mini|Ralph Edward Flanders, Senator von Vermont 1946–1959

Ralph Edward Flanders (* 28. September 1880 in Barnet, Vermont; † 19. Februar 1970 in Springfield, Vermont) war ein US-amerikanischer Maschinenbauingenieur, Unternehmer und republikanischer US-Senator aus dem Staat Vermont. Er wuchs auf Selbstversorger-Bauernhöfen in Vermont und Rhode Island auf. Zunächst absolvierte er eine Maschinenbaulehre, wurde technischer Zeichner, bevor er sich selbst die theoretischen Grundlagen eines Maschinenbauingenieurs aneignete. Er verbrachte fünf Jahre in New York als Redakteur bei einer Fachzeitschrift für Werkzeugmaschinen. Er zog nach Vermont und arbeitete in einem erfolgreichen Maschinenbauunternehmen, dessen Präsident er später wurde. Flanders nutzte seine Erfahrungen als Unternehmer und beriet staatliche Kommissionen in Vermont sowie bundesstaatliche Einrichtungen in Washington, D.C. im Bereich der öffentlichen Wirtschaftspolitik. Bevor er zum US-Senator von Vermont gewählt wurde, war er zuvor zwei Jahre Präsident der Boston Federal Reserve Bank.

Flanders wurde 1954 durch sein Eintreten für einen Misstrauensantrag gegen Senator Joseph McCarthy bekannt. McCarthy hatte in den Jahren zuvor spektakuläre Behauptungen in Bezug auf die Unterwanderungen von Bundesbehörden und -regierung durch Sowjetspione, Kommunisten und deren Sympathisanten aufgestellt. Er hatte seinen Vorsitz im Senatsausschuss als landesweit im Fernsehen übertragenes Forum für Angriffe auf von ihm beschuldigte Personen genutzt. Flanders war der Meinung, dass McCarthy mit seinen Angriffen die Nation von wesentlich größeren kommunistischen Bedrohungen in anderen Teilen der Welt abgelenkt habe. Dadurch sei Zwietracht und Verwirrung innerhalb der Vereinigten Staaten zum Vorteil ihrer Feinde gesät worden. McCarthy konnte seine Behauptungen letztlich nicht belegen. Dies und seine umstrittene Vorgehensweise diskreditierten ihn schließlich und ihm wurde seitens des Senats das Misstrauen ausgesprochen, in dessen Folge er den Senatsvorsitz verlor.

Biographie Flanders wurde in Barnet, einer Stadt in Caledonia County im Nordosten von Vermont geboren. Er war das älteste von neun Kindern. Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte er in Rhode Island. In seiner Autobiographie, Senator from Vermont, beschrieb Flanders das Leben auf den Selbstversorgerhöfen seiner Familie in Vermont und Rhode Island, bevor er diese verließ um in der Werkzeugmaschinenindustrie den Großteil seines Lebens arbeiten. In seinem ersten Jahr als Maschinist und Zeichner, verbrachte er seine Ferien mit Fahrradreisen über die Landstraßen zwischen Rhode Island, Vermont und New Hampshire. Später lebte er eine Zeit lang in New York City, wo er für eine Fachzeitschrift für Werkzeugmaschinen tätig war. Nach fünf Jahren beschloss er, nach Vermont zurückzukehren. Im Jahre 1911 heiratete er Helen Edith Hartness, die Tochter des Erfinders und Industriellen James Hartness. Sie ließen sich in Springfield, Vermont nieder, wo Flanders Präsident der Jones & Lamson Machine Company wurde. Flanders und seine Frau hatten drei Kinder: Elizabeth (geboren 1912), Anna (auch bekannt als Nancy geboren 1918) und James (geboren 1923).

Berufliche Laufbahn Flanders Karriere begann mit einer Lehre. Es folgten autodidaktische Fortschritte in den Bereichen Technik, Journalismus, Management, Politikberatung, Banken- und Finanzwesen, Politik und schließlich die Wahl zum US-Senator von Vermont.

