Die Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller ist eine farbentragende, pflichtschlagende Studentenverbindung in Jena. Die Burschenschaft steht in direkter Nachfolge der am 12. Juni 1815 gegründeten Jenaer Urburschenschaft.
Couleur und Wahlspruch hochkant|mini|Bernhard Schmidt Das Band der Arminia hat die Farben Schwarz-Rot-Gold (von unten gelesen) mit goldener Perkussion. Als Kopfbedeckung wird eine dunkelrote Studentenmütze getragen. Ihr Wahlspruch lautet: Ehre, Freiheit, Vaterland! Geschichte
Gründungszeit Die 1815 entstandene Jenaische Burschenschaft trennte sich am 28. Januar 1840 endgültig in die Burschenschaft auf dem Fürstenkeller und die Burschenschaft auf dem Burgkeller.Emil Anhalt: Die Trennung der Jenaer Burschenschaft im Januar 1840: Erinnerungen eines alten Burschenschafters. In: Georg Heer: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung. Band 14, Heidelberg 1935, S. 213–228. Erstere nahm später den Namen Germania an. Letztere ergänzte 1859 ihren Namen zu Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. Der Name auf dem Burgkeller bezieht sich auf das im Zweiten Weltkrieg zerstörte alte Gasthaus Burgkeller, das die Burschenschaft zunächst als Konstante für ihre Kneipen und später als Korporationshaus nutzte. Daher wird sie allgemein auch als Burgkellerburschenschaft bezeichnet.hochkant|mini|Burgkeller (1900) Am 22. Juni 1870 gründete die Arminia gemeinsam mit den Jenenser Burschenschaften Germania und Teutonia den Jenenser Deputierten-Convent. 1881Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 71. war die Arminia Gründungsmitglied des Allgemeinen Deputierten Conventes, der späteren Deutschen Burschenschaft (DB).
Als der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck am 30/31. Juli 1892 Jena besuchte, huldigten ihm die Korporationen. Vor dem Gasthaus Burgkeller hatten sich die Arminen, die Chargierten im vollen Wichs, aufgestellt. Als Bismarcks Kutsche auf Veranlassung des Oberbürgermeisters Gottlob Heinrich Singer vor dem Burgkeller hielt, der mit dem Schild „Heil dem Helden, der kühn uns erstritten/Wofür unsre Väter gekämpft und gelitten“ geschmückt war, begrüßte der damalige Kneipwart, stud. iur. Hans Axt (1873–1929), den Kanzler mit den Worten: „Was unsere Väter und Vorväter in unserem Bunde erstrebt haben, das haben Sie uns erstritten und errungen. Seien Sie dafür bedankt. Wir bieten Ihnen als Labetrunk die ‚Blume des Elstertales‘“ und reichte ihm einen 3½ Liter fassenden Krug mit Bier, der noch heute im Besitz Arminias ist. Bismarck entgegnete:„Meine Herren, ich trinke Ihnen gerne zu, doch nicht aus. Ich wünsche der Burschenschaft ein fröhliches Gedeihen. Sie hat eine Vorahnung gehabt, doch zu früh. Schließlich haben Sie doch Recht bekommen! Prosit, meine Herren!“Später am Tag stieg ein Festkommers auf dem Marktplatz mit etwa 8000 Teilnehmern zu Ehren und in Anwesenheit Bismarcks, bei dem die Korporationen, darunter Arminia, chargierten. Dabei betonte Bismarck in seiner Rede, als Student eher burschenschaftlich, denn landsmannschaftlich (d. h. corpsstudentisch) empfunden zu haben. Nur „rein äußerliche Umstände“ seien es gewesen, die ihn vor der Eventualität bewährt hätten, „in die späteren Gefahren der burschenschaftlichen Thätigkeit verflochten“ zu werden.Peter Kaupp: Das Jahr 1815 ist ... unser beiderseitiges Geburtsjahr. Bismarck, Jena und die Burschenschaft. In: Harald Lönnecker (Hrsg.): "Deutschland immer gedient zu haben ist unser höchstes Lob!" Zweihundert Jahre Deutsche Burschenschaften - Eine Festschrift zur 200. Wiederkehr des Gründungstages der Burschenschaft am 12. Juni 1815 in Jena (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung, Bd. 21), ISBN 978-3-8253-6471-7, S. 781–844.
