mini|Altes Rathaus/Palais mini|Wachwechsel der Garde vor dem Großherzoglichen Palast Der Großherzogliche Palast (Luxemburgisch: Groussherzogleche Palais, Französisch: Palais grand-ducal) in der Luxemburger Altstadt mit der Adresse 17 Rue Marché aux Herbes / am Krautmarkt, ist die Stadtresidenz der großherzoglichen Familie Luxemburgs.
Geschichte Der Gebäudekomplex, der heute als „Großherzoglicher Palast Luxemburgs“ bekannt ist, war nicht immer ein Palast. Die Burg Lucilinburhuc der Grafen von Luxemburg stand auf dem BockfelsenJerôme Konen, Romain Schaus, Jean-Louis Scheffen: Kasematten, Auf Spurensuche in der Festungsstadt Luxemburg. ISBN 978-9-99598-200-3. Kapitel: Von der Grafenburg zum Gibraltar des Nordens. Seite 16. Im Laufe der Geschichte verlagerte sich die Hofhaltung der Dynastie Luxemburgs mit Kaiser Karl IV. von Luxemburg bis Kaiser Sigismund von Luxemburg nach Prag. In dieser Zeit entstand 1408 der Neue Markt, der Krautmarkt, in der OberstadtZeitschrift Ons Stad 54/1997. Marie-Paule Jungblut: Der neue Markt, ein Ort des Alltags in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Auch digital verfügbar. Als das Haus Luxemburg 1437 im Mannesstamm ausstarb, wurde das Herzogtum Luxemburg von anderen Dynastien erobert und über Gouverneure beherrscht. Einer dieser Gouverneure, Graf Peter Ernst I. von Mansfeld, baute sich selbst Mitte des 16. Jahrhunderts einen Gouverneurspalast in der Stadt, der im 20. Jahrhundert als „Gerichtspalast Luxemburgs“Isabelle Yegels, Carlo Hommel, Claude Esch: Lëtzebuerg Alstad Vieille Ville. Editions Schortgen 2012. Seite 67. bekannt wurde und im 21. Jahrhundert zum Außenministerium renoviert und umgebaut wurde.
Ein Herzoglicher- oder Großherzoglicher Palast existierte bis 1890 nicht.Broschüre des LCTO Discover Luxembourg. Seite 32: Das Großherzogliche Palais. An der heutigen Stelle des Großherzoglichen Palais am Krautmarkt stand das Rathaus der Stadt und Häuser von Adligen und Schöffen, sowie seit dem 13. Jahrhundert eine Kirche, die Nicklauskirche, dort wo heute die gepflasterte Fußgänger- und Paradezone vor dem Großherzoglichen Palast und dem Parlamentsgebäude verläuft. mini|Das alte Rathaus der Stadt, heute der älteste Teil des Palastes. Illustration um 1834 1554 gab es in Kriegszeiten von Kaiser Karl V. gegen König Franz I. von Frankreich in dem Viertel eine Pulverexplosion, die viele Gebäude zerstörte, auch das mittelalterliche Rathaus.Jerôme Konen, Romain Schaus, Jean-Louis Scheffen: Kasematten, Auf Spurensuche in der Festungsstadt Luxemburg. ISBN 978-9-99598-200-3. Kapitel: Von der Grafenburg zum Gibraltar des Nordens. Gouverneur Graf Mansfeld ließ 1573 ein neues Renaissance-Rathaus bauen, das heute der älteste Gebäudeteil des Großherzoglichen Palastes ist.
1683 entstanden durch das Bombardement Ludwig XIV. von Frankreich Schäden am alten Rathaus, danach wurde es restauriert. Nebenan stand eine Herberge, die St. Nicklaus Herberge, an deren Stelle 1740 die Waage gebaut wurde, vor deren Tor heute die Großherzogliche Wache steht. mini|Der ehemalige Eingang zur Waage 1741 wurde am alten Rathaus das Balkongeländer aus Sandstein durch ein schmiedeeisernes Balkongeländer ersetzt. mini|Großherzoglicher Palast aus den verschiedenen alten Gebäudeteilen mini|Jeder offene Kamin im Palast hat einen eigenen, kunsthandwerklich gearbeiteten Schornstein 1778 gab es bauliche Veränderungen am Krautmarkt, die Nicklauskirche wurde unter der österreichischen Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia abgerissen,Zeitschrift Ons Stad 54/1997. Michel Schmitt: Die Sankt-Nikolaus Kirche am Neumarkt, Seite 2–3, Bild Seite 3. Auch digital verfügbar ein Belfried, ohne Glocken, wurde 1780 stattdessen gebaut. Heute gehört er zum Großherzoglichen Palast und auf seinem Dach ist die Luxemburger Fahne gehisst, wenn der Großherzog anwesend ist.
