mini|hochkant=1.2|Die Fechtmeister der Universität Heidelberg, um 1910. Fechtmeister ist die Bezeichnung für eine Person, die studentisches, szenisches oder historisches Fechten unterrichtet. Anderssprachige Bezeichnungen sind Maître d’Armes, Maestro di Scherma und Fencing Master.
Geschichte mini|Fechtunterricht am Collegium illustre in Tübingen 1606 mini|„Der fechtende Student“. Der Kupferstich von 1725 zeigt den Universitätsfechtboden der Universität Altdorf, der Fechtmeister (links) unterrichtet Studenten im Stoßfechten. mini|Fechtunterricht am Weimarer Gymnasium 1765 miniatur|„Las das Legieren bleiben.“ Fechtübungen Göttinger Studenten 1773. Der Berufsstand des Fechtmeisters hat in Deutschland eine lange Tradition. Ein bedeutender Fechtmeister des 14. Jahrhunderts war Johann Liechtenauer. Als Mitglied der Gesellschaft Johannes Liechtenauers wird für das 15. Jahrhundert der Fechtmeister Peter von Danzig (Dancksg) im Fechtbuch des Paulus Kal, einer Handschrift aus dem Jahr 1459, genannt.Anna Jungreithmayer: Peter von Danzig. In: Verfasserlexikon. Band VII, Sp. 432. 1487 erteilte Kaiser Friedrich III. den Meistern des Schwertes einen Privilegiumsbrief, der für das ganze Reich galt und nie außer Kraft gesetzt wurde. Der wichtigste Satz daraus lautet:
also dasz nu hinfür allenthalben in dem heiligen Reiche sich nyemand ein Meister des Swerts nennen Schul halten noch umb Gelt lernen sol – Er sey den zuvor von den Meistern des Swerts in seiner Kunst probirt und zugelassen.
Die Fechtlehrer gründeten bald eigene Vereinigungen, die gemeinsame Fechttechniken entwickelten. Die berühmtesten in Deutschland waren die Brüderschaft unserer lieben Jungfrau Marien und des Himmelsfürsten St. Marxen (auch St.-Markus-Brüder oder Marxbrüder genannt) sowie die Freifechter von der Feder zum Greifenfels (Federfechter).
Zu den wichtigsten Ausbildungsstätten in der Fechtkunst gehörten bis zum Zweiten Weltkrieg die Universitäten, die eigene Universitätsfechtmeister angestellt hatten und Universitätsfechtböden unterhielten. Neben diesen offiziellen Fechtmeistern der Universitäten gab es oftmals weitere, die nicht seitens der Universität privilegiert waren. Diese Fechtmeister wurden dann etwas abschätzig Winkelfechter genannt. Bis in das 17. Jahrhundert hatten auch die Handwerkerstände ihre Fechtmeister.
Das Erlernen der Fechtkunst wurde im Laufe der Zeit eine besondere universitäre Disziplin. Viele Universitäten beschäftigten neben Tanz- und Reitlehrern bald auch eigene Fechtmeister. So ist zum Beispiel im Jahre 1550 die Anstellung von Fechtlehrern in Jena belegt, für das Jahr 1560 in Rostock.G. Geilke: Die kleine studentische Fechtfibel. 18. Januar 2006, S. 15 ().
Fechten, Tanzen und Reiten bildeten an den Universitäten die exercitia (lateinisch „Übungen“), also die Vorläufer des heutigen Universitätssports. Sie galten als wichtige Ergänzung zu den studia, also den theoretischen Fächern.
Auch Goethe berichtet in seiner autobiographischen Schrift Dichtung und Wahrheit, dass er bereits als Schüler in Frankfurt am Main vor Aufnahme seines Studiums in Leipzig Fechtunterricht erhalten habe:
Zwei Fechtmeister befanden sich in der Stadt: ein älterer ernster Deutscher, der auf die strenge und tüchtige Weise zu Werke ging, und ein Franzose, der seinen Vorteil durch Avancieren und Retirieren, durch leichte flüchtige Stöße, welche stets mit einigen Ausrufungen begleitet waren, zu erreichen suchte. Die Meinungen, welche Art die beste sei, waren geteilt. Der kleinen Gesellschaft, mit welcher ich Stunde nehmen sollte, gab man den Franzosen, und wir gewöhnten uns bald, vorwärts und rückwärts zu gehen, auszufallen und uns zurückzuziehen, und dabei immer in die herkömmlichen Schreilaute auszubrechen. Mehrere von unsern Bekannten aber hatten sich zu dem deutschen Fechtmeister gewendet, und übten gerade das Gegenteil. Diese verschiedenen Arten, eine so wichtige Übung zu behandeln, die Überzeugung eines jeden, daß sein Meister der bessere sei, brachte wirklich eine Spaltung unter die jungen Leute, die ungefähr von einem Alter waren, und es fehlte wenig, so hätten die Fechtschulen ganz ernstliche Gefechte veranlaßt. Denn fast ward ebensosehr mit Worten gestritten als mit der Klinge gefochten, und um zuletzt der Sache ein Ende zu machen, ward ein Wettkampf zwischen beiden Meistern veranstaltet, dessen Erfolg ich nicht umständlich zu beschreiben brauche. Der Deutsche stand in seiner Positur wie eine Mauer, paßte auf seinen Vorteil, und wußte mit Battieren und Ligieren seinen Gegner ein über das andre Mal zu entwaffnen. Dieser behauptete, das sei nicht Raison, und fuhr mit seiner Beweglichkeit fort, den andern in Atem zu setzen. Auch brachte er dem Deutschen wohl einige Stöße bei, die ihn aber selbst, wenn es Ernst gewesen wäre, in die andre Welt geschickt hätten.
