Die Geschichte der Dillinger Hütte reicht zurück bis in das Jahr 1685 und in ihrer Vorgeschichte noch weiter zurück und ist geprägt von der Nähe zu Frankreich. Wechselte die Zugehörigkeit des Werks von einem Land zum anderen, blieb das nicht ohne Folgen für Absatzmärkte. Neben diesen indirekten Kriegsauswirkungen beeinträchtigten häufig direkte Kriegseinwirkungen das Werk. Durch Anpassungen der Produkte an den Bedarf und die ständige Modernisierung der Produktionsanlagen konnte das Unternehmen alle Krisen überwinden und besteht bis heute.

Gründungsphase 1583 schickte der Herzog von Lothringen Erzgräber nach Dillingen, um Erz nach Moyeuvre zu bringen, wo es probeweise verhüttet wurde. Das gute Ergebnis der Probe veranlasste den Herzog, die Erzgrube beim Seigneur von Dillingen auf 12 Jahre für einen jährlichen Zins von 100 Franken zu pachten und einen Hammer in Dillingen oder der näheren Umgebung zu bauen.

17. Jahrhundert Den Umständen des Dreißigjährigen Krieges ist der Hammer vermutlich, wie viele andere Unternehmen an der Saar, zum Opfer gefallen. Dillingen wurde von den Truppen von Gallas überfallen, das Schloss geplündert und geschleift; die Region hatte von 1630 bis 1635 unter Hungersnöten und Pest zu leiden. Zu einem neuen Aufschwung kam es, als im Frieden von Nimwegen 1679 Lothringen an Frankreich fiel. Ab 1680 ließ der französische König Ludwig XIV. die Festung Saarlouis zum Schutz der französischen Ostgrenze errichten. Im Dezember 1685 erteilte der König dem Marquis Charles Henri Gaspard de Lenoncourt, der die Baronie Dillingen regierte, die Genehmigung, eine Eisenhütte mit Schmelzofen vor den Toren der Festung Saarlouis zu errichten. Als Gegenleistung verpflichtete dieser sich zu der jährlichen Zahlung von einem Écu d’or (Taler Gold). De Lenoncourt war Groß-Kammerherr und Gesandter im Dienst des Herzogs von Lothringen und kannte den Sonnenkönig persönlich.

Der vierjährige Aufbau verursachte hohe Kosten, da nicht auf heimische Arbeitskräfte aus der Herrschaft zurückgegriffen werden konnte, sondern Fachkräfte aus dem Lütticher Industriegebiet verpflichtet wurden. Die Lütticher brachten nicht nur ihr Wissen um die Verhüttung von Eisen mit, sondern in ihren Quersäcken auch die an der Saar bis dahin kaum bekannte Kartoffel. Nach Fertigstellung bestand das Werk aus einem 20 Fuß hohen Schmelzofen mit zwei Blasebälgen und einer Frischhütte. Dazu gehörte eine Gießerei für Sand- und Lehmguss und ein Luppenhammer zum Recken von Nagel- und Stabeisen. Schmelzofen und Hammer wurden mit Wasserkraft betrieben. Dazu führte man das Wasser der Prims in holzgefassten Kanälen zur Bevorratung in einen Weiher. Das Brauneisenerz wurde vermutlich nördlich von Dillingen gewonnen, die Holzkohle kam aus dem Hüttenwald, der noch heute Eigentum der Dillinger Hütte ist. Das dort geschlagene Holz wird bis heute zum Anfeuern der Hochöfen verwendet. Produkte waren anfangs Schmiedeeisen, Stangeneisen, Nägel und Gusswaren wie Takenplatten, Töpfe und Pfannen. Die Produktion wurde zunächst überwiegend ins nahe Saarlouis geliefert.

Da Lenoncourt sich nicht selbst um die Geschäfte kümmern konnte oder wollte, betraute er den Jesuitenpater Renard mit diesen Aufgaben.Saarbrücker Zeitung, 12. Oktober 1999. Renard konnte mit der Festungsintendatur in Saarlouis durch die Vereinbarung über die Lieferung der in der Garnison benötigten Öfen und Gusswaren den ersten großen Vertrag abschließen. Es wurde ein Preis von 45 Franken für 1000 Pfund Eisen ausgehandelt. Bald wurden die Geschäfte jedoch durch die Grenzlage beeinträchtigt. Anfänglich lag das Werk in Frankreich. Damit waren gute Absatzmöglichkeiten gegeben. Das änderte sich 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, als Dillingen an das Herzogtum Lothringen zurückfiel. Das Werk lag dadurch an der Zollgrenze und musste seine Geschäfte neu ausrichten.

