mini|Alfons Gorbach (1965)

Alfons Gorbach (* 2. September 1898 in Karrösten, Bezirk Imst, Tirol; † 31. Juli 1972 in Graz, Steiermark)Endbericht der ExpertInnenkommission für Straßennamen Graz, Auszug, Graz 2017, S. 90. war ein österreichischer Politiker (ÖVP). Er amtierte von 1961 bis 1964 als österreichischer Bundeskanzler.

Leben Gorbach wuchs in Wörschach im steirischen Ennstal auf, wohin sein Vater, ein Eisenbahn-Beamter, der aus Fluh bei Bregenz in Vorarlberg stammte, im Jahr 1900 versetzt worden war.Thomas Chorherr: Eine kurze Geschichte der 2. Republik. Verlag Ueberreuter, Wien 2005, ISBN 978-3-8000-7572-0, S. 51. Er nahm als Einjährig-Freiwilliger im Kärntner Infanterieregiment Nr. 7 am Ersten Weltkrieg teil und verlor im Oktober 1917 in den Kämpfen bei Flitsch (Zwölfte Isonzoschlacht) ein Bein.Ingomar Pust: Kleiner Führer durch die Westlichen Julischen Alpen. München 1978, S. 120. Nachdem er als Leutnant der Reserve vom Militär ausgeschieden war, absolvierte er an der Universität Graz ein Studium der Rechtswissenschaft, welches er mit dem akademischen Grad Dr. jur. abschloss. Bereits in der ersten Republik war er politisch tätig: 1929 bis 1932 als Gemeinderat in Graz und von 1937 bis 1938 steirischer Landesrat., abgerufen am 28. April 2009. Von Oktober 1933 bis Februar 1938 war er Landesleiter der steirischen Vaterländischen Front. Nach dem „Anschluss“ 1938 kam Gorbach zuerst (mit dem sogenannten Prominententransport) ins KZ Dachau und 1944 in das KZ Flossenbürg, wo er bis Kriegsende inhaftiert blieb.

Im ersten Nationalrat 1945 wurde er dritter Nationalratspräsident, ein zweites Mal 1956 bis 1961. Als die meisten nationalsozialistisch Belasteten bei der Nationalratswahl 1949 wieder wählen durften, buhlten die beiden großen Parteien um deren Stimmen. Gorbach gewann den ehemaligen NS-Bauernführer Sepp Hainzl dafür, zur Wahl der ÖVP aufzurufen. Nachdem bei den Nationalratswahlen von 1959 die ÖVP ein mageres Ergebnis eingefahren hatte und die SPÖ nur mehr mit einem Mandat Unterschied zweitstärkste Partei geworden war, begann in der Partei eine Strategiediskussion. Man traute dem alternden Julius Raab nicht mehr zu, die Partei zum Erfolg zu führen; so wurde Gorbach auf dem achten außerordentlichen Parteitag zum Bundesparteiobmann gewählt. Raab blieb aber zunächst Bundeskanzler der Großen Koalition. Der steirische Landeshauptmann Josef Krainer hatte sich dabei durchgesetzt, den Steirer Gorbach als Obmann zu bestellen. Gleichzeitig reklamierte Krainer das Amt des Landesparteichefs, das Gorbach zuvor innegehabt hatte, für sich und konnte so in der Steiermark seine Macht weiter ausbauen.

1961 übernahm Gorbach von Raab auch das Amt des Bundeskanzlers und führte die ÖVP in den Wahlkampf zu den Nationalratswahlen von 1962. Bei diesen konnte die ÖVP leicht zulegen, eine absolute Mehrheit wurde jedoch wieder verfehlt. Gorbach blieb in einer weiteren Großen Koalition Bundeskanzler. Kurz darauf begann man in der ÖVP an seinem Sessel zu sägen. Am 20. September 1963 wurde Josef Klaus zum neuen Parteiobmann gewählt. Am 25. Februar 1964 demissionierte die Regierung Gorbach; Klaus handelte eine neue Große Koalition aus und wurde Bundeskanzler. Gorbach kehrte 1964 als Abgeordneter in den Nationalrat zurück und behielt sein Mandat bis 1970. In der ÖVP wurde er Ehrenobmann auf Lebenszeit. Im Jahr 1965 unterlag er Franz Jonas bei der Bundespräsidentenwahl.

Mitgliedschaften Alfons Gorbach war ab 1919 Mitglied der K.Ö.H.V. Carolina Graz und 1920 Gründungsmitglied der K.Ö.St.V. Babenberg Graz sowie später noch Mitglied der KÖHV Nordgau Wien, alle im ÖCV, und der K.Ö.St.V. Liechtenstein Judenburg im MKV sowie Ehrenmitglied der K.St.V. Waldmark Mürzzuschlag im MKV.

Auszeichnungen, Ehrungen und Kritik 1936: Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens 1954: Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich 1960: Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB). 1965 Ehrenobmann der ÖVP auf Lebenszeit 1971: Ehrenring des Landes Steiermark verliehen am 27. November durch Josef Krainer senior, der am Folgetag nach einer Fasanjagd starb.LH Josef Krainer sen. oecv.at, abgerufen am 9. Juli 2018. 1972 (16. März): Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt GrazDr. Alfons Gorbach graz.at, abgerufen am 9. Juli 2018. 1978/1980: spendenfinanziertes Bronzedenkmal – Kopf, 3 Stelen und Tafel … Bundeskanzler des Ausgleichs – in Graz. Ursprünglich auf der Grünfläche vor dem Haus Karmeliterplatz 5, für Platzumgestaltung um 1992 demontiert, von der Stadt Graz übernommen und 2009 vor dem Oberlandesgericht, Marburger Kai 49, auf der nördlichen Grünfläche des Gorbachplatzes aufgestellt.Karl Maitz, Linde Jauk, Telefonate 9. Juli 2018. 1982: Benennung des Gorbachplatzes, Graz – Straßenaufweitung mit Park am Südende des Marburger Kais 1982: Benennung Dr.-Alfons-Gorbach-Hof in Kapfenberg, Deuchendorf 1983: Benennung der Gorbachgasse in Oberradlberg, St. PöltenGorbachgasse, Oberradlberg, 1983. St. Pöltner Straßennamen erzählen. Teilzugang auf books.google.at, abgerufen am 19. Mai 2022. 2017: Die Benennung des Gorbachplatzes in Graz wurde von der ExpertInnenkommission der Stadt Graz als Straßennamen mit Diskussionsbedarf eingestuft. Als Begründung wurde Gorbachs Tätigkeit als Landesführer der Vaterländischen Front angegeben.Endbericht der ExpertInnenkommission für Straßennamen Graz, Graz 2017, S. 6.

Literatur Hanna Bleier-Bissinger: Bundeskanzler Dr. Alfons Gorbach und seine Zeit. Leben und Sterben der Nachkriegskoalition. Edition Strahalm, Graz 1988, ISBN 3-900526-15-X. Robert Kriechbaumer: Alfons Gorbach. in: Friedrich Weissensteiner, Erika Weinzierl (Hrsg.): Die österreichischen Bundeskanzler. Leben und Werk. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 3-215-04669-5, S. 326–347.

Weblinks

Biografie bei parlament.gv.at Archivaufnahmen mit und über Alfons Gorbach im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Reden, Parlamentsdebatten, Radiobeiträge)

Einzelnachweise

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