mini|hochkant|Ein Zopf in Fischgrättechnik; das Gesicht des Models wird von zwei Lace braids umrahmt. Ein Zopf (auch: Flechte) ist ein Haarstrang, der durch Techniken wie Flechten, Knüpfen, Zwirnen, Verzwirbeln, Zopfen oder Zusammenbinden gestaltet wird, und zwar aus Gründen der Zweckmäßigkeit (Arbeit, Sport, Wind), der Schönheit oder beidem. Diesen unterschiedlichen Techniken entsprechend lassen sich als grundlegende Zopfarten Flecht-, Knüpf-, Dreh-, Zwirbel- und offene Zöpfe unterscheiden. Ein Zopf ist eine Frisur oder Teil einer Frisur. Frauen und Männer tragen Zopffrisuren seit der Steinzeit. Hochblüten mit hoher technischer Komplexität hat das Haarflechten im Altertum und während der Renaissance erlebt. Auch in Teilen des subsaharischen Afrika bestehen große Traditionen der Flechtkunst. Während Zopffrisuren in vielen anderen Teilen der Welt traditionell auch von Männern getragen werden, waren sie in Europa ab dem Mittelalter meist eine weibliche Angelegenheit. Im 18. Jahrhundert waren Perücke und Zopf in Europa allerdings die männliche Haartracht schlechthin. Die technischen Möglichkeiten, einen Zopf zu gestalten, sind äußerst vielfältig. Oft – zum Beispiel bei den nigerianischen Yoruba – wurde und wird diese Kunst von Generation zu Generation überliefert. Im 21. Jahrhundert konnte ein Interesse an Zopffrisuren und an Frisiertechniken zum ersten Mal auch dadurch belebt werden, dass im Internet einschlägige Lehrfilme weite Verbreitung gefunden haben.

Etymologie und Abgrenzung des Begriffs Das Wort „Zopf“ leitet sich von ab und bedeutete ursprünglich „Ende“, „Zipfel“, „Haarschopf“ und „Haarbüschel“. Erst im Mittelalter nahm das Wort die Bedeutung der Haarflechte an. Die heutigen Wörter zupfen und Zipfel sind mit Zopf eng verwandt. Das althochdeutsche Wort geht auf das urgermanische *tuppaz zurück, das auch dem englischen top („Oberseite“) und dem niederdeutschen Topp (oberes Ende eines Mastes) entspricht.

In einem engeren Sinne wird unter einem Zopf oft nur ein Flechtzopf verstanden, insbesondere ein hängender Flechtzopf oder ein Flechtzopf während der Bearbeitung. Sobald ein Zopf festgesteckt oder anderweitig verarbeitet ist, spricht man eher von einem Haarkranz, einem Haarknoten oder einer Hochsteckfrisur als von einer Zopffrisur. Auch Ringellocken, wie z. B. die Schläfenlocken orthodoxer Juden, werden auf keinen Fall als Zöpfe bezeichnet, obwohl es sich dabei ebenfalls um ornamentale Haarstränge handelt.

Kulturgeschichte Afrika und Vorderasien Zöpfe zählen zu den ältesten Frisiertechniken der Welt. Frauen und Männer tragen Zopffrisuren seit der Steinzeit (siehe linearbandkeramische HaartrachtenJens Lüning: Haare, Hüte, Hosenanzüge. Trachten der Bandkeramik und ihre Rolle im Ahnenkult. In: Erwin Keefer (Hrsg.): Lebendige Vergangenheit. Vom archäologischen Experiment zur Zeitreise. Archäologie in Deutschland, Sonderheft 2006, S. 52–64 academia.edu). Beim Tassili n'Ajjer in der algerischen Sahara entdeckte der französische Ethnologe Henri Lhote 1956 eine Felsenmalerei, die aus der Zeit um 3500 v. Chr. stammt und eine stillende Mutter darstellt, die eine Anzahl eingeflochtener Zöpfe trägt. Ebenfalls in Afrika sind noch heute die Yoruba beheimatet, deren Flechtkunst zu den anspruchsvollsten Frisiertechniken zählt, die je entwickelt worden sind. Die Frisuren der Frauen erreichen extreme Komplexität und erfordern stundenlanges Flechten. Die Yoruba verwenden Flecht-, Knüpf- und Bindetechniken; sie selbst unterscheiden Irun Kiko (Strecken des von Natur aus krausen Haares durch Einflechten steifer Fäden), Irun Didi (straffes Flechten zu filigranen Frisuren) und Irun Biba (loses Flechten). Die Art der Frisur gibt vielfältige Auskünfte über die Trägerin, nicht nur über ihr Alter, sondern etwa auch über ihren Beruf, ihren Sozial- und Familienstatus, ihren Glauben und oft sogar über ihre Stimmung.