Von 1795 bis 1815 benutzte die französische Herrschaft über Luxemburg das alte Rathaus als Hauptquartier. Ab 1815 erhob der holländische König in seiner Eigenschaft als Besitzer Luxemburgs das Land zum Großherzogtum und König Wilhelm I. der Niederlande wurde der erste Großherzog Luxemburgs. Die Repräsentanten der niederländischen Könige benutzen das Gebäude für politische Zwecke und renovierten es 1883 im Inneren anlässlich des Staatsbesuches des König-Großherzogs Wilhelm III. und seiner Gemahlin.
1858 wurde auf den durch den Abriss der Kirche freigewordenen Platz das Parlamentsgebäude Luxemburgs, die Chambre, im Neogotischen Stil, direkt an den Turm angebaut.
Als 1890 Großherzog Adolph von Nassau-Weilburg das Land Luxemburg erbte, baute er den Großherzoglichen Palast auf eigene Kosten von innen und außen zu dem aus, was er heute repräsentiert. Altes Rathaus, Waage, Turm und ein angebauter Flügel wurden zum Großherzoglichen Palast. Er ließ die Renaissance-Ornamente der Fassade des alten Rathauses auch an die angrenzenden Gebäude der Waage und des Turmes im Neorenaissance-Stil anbringen, so dass sich heutzutage ein einheitliches architektonisches Bild ergibt.
Der belgische Architekt Gédéon Bordiau entwarf den hinteren Anbau des Palastes im Neorenaissance-Stil. Der ganze Gebäudekomplex war ausschließlich der Nutzung der Großherzoglichen Familie vorbehalten.
Im Zweiten Weltkrieg war die Großherzogliche Familie im Exil und die nationalsozialistischen Besatzer benutzten den Palast als Taverne und Konzerthalle. Dabei wurde ein Großteil der Möbel und Kunstgegenstände beschädigt oder zerstört. 1945 kehrte die Großherzogin Charlotte von Nassau-Weilburg aus dem Exil zurück und der Großherzogliche Hof zog in die Gebäude ein. Während der 1960er Jahre wurde der Palast neu eingerichtet und zwischen 1991 und 1996 wieder vollständig hergestellt.Jerôme Konen, Romain Schaus, Jean-Louis Scheffen: Kasematten, Auf Spurensuche in der Festungsstadt Luxemburg. ISBN 978-9-99598-200-3. Kapitel: Von der Grafenburg zum Gibraltar des Nordens. Seiten 17–41Michel Pauly: Geschichte Luxemburgs. ISBN 978-3-406-62225-0, Verlag C.H.Beck 2011. Kapitel 5 bis 13.Isabelle Yegels, Carlo Hommel, Claude Esch: Lëtzebuerg Alstad Vieille Ville. Editions Schortgen 2012. Seiten 95–101
Der Palast heute Als offizielle Residenz des Großherzoges wird der Palast bei der Ausübung offizieller Handlungen und Anlässe genutzt. Ausländische Staatsoberhäupter werden dort vom Großherzog empfangen. Zudem haben der Großherzog, seine Gemahlin sowie Angestellte ihre Büros dort. Architektur Isabelle Yegels, Carlo Hommel, Claude Esch: Lëtzebuerg Alstad Vieille Ville. Editions Schortgen 2012. Entstehung als Großherzoglicher Palast Der Gründervater der heutigen Luxemburger Dynastie, Großherzog Adolph von Nassau Weilburg, hat die verschiedenen Gebäude 1890 zum Großherzoglichen Palast gemacht.
Vorher jedoch war das älteste Haus des Großherzoglichen Palastes, das linke Gebäude mit den zwei Erkertürmen an der Vorderfront, das alte Rathaus der Stadt Luxemburg. Es wurde 1575 gebaut, nachdem das Vorgängergebäude abgebrannt war. Das Gebäude rechts vom alten Rathaus mit dem runden Torbogen, war die alte Waage aus dem 18. Jahrhundert. Das Renaissance-Rathaus der Stadt Luxemburg von 1575 Bauherr des Renaissance-Gebäudes war der damalige Gouverneur der Stadt Luxemburg, Graf Peter Ernst I. von Mansfeld. Er diente unter Karl V und Philipp II den habsburgischen spanischen Niederlanden, zu denen Luxemburg gehörte. Der Architekt des alten Rathauses ist unbekanntMarie-Paule Jungblut, Michel Pauly, Heinz Reif (Hrsg.): Luxemburg, eine Stadt in Europa. GERMAGZ-Verlag 2014, ISBN 978-3-9815545-3-3, Seiten 355–358. mini |Altes Rathaus um 1655Panoramabild von Antoine Fontaine und Frédéric Heurlier, 2006, Musée d’histoire de la ville de Luxembourg Graf Peter Ernst I. von Mansfeld stammt aus der Grafschaft Mansfeld in Ostdeutschland, Sachsen-Anhalt. Im nahen Umfeld seiner Heimat stand das Rathaus der Grafschaft Stolberg in Wernigerode, ein in der Mitte des 16. Jahrhunderts herausragendes Fachwerk-Rathaus, das ihm bekannt war. Die Ähnlichkeit des alten Luxemburger Rathauses mit dem Rathaus Wernigerode aus Mansfelds Heimat ist deutlich erkennbar. Beide haben ein schmales, hohes Walmdach und zwei Erkertürme, die in Luxemburg nach außen verschoben sind. Während die Erkertürme in Wernigerode noch im gotischen Stil hoch über das Dach aufragend gebaut sind, entsprechen die Erkertürme in Luxemburg dem Geschmack der Renaissance. Die Turmhelme beginnen mit der Dachkante und waren ursprünglich noch kürzer als heute.
