mini|Landschaftsbild von Zeiskam Zeiskam ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bellheim an. Zeiskam wird im Pfälzischen Dialekt auch „Zäskäm“ oder „Zäsim“ genannt.

Geographie Geographische Lage Der Ort liegt in der Südpfalz zwischen Germersheim und Landau in der Pfalz. Zur Gemeinde gehören zusätzlich die Wohnplätze Am Mühlweg, Binsenhof, Im Briefel, Im Häg, Klosterhof, Zeiskamer Mühle und Birkenhof. Im Süden der Gemarkung erstreckt sich der Bellheimer Wald.

Gewässer Im Süden der Gemeinde (Zeiskamer Mühle) verläuft der Unterlauf der Queich, die in Germersheim in den Rhein mündet. Außerdem fließen durch Zeiskam die Druslach und der Hofgraben, Abzweigungen vom Fuchsbach, der wiederum eine Ableitung der Queich ist, sowie der von der Haardt kommende Hainbach. Um den Fuchsbach rankt sich eine Zeiskamer Legende, auf die angeblich das charakteristische Bewässerungssystem in Zeiskam zurückzuführen ist. Ganz im Norden reicht die Gemeindegemarkung bis an den Bruchbach heran.

Geschichte mini|hochkant|Wappen der Herren von Zeiskam auf dem Epitaph des Wilhelm von Löwenstein († 1579), Pfarrkirche St. Ulrich, Deidesheim

Der Ort wurde 774 erstmals im Lorscher Codex als Zezzincheim urkundlich erwähnt. Er ist Stammsitz der „Edlen von Zeiskam“ (960–1604), deren letzter Vertreter Wilhelm Christof hieß.

In der Nähe von Zeiskam stand die Johanniterorden Komturei Heimbach.Klaus Sütterlin: König Johann, Ritter auf dem Schauplatz Europa. Knecht Verlag, Landau 2003, ISBN 978-3-930927-77-7. S. 64 ff. Sie wurde im Pfälzischen Bauernkrieg 1525 zerstört.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz und unterstand dort dem Oberamt Germersheim. Die Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen beendete die alte Ordnung. Der Ort wurde von 1798 bis 1814 Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Französischen Kaiserreichs. Er wurde Sitz einer Mairie, die dem Kanton Germersheim des Arrondissements Speyer im Département Donnersberg zugeordnet war. Nach der Niederlage Napoleons fiel auf dem Wiener Kongress die linksrheinische Pfalz 1815 zunächst an Österreich und 1816 aufgrund des Vertrags von München schließlich an das Königreich Bayern.

Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.

Als Folge des Ersten Weltkriegs war die gesamte Region dem französischen Abschnitt der Alliierten Rheinlandbesetzung zugeordnet. Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Zeiskam innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Bellheim eingegliedert. Im Jahr 2000 wurde Zeiskam Landessieger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Zeiskam Jahr Einwohner 1802 1.071Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XLIII des Anhangs 1815 1.506 1835 1.703 1849 1.840 1861 1.824 1871 1.769Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65 1905 1.877 Jahr Einwohner 1939 1.892 1950 2.155 1965 1.963 1970 1.902 1975 1.854 1980 1.815 1985 1.755 Jahr Einwohner 1990 1.853 1995 2.043 2000 2.163 2005 2.270 2010 2.205 2015 2.247

Konfessionsstatistik mini|hochkant|Barocker Hauptaltar in St. Bartholomäus

Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 44,4 % evangelisch, 34,5 % katholisch und 21,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Zeiskam Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand 31. Januar 2025) liegt der Anteil der evangelischen Bürger bei 31,7 %, der katholischen bei 29,8 % und der Sonstigen bei 38,5 %Stadt Zeiskam, abgerufen am 5. Februar 2024

Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1.769 Einwohnern 1.233 evangelisch (70 %) und 536 katholisch (30 %).

Politik mini|Rathaus

Gemeinderat Der Gemeinderat in Zeiskam besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG BfZ Gesamt 2024 – 2 10 4 16 Sitze 2019 – 3 9 4 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 6 4 6 – 16 Sitze 2009 3 4 9 – 16 Sitze 2004 3 4 9 – 16 Sitze FWG = Freie Wähler Gruppe VG Bellheime e. V. BfZ = Bürger für Zeiskam e. V.

