mini|Wappen von Belize mit der lat. Umschrift „Im Schatten blühe ich auf“
Die Geschichte Belizes beschreibt die Geschichte des seit 1981 unabhängigen Staates Belize in Zentralamerika sowie die direkte Vorgeschichte dieses Staates als britische Kolonie bzw. Einflusszone ab dem späten 18. Jahrhundert, der vorangegangenen 300 Jahre spanischer Vorherrschaft und im knappen Überblick die Geschichte der indianischen Maya-Kulturen auf dem Staatsgebiet von Belize vor Ankunft der Europäer.
Hochkultur der Maya Siehe auch Hauptartikel Maya
mini|Ausdehnung der Mayazivilisation über die heutigen Staaten mini|Caracol
Seit etwa 2500 v. Chr. war die Region des heutigen Belize von den Maya besiedelt, deren Nachfahren heute noch im Land leben. Die grundlegenden Einrichtungen der Hochkultur der Maya entwickelten sich zwischen dieser Zeit und 250 n. Chr. Das Zentrum der Mayakultur verschob sich mehrfach im Lauf der 2000 Jahre ihres Bestehens, in der klassischen Periode war die Stadt Caracol im heutigen Belize, deren Ruinen heute noch eindrucksvoll sind, eines dieser Zentren.Stephen D. Houston, John Robertson, David Stuart: The Language of Classic Maya Inscriptions. In: Current Anthropology 41 (3), 2000, S. 321–356 (Angabe aus en: History of Belize übernommen). Bedeutende archäologische Funde wurden für die frühe Zeit in Cuello (Orange Walk District) gemacht. Während der „klassischen Zeit“ der Maya-Zivilisation (etwa 250 bis 900) entstanden zudem kulturelle Zentren in Altun Ha, Xunantunich, Cahal Pech, Lamanai, Lubaantun und El Pilar. Um das Jahr 900 kam es zu einem weitgehenden Zusammenbruch der Mayazivilisation, dessen Ursachen noch heute nicht genau geklärt sind.
Zwar lebten an Orten wie Altún Ha, Xunantunich oder Lamanai weiterhin Menschen, aber die Bevölkerungszahlen waren deutlich zurückgegangen und diese Orte hatten ihre Bedeutung als mächtige zeremonielle und politische Zentren verloren. Die ersten europäischen Entdecker trafen bei ihrer Ankunft an der Küste Belizes also weiterhin auf Maya-Bevölkerung, deren kulturelle und politische Einrichtungen hatten ihren Glanzpunkt allerdings bereits überschritten.
Spanische Kolonialzeit Anfang des 16. Jahrhunderts erreichten die Schiffe von Martín Alonso Pinzón und Juan Díaz de Solís, Kapitänen des Christoph Columbus, die Küsten von Belize, und 1525 zog der Konquistador Hernán Cortés auf dem Weg zur Eroberung von Honduras durch das südwestliche Belize. Im Lauf des 16. Jahrhunderts „befriedeten“ die Spanier die Region des heutigen Belize, das heißt, sie errichteten keine dauerhafte Herrschaft, vertrieben aber große Teile der Küstenbevölkerung ins Hochland. Neben dem militärischen Einsatz der Spanier waren es Seuchen wie die von ihnen eingeschleppten Pocken, die die Bevölkerung dezimierten und den organisierten Widerstand brachen. Die Stadt Tipu im zentralen Belize war eines der Zentren des Widerstandes gegen die Spanier. Im 17. Jahrhundert musste sie nur kurze Zeit spanische Besatzung dulden und konnte ihre Unabhängigkeit aufgrund der großen Entfernung vom Zentrum der Kolonialmacht in Yucatan weitgehend erhalten.
Zwar war das Land für die Europäer wegen des Holzes der Tropenwälder von Interesse, aber aufgrund des anhaltenden Widerstandes der Bewohner und der großteils unwegsamen Küsten und Bergregionen im Hinterland konzentrierten sie ihre Aktivitäten mehr auf die Gebiete der heutigen Länder Mexiko und Honduras, wo vor allem auch Gold und Silber zu erbeuten waren.
