Die Sparkasse Mittelthüringen ist eine öffentlich-rechtliche Sparkasse mit Hauptsitz in Erfurt in Thüringen. Ihr Geschäftsgebiet sind die Landkreise Sömmerda und Weimarer Land sowie die Städte Erfurt und Weimar.

Organisationsstruktur Die Sparkasse Mittelthüringen ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Rechtsgrundlagen sind das Kreditwesengesetz, die Thüringer Sparkassenverordnung, das Thüringer Sparkassengesetz und die durch den Verwaltungsrat der Sparkasse erlassene Satzung. Organe der Sparkasse sind der Vorstand und der Verwaltungsrat.

Vorstand und Verwaltungsrat Der Vorstand der Sparkasse Mittelthüringen besteht derzeit aus:

Hans-Georg Dorst (Vorstandsvorsitzender) Michael Haun (stv. Vorstandsvorsitzender)

Der sechzehnköpfige Verwaltungsrat besteht aus den vier Landräten und Oberbürgermeistern der Städte und Kreise im Geschäftsgebiet, sieben weiteren sachkundigen Mitgliedern sowie fünf Mitarbeitervertretern. Jedes Jahr wechselt der Vorsitz turnusmäßig zwischen den Landräten und Oberbürgermeistern der Region.

Die Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Sparkasse Mittelthüringen sind:

Landrat Christian Karl (Vorsitzender) Oberbürgermeister Peter Kleine (1. stv. Vorsitzender) Landrätin Christiane Schmidt-Rose (2. stv. Vorsitzende) Oberbürgermeister Andreas Horn (3. stv. Vorsitzender)

Geschäftsausrichtung und Geschäftserfolg Die Sparkasse Mittelthüringen betreibt als Sparkasse das Universalbankgeschäft. Sie ist Marktführer in ihrem Geschäftsgebiet. Nach eigenen Angaben hat das Geldinstitut mit rund 211.000 Girokonten in Mittelthüringen einen Marktanteil von 52 Prozent.

Im Verbundgeschäft arbeitet die Sparkasse u. a. mit der Landesbausparkasse Hessen-Thüringen, der DekaBank und der SV SparkassenVersicherung zusammen. Die Funktion einer Girozentrale übernimmt die Landesbank Hessen-Thüringen.

mini|Das Geschäftsgebiet der Sparkasse Mittelthüringen + Wirtschaftliche Entwicklung der Sparkasse Mittelthüringen 2006 2007 2008 2009 2010 2011Gut für Mittelthüringen: Geschäftskurzbericht und Nutzenbilanz 2011. Erfurt: Sparkasse Mittelthüringen, 2011. 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Bilanzsumme (Mio. Euro) 3.472 3.518 3.679 3.547 3.582 3.660 3.822 3.882 4.033 4.007 4.017 4.142 Einlagen (Mio. Euro) 2.984 3.158 3.106 3.023 3.048 3.092 3.201 3.232 3.312 3.392 3.342 3.345 Kundenkredite (Mio. Euro) 1.352 1.352 1.384 1.483 1.559 1.609 1.715 1.934 2.091 1.971 2.058 2.139 Mitarbeiter 931 926 937 929 911 887 903 904 893 876 842 800

Gesellschaftliches Engagement Die Sparkasse Mittelthüringen führt in den Räumen der Hauptfilialen regelmäßig Kunstausstellungen und andere Kulturveranstaltungen durch. Mit einem gemeinnützigen Förderengagement von jährlich über 4,8 Mio. Euro unterstützt sie überdies viele Hundert gemeinnützige Vorhaben und Institutionen in ihrem Geschäftsgebiet. Viele Projekte im gesellschaftlichen, kulturellen oder sportlichen Bereich wären ohne die Unterstützung der Sparkasse damit nicht durchführbar.

Die Sparkasse Mittelthüringen hat überdies drei Sparkassenstiftungen:

Sparkassenstiftung Erfurt Sparkassenstiftung Sömmerda Sparkassenstiftung Weimar – Weimarer Land

Diese unterstützen ebenfalls eine Vielzahl gemeinnütziger Projekte und Vereine im Geschäftsgebiet. Die drei Stiftungen haben ihre Historie in den Althäusern vor der Fusion zur Sparkasse Mittelthüringen und wirken auch heute noch in den geografischen Grenzen der alten Sparkassen.

Geschichte Die Sparkasse Mittelthüringen entstand im Jahr 2003 durch die Fusion der bis dahin selbstständigen Sparkassen aus Erfurt, Sömmerda und Weimar. Die Fusion erfolgte dabei nicht aus wirtschaftlichen Zwängen, vielmehr wurden die strategischen Chancen einer Fusion im Wettbewerb gezielt genutzt und in den vergangenen Jahren umgesetzt.

Der Name des Institutes wurde vom geographischen Gebiet abgeleitet.

Die drei Vorgängerinstitute entstanden jeweils 1952 im Rahmen der Reorganisation der Sparkassen in der DDR.

