mini|Mitglieder der Familie De GraeffDie Dargestellten sind: Cornelis de Graeff, seine Ehefrau Catharina Hooft, ihre beiden Söhne Pieter und Jacob de Graeff; die stehenden Figuren stellen von links nach rechts Willem Schrijver, Pieter Trip sowie Cornelis jüngerer Bruder Andries de Graeff bei der Ankunft in Soestdijk. Gemälde von Jacob van Ruisdael und Thomas de Keyser (1656/1660), National Gallery of Ireland
De Graeff, auch Graeff (De Graef, Graef, aber auch Graaff) sowie De Graeff van Polsbroek genannt, ist der Name eines noch heutzutage bestehenden niederländischen Patrizier- und Adelsgeschlechts. Die Familie erlebte ihren Höhepunkt im Amsterdam und Holland des 17. Jahrhunderts, dem Goldenen Zeitalter, als sie durch geschicktes Taktieren zu einem der einflussreichsten Geschlechter der niederländischen Republik aufsteigen konnte. (en)
Der Reichtum der De Graeffs beruhte auf Handelsgeschäften und deren Heiratspolitik, bei ihrem politischen Engagement standen sie meist in Gegensatz zu den Oraniern, von denen sie mehrfach aus der Amsterdamer Stadtregierung ausgeschlossen wurden. Durch zahlreiche Heiratsbündnisse waren sie mit der Familie der Bicker verbunden. Im Laufe des Goldenen Zeitalters waren Angehörige der Familie De Graeff auch als bedeutende Mäzene tätig.
Anfänge und Überblick Amsterdamer Stammlinie mini|hochkant|Heraldische Stammtafel der Herren von Graben sowie deren Abstammungen mini|hochkant|Stammwappen der Graeff (erstmals 1543 genannt)
Die Familie tritt erstmals zum Anfang des 16. Jahrhunderts mit Pieter Graeff (* 1450 oder frühe 1460er Jahre) und dessen Ehefrau Griet Pietersdr Berents in Amsterdam auf.Nederlands adelsboek 1914, S. 14 Quellen erwähnen, dass Peter von Graben resp. Pieter Graeff ein Sohn des wohl zwischen 1476 und 1483 in Holland ansässigen Wolfgang von Graben († 1521) war. Vater und Sohn gelangten im Gefolge von Erzherzog Maximilian von Österreich [dem nachmaligen Kaiser] von Österreich nach Holland, welches jener mittels der Ehe mit Maria von Burgund erworben hatte. Als Peters Mutter wird Margarethe von Croppenstein angegeben, was aber nicht zutreffend sein kann, da jene zwar als Ehegattin eines Wolfgang von Graben aber erst im 16. Jahrhundert erwähnt wird un es sich um einen späteren Wolfgang von Graben handelt. Wolfgang trat in den Kriegsdienst ein und wurde dem Erzherzog zugeteilt. Peter vermählte sich in Holland und nahm den Namen (Pieter) de Graeff (oder De Graaff) an. Von ihm leitet das Geschlecht (De) Graeff seine Abstammung ab. Jene Von Graben entstammten dem krainischen Uradelsgeschlecht der Herren von Graben aus dem Haus der Meinhardiner. Die Quellenlage hierzu ist nicht gesichert.S.A.C. Dudok van Heel: Van Amsterdamse burgers tot Europese aristocraten. Band 2, 2008, S. 974. Griet Pietersdr Berents war eine Nachkommin von Jan Berents, Herr von Randenbroek, dem Sohn von Wouter Berensz und seiner Frau Dieuwer Willemsz de Grebber, genannt Berents, aus dem Geschlecht De Grebber.De vroedschap van Amsterdam 1578–1795, Teil 1, S. 85, von Johan Engelbert Elias (1963)Genealogie Pauw, Persijn, de Jong, en Verhee. Von Thijs Postma Pieter Graeff führte aber schon das Von Graben-Wappen mit dem silbernen Spaten auf rotem Grund [aber nicht den silbernen Vogel auf blauem Grund]. Die Familie Graeff übernahm von den Berents / De Grebber, den Baljuws (Vögte) des Waterlandes, deren silbernen Schwan auf blauem Grund. Ob er dieses Zeichen schon selbst führte, ist nicht bekannt. Dieses Wappenbild wurde in der Familie erstmals 1542 oder 1543 nachgewiesen.