Das alte Luxemburger Rathaus wurde fälschlicherweise oft als „flämische Renaissance“ bezeichnet, weil Luxemburg in dieser Zeit zu den spanischen Niederlanden gehörteMichel Pauly: Geschichte Luxemburgs. ISBN 978-3-406-62225-0, Verlag C.H.Beck 2011. Kapitel 10, Seiten 52–55.. Im Vergleich mit den flämischen Rathäusern aus dieser Zeit ist das Luxemburger Rathaus eindeutig anders. Das Rathaus von Antwerpen wurde im Baustil der flämischen Renaissance 1565, nur zehn Jahre vor dem Luxemburger Rathaus, gebaut. Am ältesten Gebäude des Großherzoglichen Palastes von Luxemburg fehlt jedoch das Hauptmerkmal der flämischen Renaissance und der Renaissance-Rathäuser überhaupt: der Giebel. Es gibt weder den in den spanischen Niederlanden üblichen Staffelgiebel noch den in der Renaissance verbreiteten Volutengiebel am alten Rathaus von Luxemburg. Stattdessen ist ein Walmdach ohne Giebel gebaut worden, wie am Rathaus von Wernigerode.
In Mansfelds Heimatgebiet wurden in der Renaissance Fachwerkhäuser mit Schnitzereien auf dem Gefach unter den Fenstern und auf den Fensterstielen Mode. Die Luxemburger Steinmetzarbeiten unter und neben den Fenstern erinnern stark daran. In den spanischen Niederlanden dagegen gibt es um 1570 keine vergleichbar, mit Flachreliefs oder Schnitzereien, verzierten Gebäude. Vielmehr standen die baulichen Vorbilder im Umfeld der Grafschaft Mansfeld und im Harz. mini|Steinrelief über dem Balkon am alten Rathaus Nach der Pulverexplosion in der Stadt Luxemburg 1554, durch die viele Häuser abbrannten, war es nicht mehr erlaubt, in Holz und Fachwerk zu bauen. Nur brandsichere Steinhäuser mit Schieferdächern durften erstellt werdenJerôme Konen, Romain Schaus, Jean-Louis Scheffen: Kasematten, Auf Spurensuche in der Festungsstadt Luxemburg. ISBN 978-9-99598-200-3. Kapitel: Von der Grafenburg zum Gibraltar des Nordens. Seiten 17–41. Das galt auch für den geplanten Neubau des Rathauses. Fachwerkbau war nicht möglich, dennoch erinnert die Fassade des alten Luxemburger Rathauses von der Nähe betrachtet an ein aufwendig mit Schnitzereien verziertes Renaissance-Fachwerkhaus wie das in der Burgstraße 12 Hannover (1566).
Vergleichbare Rathäuser für das Luxemburger alte Rathaus sind die Fachwerk-Rathäuser aus des „steinreichen“ Grafen Mansfelds Heimat, das von Wernigerode (1544), das Alte Rathaus Einbeck (1562) und das Rathaus Duderstadt (16. Jahrhundert) oder auch die Rathäuser aus dem hessischen Alsfeld (1516) und Melsungen (nach 1554), sowie das geschnitzte Renaissance-Fachwerkhaus in der Burgstraße 12 Hannover.Fachwerkschnitzereien, Kreativportal Calvendo. Abgerufen am 7. Februar 2016
Die Muster am alten Rathaus, dem ältesten Gebäude des Großherzoglichen Palastes mini|Blütenornamente am alten Rathaus Ein weiteres Missverständnis, das sich durch zahlreiche Reiseführer über das Luxemburger Rathaus, bzw. den Großherzoglichen Palast (Palais) hinzieht, ist die Behauptung, die Verzierungen im Sandstein des alten Luxemburger Rathauses seien „maurische Arabesken“, an der Alhambra inspiriertMarkus Stölb: Luxembourg City. Editions Guy Binsfeld, 2008. Seite 19. Fehler: "[...] weshalb die Fassade spanisch-maurische Elemente aufweist.".