Die Stadtentwicklung und Stadtplanung in Heilbronn beschreibt die Stadtentwicklung bzw. Stadtplanung von Heilbronn als ehemalige Reichsstadt (1371) zum Zentrum des gleichnamigen Landkreises (1938), zur Großstadt (1970) und später zum Oberzentrum des Regionalverbands Heilbronn-Franken (1973/2003) in Baden-Württemberg. Zukunftsprognosen reichen von der des Oberbürgermeisters Hoffmann von einer „Neckarstadt von Lauffen bis Bad Friedrichshall“Jacobi: Das war das 20. Jahrhundert in Heilbronn. S. 77 [Region Franken] bis zur Eingemeindung der „Orte zwischen Flein und Friedrichshall … in Groß-Heilbronn ….“

Der 822 als villa Helibrunna bezeichnete Ort mit fränkischem Königshof erhielt 1281 die Stadtrechte. Im Laufe ihrer Geschichte erwarb die Stadt Heilbronn verschiedene Dörfer wie Altböckingen (1333), Neckargartach (1341), Böckingen (1342/1431), Flein (1385) und Frankenbach (1430/38).

Als württembergische Oberamtsstadt im Jahre 1802 verlor Heilbronn seine erworbenen Dörfer und es entstanden ab 1839 neue Vorstädte nach dem Stadtbauplan von Louis de Millas. 1873 erstellte Reinhard Baumeister einen Generalbauplan, der die Vorstädte mit einer Ringstraße verbinden sollte. Im Rahmen einer Verwaltungsreform wurde Heilbronn 1938 kreisfreie Stadt. Zugleich wurde es Sitz des neuen Landkreises Heilbronn. 1938 wurden Neckargartach und Sontheim zwangseingemeindet. Nach der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erhielt Karl Gonser im Jahre 1947 den Auftrag für einen Generalbebauungsplan. Volkarts Stadtbauplanentwurf für den Wiederaufbau der Altstadt wurde als „einer der besten des Landes“ gewürdigt, wobei „diese Arbeit den … 1. Preis darstelle …“. 1964 erstellte die regionale Planungsgemeinschaft Württembergisches Unterland, bestehend aus Stadt- und Landkreis Heilbronn und einzelnen Gemeinden, den Regionalplan 72. Die im Regionalplan genannten regionalen Aufbauachsen wünschten eine Integration ins Heilbronner Straßenbahnnetz als Bestandteil der Stadtentwicklung Heilbronns. In den 1970er Jahren wurde mit der Eingemeindung von Klingenberg (1970), Kirchhausen (1972), Biberach (1. Januar 1974), Horkheim und Frankenbach (1. April 1974) Heilbronn Großstadt. Mit der Aufstellung des Regionalplans ’72 beendete die regionale Planungsgemeinschaft ihre Arbeit. An ihre Stelle trat der Regionalverband Franken mit Heilbronn als Regionssitz (Oberzentrum). Derzeit plant die Stadt im Rahmen der BUGA (2019) eine als „Neckarbogen“ (früher: „Neckarstadt“) bezeichnete neue Vorstadt nördlich der Bahnhofsstraße am ehemaligen alten und neuen „Floßhafen“.

Stadt und Reichsstadt (1281/1371) mini|Vermutete Lage des fränkischen Königshofes in Heilbronn an der via regis Königsweg Frankfurter Straße (rot), Deutschhofgebäude (gelb) mini|Vermutete Lage des fränkischen Königshofes an der Gerberstraße (rot), Spitalgebäude (gelb).