Pieters Stamm wurde durch seinen einzig bekannten Sohn Jan Pietersz Graeff (vor 1512–1553) weitergeführt. Über jenen ist bekannt, dass er in Amsterdam im „Huis De Keyser“ (benannt nach der außerhalb des Gebäudes angebrachten „Keizerskroon“) am Damrak wohnte, wo er einen florierenden Tuchhandel betrieb. Im Jahre 1539 wurde er als deren Gildemeister angegeben. Graeff führte seinen Handel auch in Antwerpen, dem damaligen Stapelplatz für englische Leinen. Als er sich als Händler in Nordbrabant festigen wollte, intervenierten seine Söhne für seine baldige Rückkehr nach Amsterdam. Dort wurde Graeff zum Mitglied der patrizischen Stadtregierung ernannt. 1542 erhielt er ein Amt in der Vroedschap und im darauffolgenden Jahr das Amt eines Schepen. Durch seine Tätigkeit in der Stadtregierung gehörte die Familie De Graeff zu den wenigen Geschlechtern, die vor und nach der Alteratie von Amsterdam in der Regierung saßen.
mini|hochkant|Dirck Jansz Graeff, unbekannter Künstler (ca. 1578) Jan Pietersz Graeff hatte fünf Söhne. Der zweitgeborene Lenaert Jansz de Graeff war in den 1560er und 1570er Jahren in den religiösen Befreiungskampf der Niederlande involviert; einerseits war er unter seinem Freund Heinrich von Brederode einer der militärischen und religiösen Führer Amsterdams und wahrscheinlich als „Monseigneur de Graeff“ als Kapitän der Wassergeusen an der Eroberung von Brielle im Jahre 1572 beteiligt. (Monseigneur de Graeff van Brugge). In zeitgenössischen historischen Büchern wird Lenaert Jansz de Graeff neben Wilhelm II. von der Mark und Willem Bloys van Treslong als einer der Anführer der Wassergeusen bezeichnet, und sein Charakter wurde in dem historischen Roman De erfenis van de Grote Geus skizziert. Jans’ dritter Sohn Dirck Jansz Graeff (1532–1589) begründete die Hauptlinie des Geschlechts in Amsterdam. Er konnte als regierender Bürgermeister Amsterdams und Freund des Wilhelm von Oranien (Wilhelm der Schweiger) den Grundstein für den politischen und gesellschaftlichen Einfluss der Familie als Stadtherren von Amsterdam legen. Dirk Jansz war einer der Emigranten, die vor dem spanischen Heer unter dem Herzog von Alba nach Emden flüchteten.S.A.C. Dudok van Heel: Van Amsterdamse burgers tot Europese aristocraten. Band 2, 2008, S. 974. Nach seiner Rückkehr hatte er Beteiligungen an über 100 Handelsschiffen und 1584/1585 war er mit einem Vermögen von 140.000 Gulden der reichste Einwohner Amsterdams.I.H. Eeghen: De restauratie van Herengracht 77. In: Maandblad Genootschap Amstelodamum (1968) S. 235.
Ältere Linien Republik der Vereinigten Niederlanden Von Sohn Jacob Jansz Graeff († ca. 1580), dem jüngsten Sohn von Jan Pietersz Graeff, spalteten sich Nebenlinien ab, die u. a. in den Städten Alblasserdam,Kolumne von Hennie van der Zouw: Wat heeft Alblasserdammer Jan Jacobsz de Graeff met Paleis Soestdijk te maken? (alblasserdam.net). Alkmaar, Leiden und Delft lebten, aber nicht gleich der in Amsterdam verbliebenen zu Einfluss gelangen konnte. Das bekannteste Mitglied war der holländische Konteradmiral Albert Claesz de Graeff, ein Urenkel von Jacob Jansz Graeff. Ob sich heute noch Nachkommen aus diesen Zweigen zurückführen, ist nicht bekannt.
Darüber hinaus existieren Nachkommen von Jacob Jansz Graeffs außerehelichem Sohn Adriaan Jacobsz Graeff,Genealogie van het geslacht „De Graeff“. In: De Neederlandse Leeuw. 1898, S. 131. über deren Wirken aber nichts weiteres bekannt ist.
