bedeutendste Sportausübung des Hochmittelalters war das Turnier. Ursprünglich als Waffenübung der adligen Ritter wurde es immer stärker zum repräsentativen Spektakel. Sie wurden bis in die Frühe Neuzeit abgehalten.

Die Entstehung und Ausbreitung des modernen Sports im 18. und 19. Jahrhundert Sport wurde im 18. und 19. Jahrhundert als Begriff für eine spezifische Form der Leibesübungen verwendet, welche von England her nach Europa kam. Der Sport in seiner Urform zeichnete sich durch das Leistungs-, Konkurrenz- und Rekordprinzip aus.Julius Bohus: Sportgeschichte. 1986, S. 126. Dadurch grenzte er sich deutlich vom damals existierenden völkisch-national orientierten Turnen und anderen Formen der Leibesübungen wie der Schwedischen Gymnastik ab, da diesen die übergreifende Reglementierung und die Leistungsmessung fremd waren.

Der moderne Begriff Sport entlehnt sich dem spätlateinischen Wort disportare, was so viel heißt, wie „sich zerstreuen“. Das Wort fand über die französische Sprache (se de(s)porter) den Weg ins Englische (to disport) und ins Deutsche.Fritz Pieth: Sport in der Schweiz. 1979, S. 80. Der Sport hatte somit ursprünglich im Gegensatz zum Turnwesen keiner politischen Erziehung zu dienen, sondern war eine reine Freizeitgestaltung. In der Anfangszeit konnte sich der Sport insbesondere in den Public Schools und in den im 17. Jahrhundert entstandenen Clubs institutionalisieren. Dadurch war das Sporttreiben von einer Exklusivität geprägt und einer elitären Bürger- und Adelsschicht vorbehalten. Anfang des 20. Jahrhunderts wies der österreichische Sportschriftsteller Michelangelo von Zois darauf hin, dass man bis in die 1870er Jahre hinein, anders als in England, auf dem europäischen Kontinent unter Sport lediglich Pferderennen, die Jagd und Rudern verstanden habe:

In der Literatur wurde immer wieder auf den engen Zusammenhang zwischen der Industrialisierung und dem Sportwesen hingewiesen. So haben beide in England ihren Ausgang genommen, verliefen in ihrer Verbreitung mehr oder weniger parallel, und der Sport orientierte sich mit seinem Rekord-, Leistungs- und Konkurrenzprinzip an den gleichen Werten wie die Arbeitswelt. Zudem gab es in der Industrie wie auch im Sport eine Entwicklung zur Rationalisierung, Spezialisierung und Technisierung hin. Auch die marxistische Geschichtsforschung betont diesen engen Zusammenhang, wobei sie die exklusiven Sportclubs als Herrschaftssymbol und den Arbeiter- bzw. den Proletariersport als Disziplinierungsmaßnahme der Bourgeoisie erachtete.Allen Guttmann: Vom Ritual zum Rekord. 1979; vgl. Koller: Der Sport als Selbstzweck ist eines der traurigsten Kapitel der bürgerlichen Sportgeschichte. Wandel und Konstanten im Selbstverständnis des schweizerischen Arbeitersports (1922–1940).

Wie für die Industrielle Revolution bedurfte es auch für die Etablierung des Sports einer kulturellen Veränderung. So förderte die im Calvinismus und Puritanismus propagierte Heilserwartung den wirtschaftlichen Leistungsgedanken, den Kapitalismus und die Etablierung des Sportwesens.vgl. Jere Cohen: Protestantism and capitalism. 2002. Zudem sorgte die Wettleidenschaft der Engländer für eine Zunahme von sportlichen Wettkämpfen, indem adelige Herren für solche Anlässe das Patronat übernahmen (patronized Sport).