Die „Gründerzeit“ der mittelthüringischen Sparkassen Die erste Sparkasse im heutigen Geschäftsgebiet der Sparkasse Mittelthüringen wurde 1821 in Weimar gegründet. Von da an wuchs die Zahl der eigenständigen Sparkassen in der Region bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stark an. Bis zum Jahr 1890 entstanden insgesamt 16 eigenständige Sparkassen.

mini|Das erste eigene Geschäftsgebäude der Sparkasse Weimar (1848) mini|Der Gebäudekomplex der Sparkasse Weimar am Graben 4 in Weimar heute (2024) + Gründungschronik der Sparkasse Mittelthüringen Gründung Institut 1821 Sparkasse Weimar 1823 Sparkasse Erfurt 1841 Sparkasse Weißensee 1844 Sparkasse Stotternheim 1845 Sparkasse Apolda 1846 Sparkasse Gebesee Sparkasse Kindelbrück 1848 Sparkasse Kölleda 1849 Sparkasse Sömmerda 1850 Sparkasse Buttstädt 1856 Sparkasse Vieselbach Sparkasse Blankenhain 1878 Sparkasse Kannawurf 1884 Sparkasse Bad Berka 1888 Sparkasse Großrudestedt 1890 Sparkasse Rastenberg

Sparkasse Weimar (16. Februar 1821) mini|hochkant|Die Stifterin der Sparkasse, Maria Pawlowna, auf einem Porträt im Weimarer Schloss Im Jahr 1820 regte die Erbgroßherzogin und spätere Großherzogin Maria Pawlowna die Gründung einer Sparkasse in Weimar an, da möglichst alle Bevölkerungsschichten die Möglichkeit haben sollten, ihr Geld anlegen und somit auch eine Vorsorge für die Zukunft treffen zu können. Daraufhin bildete sich ein Sparkassenverein, dem 16 Gründungsmitglieder angehörten – darunter auch der Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe. Nachdem die erforderlichen Formalitäten abgeschlossen waren, wurde die Sparkasse schließlich am 16. Februar 1821 anlässlich des Geburtstages ihrer Stifterin Maria Pawlowna eröffnet. Bereits am 17. Februar zahlten die ersten Kunden – zwei Dienstmädchen – ihre Ersparnisse von 6 bzw. 50 Talern ein.

Sparkasse Erfurt (21. April 1823) Anders verlief die Gründung in der preußischen Stadt Erfurt. Hier war es der Magistrat, der die Errichtung einer kommunalen Sparkasse initiierte. Mit seinem Beschluss vom 9. April 1822 zur Gründung einer Sparkasse verband der Erfurter Magistrat folgende Zielstellung: „Jeden, welcher sich in der Lage befindet, kleine Ersparnisse zu machen, die Gelegenheit zu geben, dieselben sicher und zinsbar unterzubringen, um für den Fall des Bedarfs oder der Noth ein Kapital zu sammeln.“. Die weniger wohlhabenden Bewohner Erfurts – wie z. B. Dienstmädchen oder Tagelöhner – sollten erstmals Gelegenheit haben, ihre Ersparnisse verzinslich anzulegen. Der Geschäftsbetrieb der Sparkasse wurde schließlich am 21. April 1823 aufgenommen. Verbunden wurde die Sparkasse mit einer Leihanstalt, die gegen Pfänder Geld verleihen durfte. Seit dem preußischen Sparkassen-Reglement von 1838 war es der Sparkasse auch möglich, die eingenommenen Spareinlagen in ersten Hypotheken, in Darlehen an den eigenen Gewährträger sowie in inländischen Staatspapieren und Pfandbriefen anzulegen. Die Sparkasse entwickelte sich in den ersten 20 Geschäftsjahren recht dynamisch. Mit Einlagen in Höhe von 230.408 Talern und 4.976 Sparkassenbüchern belegte die Sparkasse Erfurt im Jahr 1849 den 13. Platz unter den größten Sparkassen in Preußen, noch vor Köln und Dortmund.

Sparkasse Apolda (26. Juli 1845) Als Folge der Sparkassen-Gründungen in der Umgebung – vor allem in Erfurt und Weimar – wurde dem Stadtrat von Apolda durch Reskript der Großherzoglichen Landesdirektion vom 24. April 1845 darauf aufgetragen, sich darüber einig zu werden, ob es sinnvoll und auch möglich ist, in Apolda eine eigene Sparkasse zu gründen. Bereits am 8. Mai 1845 wurde daraufhin im Apoldaer Stadtrat der Entschluss gefasst, eine eigene Sparkasse zu gründen. Die von Bürgermeister Müller dazu ausgearbeiteten Bestimmungen wurden am 5. Juni 1845 durch den Stadtrat genehmigt. Am 23. Juli wurde die Öffentlichkeit per Rundschreiben über die bevorstehende Gründung der Sparkasse Apolda zum 26. Juli 1845 informiert. Geöffnet wurde die Sparkasse anfänglich alle zwei Wochen jeweils sonntags zwischen 15 Uhr und 18 Uhr. Verzinst wurden die ersten Einlagen mit 3 1/3 %.

