mini|hochkant|Der Galgenbergturm zwischen Spiesen und Elversberg mini|Panorama des Ortsteils Elversberg
Spiesen-Elversberg () ist eine saarländische Gemeinde im Landkreis Neunkirchen, rund 15 km nordöstlich von Saarbrücken.
Geographie Geographische Lage Spiesen-Elversberg liegt 1 km südwestlich der Kreisstadt Neunkirchen, 2 km nördlich von St. Ingbert, 3 km nördlich vom St. Ingberter Stadtteil Rohrbach und 2 km östlich von Friedrichsthal. In der Umgebung gibt es zahlreiche Wälder, die Teil des Saarkohlenwaldes sind.
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in die Ortsteile Spiesen im Osten und Elversberg im Westen. Diese entsprechen den bis zum 31. Dezember 1973 bestehenden Gemeinden sowie den bis heute bestehenden Gemarkungen.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind die Städte Neunkirchen (Landkreis Neunkirchen), Friedrichsthal und Sulzbach (Regionalverband Saarbrücken) sowie St. Ingbert (Saarpfalz-Kreis).
Geschichte Antike und Mittelalter Das Gebiet wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Zur Römerzeit befanden sich im Ortsteil Spiesen Waldbauernhöfe, mehrere Heiligtümer nebst Gräberfeld und eine Villa rustica am Freidelbrunnen. Eine wirtschaftliche Beziehung zum Kännelkohlenabbau des Flöz Tauentzien in Heinitz ist wahrscheinlich.
Im Mittelalter erwarben das Kloster Neumünster (heute Stadtteil von Ottweiler) und die Abtei Wadgassen Besitzungen in Spiesen. Auf: www.saarland-lexikon.de, abgerufen am 3. Juli 2012.
Die erste urkundliche Erwähnung Spiesens im Jahre 1195 findet sich in einem Dokument, in dem Graf Ludwig I. der Ältere von Saarwerden der Abtei Wadgassen eine Hufe bei Spizze schenkt. Zwei Jahre später bestätigt Papst Coelestin III. dem Kloster Wadgassen seine Rechte an einem Mansus (Hufe) bei Spize. 1286 wurde erstmals eine Kirche zu Spizzen erwähnt, deren Pfarrbesetzungsrecht in einem Vertrag zwischen dem Kloster Neumünster und dem Ritter Friedrich von Stein geregelt wurde. Dieser Ritter und seine Frau verkauften 1295 ihre Eigentümer in Spizzen der Abtei Wadgassen. Über das Patronatsrecht der Kirche (ecclesie de Spissa) brach ein Streit zwischen Ritter Joffried von Saarbrücken und den Abteien Wadgassen und Neumünster aus, der 1307 beigelegt wurde. 1345 trugen Joffried von Saarbrücken und Frau Sophie dem Erzbischof Balduin von Trier ihr Eigengut in Spiesen zu Lehen auf. Fünf Jahre später, im Jahr 1350, übertrug Joffried sein Viertel am Patronat der Kirche zu Spiesen auf ewig an die Abtei Wadgassen. Ohne Wissen des bischöflichen Lehnsherrn verkaufte Joffried 1357 seinen Teil an Spiesen an Graf Walram II. von Zweibrücken. Dieser Teil wurde 1366 von Graf Eberhard II. von Zweibrücken an Wadgassen übergeben. Die lehnsherrliche Zustimmung hierfür gab Erzbischof Otto von Trier erst 1419. 1377 übergab Mechthilde von Spiesen (Metza) sich und ihre Eigentümer in Spiesen dem Kloster Neumünster. Damit besaß Wadgassen drei Viertel und Neumünster ein Viertel aller Güter und Rechte Auf: www.spiesen-elversberg.info, abgerufen am 3. Juli 2012..
Kriegsknechte Herzog Ludwigs I. von Pfalz-Zweibrücken, genannt der Schwarze, überfielen 1454 Spiesen, plünderten den Ort und vertrieben das Vieh.
Frühe Neuzeit 1538 wurde auf der Spieser Gemarkung eine Mühle erbaut, die Spiesermühle.
In den Jahren von 1549 bis 1573 kam es zu einem Grenzstreit mit Rohrbach um Bottenberg, Eulenbronnen (die heutige Lindenquelle nahe dem Glashütter Weiher) und Spieser Mühle.
Graf Albrecht von Nassau-Weilburg, dem durch Neumünster die Hoheit über Spiesen zukam, führte 1575 die Reformation ein. Das Kloster Neumünster wurde 1576 säkularisiert und seine Güter in Spiesen eingezogen. 1592 wurde die katholische Pfarrei von Spiesen durch Graf Albrecht offiziell aufgehoben, 1605 die katholische Kirche von Amts wegen geschlossen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Spiesen 1631 von schwedischen Truppen besetzt. Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Saarbrücken zog im gleichen Jahr die wadgassischen Besitzungen in Spiesen ein.