18. Jahrhundert Einige Jahrzehnte nach der Gründung wurde das Werk durch Nebenwerke in der Produktion ergänzt oder in der Rohstoffversorgung unterstützt. So ließ der Sohn des Marquis de Lenoncourt in Bettingen, dem heutigen Schmelz, eine weitere Schmelze mit Pochwerk und Gießerei errichten. Mit dem in Steinbach, Gresaubach und Greinhof geförderten 20-prozentigen Erz ließ sich Eisen hoher Duktilität produzieren. Anlass für die Ergänzung war nicht nur eine Produktionsunterstützung, sondern auch eine zunehmende Erschöpfung der Ressourcen vor Ort. Der Wald ging zur Neige, das Erz kam mittlerweile von Erbringen, Merchingen und Hargarten. Wegen der im Tagebau möglichen Gewinnung der Lebacher Eier wurde bis Mitte des 18. Jahrhunderts das Roheisen großenteils aus Bettingen geliefert. In Dillingen erfolgten dann die weiteren Verarbeitungsschritte. Auch in Münchweiler, heute Ortsteil von Nunkirchen, wurde ein Zweigwerk errichtet.

Allmählich konnten über die Saar Absatzkanäle in Richtung Mosel und Rhein entwickelt werden. Neue Produkte, wie Sicheln, Sensen, Schippen, Hobelmesser und andere Gerätschaften für den landwirtschaftlichen Bedarf ließen sich dann über die Häfen in Holland über den Atlantik nach Südfrankreich verschiffen. Dieser Transport übers Meer war für die Lieferungen nach Frankreich ein Umweg; zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, in dem Frankreich von 1778 bis 1783 an der Seite der Aufständischen gegen England kämpfte, konnte der Vertriebskanal über See auch zur Lieferung der gesamten Produktion an die französische Marine genutzt werden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verpachtete Lenoncourt das Werk einschließlich der Erzgruben, des Waldes und des Bauernhofs. Nachdem die Familie de Lenoncourt das Werk ein halbes Jahrhundert in Besitz hatte, wurde es 1743 verkauft und wechselte mehrfach den Besitzer, bis es dann 1809 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gedieh das Unternehmen. Ein Jahr vor der Französischen Revolution wurden in Dillingen ein Gießereiofen und vier Frischöfen, dazu zwei große Hämmer gezählt, an deren Welle ein Reckhammer mitlief. Ein Blechhammer lief mit eigenem Rad. Zudem gab es ein Schneidwerk, ein Pochwerk, Magazine und Arbeiterwohnungen. Die Produktion bei Tag und Nacht erforderte ein Schichtsystem.

Französische Revolution Ein Jahr vor der Französischen Revolution beschäftigte das Werk einschließlich Holzfällern, Köhlern und Fuhrleuten etwa 400 Arbeiter. Die Werke Dillingen und Bettingen produzierten zusammen jährlich aus 52.000 Zentnern Erz etwa 500 t Roheisen. Bedingt durch die Französische Revolution wurden Produktion und Arbeiterzahl stark reduziert. Das änderte sich erst drei Jahre später mit der fast ausschließlichen Belieferung der französischen Volksarmeen. Statt Ofenplatten, Töpfen und Sensen wurden Kanonenkugeln und Haubitzen gegossen.

Dies änderte sich abrupt 1793, als die Österreicher primsabwärts in Dillingen einmarschierten. Am 3. Ventôse drangen die Österreicher in das Werk ein und zerstörten es, worauf das Werk vier Jahre stillstand. Mit der Bildung der vier rheinischen Departements 1797 wurde die Produktion wieder aufgenommen. Auch Waffen und Munition wurden wieder produziert.

Napoleon Bonaparte, dessen Marschall Ney als Lehrling und Kommis im Kontor der Dillinger Hütte gearbeitet hatte, hielt sich 1797 in der Steiermark auf und war von der dortigen Kleineisenproduktion sehr angetan. Das bewog ihn, von dort 38 Spezialisten nach Dillingen zu schicken, um die Produktion von Kleineisenzeug für die zivile Verwendung aufzubauen. Der Versuch misslang und man nahm die ursprüngliche Produktionsweise wieder auf.

