mini|Boris Sarafow Boris Petrow Sarafow (auch Boris Petrov Sarafov geschrieben, mazedonisch und ; * 12. Juni 1872 im Dorf Libjahowo (heute: Ilinden, Bulgarien) im damaligen Osmanischen Reich; † 28. November 1907 in Sofia, Bulgarien) war ein bulgarischer Militär, Freiheitskämpfer, Woiwode und Anführer des Obersten Makedonien-Adrianopel Komitees (kurz OMOK, ), der „Inneren Makedono-Odrinischen Revolutionären Organisation“ (kurz IMORO) und des Ilinden-Preobraschenie-Aufstandes.Enzyklopädie Bulgarien. Band 6 (aus ). Verlag Marin Drinow der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Sofia, 1988.Arthur Smith: Fighting the Turk in the Balkans; an American’s adventures with the Macedonian revolutionists. Verlag G.P. Putnam’s Sons, New York / London, 1908; promacedonia.org (bulgarisch) Aus der Geheimkorrespondenz der IMORO sind u. a. seine Decknamen Aleksandar Iwanowitsch (bulg. Александър Иванович) und Begot (bulg. Бегот), Krum (bulg. Крум), Krumski (bulg. Крумски), Boris Iwanow (bulg. Борис Иванов), Kerim pascha (bulg. Керим паша), Prinz (bulg. Принца), Majstor (bulg. Майстор), Twojta chubowst (bulg. Твойта хубост) überliefert.Boris Nikolow: Die IMORO Pseudonyme und Chiffren 1893–1934 (aus dem Bulg. ВМОРО - псевдоними и шифри 1893–1934), Verlag Zwezda, Sofia 1999, , S. 7, 15, 17, 18, 23, 52, 56, 62, 73, 80, 95. Der Schauspieler Krastjo Sarafow war sein Bruder, der bulgarische Diplomat und Chronist Simeon Radew war ein guter Freund von Boris Sarafow.
Leben
Jugend links|mini|Boris Sarafow als Tschetnik
Boris Sarafow wurde am 12. Juni 1872 im Dorf Libjahowo (heute: Ilinden, Bulgarien) in der Nähe der Stadt Newrokop (heute: Goze Deltschew, Bulgarien), das damals noch zum Osmanischen Reich gehörte, geboren. Sein Vater Petar Sarafow war ein bulgarischer Lehrer zur Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt, sein Onkel Kosta Sarafow und sein Großvater Archimandrit Chariton (Krasto Karpusow) waren Anführer des Kampfes für eine unabhängige bulgarische Kirche in Newrokop und Serres; alle drei setzten sich für das Bulgarische Exarchat gegenüber dem griechisch geprägten Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel ein. Sein Bruder war der berühmte bulgarische Schauspieler Krastjo Sarafow.
Boris Sarafow besuchte die lokale Schule des Exarchats und machte im Jahr 1890 sein Abitur an der Bulgarischen Männerschule „Kyrill und Method“ in Thessaloniki. Dort lernte er unter anderem Gotze Deltschew, Dame Gruew und Gjortsche Petrow kennen und schloss sich der bulgarischen Freiheitsbewegung an.
Im Jahr 1890 trat er, zusammen mit Dimitar Dumbalakow, Iwan Poschcharliew und Christo Sarakinow, der Militärschule von Sofia bei. Zusammen mit Gotze Deltschew und Boris Draganow gründeten sie eine revolutionäre Gruppe, die eng mit der von Dame Gruew an der Universität von Sofia gegründeten Gruppe für die Befreiung Makedoniens zusammenarbeitete. Am 2. August 1893 wurde Sarafow befördert und diente von dort an im 15. Lomer Regiment in Belogradtschik, wo er neue Anhänger für sein revolutionäres Schaffen in Makedonien fand, darunter Christo Tschernopeew, Tane Nikolow, Toma Dawidow, Bobi Stojtschew. Am 1. Januar 1894 wurde Sarafow in das 1. Fußregiment von Sofia versetzt, von wo aus er in Kontakt mit dem „Obersten Makedonien-Adrianopel-Komitee“ von Trajko Kitantschew kam.
Mitgliedschaft im Obersten Komitee 300px|mini|Die Tscheta von Boris Sarafow, „Illustrated London News“, 1902
Im Jahr 1895 wurde Boris Sarafow, der in der Bulgarischen Armee bereits zum Oberleutnant befördert worden war, Woiwode in einer der Tschetas, die sich an der sogenannten „Aktion der Tschetas“ vom Juni bis August 1895 in Makedonien beteiligten. Er befehligte das 4. Detachement, das aus 65 Komitadschi bestand, zu denen die Tschetas von Koljo Risow, Kotscho Mustruka, Ango Kostadinow, Krastju Balgarijata und Angel Malinski gehörten. Seine Tscheta überquerte die Grenze zum Osmanischen Reich am 17. Juni und nahm am 12. Juli Melnik ein, wonach sie sich am 22. Juli wieder nach Bulgarien zurückzog.
