Der Große Preis von Deutschland 1969 (offiziell XXXI Großer Preis von Deutschland) fand am 3. August auf dem Nürburgring in Nürburg statt und war das siebte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1969.

Berichte Hintergrund miniatur|links|hochkant=1.3|Jackie Stewart im Matra MS80 miniatur|links|hochkant=1.3|Bruce McLaren im McLaren M7C miniatur|links|hochkant=1.3|Gerhard Mitter im BMW 269, wenige Minuten vor dem tödlichen Unfall Wegen der geringen Teilnehmerzahlen bei einigen der vorangegangenen Rennen dieser Saison entschlossen sich die Veranstalter des Großen Preises von Deutschland, ein gemeinsames Rennen für Formel-1- und Formel-2-Rennwagen auszurichten. Dies war bereits in einigen Jahren zuvor praktiziert worden, damit für die Zuschauer an der 22,8 km langen Rennstrecke, auf der lediglich 14 Runden gefahren wurden, keine allzu langen Pausen entstanden, bis das Feld der fast gleich starken Wagen wieder herankam, und mehr Fahrzeuge zu sehen waren. Die Formel-2-Fahrer gingen zwar in die offizielle Wertung mit ein, konnten allerdings weder für sich, noch für das jeweilige Team, Weltmeisterschaftspunkte holen.

Als das Formel-1-Team von Ferrari kurzfristig seine Teilnahme am Rennen absagte, erwies sich die Maßnahme umso mehr als eine sinnvolle Entscheidung.

Die Teilnehmerliste der Formel-1-Wagen entsprach, abgesehen von der Nichtteilnahme Ferraris, weitestgehend der des letzten Rennens in Großbritannien zwei Wochen vorher. Jack Brabham, bislang Stammfahrer seines Teams, musste weiterhin verletzungsbedingt pausieren. Mario Andretti ergänzte anstelle von John Miles das Lotus-Werksteam und fuhr den in der Erprobung befindlichen Allradwagen Lotus 63.

Joakim Bonnier bestritt seinen 100. Grand Prix. Er war nach Graham Hill und Brabham der dritte Fahrer, der diese Anzahl an Starts aufweisen konnte.

In der Fahrerwertung führte Jackie Stewart mit 28 Punkten vor Bruce McLaren und mit 29 Punkten vor Hill. In der Konstrukteurswertung führte Matra mit 20 Punkten vor Lotus und mit 25 Punkten vor McLaren.

Mit John Surtees (zweimal), Stewart, Hill und Bonnier (jeweils einmal) traten vier ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Am ersten Trainingstag verunglückte Gerhard Mitter, einer der zwölf gemeldeten Teilnehmer der Formel 2, im Bereich des Streckenabschnittes „Flugplatz“ tödlich. Seine Teamkollegen Hubert Hahne und Dieter Quester sowie sein enger Freund Hans Herrmann verzichteten daraufhin auf den Start, sodass letztlich acht Formel-2-Wagen das aus 14 Fahrzeugen bestehende Formel-1-Feld ergänzten.

Brabham-Pilot Jacky Ickx sicherte sich die Pole-Position vor Stewart im Matra MS80. Jochen Rindt komplettierte mit dem Lotus 49 eine aus drei unterschiedlichen Fahrzeugen bestehende erste Startreihe. Die aus zwei Wagen bestehende zweite Reihe teilten sich Jo Siffert und Denis Hulme. Der amtierende Weltmeister Hill erreichte Startplatz neun, Mario Andretti fuhr mit dem allradgetriebenen Lotus nur die zwölftbeste Trainingszeit.

Rennen Surtees trat vom Start zurück, da er seinen BRM P139 wegen Problemen mit der Radaufhängung auf der damals noch durch mehrere kleine Sprungkuppen und Bodenwellen gekennzeichneten Nürburgring-Nordschleife als zu unsicher empfand.

Nach einem relativ schlechten Start wurde Ickx auf den ersten Metern von Stewart, Siffert, Rindt und fünf weiteren Konkurrenten überholt.

In der ersten Runde unterschätzte Andretti an einer der Sprungkuppen das Gewicht seines vollgetankten Lotus 63 und verunfallte, blieb dabei aber unverletzt. Wenige Augenblicke später erkannte Vic Elford zu spät ein auf der Strecke liegendes Rad, das von Andrettis Lotus abgerissen war, und kollidierte damit. Sein Wagen hob ab, überschlug sich und landete rücklings zwischen den Bäumen und Sträuchern am Streckenrand. Elford behielt zwar das Bewusstsein, konnte sich jedoch nicht selbstständig befreien. Er hörte, dass sich die Benzinpumpe seines vollgetankten Rennwagens nicht automatisch abgeschaltet hatte und befürchtete daher eine Explosion. Andretti eilte sofort zu Hilfe, schaltete die Pumpe aus und befreite Elford, der mit einem dreifach gebrochenen Arm vergleichsweise glimpflich davonkam.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 145–146

Innerhalb von zwei Runden kämpfte sich Ickx zurück auf Platz zwei hinter Stewart, wo er sich die folgenden vier Runden hielt, bis er ihn schließlich in der siebten Runde überholte. Zunächst konnte Stewart das Tempo des nun Führenden halten, fiel jedoch bald mit Getriebeproblemen zurück, sodass Ickx am Ende mit einem Vorsprung von nahezu einer Minute vor Stewart gewann. McLaren erreichte Rang drei und hatte dabei seinerseits rund zweieinhalb Minuten Rückstand auf den Zweiten. Hill kam rund vier Minuten nach dem Sieger als Viertplatzierter ins Ziel.