Um 1700 wendete sich das Blatt und 1707 verschleppten die Spanier etliche Einwohner Tipus und anderer Orte in Belize in die Sklaverei. Anschließend kam es zu einem Bürgerkrieg in der Region zwischen den Mozul Maya des südlichen Belize, die den Spaniern weiterhin offenen Widerstand leisteten, und den Maya von Tipu, die sich mit ihnen zu arrangieren suchten. 1708 vernichteten die Spanier mit Unterstützung von Tipu-Soldaten die Streitmacht der Mozul Maya und siedelten anschließend die letzten Bewohner Tipus an den Petén-Itzá-See um.Silvia Pinzon, Ray Auxillou: The early history of Belize. Ab 1729 zogen sich die Spanier – ohne ihren Besitzanspruch aufzugeben – endgültig aus Belize zurück. Den Bewohnern war allerdings in der Zwischenzeit mit britischen Piraten ein neuer Feind erwachsen.
Beginn britischer Einflussnahme und spanisch-britischer Rivalität mini|Der Belize River, Namensgeber des Staates
Die Küsten Belizes boten ein ideales Rückzugsgebiet für britische Piraten, die sogenannten Bukaniere, die von dort aus ihre Raubzüge gegen die spanischen Flotten unternahmen. An Land schlugen sie zudem seit Mitte des 17. Jahrhunderts bereits Blauholz, eine Baumart, die als Färbemittel verwendet wurde.Country studies Laut einer Legende wurde einer dieser Bukaniere, Peter Wallace genannt „Ballis“, 1638 zum Namensgeber des Belize River und damit zum Namensgeber des späteren Staates Belize.
Erst 1670 kam die Piraterie zum Erliegen, als Großbritannien und Spanien in Madrid einen Vertrag unterzeichneten, um diese Praxis zu beenden. Die Baymen, wie die Piraten oder Freibeuter genannt wurden, weil sie sich vornehmlich im Golf (Bay) von Honduras aufhielten, suchten nun gezwungenermaßen andere Einnahmequellen und fanden sie im Handel mit Blauholz. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Kolonie wegen der wirtschaftlichen Rivalität und des spanischen Anspruchs auf das Gebiet mehrfach von benachbarten, spanischen Siedlern und Truppen angegriffen. 1763 erhielten die britischen Siedler mit dem Vertrag von Paris von Spanien die Erlaubnis, in einem bestimmten Teil Belizes Holz zu gewinnen. Der Vertrag konnte die Auseinandersetzungen zwischen Spanien und England jedoch nicht beilegen. Bei einem spanischen Angriff am 15. September 1779 wurde Belize City zerstört und viele Gefangene nach Havanna verschleppt. 1783 erhielten die Siedler mit dem Vertrag von Versailles wiederum die Erlaubnis zur Holznutzung. Nach dem Ausbruch eines weiteren Kolonialkrieges ab 1796 stieg die Zahl spanischer Angriffe aber wieder an. Mit Unterstützung der Royal Navy besiegten die britischen Siedler am 10. September 1798 in der Schlacht von St. George’s Caye eine spanische Flottille unter dem Kommando des Generalgouverneurs von Yucatán. Dieser spanische Angriff mit 30 Schiffen, 500 Seeleuten und 2000 Soldaten stellt den letzten Versuch Spaniens dar, den Briten die Kontrolle über das Gebiet zu entreißen.
Sklaverei im 18. und frühen 19. Jahrhundert mini|Karte des britischen Gebiets um Belize, 1831 Für rund hundert Jahre blieb die Holzwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle der britischen Siedler in der Region. Mit der Waldarbeit einher ging bald auch Sklaverei. Ab dem 18. Jahrhundert begannen die europäischen Siedler damit, für diese harte Arbeit afrikanische Sklaven einzusetzen. Belize war allerdings immer noch formal unter spanischer Herrschaft und die Verträge verboten den britischen Siedlern, (arbeitsintensive) Plantagen anzulegen. Die Zahl der Sklaven im Land nahm jedoch zu, als das Schlagen von Blauholz durch die Gewinnung von Mahagoni verdrängt wurde. Bis 1790 betrug der Anteil von Sklavenarbeitern an der registrierten Gesamtbevölkerung, also ohne die nicht gezählten Maya, rund 75 %. Viele schwarze Sklaven entkamen im Lauf des 18. Jahrhunderts Richtung Guatemala und Honduras.