1893 kaufte die Arminia das Gasthaus Burgkeller.
Die Zeit der zwei Weltkriege mini|Die Arminia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915) Am Ersten Weltkrieg nahmen 325 Arminen teil, von denen 65 fielen. Im Wintersemester 1930/31 bestand die Verbindung aus 429 Alten Herren und 163 Mitgliedern der Aktivitas.
1921 erschien die erste Ausgabe der Burgkeller-Zeitung. Die letzte Ausgabe wurde 1935/36 veröffentlicht, eine Fortsetzung ab 1953.
Im Zuge der Gleichschaltung sämtlicher studentischen Organisationen wurde die Burschenschaft aufgelöst. Vom Wintersemester 1937/38 an wurde der Aktivenbetrieb als Kameradschaft Menzel des NSDStB weitergeführt, ab März 1940 als Kameradschaft Lützow. Im Zweiten Weltkrieg fielen 102 Mitglieder und das Verbindungshaus, der Burgkeller, wurde bei einem der Luftangriffe auf Jena im März 1945 schwer beschädigt.
Nachkriegszeit hochkant|mini|Grüne Tanne Während des Bestehens der kommunistischen Deutschen Demokratischen Republik auf dem Territorium Mitteldeutschlands, in der studentische Korporationen verboten waren, war der Sitz der Verbindung in Mainz, nachdem die Altherrenschaft der Arminia und die in Mainz 1949 gegründete Burschenschaft Moguntia 1950 zur Burschenschaft Arminia-Jena zu Mainz fusioniert waren.Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 291–292, 289–290. 1950 war die Arminia an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft beteiligt. 1956 wurde in Mainz ein eigenes Verbindungshaus (Ritterstraße 6) bezogen. 1966 leitete die Arminia den Burschentag der Deutschen Burschenschaft.
Seit 1990 Nach der Deutschen Wiedervereinigung kehrte die Arminia 1990 in ihre Heimat zurück. Seit der Rückkehr nach Jena dient der Arminia das Gasthaus Grüne Tanne, der Gründungsort der Urburschenschaft, als Korporationshaus.Peter Krause: O alte Burschenherrlichkeit. Die Studenten und ihr Brauchtum, 5. Auflage. Graz, Wien, Köln 1997, S. 162. 1991 trat Arminia aus dem Roten Verband aus.Arminia- a.d.B. -Jena nicht mehr im RV. In: Burschenschaftliche Blätter, 106. Jg. (1991), H. 3, S. 75.
Die Arminia verließ die DB im Jahr 2008. Seit dem 3. November 2012 gehört sie wieder dem Roten Verband an und steht seither mit Alemannia Bonn, Brunsviga Göttingen, Bubenruthia Erlangen, Arminia Marburg, der Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster und Obotritia Berlin im Kartellverhältnis.
Seit dem 30. September 2016 gehört sie mit der Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft wieder einem Korporationsverband an. Der Bund steht zur Pflichtmensur.