Flechtfrisuren sind auch in anderen afrikanischen Kulturen weit verbreitet. Bei den Akan zum Beispiel tragen Mädchen ihr Haar traditionell offen, beginnen es aber zu flechten – und zwar öffentlich –, wenn sie anzeigen wollen, dass sie heranreifen. Bei den Himba tragen umgekehrt die noch nicht geschlechtsreifen Mädchen lange Haarstränge, die sie mit Ocker einreiben. Bei den Massai wiederum trugen traditionell die männlichen Krieger Dreadlocks, die mit Ton rot gefärbt waren.

Aus Bilddarstellungen ist bekannt, dass Zöpfe bereits im Altertum getragen wurden. So sind aus altbabylonischer Zeit idealisierte Darstellungen erhalten, die Frauen mit vielen dicken Zöpfen zeigen. Der syrische Wettergott wurde mit einem Zopf dargestellt, dessen Ende aufgewickelt ist. Nachgewiesen sind lange geflochtene Zöpfe auch bei den Hochlandbewohnern des Reiches Elam. In Marlik und in Assyrien trugen vornehme Männer stattliche geflochtene Bärte. Während die assyrischen Männer ganze Reihen von Zöpfen oder Locken trugen und ihr langes Haar nur hinten offen fallen ließen, steckten Frauen ihr Haar zu Knoten auf.

Auf altägyptischen Darstellungen sieht man Frauen mit Zopffrisuren oder üppigen geflochtenen Perücken. Am unteren Ende waren die feinen Zöpfe häufig mit Perlen und anderem Schmuck verziert. Sprachhistoriker vermuten, dass das in Hieroglyphen gelegentlich dargestellte Wort ḥnkt (henket) „Haarzopf“ oder „Flechte“ bedeutet. Junge Prinzen, später auch Prinzessinnen, hatten den Kopf bis auf einen Teil des seitlichen Haares meist rasiert; diese „Jugendlocke“ wurde geflochten und war das zeitgenössische Symbol der Kindheit. Pharaonen trugen als Ausdruck ihrer Göttlichkeit gelegentlich einen (falschen) geflochtenen Königsbart (Zeremonialbart). Auch im Perserreich wurden Bärte sorgfältig verziert und geflochten.

Frühe textliche Erwähnung fanden Zöpfe in der Bibel, deren Entstehungsgeschichte bis ins 10. vorchristliche Jahrhundert zurückreicht. So liest man im Buch der Richter () die Geschichte des Helden Samson, der seine philistinische Geliebte Delila zu täuschen versucht, indem er vorgibt, seine Stärke könne dadurch bezwungen werden, dass jemand seine „sieben Haarflechten“ mit einem Pflock anbindet. Online-Bibel Möglicherweise handelt es sich hier um die Beschreibung der assyrischen Haartracht. In Jesaja () übersetzt Luther einen Ausdruck, der in deutschen Übersetzungen sonst als „Schleier“ wiedergegeben wird, als „Zopf“, nämlich dort, wo der Prophet der allegorischen Tochter Babel droht, sie werde – als Strafe für die Verfolgung Judas – ihre (stolzen) Zöpfe entflechten müssen. Bibel Online In der talmudischen Zeit war das Zöpfeflechten bei Frauen weit verbreitet; so ist in der Rabbinerliteratur (Numeri Rabbah, ix) die Rede von einer Ehebrecherin, die sich vom Priester die allzu verführerischen Zöpfe entflechten lassen muss.

Europäische Antike In der minoischen Zeit, der frühesten europäischen Hochkultur, waren lange geflochtene Zöpfe das Kennzeichen verheirateter Frauen. Hoch entwickelt war die Flechtkunst in der klassischen griechischen Zeit, in der die freien Frauen, außer wenn sie in Trauer waren, immer langes Haar trugen; dieses wurde aufwendig und auf sehr vielfältige Weisen frisiert, oft mit geflochtenen Zöpfen, aber auch mit kunstvollen Haarknoten und Hochsteckfrisuren, die mit Bändern gehalten oder mit Diademen geschmückt waren. Der Ilias ist zu entnehmen, dass auch Männer ihr Haar flochten; so ist das Haar des trojanischen Helden Euphorbos, der im 17. Gesang von Menelaos erschlagen wird, mit Gold- und Silberfäden durchflochten.

In Rom trugen viele wohlhabende Frauen ihr Haar, um es üppig aussehen zu lassen, in künstlich gelegten Locken. Weithin verbreitet waren Knotenfrisuren wie der Tutulus oder die Nodus-Frisur (siehe auch: Frauen im Alten Rom). Ebenso trugen Frauen jedoch anspruchsvoll geflochtene Frisuren, besonders in der Zeit von 70 bis 200 n. Chr. Bräute und Vestalinnen trugen die Seni-crines-Frisur, bei der sechs unabhängig geflochtene Zöpfe zu einem Kranz gewunden wurden. In der Zeit Hadrians schmückten auch Männer sich häufig mit einem Nackenzopf.