Nach dem Misserfolg der Aktion, begann er ab September 1895 eine viermonatige Ausbildung an der Sankt Petersburger Militärakademie. Er trug dort sichtbar die Uniform des 1. Fußregiments von Sofia und propagierte den revolutionären Kampf für Makedonien unter den dort anwesenden Bulgaren. Trotz des Vorschlages des Russischen Reiches, lehnte er es ab sich von seiner Bulgarischen Staatsbürgerschaft loszusagen und begann ab 1896 Konstantinopel, das Kloster Zográfou und das Kloster Hilandar zu bereisen, um dort Geld für das Oberste Komitee zu sammeln.
In Thessaloniki traf er auf die Anführer der IMORO und begann von diesem Moment an, gemeinsame Aktionen mit ihnen zu planen und Waffen für die revolutionären Kämpfer innerhalb Makedoniens zu sammeln. In Bulgarien übergab er wertvolle Informationen über die Kampfstärke der Osmanischen Armee und deren Plankarten an den Kriegsminister Ratscho Petrow. Der bulgarische Kriegsminister und der Ministerpräsident Konstantin Stoilow sicherten ihm bis zu 10.000 Gewehre für eine Tscheta zu. Boris Sarafow, der zu jener Zeit im 5. Donau-Fußregiment diente, gründete zusammen mit General Iwan Zontschew sogenannte Offiziersvereine in den bulgarischen Kasernen, um von dort aus Offiziere für den Kampf in Makedonien zu rekrutieren.
Im Jahr 1897 unternahm er erneut den Versuch, Geld und Waffen zu sammeln und bereiste dabei das Russische Reich, Österreich-Ungarn, die USA sowie Serbien und Rumänien.
Als Anführer des Obersten Komitees links|mini|250px|Das Oberste Komitee 1899–1900. Sitzend Toma Dawidow, Boris Sarafow, Georgi Petrow. Stehend Wladislaw Kowatschew, Georgi Minkov.
Auf dem 6. Kongress der „Makedonischen Bruderschaften in Bulgarien“ im Mai 1899 wurde Boris Sarafow zum Anführer des Obersten Komitees gewählt. Mit Unterstützung der IMORO beschloss er, eine aktivere Tätigkeit sowohl innerhalb der Emigration als auch im Inneren Makedoniens.
Im Mai 1900 unterschrieb er zusammen mit den Auslandsvertretern der IMORO Gotze Deltschew und Gjortsche Petrow ein gemeinsames Protokoll, wonach alle bulgarischen Offiziere in den Strukturen der IMORO zugelassen werden. Er half bei der Schaffung von Schleuserkanälen an der Grenze, dem illegalen Transport von Waffen sowie bei der Ausbildung von Tschetas.
Nachdem in der rumänischen Presse aufgedeckt wurde, dass Bulgarien aktiv den Widerstand in Makedonien unterstützte, wurden auf Veranlassung von Boris Sarafow am 22. Juli 1900 die beiden Publizisten Ştefan Mihăileanu und Kiril Fitowski in Bukarest ermordet. Dies führte zu einer Krise in den diplomatischen Verhältnissen zwischen Bulgarien und Rumänien, die so weit ging, dass beide Länder eine Teilmobilmachung ihrer Armeen anordneten. Sarafow wurde, auf internationales Drängen, zusammen mit anderen Mitgliedern des Obersten Komitees in der Nacht vom 23. auf den 24. März 1901 verhaftet.
Während seiner Gefangenschaft gab er ein Interview für die Londoner Times, in dem er darlegt, dass die Makedonier eine eigene Nation seien, zu Unterscheiden von der bulgarischen oder serbischen.makedonika.wordpress.com „The Times“, London, 12. April 1901, S. 3–4.
Am 2. August des gleichen Jahres wurde er freigelassen und nahm am 8. außerordentlichen „Makedono-Odrinischen Kongress“ teil, bei dem er seinen Rücktritt ankündigte. Die Nachfolge traten Stojan Michailowski und General Iwan Zontschew an. Kurz danach entstanden persönliche Konflikte zwischen Boris Sarfow und dem faktischen Führer des „Obersten Makedono-Odrinischen Komitees“ OMOK Iwan Zontschew sowie zwischen der IMORO und der OMOK. Auf dem 9., wie auch dem 10. „Makedono-Odrinischen Kongress“ geriet Sarafow in neue Konfrontationen mit den Anhängern von Iwan Zontschew und gründete danach ein eigenes Komitee, angeführt von Christo Stanischew.