19. Jahrhundert hochkant|mini|Aktie mini|100px|Dillinger Blechlehre Mit dem Bau des ersten Blechwalzwerks auf dem europäischen Kontinent im Jahr 1802 bestimmte das Produkt Blech die weitere Entwicklung des Werkes. Die Hütte avancierte zu einem bedeutenden Schwarz- und Weißblechproduzenten.

Die Zeit zwischen den Kriegen Englands mit Frankreich wurde genutzt, um das Eisenhüttenwesen in England zu studieren. Mit dem erworbenen Wissen gelang es 1804, den länger gehegten Plan, Weiß- und Schwarzblech in gesteigerter Menge zu produzieren, umzusetzen. Die Bleche wurden nun nicht mehr mit den Hammer geschmiedet, sondern im neuen mit Wasserkraft betriebenen Walzgerüst ausgewalzt. Die erreichte Qualität wurde 1806 und 1809 auf Ausstellungen in Paris mit der silbernen und goldenen Medaille belohnt. Es wurden auch Kupferplatten produziert. Das dazu nötige Erz wurde in St. Barbara und der Düppenweiler gefördert.Saarbrücker Zeitung. 20. August 2009. Die Platten wurden von der französischen Marine zur Verkleidung der hölzernen Schiffsböden verwendet.

1812 war das Werk mit 361 Arbeitern zum Großunternehmen avanciert. Doch schon 1813 begann der Niedergang durch Arbeitskräftemangel infolge der forcierten Rekrutierung durch Napoleon. Mit dem Einmarsch der preußischen Truppen unter General Yorck stoppte 1814 die Produktion. Am 20. November 1815 fiel Dillingen mit dem zweiten Pariser Frieden an Preußen, womit die erneute Suche nach neuen Märkten begann. Die an König Friedrich Wilhelm III von Preußen gerichteten Bittgesuche um Unterstützung für die Hütte blieben nicht ohne Wirkung. Der König antwortete:

Aktiengesellschaft Mit Genehmigung Napoleon Bonapartes wurde die Dillinger Hütte 1809 die erste Aktiengesellschaft Deutschlands und eine der ersten Aktiengesellschaften Europas. 1815 musste die einträgliche Produktion von Waffen für die Napoleonische Armee auf Friedensproduktion umgestellt werden. Die Aktiengesellschaft wurde 1818 durch die Übernahme von 40 % des Aktienkapitals durch die Gebrüder Stumm unter dem Namen „Dillinger Hüttenwerke“ neu ausgerichtet. Zur Vermeidung einer Konkurrenzsituation konzentrierte man sich im Neunkircher Werk auf Langprodukte und im Dillinger Werk auf Bleche. Es wurden fast ausschließlich Schwarz-, Weiß-, Kupfer- und Wellblech, auch verbleit oder verzinkt, produziert. Die Dickenspanne reichte vom dünnen Knopfblech bis zum dicken Kesselblech. Die sogenannte Dillinger Blechlehre mit 24 DickenOtto Lueger (Hrsg.): Blechlehre. In: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. Band 2, Stuttgart, Leipzig 1905., S. 52–53 (zeno.org). war mittlerweile als maßgebende Norm europaweit anerkannt.

Zu den Roheisenlieferanten Bettingen und Münchweiler kamen 1828 das übernommene Hüttenwerk Geislautern und 1845 der Hochofen Hohenrhein an der Lahn, der 1856 übernommen wurde. Nach einigen erfolgversprechenden Versuchen wurde die bis dahin ausschließlich zur Verhüttung verwendete Holzkohle durch Koks ersetzt. 1828 nahm die Firma die Bezeichnung Anonyme Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke an.

Dampfkraft mini|Dampfmaschine von Dobbs & Nellesonindustrialmuseums-emr.org 1835 hielt die Dampfkraft in Dillingen Einzug. Eine in Aachen bei der Maschinenbaufabrik Dobbs & Nellesonalbert-gieseler.de gebaute Dampfmaschine wurde von 14 Pferden nach Köln gezogen und dann über den Rhein bis Mainz verschifft. Von dort wurde der Transport über Land fortgesetzt und von den Dillingern gebührend empfangen. Die Maschine leistete 40 PS und trieb ein Walzwerk an. Wie die Wasserkraft wurde auch die Pferdekraft durch die Dampfmaschine ersetzt.