mini|Ursprüngliche Wortbedeutung von „vögeln“: Eisvögel bei der Paarung
Das Wort vögeln ist eine umgangssprachliche, als salopp bis vulgärRudolf J. Slaby, Rudolf Grossmann: Wörterbuch der spanischen und deutschen Sprache. Band 1: Spanisch–Deutsch. Verlag Oscar Brandstetter, Wiesbaden 1975/1989, (2012 ISBN 978-3-87097-245-5), S. 669; zitiert nach Rufus Gouws (Hrsg.): Wörterbücher / Dictionaries / Dictionnaires. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie 3. Teilband, e-book, Verlag Walter de Gruyter, S. 2799 (books.google.at). eingestufte Bezeichnung für Geschlechtsverkehr,Vögeln. In: Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. Walter de Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-016965-7, S. 577–578. ähnlich wie das vulgäre Verb „ficken“.
Herkunft Das Wort entstammt dem Mittelhochdeutschen und bezeichnete auch dort den Vorgang des Begattens, wobei er tatsächlich auf die Begattung bei Vögeln angewendet und erst später auf den Menschen übertragen wurde. Laut dem Duden. Deutsches Universalwörterbuch entstammt das Wort der mittelhochdeutschen Form vogelen/fogelen „begatten (vom Vogel); Vögel fangen“, die ihrerseits dem Althochdeutschen fogalōn „Vögel fangen“ entspringt.Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Mannheim [u. a.] 2006, ISBN 3-411-05506-5, S. 1853 (zitiert nach Wiktionary). Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wurde „vögeln“ ebenfalls in der Bedeutung für „Vogel fangen“ wie auch für „begatten“ erst bei Vögeln (Hühnern) und später bei Menschen verwendet. Hier entwickelte es sich zu einer Anspielung auf eine phallische Bedeutung der Vögel, die sich beispielsweise in der Redensart „einen Vogel halten“ für „einen Penis halten“ ausdrückte. Auch bei NeidhartCarl von Kraus: Des Minnesangs Frühling. 30. Auflage. Leipzig 1950, S. 51. symbolisiert ein Vogel das männliche Glied: „ich waen er ir ze liebe hat in die selbe kliebe sinen roten vogel geschoben“.Karl Otto Sauerbeck: ‚Herr Heinrich saß am Vogelherd‘. Beobachtungen zur mittelalterlichen Vogeljagd und deren Symbolik. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10. 2014, S. 57–79, hier: S. 77.
Laut Friedrich Kluge ist das Wort seit dem 15. Jahrhundert in den frühneuhochdeutschen Formen vogelen und voglen bezeugt. Vermutlich gehört es zur gleichen Grundlage wie ficken – aus den (nicht belegbaren aber rekonstruierten) germanischen Wurzeln *fug- beziehungsweise *fukk- = „(immer wieder) stoßen“. Das Wort ist schon früh auf Vogel bezogen worden, so dass es in früher Zeit nur in Bezug auf Vögel, vor allem Hühner, belegt ist.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage (bearbeitet von Elmar Seebold), Walter de Gruyter GmbH & Co. KG Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1, S. 962. Heinrich I., seit 912 Herzog der Sachsen und von 919 bis 936 König im Ostfrankenreich, war beim Vogelfang, als man ihm die Königskrone antrug – daher ging er als „der Vogler“ bzw. „der Finkler“ in die Geschichte ein. Anfang des 10. Jahrhunderts hatte das Wort demzufolge noch keine sexuelle Konnotation.
Eine alternative Herkunft verweist auf das Verb fegeln oder vegeln, das als Iterativ des Wortes fegen Verwendung fand und neben der Verwendung für reinigen oder kehren auch reiben oder mit kurzen, raschen Bewegungen wischen bedeuten konnte. Die Weiterentwicklung zu vögeln wäre in dem Fall eine euphemistische und lautspielerische Angleichung.vogeln. In: Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache auf dwds.de; abgerufen am 6. September 2017.
Verwendung im Volksmund und in der Literatur Das Verb „vögeln“ wird im Volksmund häufig genutzt. So besagt etwa ein Sprichwort aus Wolfenbüttel:
Auch in der Literatur kommt er oft in mehr oder weniger deutlicher Verwendung vor. Ein bekannter Vertreter davon ist der spätmittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein. Ein Textbeispiel, das nicht das Verb direkt verwendet, aber anschaulich den Zusammenhang zwischen Vogeljagd, phallischen Bedeutungen von Vogelausdrücken und Erotik verdeutlicht, lautet in neuhochdeutscher Nachdichtung des Tiroler Germanisten Hans Moser:
Johann Wolfgang von Goethe benutzte den Begriff vielfach, etwa in Hanswursts Hochzeit:
Gottfried August Bürger schrieb in einem Billett an Georg Christoph Lichtenberg folgenden Vers:
Auch in der Musik wird der Begriff bildlich verwendet, etwa in Zusatzstrophen des Liedes Die Vogelhochzeit oder in der Zauberflöte.
Weblinks
Belege
Kategorie:Sexualität des Menschen