Heiliges Römisches Reich mini|hochkant|Wappen der Familie De Graaff/De Graaf in Preußen mit dem niederländischen De Graeff-Wappen (Graaff (de), Prusse - Orig. de Hollande) im Rietstapeuraldic.com: (französisch).Rietstap book of arms
Ein weiterer Zweig der Familie lebte in Holland und in Preußen (Deutschland). Gemäß dem Genealogischen Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter entstammte die preußische Familie De Graaff des 19. Jahrhunderts der Amsterdamer Linie der De Graeff. Danach soll der preußische Zweig von Dirk Reynier de Graaff (genannt 1596), einem Sohn des Lenaert Jansz de Graeff (Leonardus de Graaff; 1525/30 - vor 1578), abstammen. Weshalb diese Familie, von der keine Erhebung in dem Adelsstand nachweisbar ist, in einem genealogischen Werk über Adelsgeschlechter erscheint, ist nicht nachvollziehbar. Diese Abstammung wird auch von Rietstap Armorial Général bestätigt, der das (De) Graeff-Wappen auch durch Träger im vormaligen Preußen als Graaff (de), Prusse - Orig. de Hollande (auch de Graaf geschrieben) registrierte.Rietstap book of arms Das Wappen ist im Original wie folgt beschrieben: Die Blasonierung beschreibt neben dem Spaten einen Schwan [keine Gans, die die De Graeffs ab 1655/78 als (Vrij)heeren van Purmerland en Ilpendam anstatt des Schwan führten], was eine Abstammung aus der Amsterdamer Stammlinie vor 1638 (dem Tod des Jakob Dircksz de Graeff) bezeugt.
In den 1870er Jahren gingen die Gebrüder Gérard Hendrik Reinardus de Graaff (1853–1917) und Henri (Heinrich) de Graaff (1857–1924), Söhne des Juristen Reinardus Joostinus Marinus de Graaff (* 1829) aus Den Haag, als Offiziere in den preußischen Militärdienst. Heinrich avancierte im Ersten Weltkrieg zum preußischen Generalleutnant, Gérard Hendrik Reinardus zum Generalmajor. Beide waren auch in Berlin wohnhaft. Es ist nicht bekannt, ob daraus eine Nachkommenschaft besteht.
Namensähnlichkeiten Der Deutsche Herold aus 1872 beruft sich in einer seiner Ausgaben im Zusammenhang mit der holländischen Familie De Graeff auf das Lebedursche Adelslexikon, welches im Zeitraum des 17. und 18. Jahrhunderts vier Familien des Namens von Graaff und von Graffen (auch De Grave, De Graff und De Gref) ohne genealogische Herkunft aufzählt, wovon die erste im Rheinland, die zweite im Rheinland und in Westphalen, die dritte in Sachsen, sowie die vierte Familie ohne geografische Zuordnung vermeldet wird (näheres unter Graff). Weiters schreibt Der Deutsche Herold: , „gedacht werden könnte“. Weiters wird angeführt: Neben einer Aufzählung von Offizieren dieser Namen bekundet es dort im Jahre 1711 auch einen Fähnrich von Graeff, bei dem aber keine genealogische Herkunft zu finden ist. Trotz Namensähnlichkeiten ist nicht von verwandtschaftlichen Beziehungen zu den ursprünglich niederländischen Graeff resp. De Graeff auszugehen, da die Familien unterschiedliche Wappen führten.
Die Amsterdamer Stammlinie Politisches Erbe mini|Übersicht über die maßgeblichen Familienbeziehungen der Amsterdamer Oligarchie um die Geschlechter Boelens Loen, De Graeff, Bicker (van Swieten), Witsen sowie Johan de Witt im Goldenen Zeitalter.
Cornelis de Graeff (1599–1664), Enkelsohn des Dirk Jansz Graeff, hielt fest, dass die alten Amsterdamer keine genealogische Aufzeichnungen über ihre Familien führten, und über die vorherige Generation nicht mehr wussten als das, was sie von ihren Vätern und Großvätern gelernt haben. Die Daten seiner eigenen Familie in Amsterdam reichen nicht sehr weit zurück:
Die Familie De Graeff hat daher nie das Alter ihrer Familie in Amsterdam herausgestellt. Die Gebrüder Cornelis und Andries de Graeff sahen sich zusammen mit ihren Cousins Andries und Cornelis Bicker als politische Erben der alten Regentenfamilie Boelens an, deren katholisch gebliebene Hauptlinie 1647 in männlicher Linie ausgestorben war. Sie hatten von ihren Boelens-Vorfahren die Vornamen „Andries“ und „Cornelis“ übernommen. Wie in einer Dynastie heirateten im 17. Jahrhundert häufig Mitglieder der Familien Bicker und De Graeff, um ihr politisches und wirtschaftliches Kapital zusammenzuhalten. Cornelis’ großer historischer Vorfahre war Andries Boelens (1455–1519), der einflussreichste mittelalterliche Bürgermeister der Stadt. Beide Familien, De Graeff und Bicker, stammen in weiblicher Linie von Boelens ab, Er durfte fünfzehn Mal das Bürgermeisteramt von Amsterdam bekleiden.DBNL, Amsterdamse burgemeesters zonder stamboom. De dichter Vondel en de schilder Colijns vervalsen geschiedenis, von S.A.C. Dudok van Heel, Seite 147 (1990)
Regentenmacht im Goldenen Zeitalter