Im keltischen Raum trugen beide Geschlechter langes Haar. Bei den Frauen waren Zöpfe weit verbreitet und die Flechttechniken vielfältig. In seiner Schrift Germania (frühestens 98 n. Chr.) berichtete Tacitus, dass bei dem germanischen Stamm der Sueben, die westlich der Elbe lebten, die freien Männer einen geflochtenen Haarknoten (Suebenknoten) trugen.Tacitus Germania 38, 2 Bei den Galliern dagegen trugen die Männer ihr Haar offen, obwohl Albert Uderzo sich von 1959 an die Freiheit genommen hat, viele der gallischen Figuren der Asterix-Comics mit Zöpfen darzustellen.

Mittelalter und Renaissance Auch die Annahme, dass die Männer der Wikinger ihr Kopf- oder Barthaar regelmäßig zu Zöpfen flochten, lässt sich weder durch zeitgenössische Texte oder Bilddarstellungen noch durch archäologische Funde belegen.

Im Neuen Testament hatte Petrus die Frauen gemahnt, sich nicht eitel mit Haarflechten zu schmücken. Online-Bibel Maria Magdalena wird in der neuzeitlichen Malerei häufig mit Haar dargestellt, das offen in Wellen herabhängt, die für frisch aufgeflochtenes Haar typisch sind.commons:Mary Magdalene, z. B. Tintoretto: Magdalena penitente. Von ihrem „aufgeflochtenem Haar“ sprach explizit Hartley Coleridge in seinem Sonett Multum Dilexit.

Im christlichen Mittelalter verschwand das weibliche Haar dem Petruswort entsprechend meist unter Gebende, Schappel und Schleier. Mittelalterliche Bilddarstellungen weiblicher Haartrachten sind selten. Nur junge Mädchen trugen ihr Haar offen. Wenn erwachsene Frauen mit unbedecktem Haar dargestellt wurden, so im Frühmittelalter meist mit hängenden, sehr langen Zöpfen, die oft mit Bändern vollständig umwickelt sind. Vom Hochmittelalter an wurden die Zöpfe hochgesteckt. Siehe auch Auch Männer flochten ihr Haar gelegentlich, so etwa der österreichische Herzog Albrecht III., der den Hängezopf als Sinnbild des von ihm gegründeten Zopfordens trug.

In der Renaissance erschienen bei den Frauen wieder sehr kunstvolle, aufwendige Frisuren, die oft durch exotische und schwere Hauben ergänzt wurden. Geflochtenes Haar wurde weiterhin hochgesteckt.

Europa: 16. bis 18. Jahrhundert mini|hochkant|Münchhausen zieht sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges trugen manche vornehmen Männer einen hinter dem Ohr geflochtenen dünnen Zopf, der auf die Brust hinabhing und an dessen Ende ein Schmuckobjekt aufgehängt war. Der dänische König Christian IV. (1577–1648) etwa ließ sich so porträtieren.

In Frankreich wurden die großen männlichen Allongeperücken seit 1715 von Beutelperücken (perruque à crapaud) abgelöst, bei denen das lange Haar des Trägers hinten in einem Taftbeutel (bourse) eingeschlossen war. In Preußen führte der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. 1713/14 bei seinem Militär eine leichte Perücke ein, bei der das eigene lange Haar der Soldaten nicht in einem Sack steckte, sondern mit einem schwarzen Taftband umwickelt wurde. Die Neuerung sollte verhindern, dass lose fliegendes langes Haar bei der Handhabung der Luntengewehre Feuer fing. Die Träger waren stolz auf ihren Zopf, besonders, wenn er dick und lang war. Ein Jahrhundert später hat Karl Gutzkow sich in seinem populären Lustspiel Zopf und Schwert (1844) über die Zopfpassion Friedrich Wilhelms lustig gemacht. Die Zopfperücke der Soldaten wurde jedoch bald von den Offizieren übernommen und setzte sich schließlich auch in der zivilen Mode durch. Seit den 1760er Jahren war sie überall in Europa weithin verbreitet. Literarische Berühmtheit hat der männliche Zopf dieser Zeit auch durch den legendären Baron Münchhausen erlangt, der sich mitsamt seinem Pferd am eigenen Zopf aus einem Sumpf herausgezogen haben will. Der männliche Zopf war so sehr ein Symbol der Zeit, dass die Architektur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch heute gelegentlich als „Zopfstil“ bezeichnet wird.