Bürgermeister Susanne Lechner (FWG) wurde am 24. Juni 2019 Ortsbürgermeisterin von Zeiskam. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war sie mit einem Stimmenanteil von 61,11 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde sie als einzige Bewerberin mit 81,1 % für weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt.

Bürgermeister seit 1800; Quelle bis 1974:Jakob Kling: Zeiskam im Wandel der Zeiten: 774–1974. Jahr Bürgermeister 1797–1812 Tobias Guth 1813–1839 Konrad Guth 1839–1843 Andreas Löffler 1843–1848 Konrad Frey 1848–1879 Jakob Sutter 1879–1885 Peter Wolf 1885–1892 Adam Bräunig 1892–1895 Johannes Sutter 1895–1915 Jakob Bräunig 1915–1919 Johann Friedrich Guth 1919–1920 Friedrich Herzog 1920–1922 Jakob Seiler 1922–1929 Fritz Mees Jahr Bürgermeister 1929–1933 Theodor Wolf 1933–1934 Hermann Stubenbordt 1934–1945 Jakob Sutter 1945–1946 Theodor Wolf 1946–1953 Otto Wolf 1953–1969 Arthur Bräunig 1969–1981 Heinrich Butz 1981–1989 Emil Först 1989–2009 Roland Humbert 2009–2014 Peter Herzog (FWG) 2014–2019 Klaus Weiß (SPD) seit 2019 Susanne Lechner (FWG) Wappen Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px

Die Wappenbeschreibung lautet: „In Silber zwei schräggekreuzte natürliche Zwiebeln mit grünen Röhren, oben bewinkelt von einem schwebenden schwarzen Großbuchstaben Z, unten von einem Dorfzeichen in Form einer von einem goldenen griechischen Kreuz überhöhten blauen Scheibe“.

Es geht zurück auf ein Siegel aus dem Jahr 1571.Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.

Gemeindepartnerschaften Seit 2001 besteht eine Partnerschaft mit Roccastrada in der Toskana in Italien. Im Januar 2008 hat der Gemeinderat von Zeiskam beschlossen, eine weitere Partnerschaft mit Monts in Frankreich einzugehen. Die feierliche Besieglung dieser Partnerschaft fand am 11. Oktober 2008 statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler

mini|Denkmalgeschützter Pfarrhof

Der Ortskern ist als Denkmalzone ausgewiesen.

Hinzu kommen außerdem zahlreiche Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die folgenden:

Rathaus, erbaut 1833, zweistöckig, klassizistisch von Leo von Klenze, dem Architekten des Königs Ludwig I. von Bayern Katholische Kirche St. Bartholomäus, erbaut 1754/55, zwei Barock-Altäre und eine Rokoko-Kanzel (1838–1844) Evangelische Kirche, erbaut 1838/1844 nach Plänen von August von Voit, neuromanisch, wertvolle Orgel

Sonstige Bauwerke

mini|Gotischer Spitzbogen als Reminiszenz an die Komturei Heimbach

Bierkeller, erbaut 1842, historischer Gewölbekeller zur Einlagerung von Natureis, das zur Bierkühlung verwendet wurde Geburtshaus des napoleonischen Generals Jacob-François Marulaz (1769–1842) in der Kronstraße 26 Gotischer Spitzbogen, Denkmal am Standort der ehemaligen Klosterkirche der Komturei Heimbach (seit Frühjahr 2011)

Natur Mit den Kastanien beim Bahnhof Zeiskam existiert innerhalb des Gemeindegebiets ein Naturdenkmal.

Kunst Das Künstlergästehaus Gawrisch in der Hauptstraße 14 unterstützt und fördert vorzugsweise osteuropäische Künstler. Das Stipendium setzt eine fundierte abgeschlossene akademische Ausbildung voraus.

Kultur In Zeiskam existieren mehrere kulturell tätige Vereine, unter anderem wurde innerhalb der Gemeinde 1885 der erste Posaunenchorverein Deutschlands gegründet.