Heilbronn entwickelte sich aus einem im 7. Jahrhundert bestehenden fränkischen Königshof. Willi Zimmermann vermutet den Platz des früheren fränkischen Königshofes auf der Stelle des heutigen Deutschhofes, wobei vor dem Deutschhof der erste Stadtkern der Stadt Heilbronn in Form der villa Hanbach entstanden sei.Willi Zimmermann: Die ersten Stadtbaupläne als Grundlage für die Stadterweiterung von Heilbronn im 19. Jahrhundert in Historischer Verein Heilbronn. 22. Veröffentlichung, Heilbronn 1957, S. 180 Deswegen bilde nicht der heutige Marktplatz, sondern der Deutschhof das „Herz der Siedlung“. Dieser sei der früheste Siedlungskern mit der ältesten Kirche der Stadt; der Michaelsbasilika. In den Mauern der Anbauten im Süden des heutigen Münsters des Deutschhofes westlich des romanischen Turmchors sollen sich nach Hans Koepf Reste der Pfalzkapelle befinden.Hans Koepf: Die Heilbronner Kilianskirche und ihre Meister. Stadt Heilbronn, Stadtarchiv 1961 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn Heft 6). S. 12 [Die königliche Pfalzkapelle St. Michael und spätere Deutschordenskirche zur Hl. Maria (heute St. Peter und Paul)] Nach Max Georg Mayer und Christhard Schrenk wurden an der Südwand des Turmes Fundamentmauern aus Kalksteinen gefunden, die älter sind als das Deutschhaus von 1225.Max Georg Mayer: Entdeckungen während der Renovierungsarbeiten am Deutschordensmünster St. Peter und Paul in Heilbronn. In: Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Das Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn, 1995, (Festschrift zur Renovation 1994/95 und zur Altarweihe am 2. Juli 1995), S. 31 fKatholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn. 2000, Kunstverlag Josef Fink in Lindenberg, S. 6f., ISBN 3-933784-84-0, S. 2 f Im Süden der Kirchbrunnenstraße habe sich demnach die Hofgemeinde mit konzentrisch auf den Deutschhof zuführenden Straßen entwickelt. Argument ist, dass der uralte Straßenzug der heutigen Frankfurter Straße in gerader Linie auf das Tor des Deutschhofes führe, wo auch das Tor einer Bopponischen Grafenburg und des fränkischen Königshofes vermutet wurde. Die Frankfurter Straße war Teil eines alten fränkischen Königsweg, der als „Alte Hällische Straße“ bezeichnet wurde und nach Schwäbisch Hall führte. Um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts wurde demnach „durch einen bewussten Akt der Gründung“ nördlich der Kirchbrunnenstraße eine neue Stadt geschaffen. Im Norden der „Trennungslinie“ (Kirchbrunnenstraße) habe sich demzufolge eine Neustadt gebildet, die sich durch ihre planmäßige Anlage und senkrechte Straße von der im Süden gelegenen Siedlungskern unterscheide. Werner Heim bestätigt diese These und vermutet ebenso den südlich der Kirchbrunnenstraße befindlichen Deutschhof als Standort des vermuteten Königshofes: „Der Schwerpunkt der ältesten Siedlung Helibrunna lag demnach ohne Zweifel südlich der heutigen Kirchbrunnenstraße“.Werner Heim: Die Entwicklung der Stadt Heilbronn – Neue Ergebnisse der topographischen Erforschung des Stadtkerns. In: Historischer Verein Heilbronn. 25. Veröffentlichung. Heilbronn 1966. S. 51–72.

Julius FeketeUlrike Plate: Siedlungsentwicklung und Kulturdenkmale des Stadtkreises. In: Julius Fekete et al.: Denkmaltopographie Baden-Württemberg Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Edition Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 93 geht davon aus, dass der Deutschhof nicht der Platz des ehemaligen fränkischen Königshofes sei und vermutet Königshof samt Kapelle im Bereich des ehemaligen Katharinenspitals bei der Gerberstraße, Kaiserstraße und Unteren Neckarstraße. Während im Deutschhof archäologisch eine Besiedelung erst im 11/12. Jahrhundert nachweisbar sei, wurde im Bereich des Spitals und der westlichen Kaiserstraße eine fränkische Besiedelung mit einer Zisterne aus der Zeit um 635 (±45 Jahre) gefunden. Die Zisterne wurde von der Merowingerzeit bis mindestens zur späten karolingischen bzw. frühen ottonischen Zeit benutzt.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 32f Ein Kupferstich aus Civitates Orbis terrarumFekete et al.: Denkmaltopographie. S. 34 zeigt, dass beim Katharinenspital auch die Johanneskirche stand, welche als Michaelsbasilika in Heilbronn angesehen werden könnte. Der vermutete westliche Teil des Königshofes sei tiefer als das Spitalgelände gelegen und wäre demnach ab 1333 durch die Stauung des Flusses überflutet worden.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 40 Die erste „Hauptstraße“ sei die Gerberstraße, die ursprünglich als „die Straße“ bezeichnet wurde. Diese würde sich in einer am Deutschhof befindlichen Straße – der „Landstraße“ – fortsetzen. Bemerkenswert sei die „bekannte Besonderheit der mittelalterlichen Straßenführung“ in Heilbronn So sei die Deutschhofstraße versetzt worden, damit der aus- und einwärtsfahrende Verkehrer sich nicht gegenseitig behindern sollte. Der erste Stadtkern soll mit Wall, Graben und Palisaden umgeben gewesen sein. Diese sollen später mit einer Stadtmauer befestigt worden sein, die sich entlang der Lohtor-, Sülmer-, Fleiner- und Kirchbrunnenstraße entlang zogen. Indizien dafür sind Reste einer Stadtbefestigung, die in den 1930er Jahren an der Sülmerstraße gefunden wurden.Helmut Schmolz: Grundprobleme der früheren Geschichte der Stadt Heilbronn. In: Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte. Band 27. Historischer Verein Heilbronn, Heilbronn 1973, S. 64

