Karoline „Lotte“ Scheimpflug, geborene Embacher (* 15. Juni 1908 in Innsbruck; † 30. Januar 1997 in Wien), war eine österreichische Rennrodlerin, die in ihren späten Karrierejahren für Italien an den Start ging.

Leben und Karriere Familie Lotte Embacher folgte der sportlichen Tradition ihrer Eltern. Ihr Vater Philibert Embacher (⚔ im Ersten Weltkrieg) nahm für den Schiklub Innsbruck an den österreichischen Ski-Meisterschaften 1908 teil und erreichte im Sprunglauf der Senioren den fünften Rang.Wintersportfest in Zell am See. In: Salzburger Volksblatt vom 11. Februar 1908, S. 7. Ihre Mutter Antonia „Toni“ Embacher startete zunächst im Abfahrtslauf für den Schiklub Innsbruck,Schirennen Innsbruck. In: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 8. März 1909, S. 6. später ging sie als Rennrodlerin für Enzian Sterzing an den Start und konnte einige nationale italienische und österreichische Meisterschaften für sich entscheiden. Am 5. Februar 1939 gewann Toni Embacher-Kelderer die in ihrem Heimatort Sterzing ausgetragenen italienischen Meisterschaften und am 9. Februar 1941 in Igls die deutschen Kriegsrodelmeisterschaften in der Altersklasse I (in der Hauptklasse der Dameneinsitzer gewann Grete Haid den Bewerb)Die Titelkämpfe der Rodler. In: Neues Wiener Tagblatt vom 10. Februar 1941, S. 7.. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Lotte und Herta nahm Toni Embacher auch an einigen Vierer- und Fünferbobrennen teil. Die Schwester Herta war mit dem Kugelstoßer Alois Schwabl verheiratet.

Embachers Heimatverein war der WSV Sterzing (1929–1931 sowie nach dem Zweiten Weltkrieg), zwischenzeitlich startete sie für den Sportverein „Enzian“ Semmering (1934–1937). Die rotblonde Südtirolerin heiratete im Oktober 1935 den Lebensmittelchemiker und ebenfalls erfolgreichen Rodler Dr. Wolfgang Scheimpflug (geboren 1899), den Neffen von Theodor Scheimpflug, und nahm dessen Namen an; das Rodlerpaar hatte sich bei den Europameisterschaften 1929 kennengelernt.Gemischter Meisterzweier Embacher-Scheimpflug. In: Sport-Tagblatt vom 25. Oktober 1935, S. 4. 1946 verunglückte ihr Ehemann bei einer gemeinsamen Skitour tödlich.

Frühe Karriere für Österreich Nachdem Lotte Embacher ab 1925 einige nationale österreichische Meisterschaften im Dameneinsitzer für sich entschieden hatte, erreichte die Zwanzigjährige im Januar 1929 ihren ersten internationalen Erfolg, als sie bei den dritten Rennrodel-Europameisterschaften am Semmering triumphierte und dabei ihre Landsfrau Christine „Christl“ Klecker sowie die Deutsche Fanni Altendorfer hinter sich ließ.Europameisterschaften im Rodeln. In: Sport-Tagblatt vom 21. Jänner 1929, S. 4.Europameisterschaften im Rodeln. In: Sport-Tagblatt vom 23. Jänner 1929, S. 6. Die gleichzeitig ausgetragenen nationalen Meisterschaften beendete Embacher auf der Kunstbahn als Zweite hinter Christl Klecker, auf der Naturbahn gewann sie den Meistertitel.Die österreichische Meisterschaft auf Kunstbahnen. In: Sport-Tagblatt vom 22. Jänner 1929, S. 4. Auch in den darauffolgenden Jahren – vor wie nach ihrer Hochzeit – startete sie bei diversen nationalen Entscheidungen und errang dabei viermal – 1931 (ebenso wie ihr späterer Ehemann)Rodelmeisterschaften von Oesterreich auf Kunstbahnen. In: Sport-Tagblatt vom 16. Februar 1931, S. 5. sowie 1934Die Rodelmeisterschaften von Oesterreich. In: Sport-Tagblatt vom 26. Jänner 1934, S. 3., 1935Die österreichischen Rodelmeisterschaften. In: Sport-Tagblatt vom 18. Februar 1935, S. 7. und 1937Staatsmeisterschaft im Viererbob. In: Sport-Tagblatt vom 22. Februar 1937, S. 6. – den österreichischen Meistertitel. 1931 erreichte die Besetzung Embacher/Scheimpflug außerdem im gemischten Doppelsitzer den dritten Rang bei den nationalen Meisterschaften. Die Karriere der Rennrodlerin wurde anschließend vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen, da Scheimpflug an den wenigen internationalen und nationalen Wettkämpfen in dieser Zeit nicht teilnahm.