Bildung und Ausbildung Abgesehen von seinen Besuchen der High Schools in Pawtucket und Central Falls in Rhode Island hatte Flanders keine weitere formelle Ausbildung genossen. Dennoch konnte er sich solide Grundlagen in Mathematik, Literatur, Latein und Altgriechisch aneignen. Der Vater verfügte nicht über die finanziellen Mittel seinen Sohn zur Universität zu schicken, bezahlte ihm aber ab 1896 das Lehrgeld für eine zweijährige Ausbildung bei der Brown & Sharpe Manufacturing Company, einem führenden Maschinenbauunternehmen der damaligen Zeit. Neben der praktischen Ausbildung im Betrieb lernte er die theoretischen Grundlagen des Maschinenbaus und des technischen Zeichnens mit Hilfe der Fernschule „International Correspondence School“. Nach seiner Lehre arbeitete Flanders für verschiedene Unternehmen der Maschinenbaubranche in Neuengland. Obwohl es ihm an formeller Bildung mangelte, war Flanders in Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und Kunst sehr belesen.

Technischer Journalismus Flanders begann schon früh in seiner Karriere zu schreiben. Aufgrund seiner Artikel über Werkzeugmaschinen erhielt er Job als Redakteur eines Fachmagazins für Maschinenbau in New York City. Dort war er zwischen 1905 und 1910 tätig. Zahlreiche Reisen führten Flanders in die Unternehmen, über deren Neuentwicklungen er berichtete. Dabei knüpfte er wertvolle Kontakte zu den führenden Herstellern der Branche. Als Redakteur schrieb er Artikel über Zahnradgetriebe, Zerspanungstechniken, Walzfräsen, die Produktion von Dosen, und Kraftfahrzeugen. Im Jahre 1909 arbeitete Flanders an einem Buch über Zerspanungsmechanik, bei dem er sich so verausgabte, dass er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Er musste eine Auszeit nehmen. Im Jahr 1910 wechselte zu einer Maschinenfabrik in Vermont. Er veröffentlichte weiterhin und schrieb über technische Fragen. Später folgten Schriften zur Rolle der Industrie in der Gesellschaft. 1938 erhielt Flanders die Worcester Reed Warner-Medaille in Anerkennung seiner Veröffentlichungen zu technischen Fragen.

Ingenieurswesen mini|Ralph Flanders 1910 Erste größere Erfahrungen mit dem Maschinenbau sammelte Flanders bei einem Unternehmen in Nashua, New Hampshire, wo er bei der Entwicklung einer Kartonfaltmaschine mitwirkte. Danach arbeitete er bis 1905 als Zeichner für General Electric. Als er 1910 nach Springfield, Vermont zog, wurde er Maschinenbauingenieur bei der Fellows Gear Shaper Company. Schon bald wurde James Hartness, der Präsident der Jones & Lamson Machine Company (J & L), einem Konkurrenzunternehmen am gleichen Ort, auf den jungen Ingenieur aufmerksam. 1911 heiratete Flanders die Tochter von Hartness, Helen. Kurz darauf wurde Flanders Direktor der Abteilung für Präzisionsdrehmaschinen bei J & L. Dort konnte er die Präzision und Produktivität durch Verbesserungen an den eingesetzten Maschinen erreichen. 1912 wurde er Direktor des Gesamtunternehmens und, nachdem Hartness 1933 in den Ruhestand gegangen war, auch Präsident. Als Präsident von J & L führte Flanders eine Serie von Revolverdrehbänken (bekannt als Hartness Turret Lathe) ein, mittels derer die bis dahin übliche Einzelfertigung solcher Maschinen standardisiert wurde und einige Vorteile der Massenfertigung für den Maschinenbau genutzt werden konnten. Bis 1923 hatte Flanders mehr als zwanzig Patente für J & L. entwickelt und eintragen lassen.

Flanders und sein Bruder, Ernest, waren bei der Entwicklung von Gewindeschneidemaschinen wegweisend. Hilfreich waren die bereits zuvor von Hartness entwickelten optischen Komparatoren. Diese vorhandene Technologie und Flanders’ Berechnungen, führten zur Entwicklung von Präzisionsdreh- und -schneidemaschinen, für die die beiden Brüder 1946 die „Edward-Longstreth-Medaille“ des Franklin Institutes als Anerkennung für ihre Leistung erhielten. Gemeinsam hatten die Brüder die Stanztechnik für Gewinde in weichen Metallen verbessert und dabei die Grundlagen für diese Technologie bei harten Metallen geschaffen.

Fachgesellschaften Flanders wurde 1923 Präsident der „National Machine-Tool Builders Association“. Er war von 1934 bis 1936 Präsident der American Society of Mechanical Engineers (ASME) und 1937 Vizepräsident des amerikanischen Engineering Council. In den 1930er-Jahren war Flanders Vorsitzender des Ausschusses für Gewinde der American Standards Association. Im Jahre 1944 verlieh ihm die ASME die Hoover-Medaille für seine Verdienste um soziale Belange, die Zivilgesellschaft und Humanität.Website vom American Society of Mechanical Engineers Die britische Institution of Mechanical Engineers ernannte ihn zum Ehrenmitglied.