Erst 1833 wurde die Sklaverei im britischen Empire infolge der industriellen Revolution, die neue Produktionsverhältnisse schuf, abgeschafft. Während Sklavenhalter für den Verlust ihres „Eigentums“, gemeint waren die befreiten Sklaven, entschädigt wurden, erhielten letztere weder eine Entschädigung, noch durften sie Land erwerben. Die Briten federten die Auswirkungen der Abschaffung der Sklaverei durch eine Übergangsperiode von fünf Jahren ab. Diese Phase wurde „Ausbildungszeit“ (apprenticeship) genannt, durch sie sollten die ehemaligen Sklavenhalter die Kontrolle über die ehemaligen Sklaven behalten. Auch nach dieser Periode änderte sich an den tatsächlichen Machtverhältnissen zwischen Schwarz und Weiß wenig.
Darüber hinaus etablierte sich vor allem in der Holzindustrie schnell ein System der Schuldknechtschaft.Mark Moberg: Belize. In: The Oxford Handbook of Central American History. Oxford University Press, 2022.
Einwanderung der Garifuna 1802 erreichten die ersten 150 Garifuna Belize. Die Garifuna waren gemischter afrikanischer, Arawak- und Kariben-Abstammung und lebten ursprünglich auf der Insel St. Vincent, die 1783 durch den Vertrag von Versailles von den Briten übernommen worden war. Es kam dort bald zu Konflikten zwischen sklavenhaltenden Briten und den frei lebenden Garifuna, die Unterstützer in den mit Großbritannien konkurrierenden Franzosen fanden. Franzosen und Garifuna verloren diese Auseinandersetzung und 1796 zwangen die Briten 5000 Garifuna auf eine Insel vor Honduras. Nur 2500 davon überlebten diese Reise. Von hier aus gelangten sie mit spanischer Billigung an verschiedene Stellen der Festlandküste, so auch nach Belize. Nach einem Bürgerkrieg in Honduras, bei dem die Garifuna auf der Seite der Verlierer standen, wanderten noch einmal etliche von ihnen nach Belize ein, wo sie heute etwa 6 % der Bevölkerung stellen.
Die Briten diskriminierten die Garifuna in ähnlicher Weise wie die Maya, wiesen ihnen 1872 Reservate zu und verweigerten ihnen das Recht, Land zu erwerben.
Britische Selbstverwaltung vor Etablierung der Kolonie Das übrige Festland Mittelamerikas stand – mit Ausnahme der ebenfalls britischen Moskitoküste im heutigen Nicaragua, dessen Geschichte der Belizes ähnelte – bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter spanischer Kolonialherrschaft. Zwar konnten die Spanier ihre Souveränität über Belize nie wirklich ausüben und gestanden den britischen Siedlern nach und nach immer weitgehender Kontrolle über ihr Siedlungsgebiet zu, die Briten vermieden jedoch lange eine formale Annexion Belizes, um die Spanier nicht zu provozieren. Die Siedler organisierten ihr Gemeinwesen daher weitgehend selbst. Ab 1738 wählten sie eine Versammlung, die Gesetze erlassen konnte. 1765 wurden diese selbst gegebenen Gesetze und Regelungen kodifiziert und ausgeweitet zu einem Regelwerk mit der Bezeichnung Burnaby’s Code. In der Vereinbarung von London 1786 erlaubten die Briten den Siedlern, Tropenhölzer zu schlagen und zu exportieren, jedoch nicht, Befestigungen zu bauen, irgendeine Form von Regierung zu bilden oder Plantagenwirtschaft zu betreiben. Diese Vereinbarungen wurden jedoch in allen Punkten systematisch von den Siedlern gebrochen.
Spanien behielt die formale Herrschaft über Belize bis zum 10. September 1798, als es in der Schlacht von St. George’s Caye zur entscheidenden militärischen Niederlage der Spanier gegen die Briten kam. Nun stand das Land unter britischer Herrschaft, ohne dass sich am weitgehend unabhängigen und selbstbestimmten Leben der Siedler viel änderte.
1850–1871: Übergangszeit und Grenzfestlegung 1854 tat Großbritannien einen großen Schritt zur Schaffung formeller Kolonialstrukturen in der Siedlerkolonie, indem Belize eine Verfassung und eine gesetzgebende Versammlung erhielt. Die 18 Mitglieder dieser Versammlung mussten über ein festgelegtes Mindestvermögen von 400 Pfund Sterling und ein jährliches Mindesteinkommen verfügen. Sie war damit eindeutig eine Vertretung der reichen Siedlerfamilien. Der britische Superintendent durfte zudem drei der Mitglieder ernennen, die Versammlung jederzeit einberufen oder auflösen sowie seine Zustimmung zu den Gesetzen nach Belieben geben oder verweigern. Dadurch wurde das Kolonialamt in London zum wahren Herrscher der Kolonie.