Wolfram Lindner (* 26. Februar 1941 in Lauenhain bei Mittweida; † 17. Februar 2010 in Berlin) war ein deutscher Radsporttrainer.

Leben In seiner Kindheit litt Wolfram Lindner an Kinderlähmung. Diese Erkrankung stand auch nach der Heilung seinen sportlichen Ambitionen entgegen, also entschied er sich für den Trainerberuf. Zuvor hatte er 1959 das Abitur in Hainichen abgelegt. Danach war er im Referat Volksbildung beim Rat der Stadt Hainichen beruflich tätig. Parallel begann er ehrenamtliche Arbeiten als Übungsleiter und Funktionär im Radsport. 1963 wurde er in die Jugendkommission des Deutschen Radsportverbandes der DDR berufen.

Er war Gründungsmitglied der Sektion Radsport der „BSG Motor Hainichen“ und zugleich Vorsitzender dieser Sektion von 1959 an.Hainichen.de: "Die Stadt Hainichen trauert um Wolfram Lindner" abgerufen am 18. Februar 2010 Nach ehrenamtlicher Tätigkeit als Funktionär und Übungsleiter bei der BSG Mittweida arbeitete er vom 1. Januar 1970 bis 1990 als DDR-Nationaltrainer und führte Bernd Drogan, Uwe Raab und Uwe Ampler zum Weltmeister-Titel bei den Amateuren, sowie Olaf Ludwig 1988 zum Olympiasieg im Straßeneinzelrennen. (Zwischenzeitlich wurde er von Klaus Ampler in der Funktion abgelöst, im März 1979 wieder in das Amt eingesetzt). Bereits sein erster Einsatz als Nationaltrainer war von Erfolg gekrönt, sein Fahrer Axel Peschel gewann die Algerien-Rundfahrt 1970.

Außerdem holte der von ihm trainierte Straßenvierer mehrere WM-Titel und den Olympiasieg 1988. Insgesamt fuhren die von Lindner trainierten DDR-Fahrer bei Veranstaltungen außerhalb der DDR 1119 Siege bei Einzelrennen und 109 bei Rundfahrten ein.

Nach der Wiedervereinigung arbeitete Lindner für den Bund Deutscher Radfahrer, ehe er 1992 als Nationaltrainer in die Schweiz wechselte. Er formierte Profis wie Oscar Camenzind, Mauro Gianetti, Laurent Dufaux, Rolf Järmann, Tony Rominger, Alex Zülle, Beat Zberg und Markus Zberg und andere zu einer Mannschaft. In Lindners Laufbahn als Sportlicher Leiter der Schweizer Berufsfahrer fiel der Olympiasieg von Pascal Richard im Straßenrennen in Atlanta 1996, der Gewinn der Weltmeisterschaft von Alex Zülle im Einzelzeitfahren in Lugano 1996, der Gewinn der Weltmeisterschaft von Oscar Camenzind im Straßenrennen in Valkenburg 1998, sowie viele weitere Medaillen in internationalen Titelkämpfen. Als Nationaltrainer der DDR und der Schweiz holten seine Fahrer insgesamt 23 Medaillen, darunter drei Olympiasiege und sechs WM-Titel.

Von 2000 bis 2003 leitete Lindner das Team Coast und dessen Nachfolger Team Bianchi.„Radsport trauert um Erfolgstrainer Lindner“, Handelsblatt vom 17. Februar 2010

Ab März 2005 trainierte er die Nationalmannschaft des Iran und erreichte mit ihr die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.Radsport-News vom 3. Februar 2005 Im April desselben Jahres beendete Lindner seine Trainerlaufbahn. Er gilt neben Chris Carmichael als einer der erfolgreichsten Trainer im Straßenradsport.

Zusammen mit der Firma Körber in Gundelfingen entwickelte Lindner ein Verfahren zur Fahrradrahmenvermessung mittels Lasertechnik. Sein mehrfach neu aufgelegtes Buch Radsporttraining ist eines der bekanntesten Werke in diesem Bereich.

Ihm zu Ehren wird jährlich das Wolfram-Lindner-Gedächtnisrennen in Hainichen ausgetragen, in Anlehnung an die Hainichener Rundstreckenrennen des Internationalen Barkas-Preises zwischen 1960 und 1979.In Hainichen hat Radsport eine große Tradition | Blick - Mittelsachsen, abgerufen am 6. August 2022.

Laufbahn DDR-Nationaltrainer (1970–1990) BRD-Nationaltrainer (1990–1992) (zusammen mit Peter Weibel) Schweizer Nationaltrainer (1992–2000) Sportlicher Leiter Team Coast/Team Bianchi (2000–2003) Trainer der iranischen Radnationalmannschaft (2005–2008)

Wichtigste Erfolge Falk Boden, Bernd Drogan, Mario Kummer, Olaf Ludwig: Weltmeister Mannschaftszeitfahren (100 km), 1981 Bernd Drogan: Weltmeister Amateure Straße, 1982 Uwe Raab: Weltmeister Amateure Straße, 1983 Uwe Ampler: Weltmeister Amateure Straße, 1986 Olaf Ludwig: Olympiasieger Straße, 1988 Uwe Ampler, Mario Kummer, Maik Landsmann, Jan Schur: Olympiasieger Mannschaftszeitfahren (100 km), 1988 Pascal Richard: Olympiasieger Straße, 1996 Alex Zülle: Weltmeister Einzelzeitfahren, 1996 Oscar Camenzind: Weltmeister Straße, 1998

Publikation Erfolgreiches Radsporttraining. Vom Amateur zum Profi. München 1994, ISBN 978-3-405-14416-6. aktueller Titel: Radsporttraining: Methodische Erkenntnisse. Trainingsgestaltung. Leistungsdiagnostik. München 2005, 5., überarbeitete Auflage (Neuausgabe), ISBN 978-3-405-16964-0.

Siehe auch DDR-Rundfahrt 1974#Anmerkungen

Literatur Klaus Ullrich: Momentaufnahmen. Zeitzeugen zum DDR-Sport befragt von Klaus Ullrich., Sportverlag Berlin, Berlin, 1989, S. 157

Quellen Autorenporträt, in: Wolfram Lindner: Radsporttraining: Methodische Erkenntnisse. Trainingsgestaltung. Leistungsdiagnostik. München 2005; S. 234. Berthold Neumann: Deutsche Rad-Asse trauern um Wolfram Lindner. In: Sächsische Zeitung, 18. Februar 2010 Nach 23 Olympia- und WM-Medaillen: Trainer Lindner setzt sich zur Ruhe, in: www.radsport-news.com

Einzelnachweise

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