Öffentliches Leben Ab 1917 war Flanders beratendes Mitglied für Maschinenbauangelegenheiten im „War Industries Board“. Nach dem Ersten Weltkrieg beaufsichtigte er die internationale Normung für Gewinde, in den 1930er-Jahren zuerst als Mitglied, dann als Vorsitzender des Ausschusses für Gewinde der American Standards Association.

Während der Großen Depression fing Flanders an, sich mit Sozialpolitik und der Entwicklung der Menschheit in einer technologischen Ära zu beschäftigen. Er sprach sich für eine übergeordnete Führung mittels eines „Programms humanitärer Werte“ aus, das ein erfülltes Leben ermöglichen sollte. Sein eigentliches Ziel war jedoch die Vollbeschäftigung. In der Regierungszeit von Franklin D. Roosevelt wurde Flanders 1933 vom damaligen Handelsminister Daniel Calhoun Roper in den neu geschaffenen Business Advisory Council berufen, einem Gremium, das den Präsidenten in wirtschaftspolitischen Fragen beraten sollte. Flanders wurde Vorsitzender des Ausschusses für Fragen der Arbeitslosigkeit.

Im gleichen Jahr wurde die National Recovery Administration (NRA) geschaffen. Flanders wurde in den Industrie-Beirat der Behörde berufen. Im Beisein von Präsident Roosevelt und vor Mitgliedern der NRA hielt Flanders 1934 eine Rede, in der er sich gegen den Vorschlag der Regierung stellte, wonach die wöchentliche Arbeitszeit um 10 % sinken solle, bei gleichzeitigen Lohnerhöhungen um ebenfalls 10 %, was zur gleichmäßigeren Verteilung der Arbeit führen sollte.

1937 berief der Gouverneur von Vermont George Aiken Flanders in zwei Kommissionen: Zum einen in einen Ausschuss, der sich mit der Modernisierung der Milchwirtschaft in dem Bundesstaat beschäftigte und zum anderen in die Flutkontrollkommission, in der Flanders den Vorsitz hatte. Diese Kommission trat mit anderen Neuenglandstaaten in Verhandlung, um die Kostenverteilung eines Systems von Hochwasserdämmen auszuhandeln.

Der von den Gouverneuren der Neuenglandstaaten zwecks Koordination von Industrie und Handel gegründete New England Council wählte Flanders 1940 zum Präsidenten. Sein Amt verschaffte ihm einen umfassenden Überblick über die Produktions- und Arbeitsstätten in Neuengland. Er versuchte seinen Kollegen die Marktchancen ihrer Produkte im Kontext des sich ausweitenden Zweiten Weltkriegs nahezubringen.

1942 wurde Flanders in das Committee for Economic Development (CED) berufen, welches sich damit beschäftigte, die Wirtschaft wieder auf Friedenszeiten umzustellen. Flanders war an der Ausarbeitung von Empfehlungen des CED an den Kongress beteiligt, die die Rolle der Weltbank und des IWF festlegen sollten.

Banking und Investment Ab den späten 1930er-Jahren erhielt Flanders Aufsichtsratsmandate, zunächst bei der Shawmut Bank (1938–41) dann bei der Federal Reserve Bank (1941–44) bei der Boston and Maine Railroad, der National Life Insurance Company, beim Massachusetts Institute of Technology und der Norwich University in Vermont. Von 1944 an war er zwei Jahre Präsident der Federal Reserve Bank in Boston, Massachusetts. Während dieser Zeit schuf die Bank die Boston Port Authority,Website von dem Boston Port Authority um die Frachtkapazitäten für Neuengland zu erhöhen.

1946 gründete Georges Doriot unter anderem mit Karl Compton und Flanders die American Research and Development Corporation (ARDC)Website: "Who Made America? – George Doriot", das erste Venture-Capital-Unternehmen, das nach systematischen Investmentregeln junge Unternehmen finanzierte. Flanders war einer der Direktoren der ARDC.

Karriere im US-Senat mini|hochkant|Ralph Flanders (1940) Wahlwerbung Foto. Mit freundlicher Genehmigung des Vermont State Archives, Office of the Secretary of State