Heilbronn erhielt im Jahre 1281 von König Rudolf I. von Habsburg in Gmünd das Stadtrecht und vergrößerte das Territorium der Reichsstadt Heilbronn mit den Dörfern Altböckingen (1333), Neckargartach (1341) und Böckingen (1342/1431). 1371 erhielt Heilbronn von Kaiser Karl IV. eine reichsstädtische Verfassung und es erfolgte eine weitere Expansion mit dem Erwerb von Flein im Jahre 1385 und Frankenbach 1430/38.

Württembergische Oberamtsstadt (ab 1802) Heilbronn fiel an Württemberg und wurde Sitz des neuen Oberamtes Heilbronn, wobei die vier Dörfer der ehemaligen Reichsstadt Heilbronn selbstständige Gemeinden innerhalb des Oberamtes Heilbronn wurden.

Vorstädte Noch im Jahr 1802 war Heilbronn von einer mittelalterlichen, mit Türmen bewehrten Stadtmauer umgeben. Die Stadtbefestigung mit bis zu zehn Türmen hatte damals drei Tore: das Brückentor, das Sülmertor und das Fleinertor. Ein erster Generalplan der Stadt sah lediglich vor, eine kleine Fläche für die künftigen neuen Bauplätze auszuweisen. Eine genaue Aufteilung wurde nicht vorgenommen. 1808/1809 sollten neue Pläne weitere Baugebiete erschließen; eine Vorstadt vor dem Fleinertor sollte als erster neuer Stadtteil außerhalb der alten Stadt Heilbronn angelegt werden, von dem eine Chaussee nach Flein führen sollte. Rechts und links der als Hauptachse geplanten Chaussee waren neue Bauquadrate geplant.Willi Zimmermann: Die ersten Stadtbaupläne als Grundlage für die Stadterweiterung von Heilbronn im 19. Jahrhundert in Historischer Verein Heilbronn. 22. Veröffentlichung, Heilbronn 1957, S. 185.

Der Stadtrat beauftragte Baurat Bruckmann, die städtischen Baumaßnahmen zu leiten. Bruckmanns Pläne wurden von dem Geometer Wuerich aufgenommen und gezeichnet. So entstanden Bebauungspläne für die Sülmer und die Fleiner Vorstadt. Der Gemeinderat genehmigte 1831 jedoch nur die Pläne für die Sülmer Vorstadt. Daraufhin wurde 1838 Ein zweiter Bebauungsplan Bruckmanns für die Fleiner Vorstadt fand wiederum keine Zustimmung.Willi Zimmermann: Die ersten Stadtbaupläne als Grundlage für die Stadterweiterung von Heilbronn im 19. Jahrhundert in Historischer Verein Heilbronn. 22. Veröffentlichung, Heilbronn 1957, S. 186.

1838 beauftragte die Stadt den Stadtbaumeister Louis de Millas einen Stadtbauplan zu erstellen. Im Gemeinderatsprotokoll vom 20. September 1938 hieß es:

Im September 1840 wurde der neue Stadtbauplan de Millas' mit planerischen Grundlagen für eine zusätzliche Bebauung in der Altstadt und neue Baugebiete außerhalb der früheren Stadtmauer vom Oberamt und von der Kreisregierung genehmigt. Der Plan 1840 basierte auf den Planungen von 1806. Ferner wurden die städtebaulichen Gedanken des Stadtbaumeisters Wepfer, Vorgänger de Millas’, einbezogen. Im Gemeinderatsprotokoll stand, dass Stadtbaumeister Wepfer ersucht werden sollte, seine Ideen über eine Verbindung der Fleiner und der Sülmer Vorstadt noch vor seinem Abgang dem Stadtrat mitzuteilen.Willi Zimmermann: Die ersten Stadtbaupläne als Grundlage für die Stadterweiterung von Heilbronn im 19. Jahrhundert in Historischer Verein Heilbronn. 22. Veröffentlichung, Heilbronn 1957, S. 191.