Späte Karriere für Italien (ab 1945) Nach dem Weltkrieg startete Lotte Scheimpflug für Italien und nahm entsprechend an den seit 1945/46 ausgetragenen italienischen Staatsmeisterschaften teil, von denen sie die erste Austragung für sich entschied. Zwischen 1947 und 1956 gewann die inzwischen verwitwete Scheimpflug sechs weitere nationale Titel, musste im Jahr 1948 aufgrund eines Armbruchs pausieren und kehrte im Februar 1951 auf die internationale Bühne zurück, als die ersten Nachkriegseuropameisterschaften in Igls stattfanden. Dort belegte sie den fünften Rang, lediglich geschlagen von Österreicherinnen, welche – angeführt von Karla Kienzl – die ersten vier Ränge einnahmen.

In den beiden Folgejahren verpasste Lotte Scheimpflug jeweils eine Podiumsplatzierung bei den Europameisterschaften, ehe sie 1954 hinter Maria Isser und Karla Kienzl in Davos die Bronzemedaille gewinnen konnte. Am 5. und 6. Februar 1955 fand in Oslo die ersten Rennrodel-Weltmeisterschaften statt; dabei verpasste die Südtirolerin hinter Karla Kienzl, Maria Isser und Marianne Bauer als Viertplatzierte eine WM-Medaille, der Rückstand auf die Weltmeisterin hatte nach vier Läufen über 25 Sekunden betragen. Im Folgejahr 1956 wiederholte sie bei den Europameisterschaften ihre Bronzemedaille, als die 48-jährige Scheimpflug nur von der halb so alten Elly Lieber und Maria Isser geschlagen wurde. Ihren letzten internationalen Start hatte Scheimpflug bei den Weltmeisterschaften 1958 in Krynica; dort beendete sie nach dem 20. Rang im Dameneinsitzer-Bewerb ihre Rennrodelkarriere. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden Scheimpflug in Anerkennung ihrer über 30-jährigen erfolgreichen Karriere der Ehrenpokal und die Ehrenmedaille des Internationalen Rennrodelverbandes (FIL) überreicht.

Internationale Erfolge Scheimpflug nahm zwischen 1929 und 1958 an acht Europameisterschaften sowie drei Weltmeisterschaften im Dameneinsitzer teil;Luge - Lotte Scheimpflug - Results. In: the-sports.org (englisch), abgerufen am 24. Dezember 2017. außer ihr konnte keine andere Rodlerin sowohl vor als auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine Europameisterschaftsmedaille einfahren. 1929, Europameisterschaft in Semmering, Goldmedaille vor Christl Klecker und Fanni Altendorfer 1935, Europameisterschaft in Krynica, 9. Platz 1951, Europameisterschaft in Igls, 5. Platz 1952, Europameisterschaft in Garmisch-Partenkirchen, 6. Platz 1953, Europameisterschaft in Cortina d’Ampezzo, 7. Platz 1954, Europameisterschaft in Davos, Bronzemedaille hinter Maria Isser und Karla Kienzl 1955, Weltmeisterschaft in Oslo, 4. Platz hinter Karla Kienzl, Maria Isser und Marianne Bauer 1955, Europameisterschaft in Hahnenklee, 5. Platz 1956, Europameisterschaft in Imst, Bronzemedaille hinter Elly Lieber und Maria Isser 1957, Weltmeisterschaft in Davos, 11. Platz 1958, Weltmeisterschaft in Krynica, 20. Platz

Literatur Bert Isatitsch (Hrsg.): 100 Jahre Rodelsport. Eigenverlag, Liezen 1983, , S. 125–129.

Einzelnachweise

Kategorie:Rennrodler (Österreich) Kategorie:Rennrodler (Italien) Kategorie:Europameister (Rennrodeln) Kategorie:Österreichischer Meister (Rennrodeln) Kategorie:Italienischer Meister (Rennrodeln) Kategorie:Sportler (Sterzing) Kategorie:Österreicher Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Frau