Zusammenarbeit mit der IMRO 300px|mini|Die Ottomanische Bank nach ihrer Sprengung, April 1903
Von da an trat er in die Dienste des IMORO und sammelte von nun an für deren Zwecke Geld und Waffen in Westeuropa. Im Dezember 1902 lehnte er allerdings den Plan von Michail Gerdschikow und Wultscho Atanasow ab, Iwan Zontschew ermorden zu lassen.Dimitar Atanasow: Wojwoden mit Schulterstücke (aus dem bulg. Войводи с пагони). Verlag Makedonia Press, Sofia 2003, S. 144
Er war maßgeblich an der Beschaffung von Waffen und Dynamit für die IMORO beteiligt, mit denen unter anderem die anarchistische „Genfer Gruppe“ der IMORO, die sogenannten Gemedjii (), ihre Attentate von Thessaloniki 1903 durchführten. Bei den Thessaloniki-Attentaten, die zwischen dem 28. und dem 30. August stattfanden, wurden die Ottomanische Bank, wie auch der französische Kreuzer Guadalkivir gesprengt, anschließend lieferten sich die Attentäter unter Führung von Jordan Popjardanow eine dreitägige Schlacht mit dem osmanischen Militär, bis schließlich am 30. August die letzten Überlebenden gefangen genommen wurden.
Der Ilinden-Preobraschenie-Aufstand
Nachdem auf dem Thessaloniki-Kongress der IMORO der Beschluss für den bewaffneten Aufstand in Makedonien gefasst wurde, formierte Boris Sarafow eine Tscheta von bulgarischen Militärs und marschierte mit ihnen am 26. Januar 1903 über die Grenze nach Makedonien. Sie schleusten 150 Kilogramm Dynamit ein, das auf die Regionen verteilt wurde. Sarafow selbst brach in Richtung Kostur (heute. Kastoria, Griechenland) auf. Am 28. März 1903 wurden die Tschetas von Boris Sarafow, Iwan Popow, Wasil Tschekalrow, Pando Kljschew und Lasar Poptraikow von osmanischen Kräften in Smardesch (heute:Krystallopigi, Griechenland) umstellt, doch gelang ihnen durch die Hilfe von lokalen Dorftschetas die FluchtChristo Siljanow: Die Befreiungskämpfe in Makedonien. Band 1 (aus dem bulg. Освободителнитѣ борби на Македония, I). Verlag der Ilinden-Organisation, Sofia 1933, S. 223 promacedonia.org (bulgarisch)
Als Revisor der Tschetas im „Revolutionären Gebiet von Bitola“ beteiligte sich Sarafow am „Kongress der IMORO in Smilewo (heute: Nordmazedonien)“ im Mai 1903. Er wurde mit absoluter Mehrheit, gemeinsam mit Dame Gruew und Atanas Losantschew, in den Generalstab des Aufstands gewählt. Zusammen mit Nikola Detschew erarbeitete er den „Disziplinären Kodex der Aufständischen“.Christo Siljanow: Die Bereiungskämpfe in Makedonien, Band 1 (aus dem bulg. Освободителнитѣ борби на Македония, I). Verlag der Ilinden-Organisation, Sofia 1933, S. 238, 241, 242; promacedonia.org (bulgarisch) In diesem wurden die Rechte, Pflichten und Strafen der Tschetniks, sowie der Zentralen und Regionalen Woiwoden, in der Zeit des Ilinden-Preobraschenie-Aufstandes festgelegt.
Sarafow versprach den Aufständischen, dass Bulgarien sofort bereit sei, dem Osmanischen Reich nach dem Aufstand den Krieg zu erklären.Jordan Anastasov (Hrsg.): Erinnerungen von Nikola Petrov Rusenski. In: Ilinden-Aufstand 1903–1968 (aus dem bulg. Илинденско-Преображенското въстание 1903–1968) promacedonia.org (bulgarisch) Am Anfang des Aufstandes verfasste er eine Proklamation über den Beginn des Aufstandes. Ans Ende dieser Proklamation setzte er einen verzweifelten Appell an die bulgarische Regierung, in der er das sofortige Einschreiten Bulgariens forderte. Aufgrund der komplizierten außenpolitischen Lage, in der sich Bulgarien zu jener Zeit befand, war es der bulgarischen Regierung jedoch nicht möglich, direkt zu helfen und auf den Appell zu reagieren. Die Tscheta um Sarafow beteiligte sich während des Aufstandes an Kämpfen gegen die osmanischen Truppen in Ochrid, Smilewo und Demir Hisar. Nach dem Beschluss, die Tschetas aufzulösen, zog sich Boris Sarafow nach Bulgarien zurück.
Die Ermordung von Sarafow
In den Jahren 1903 bis 1904 bereiste Sarafow erneut Westeuropa und versuchte, die Ideen und das Schaffen der IMORO dort zu popularisieren. Es wird vermutet, dass er in dieser Zeit vom bulgarischen Zaren Ferdinand I. finanziert wurde. Dessen Korrespondenz wird heute im „Hoover-Institut„Register of the Ferdinand I, Czar of Bulgaria Papers, 1846-1956““ aufbewahrt.