Meldelisten Formel 1 Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Lotus 49B Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 3 Lotus 63 6 Brabham BT26A 7 Matra MS84Stewart fuhr den Matra MS84 nur im Training. 7 Matra MS80 8 9 McLaren M7A 10 McLaren M7C 11 Lotus 49B Antique Automobiles 12 McLaren M7B 14 BRM P139 BRM P142 3.0 V12 15 BRM P138 Ecurie Bonnier 16 Lotus 49B Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 Brabham BT26A Anmerkungen

Formel 2 Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen Ahrens Racing Team 20 Brabham BT30 Ford Cosworth FVA 1.6 L4 Roy Winkelmann Racing 21 Lotus 59B 22 23 BMW 269 BMW M12/1 1.6 L4 24 25 26 Matra MS7 Ford Cosworth FVA 1.6 L4 27 28 Tecno TF69 29 Brabham BT30 Squadra Tartaruga 30 Brabham BT23C Felday Engineering Ltd. 31 Brabham BT30

Klassifikationen Qualifikation Formel 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 7:42,1 177,897 km/h 1 2 7:42,4 177,781 km/h 2 3 7:48,0 175,654 km/h 3 4 7:50,3 174,795 km/h 4 5 7:52,8 173,871 km/h 5 6 7:54,8 173,138 km/h 6 7 7:56,1 172,665 km/h 7 8 7:56,5 172,520 km/h 8 9 7:57,0 172,340 km/h 9 10 8:00,3 171,156 km/h 10 11 8:12,1 167,051 km/h 11 12 8:15,4 165,939 km/h 15 13 8:16,2 165,671 km/h 16 14 8:35,0 159,623 km/h 21

Qualifikation Formel 2 Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 8:11,1 167,392 km/h 12 2 8:13,9 166,443 km/h 14 3 8:14,8 166,140 km/h 13 4 8:19,5 164,577 km/h DNS 5 8:20,0 164,412 km/h 17 6 8:23,2 163,366 km/h 18 7 8:24,6 162,913 km/h 19 8 8:26,8 162,206 km/h DNS 9 8:28,1 161,791 km/h 20 10 8:35,4 159,499 km/h 22 11 8:36,5 159,160 km/h DNS 12 8:50,3 155,018 km/h DNS

Rennen Pos. Kat. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 F1 14 0 1:49:55,4 1 7:43,8 (7.) 2 F1 14 0 + 57,7 2 7:45,9 (6.) 3 F1 14 0 + 3:21,6 8 7:56,6 (5.) 4 F1 14 0 + 3:58,8 9 7:56,3 (5.) 5 F2 14 0 + 7:11,0 13 6 F2 13 0 + 1 Runde 19 7 F2 13 0 + 1 Runde 18 8 F2 13 0 + 1 Runde 20 9 F2 13 0 + 1 Runde 17 10 F2 13 0 + 1 Runde 22 11 F1 12 0 DNF 4 7:54,0 (3.) 12 F1 12 0 DNF 10 7:59,2 (4.) – F1 11 0 DNF 5 7:57,5 (4.) – F1 11 0 DNF 16 8:12,5 (5.) – F1 10 1 DNF 3 7:55,1 (2.) – F2 9 0 DNF 14 – F2 6 0 DNF 12 – F1 4 0 DNF 21 8:31,2 (3.) – F1 1 0 DNF 7 8:22,0 (1.) – F1 0 0 DNF 15 – – F1 0 0 DNF 6 – DNS F1 Surtees startete wegen Bedenken seiner Radaufhängung nicht zum Rennent. – – – 11 – Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten fünf Ergebnisse der ersten sechs und die besten vier der letzten fünf Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Matra-Ford 51 2 Brabham-Ford22 3 McLaren-Ford21 4 Lotus-Ford19 5 Lotus-Ford15 6 Matra-Ford 12 7 McLaren-Ford11 8 Brabham-Ford8 9 Ferrari4 10 Lotus-Ford3 11 Lotus-Ford3 12 McLaren-Ford / Cooper-Maserati3 13 B.R.M.2 14 Brabham-Ford1 15 B.R.M. 0 16 Brabham-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 17 Brabham-Repco 0 18 Lotus-Ford 0 – (F2) Matra-Ford 0 – (F2) Brabham-Ford 0 – (F2) Lotus-Ford 0 – (F2) Brabham-Ford 0 – (F2) Brabham-Ford 0 – Brabham-Repco 0 – B.R.M. 0 – Lotus-Ford 0 – Lotus-Ford 0 – McLaren-Ford 0 – Lotus-Ford 0 – McLaren-Ford 0 – (F2) Tecno-Ford 0 – (F2) Matra-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 51 2 28 3 28 4 24 (26) Pos. Konstrukteur Punkte 5 4 6 2 7 0 8 0

Weblinks

Einzelnachweise

#1969 Deutschland Kategorie:Nürburgring Kategorie:Sportveranstaltung in Rheinland-Pfalz