1634 begann ein 150-jähriger Grenzstreit mit St. Ingbert.
Durch die Kriegsereignisse (am 25. Juli 1635 brandschatzten und zerstörten kaiserliche Kriegsvölker (Kroaten) Dorf und Kirche), Pest und Hungersnöte hatte Spiesen im Dezember des Jahres 1635 nur noch eine Haushaltung und noch höchstens vier Einwohner. Auf: www.saarland-lexikon.de, abgerufen am 3. Juli 2012.
Eine Wiederbesiedlung wurde 1677 durch Verwüstung im Holländischen Krieg zunächst zunichtegemacht. Erst 1687 konnte mit der Neubesiedlung wieder begonnen werden. Ebenfalls 1687 setzte sich Wadgassen wieder in den Besitz seiner Güter und Rechte in Spiesen ein, verlor aber 1691 vor dem Präsidialgericht in Saarlouis gegen Graf Friedrich Ludwig von Nassau-Ottweiler. Die Katholiken Spiesens gehörten ab 1705 zur Pfarrei St. Ingbert. Ein Grenzvertrag von 1739 zwischen den Fürsten von Nassau-Saarbrücken und den Reichsgrafen von der Leyen regelte die Grenzziehung zwischen Spiesen und St. Ingbert. Eine Grenzregulierung zwischen Spiesen und St. Ingbert gab es 1744.
1789 begann die Französische Revolution, in deren Folge ab 1792 die Koalitionskriege ausbrachen. In diesem Zusammenhang marschierten 1793 französische Revolutionstruppen durch Spiesen. Ein Freiheitsbaum wurde errichtet, der Fürst von Nassau-Saarbrücken floh. 1794 kam es zu Kämpfen in und um Spiesen, bei denen zunächst der preußische Feldherr von Blücher gegen die Franzosen vorrückte, jedoch bald wieder zurückweichen musste. Das linke Rheinufer, und damit auch Spiesen, wurde von Frankreich besetzt und in der Folge annektiert.
Neuere Geschichte mini|Elbersberg 1810 (rechter Bildrand) Im Jahr 1800 wurde eine neue katholische Kirche, 1803 ein dazugehöriges Pfarrhaus erbaut. 1813 wurde die Spieser Mühle wieder errichtet.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Spiesen preußisch und gehörte zur Bürgermeisterei Neunkirchen im neugebildeten Kreis Ottweiler.
1847 wurde der Heinitzstollen angehauen. Elversberg entstand nach 1852 als Kolonistensiedlung für diese nahe gelegene neue Kohlengrube Heinitz. 1872 wurde durch eine Kabinettsorder von König Wilhelm I. von Preußen aus gleich großen Bannteilen der Gemeinden Neunkirchen und Spiesen eine neue Gemeinde unter dem Namen „Elversberg“ gebildet.
1899 wurde das Wasserwerk Spiesermühltal gebaut und 1902 das Gaswerk des Gasverbandes Spiesen-Elversberg.
Neueste Geschichte Nach dem Ersten Weltkrieg führten die Bestimmungen des Friedensvertrag von Versailles von 1919 dazu, dass Spiesen und Elversberg von 1920 bis 1935 im Saargebiet lagen, das mit einem Mandat des Völkerbundes für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt wurde. In dieser Zeit existierte hier auch eine Domanialschule.
1922 schieden Spiesen und Elversberg aus der Bürgermeisterei Neunkirchen aus und bildeten eine eigene Bürgermeisterei (Amt). 1926 wurde die Straßenbahnlinie Saarbrücken–Spiesen der Straßenbahn Saarbrücken gebaut und die Gemeinde mit elektrischem Strom versorgt. Eine weitere Straßenbahnlinie (Neunkirchen–Spiesen) der Straßenbahn Neunkirchen wurde 1927 eingerichtet.
Nach der Volksabstimmung im Saargebiet 1935 wurde das Saargebiet dem Deutschen Reich angegliedert. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Adolf-Hitler-Turm gebaut (heute Galgenbergturm). Er ist das wichtigste Symbol des Ortes und seit Ende 2007 als abstrahierte Silhouette auf dem Signet der Gemeinde zu finden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen Spiesen und Elversberg zunächst in der französischen Besatzungszone, bevor die Orte 1946 bis Ende 1956 Teil des Saarprotektorats wurden.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1963 wurde das Amt Spiesen-Elversberg aufgelöst. Die beiden Verwaltungen wurden getrennt. 1969 begann der Bau des Rathauses in der Ortsmitte von Spiesen.