Mit zunehmender Freizeit der Arbeiter gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Sport vermehrt zur Freizeitbeschäftigung einer breiten Bevölkerungsschicht. Insbesondere die Arbeitgeber waren an einer Disziplinierung ihrer Arbeiter interessiert, weshalb sie oftmals Werkssportvereine gründeten.Christian Koller: Von den englischen Eliteschulen zum globalen Volkssport: Entstehung und Verbreitung des Fussballs bis zum Ersten Weltkrieg. 2006, S. 19f.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Sportarten reglementiert, und ein internationaler Wettkampfbetrieb mit Weltmeisterschaften entstand. 1896 wurden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit abgehalten. Daneben wurden neue Erfindungen wie das Fahrrad, das Automobil und das Flugzeug von ihren Pionieren „versportet“ und neue Sportspiele wie Basket- (1891) und Volleyball (1895) erfunden.Julius Bohus: Sportgeschichte. 1986, S. 130. Selbst traditionelle Bewegungstätigkeiten wie Schwimmen und Bergsteigen gelangten in den Popularitätssog des Sports, der nun über England hinaus auf die Welt griff. Dies führte auch zu verstärkten Spannungen zwischen den Turnern und Sportlern, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts andauerten. Die Sportclubs stiegen auf dem Kontinent zum größten Konkurrenten der Turner auf.Stefan Kern: Turnen für das Vaterland und die Gesundheit. 2009, S. 41–50.

Mit der zunehmenden Popularität verlor der Sport in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch auch seine politische Indifferenz. Die industrielle Gesellschaft war geprägt von sozialem Elend und der damit verbundenen Gefahr von physischen und psychischen Erkrankungen. Im Zuge der durch Charles Darwin begründeten Evolutionstheorie entstanden der Sozialdarwinismus und die damit zusammenhängende Angst vor einer Degeneration des „Volkskörpers“. In der Folge wurden etliche Forschungskreise zur „Volks- und Rassenhygiene“ gegründet (siehe Eugenik), welche die Körperertüchtigung unter dem Leitspruch „mens sana in corpore sano“ als Vorbeugemaßnahme gegen den Niedergang des Genmaterials des Volkes propagierten.Stefan Kern: Turnen für das Vaterland und die Gesundheit. 2009.

Die Verbreitung des Sports im 20. Jahrhundert Mit der Erfindung des Radios und der zunehmenden Kommerzialisierung (Entstehung von Profisport) erfreute sich der Sport in den Medien einer immer größeren Beliebtheit, so dass er auch im Schul-„Turnen“ Einzug hielt, nicht zuletzt auch, weil Politiker begannen, den Beitrag des Sports zur Wehrertüchtigung als gleichwertig zum Turnen zu betrachten. Bereits 1914 entschied der Deutsche Reichstag, dass nicht nur die Durchführung der Olympischen Spiele 1916 in Berlin eine zentrale Aufgabe des Reiches sei, sondern auch die Vorbereitung der Spitzensportler, die Besoldung der Nationaltrainer, Unterstützung der Olympischen Sportverbände. Die Diskussion im Reichstag ging nicht mehr um die Frage, ob der Spitzensport finanziell unterstützt werden dürfe, sondern nur noch um die Frage, ob dies wirklich eine Aufgabe des Zentralstaates oder nicht eher als Kulturförderung eine Aufgabe der Gliedstaaten sei. Theodor Lewald überzeugte den Reichstag mit der Analogie, dass Olympische Spiele das Gleiche wie Weltausstellung seien und ebenso behandelt werden müssten. Der Spitzensport war seit der Zeit im Reichsamt des Innern integriert.Arnd Krüger: The Olympic Spirit of the Modern World has given us a Symbol of World War. Sport and National Representation at the Eve of World War I. In: P. Arnaud, A. Wahl (Hrsg.): Sport et rélations internationales. (⇐ Centre de Recherche Histoire et Civilisation de l’Université de Metz, Bd. 19). Metz 1994, S. 47–64; Arnd Krüger: On the origin of the notion that sports serves as a means of national representation. In: History of European Ideas. 16 (1993), 4–6, S. 863–869.