Im ganzen ward nichts entschieden noch gebessert, nur wendeten sich einige zu dem Landsmann, worunter ich auch gehörte. Allein ich hatte schon zu viel von dem ersten Meister angenommen, daher eine ziemliche Zeit darüber hinging, bis der neue mir es wieder abgewöhnen konnte, der überhaupt mit uns Renegaten weniger als mit seinen Urschülern zufrieden war. .
Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es an deutschen Universitäten berühmte Fechtlehrer-Dynastien, die über mehrere Generationen hinweg Studenten an verschiedenen Universitäten unterrichteten. Die bekanntesten waren Kreußler, Roux und Seemann-Kahne.
Fechtmeister an deutschen Universitäten Göttingen mini|Universitätsturnhalle (1903), auch als Universitätsfechtboden genutzt Erster Fechtmeister der Universität Göttingen war der Franzose Anton Sebert 1734.Silke Wagener: Pedelle, Mägde und Lakaien. Das Dienstpersonal an der Georg-Augusts-Universität Göttingen. Göttingen 1996, S. 70, ISBN 978-3-525-35848-1. Dieser wurde vorher im Zusammenhang mit Duellvergehen von der Universität Leipzig relegiert.Mario Todte: Fecht-, Reit- und Tanzmeister an der Universität Leipzig (Studien zur Kultur und Geschichte Bd. 1, herausgegeben von Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath), Bernstadt a. d. Eigen 2016, S. 22. ISBN 978-3-944104-12-6. Ihm folgte Krösewell. Erster langjähriger Fechtmeister der Georgia Augusta war Anton Friedrich Kahn. Die Fechtmeister der Universität Göttingen standen immer wieder auch im Wettbewerb mit bekannt gewordenen, nicht durch die Universität privilegierten Kollegen. Kahn verließ daher auch frustriert die Universität und wurde privilegierter Fechtmeister an der Universität Helmstedt, da man in Göttingen seine Privilegien nicht bereit war zu verteidigen.Arnd Krüger: Valentin Trichters Erben. Das Theorie-Praxis-Problem in den Leibesübungen an der Georg-August-Universität (1734 – 1987). In: H.-G. Schlotter (Hrsg.): Die Geschichte der Verfassung und der Fachbereiche der Georg-August-Universität Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, ISBN 3-525-35847-4, S. 284–294. So war zur Zeit des Universitätsfechtmeisters Hermann Christoph Both (1794–1818). Diesem wurde seitens der Studenten gerade um 1811 jedoch der Winkelfechter Ulrici vorgezogen. Winkelfechter wurden von den Universitätsbehörden stark bekämpft, die sich über die Privilegierung der Fechtmeister eine gewisse Kontrolle über das Fechtgeschehen erhofften. Der Göttinger Universitätsfechtboden befand sich Anfang des 19. Jahrhunderts an der Ecke von Hospitalstraße und Kurze Straße. Von 1818 bis 1845 übernahm mit Johann Christoph Kastropp gefolgt von seinem Sohn Christian Friedrich Kastropp (1846–1869) erstmals eine Fechtmeisterfamilie in Göttingen rund 50 Jahre das Fechtmeisteramt war. Der Universitätsfechtboden wurde während ihrer Zeit beim Universitätsreitstall an der Weender Straße abgehalten. Auf die Kastropps folgte für die Zeit von 1869 bis 1914 der sehr angesehene Universitätsfechtmeister Robert Grüneklee. Fünfzehn seiner Eleven wurden an deutschen Universitäten Fechtmeister. Auch er hielt den Fechtboden beim Reitstall ab, musste aber wegen der übermäßigen Nachfrage seitens der Studenten Ausweichböden bereitstellen. Aufgrund dieser Situation konnte Grüneklee die Universitätsleitung davon überzeugen, erstmals in der Geschichte der Universität eine eigene Universitätsfechthalle in der Geiststraße 4 zu errichten, die 1901 fertiggestellt und in Betrieb genommen wurdeWilhelm Henze: Das Fecht- und Duellwesen an der Universität Göttingen, 1734-1940. (Dissertation) Göttingen 1942. und heute ein Studentenwohnheim beherbergt. Unter seinem Nachfolger, dem berühmten Universitätsfechtmeister Friedrich Seemann-Kahne, der für die Göttinger Universität von 1914 bis 1945 tätig war, wurde auch die 1902/03 errichtete Universitäts-Turnhalle in der Geiststraße 6 zusätzlich als Fechtboden genutzt.Heute Kulturzentrum und Ballettschule: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fechtausbildung in Göttingen in das Institut für Leibesübungen (IfL) der Universität Göttingen eingegliedert und auf die Ausbildung im reinen Sportfechten eingeschränkt. Die Vorbereitung auf die Mensur wurde hingegen fortan den daran interessierten Studentenverbindungen überlassen, die fortan private Fechtlehrer beschäftigten. Der erste private Fechtmeister nach dem Zweiten Weltkrieg war bis 1961 Hans von Goldacker, der selbst seit seiner Zeit als Student den Corps Saxonia Göttingen und Pomerania Greifswald angehörte.Kösener Corpslisten 1996, 120, 702; 142, 844.Franz Stadtmüller: Geschichte des Corps Hannovera zu Göttingen 1809–1959. Göttingen 1963, S. 346 ff. Ihm folgte Peter Pieper.
Jena mini|Grabmal der Familie Kreußler in Jena