Die heutige Doppelgemeinde wurde am 1. Januar 1974 im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform aus den bisher selbstständigen Gemeinden Spiesen und Elversberg gebildet. Bei der ersten Direktwahl des Bürgermeisters 2004 wurde Reiner Pirrung (CDU) mit 58,9 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
Einwohnerentwicklung Spiesen 1861: 893 Einwohner 1885: 3171 Einwohner 1905: k. A. 1961: 6422 Einwohner 1970: 6883 Einwohner 2007: etwa 6800 Einwohner 2011: 6300 EinwohnerGeoindex.Io Elversberg 1858: etwa 600 Einwohner 1885: etwa 3000 Einwohner 1905: etwa 5000 Einwohner 1961: 9691 Einwohner 1970: 9728 Einwohner 2007: etwa 7900 Einwohner 2011: 7167 EinwohnerGeoindex.Io mini|hochkant=0.6|Die Pfarrkirche Herz Jesu in Elversberg
Religion In Spiesen-Elversberg besteht die katholische Pfarrei und Kirchengemeinde „St. Ludwig - Herz-Jesu Spiesen-Elversberg“. Auf: www.spiesen-elversberg.info, abgerufen am 3. Juli 2012. Die zuvor eigenständigen Pfarreien und Kirchengemeinden „St. Ludwig“ (Spiesen) und „Herz-Jesu“ (Elversberg) wurden mit Wirkung vom 1. Januar 2012 zu einer gemeinsamen zusammengeschlossen. Sie liegt im Dekanat Neunkirchen, das zum Bistum Trier gehört Auf: www.bistum-trier.de, abgerufen am 3. Juli 2012..
Für die evangelischen Christen bestehen die „Evangelische Kirchengemeinde Elversberg-Spiesen-Heinitz“, die zum Kirchenkreis Saar-Ost der Rheinischen Landeskirche gehört, Auf: www.evks-data.de (Evangelisch im Saarland), abgerufen am 3. Juli 2012. und die „Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Martin“, die Teil des Pfarrbezirks Saarbrücken-Spiesen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist.
Darüber hinaus gibt es eine Neuapostolische Kirche und eine Evangelisch-Methodistische Kirchengemeinde.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat mit 33 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 wie folgt zusammen:Landeswahlleiterin, Statistisches Amt Saarland: Ergebnis der Gemeinderatswahl 2024 – Spiesen-Elversberg SPD: 8 Sitze (− 2) CDU: 8 Sitze (− 4) Stimmen für Spiesen-Elversberg: 7 Sitze (+ 7) AfD: 6 Sitze (+ 6) LINKE: 2 Sitze (− 3) FDP: 1 Sitz (− 2) GRÜNE: 1 Sitz (− 2)
Bürgermeister Ortsvorsteher Spiesen 1860–1874 Friedrich Wilhelm Hoppstädter 1875–1889 Mathias Raber 1890–1900 Gräber 1901–1920 Peter Kiefer 1921–1923 Bayer 1924–1926 Johannes Nikolaus Poth 1927–1929 Bayer 1929–1935 Ruffing 1935–1945 Otto Heinrichs 1946–1956 Nikolaus Noll 1956–1964 Herbert Recktenwald 1963–1973 Heinrich Kohler 1974–1989 Alois Kohler 1989–1994 Josef Hoffmann 1994–2004 Fritz Berwanger 2004–2014 Thomas Thiel Der Gemeinderat entschied, 2014 die Gemeindebezirke aufzulösen, wodurch es seither keine Ortsräte und keine Ortsvorsteher mehr gibt. Ortsvorsteher Elversberg 1872–1873 Wilhelm Sondermann 1873–1901 Alexander Wittig 1901–1914 August Blümer 1914–1920 Moritz 1920–1926 Johannes Heidinger 1926–1933 Jakob Wallacher 1933–1935 Baptist Schmitt 1935–1945 Johann 1946–1955 Franz Becker 1956–1960 Johannes Haußler 1960–1962 Paul Schommer 1963–1973 Johann Blatt 1974–1994 Karl Friedrich Kausch 1994–2004 Norbert Welker 2004–2014 Lothar Engelbreth Der Gemeinderat entschied, 2014 die Gemeindebezirke aufzulösen, wodurch es seither keine Ortsräte und keine Ortsvorsteher mehr gibt.
Amtsvorsteher Spiesen und Elversberg 1922–1923 Nicola 1923–1945 Otto Heinrichs 1946–1947 Hermann Trittelvitz, SPD 1947–1952 Theodor Okon 1952–1963 Johann Blatt Bürgermeister Spiesen-Elversberg 1974–1984 Heinrich Kohler, CDU 1984–1994 Friedhelm Pfeifer, CDU 1994–2004 Karl Friedrich Kausch, SPD 2004–2019 Reiner Pirrung, CDUseit 2019Bernd Huf, parteilos Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 wurde der parteilose Kandidat Bernd Huf mit 58 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister von Spiesen-Elversberg gewählt. Die anderen Kandidaten Heike Morgenthal (SPD) und Thomas Thiel (CDU) konnten 21,1 (Morgenthal) und 20,9 (Thiel) Prozent für sich gewinnen.SR.de: Huf wird neuer Bürgermeister von Spiesen-Elversberg.
Wappen und Gemeindefarben