Mainzer Burschenschaft Arminia Am 3. Oktober 1992 gründete sich aus den Reihen der grade nach Jena zurückgekehrten Arminia die Mainzer Burschenschaft Arminia (Farben Schwarz-Rot-Gold von unten gelesen; schwarze Mütze) der man fünf Unterstützungsburschen sowie einen Gründungsstamm an Alten Herren zur Verfügung stellte.Burkhard Schückes: Burschenschaft Arminia-Mainz gegründet. In: Burschenschaftliche Blätter, 109. Jg. (1994), H. 1, S. 28. Die neue Burschenschaft bezog im April 1993 ein angemietetes Verbindungshaus in der Friedensstraße 27 in Mainz-Gonsenheim.Dirk Hollstein: Burschenschaft Arminia-Mainz bezieht Verbindungshaus. In: Burschenschaftliche Blätter, 109. Jg. (1994), H. 1, S. 28. Am 1. Juni 2000 verlieh die Mainzer Burschenschaft Arminia ihr Ehrenband an den Ministerpräsidenten Thüringens, Bernhard Vogel (CDU), der dem Bund seitdem als Ehrenmitglied angehörte.Wolfgang Gäbler: „Wo Burschenschaft verboten ist, herrscht Unfreiheit!“ – Nachruf auf Bernhard Vogel. In: Burschenschaftliche Blätter, 140. Jg. (2025), H. 4, S. 189.
Im April 2015 ging die Mainzer Burschenschaft Arminia nach längerer Vertagung wieder in der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller auf. Alte Burschenschaft Burgkeller Jena in der DB Nach dem Austritt aus der DB spalteten sich 14 Mitglieder der Arminia am 13. Juni 2008 als Alte Burgkellerburschenschaft zu Jena ab. Diese beansprucht ebenfalls das Stiftungsdatum 12. Juni 1815, sieht sich als Fortführung der Urburschenschaft und wurde zum Burschentag 2009 in die DB aufgenommen. Ein Namensstreit um die Bezeichnung „Burgkellerburschenschaft“ wurde zwischen den beiden Verbindungen gerichtlich ausgetragen. Im Ergebnis hat sich die Neugründung in Alte Burschenschaft Burgkeller Jena in der DB umbenannt und verpflichtet, nicht die Kurzform Burgkellerburschenschaft zu gebrauchen. Das Band der Burschenschaft hat die Farben Schwarz-Rot (von unten gelesen) mit goldener Perkussion. Als Kopfbedeckung wird eine schwarze Studentenmütze getragen. Ihr Wahlspruch lautet: Ehre, Freiheit, Vaterland. Die Alte Burschenschaft Burgkeller in der DB führt das 1997 begründete und 2008 beendete Freundschaftsverhältnis der Arminia mit der Leipziger Burschenschaft Germania fort. Sie unterhält eine Konstante in der Fromannstraße 6 in Jena und gehört dem Waffenring Halle-Leipzig an. Sie wird der rechtsextremen Szene der Stadt zugeordnet und unterhielt Verbindungen zum Institut für Staatspolitik.
Bekannte Mitglieder
Siehe auch Liste der Studentenverbindungen in Jena Liste der Burschenschaften
Literatur Hermann Zeiß: Geschichte der alten Jenaischen Burschenschaft und der Burgkeller-Burschenschaft, seit 1859 Arminia a. d. B., Jena 1903. Rudolf Hanow: Geschichte der Burgkellerburschenschaft Arminia auf dem Burgkeller während der Jahre 1859–1932, Hildesheim 1933. Hans Volquartz: Die Insignien der Jenaischen Burschenschaft und ihre Geschichte 1815–1965, Bochum-Langendreer 1965. Peter Kaupp und Reinhard Stegmann: 150 Jahre Burschenschaft auf dem Burgkeller, Festschrift zur 150. Wiederkehr der Gründung der Burschenschaft in Jena, Bochum-Langendreer 1965. Peter Kaupp: Von Aldenhoven bis Zittler, Mitglieder der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller-Jena, die in den letzten 100 Jahren im öffentlichen Leben hervorgetreten sind, Dieburg 2000. Alfred Thullen: Der Burgkeller zu Jena und die Burschenschaft auf dem Burgkeller von 1933–1945, Heidenheim a.d.B. 2002. ISBN 3-933892-49-X. Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 230–231. Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1053–1054.
Weblinks
Website der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Sammlung von Fotografien aus dem Leben der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller
Einzelnachweise
Arminia auf dem Burgkeller Jena Kategorie:Studentenverbindung (Jena) Kategorie:Vereinsgründung 1840