Veranstaltungen Gesellschaftsball (1. Samstag im Januar, Veranstalter: Liederkranz-Chöre) Faschingsball (Veranstalter: TB Jahn Zeiskam) Gesellschaftsball (2. Samstag nach Fasching, Veranstalter: Gesangverein Frohsinn) Osterturnier – Judoturnier Altersklasse U11 und U14 (2 Wochen vor Ostern, Veranstalter: 1. Budoclub Zeiskam) Karfreitag Fischessen (Veranstalter: AV Petri Heil Zeiskam) Fußball – Wochenturnier (Veranstalter: TB Jahn Zeiskam) Pfingstturnier mit Springen und Fahren (Veranstalter: Reit- und Fahrverein) Fischerfest (Veranstalter: AV Petri Heil Zeiskam) Wein- und Musikfest (letztes Juni-Wochenende, Veranstalter: Cäcilienverein) Zwewwelfescht (1. August-Wochenende, Veranstalter: Gesangverein Frohsinn) Kirwe (Letztes August-Wochenende, Veranstalter: Gemeinde Zeiskam) Kirwelauf (Kirwemontag, Veranstalter: 1. Budoclub Zeiskam) Tennis – LK-Turnier Valentinscup (Veranstalter: TC 86 Zeiskam e. V.) Wein- und Kelterfest (Letztes September-Wochenende, Veranstalter: Liederkranz-Chöre)

1982 fand außerdem in der Gemeinde die Deutsche Meisterschaft im Voltigieren statt.

Die Zwiebelhoheiten Erstmals im Jahr 1999, zur 1225-Jahr-Feier, wurde mit Miriam I. eine Zwiebelkönigin gewählt. Seitdem wird im Ein- bis Zwei-Jahres-Rhythmus zum Kirweauftakt eine neue Hoheit gekrönt. Die Hoheiten repräsentieren Zeiskam bundesweit bei Messen, Festumzügen und sogar europaweit in den Partnergemeinden. Seit 2006 wird die Zwiebelkönigin durch eine Zwiebelprinzessin an ihrer Seite unterstützt, damit sie zusammen die inzwischen sehr zahlreichen Termine besser wahrnehmen können.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Landwirtschaftlich genutzte Fläche innerhalb von Zeiskam

Wirtschaft Zeiskam ist für seinen Gemüsebau bekannt. Dabei ist traditionell bedeutend vor allem der Anbau von Zwiebeln. Die landwirtschaftliche Genossenschaft „Pfalzmarkt“ mit Sitz in Mutterstadt betreibt in Zeiskam eine Außenstelle. Der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen ist rückläufig, dennoch existieren große landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt 499 Hektar Landwirtschaftsfläche, die bis in die Gegenwart zum landwirtschaftlichen Charakter beitragen.

Im Süden der Gemeinde befindet sich das Gewerbegebiet „In der Sauheide“, in dem sich mehrere Unternehmen angesiedelt haben, darunter verschiedene Transport- und Baustoffunternehmen sowie ein Getränkegroßhandel.

Verkehr Nördlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 272, die von Landau (A 65) nach Schwegenheim (B 9) führt. Entlang des westlichen Siedlungsrandes verläuft die Landesstraße 540, die nach Hochstadt und Bellheim führt. Die in der Ortsmitte von ihr abzweigende Kreisstraße 1 führt nach Freimersheim.

mini|Früherer Bahnhof Zeiskam

Zeiskam war über die Bahnstrecke Germersheim–Landau an das Schienennetz angeschlossen. Die Verbindung wurde 1998 jedoch stillgelegt, nachdem bereits 1984 der Personen- und 1991 der Güterverkehr beendet wurde. Seit 2006 wird sie touristisch wieder für Draisinenverkehr genutzt. Im gewöhnlichen Verkehr ist die Gemeinde über die Buslinie 590, die eine Verbindung mit Landau und Germersheim herstellt, an das Nahverkehrsnetz angebunden.

Behörden Die Gemeinde gehört zum Zuständigkeitsbereich des Amtsgericht Germersheim.

Tourismus Durch Zeiskam verläuft der Kraut-und-Rüben-Radweg.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Zeiskam verlieh vier Personen die Ehrenbürgerwürde. Paul von Hindenburg (1847–1934), Reichspräsident Johann Vogel (1865–1935), Oberlehrer Roland Humbert (* 1942), Bürgermeister von 1989 bis 2009, verliehen am 14. Januar 2012 für seine Verdienste um die Gemeinde