Sparkasse Sömmerda (30. Juli 1849) Die ersten Aktivitäten zur Gründung einer Sparkasse in Sömmerda begannen im Jahr 1845. Landrat Carl Adolph Ernst von Münchhausen regte beim Magistrat der Stadt an, eine Sammelkasse der Kreissparkasse Weißensee einzurichten. Dabei sollte es sich gewissermaßen um eine Außenstelle, die nur Einlagen entgegennehmen und in regelmäßigen Abständen an die Sparkasse abführen sollte. Der Magistrat griff diese Idee auf, entschied sich jedoch dazu, eine selbstständige Sparkasse der Stadt Sömmerda zu gründen. Anfang 1846 wurde dem zuständigen Landrat die Gründung einer eigenständigen Sparkasse Sömmerda offiziell vorgeschlagen. Allerdings sprachen aus Sicht der Regierung in Erfurt drei Gründe dagegen, eine Sparkasse Sömmerda zu etablieren. Erstens läge die Kreissparkasse Weißensee in der Nähe. Zweitens wäre die Stadt Sömmerda mit dem ganzen Kreis Gewährträger dieser Kreissparkasse und es bedürfe erst der Zustimmung der Kreisstände, um die Stadt aus ihrer Teilgewähr zu entlassen. Drittens solle die neue Sparkasse Schuldverschreibungen der Stadt übernehmen und somit deren Zinslast senken. So dauerte es bis zum September 1847, ehe der erste Entwurf zum Statut der geplanten Sparkasse vorgelegt werden konnte. Nach weiteren bürokratischen Komplikationen konnte zum 30. Juli 1849 die Sparkasse der Stadt Sömmerda im städtischen Rathaus ihren Betrieb aufnehmen. Die Kasse war zu Anfang einmal wöchentlich, am Montagvormittag von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr geöffnet. Verzinst wurden die ersten Einlagen ebenfalls mit 3 1/3 %.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lösten sich die mittelthüringischen Sparkassen nach und nach von ihren Gewährträgern und erhielten somit den Status von selbstständigen Wirtschaftsunternehmen. Zudem war zu Beginn des Ersten Weltkrieges eine Einflussnahme des Staates auf die Geschäfte der Sparkassen festzustellen. Während Wertpapierkäufe durch die Sparkassen zuvor maßgeblich zur Stärkung der regionalen Infrastruktur getätigt worden waren, mussten ab 1912 mindestens 60 Prozent der ausgegebenen Wertpapiere der Sparkassen in Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches investiert werden. Somit wurden diese mit dem Krieg quasi zur Hauptanlageform. Auch dadurch stiegen die Kundeneinlagen der mittelthüringischen Sparkassen zwischen 1911 und 1918 um das Doppelte.Hildebrand, Thomas. Die Geschichte der Sparkassen im Landkreis Sömmerda. Kreissparkasse Sömmerda, 1999. Nach dem Krieg nahm – wie bei den anderen deutschen Sparkassen – das Geschäft mit der langfristigen Geldanlage ab und im Gegenzug stiegen die Giro- und Kontokorrenteinlagen.

Durch die auf den Krieg folgende Rezession wurde die finanzielle Substanz der Sparkasse fast vollständig vernichtet. Das zeigte vor allem die Wiedereinführung des Notgeldes in Weimar Anfang August 1923. Ab Oktober 1927 wurden in der Sparkasse Weimar zunehmend Maschinen eingesetzt, um die Arbeit der Angestellten zu unterstützen. Neben Buchungsmaschinen wurden auch Additions- und Staffelmaschinen sowie Briefverschluss- und Adressiermaschinen angeschafft. Bis 1930 kamen noch Frankier-, Diktier- und Schreibmaschinen hinzu.Althaus, Gerhard. Chroniken der Sparkasse Weimar. Finkdruck: Apolda, 1996. Außerdem legten die Sparkassen nach der Inflationszeit den Fokus vermehrt auf den Zugewinn neuer Kunden. Die Heimsparbüchsen, welche in Weimar im Jahr 1925 eingeführt wurden, konnten bis 1929 an über 8500 Kunden ausgegeben werden. Im Norden des heutigen Geschäftsgebietes gab es zu Beginn der 30er Jahre einige Umstrukturierungen. Zunächst wurden die Kreissparkassen von Weißensee und Erfurt zusammengelegt und der Hauptsitz der neuen „Sparkasse des Kreises Weißensee zu Erfurt“ in Erfurt eingerichtet. Anschließend wurde 1933 die Stadtsparkasse Sömmerda in die Sparkasse des Kreises Weißensee zu Erfurt eingegliedert.

In der DDR mini|400px|Neubaukomplexe im Erfurter Rieth – erbaut zu Zeiten der DDR