mini|Logo der Notre Dame Fighting Irish, des Football-Teams der University of Notre Dame Four Horsemen of Notre Dame (deutsch Vier Reiter von Notre Dame) war der gemeinsame Spitzname der vier American-Football-Spieler Harry Stuhldreher, Jim Crowley, Don Miller und Elmer Layden. Sie bildeten in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre die Rückraumformation des Footballteams der University of Notre Dame, das während dieser Zeit unter dem Trainer Knute Rockne zu den dominierenden Mannschaften in den USA im College Football zählte. Der in der New York Herald Tribune im Oktober 1924 erschienene Bericht des Journalisten Grantland Rice über ein Spiel der Notre Dame Fighting Irish, durch den er die an die vier apokalyptischen Reiter angelehnte Bezeichnung Four Horsemen prägte, gilt als „Sportstory, die Amerika veränderte“. Die Erinnerung an diese vier Spieler, die ihre Laufbahn nach einer perfekten Saison 1924 sowie dem Gewinn des Rose Bowls 1925 beendeten und eine der bekanntesten Formationen in der Geschichte des College Football sind, gehört bis in die Gegenwart zu den Sporttraditionen der University of Notre Dame. Alle vier Spieler wurden zum All-American gewählt und ebenso wie ihr Trainer in die College Football Hall of Fame aufgenommen.

Geschichte mini|Der Sportreporter Grantland Rice, der den Spitznamen Four Horsemen prägte

Die vier Spieler, die als die Four Horsemen bekannt wurden, waren der Quarterback Harry Stuhldreher sowie die drei Runningbacks Jim Crowley (Left Halfback), Don Miller (Right Halfback) und Elmer Layden (Fullback).Four Horsemen of Notre Dame. In: Edward J. Rielly: Football: An Encyclopedia of Popular Culture. University of Nebraska Press, Lincoln 2009, ISBN 978-0-8032-9012-9, S. 126–128. Wesentlich für ihr Zusammentreffen und ihren späteren Erfolg in Notre Dame waren das Charisma, die weitreichenden Beziehungen und die Motivationsfähigkeiten von Knute Rockne, der zur damaligen Zeit als Footballtrainer der Universität fungierte.Ray Robinson: Rockne of Notre Dame: The Making of a Football Legend. Oxford University Press, Oxford und New York 2002, ISBN 0-19-515792-3, S. 117–128. Er galt bei der Rekrutierung von Spielern als erfolgreicher Überredungskünstler mit einem „sechsten Sinn“ für Talent und Potential sowie gleichermaßen als „Chefpsychologe, Dompteur und Cheerleader“ des Teams mit der Fähigkeit, die Mannschaft vor Spielbeginn und während der Halbzeit durch mitreißende Reden zu motivieren.What’s the Deal with Notre Dame? In: Steward Mandel: Bowls, Polls & Tattered Souls. Tackling the Chaos and Controversy that Reigns over College Football. John Wiley & Sons, Hoboken 2008, ISBN 978-0-470-37355-2, S. 111–134 (speziell S. 116/117). Seine Spieler, von denen viele in ihm einen Ersatzvater sahen, unterstützte er nach dem Ende ihres Studiums mit Hilfe seiner Kontakte oft bei der Jobsuche. Neben dem Einfluss von Rockne spielten darüber hinaus zum Teil auch persönliche Umstände eine Rolle bei der Entscheidung der vier Spieler für Notre Dame. So war der Vater von Layden ein begeisterter Anhänger der Mannschaft, sein Highschool-Trainer fungierte als Scout für Rockne sowie als Basketball- und Baseballtrainer in Notre Dame. Bei Miller galt Footballspielen in Notre Dame als Familientradition, nachdem bereits drei ältere Brüder der Mannschaft angehört hatten.

Stuhldreher, Crowley, Miller und Layden waren von 1922 bis 1925 für die Notre Dame Fighting Irish aktiv und verloren mit dem Team während dieser Zeit nur zwei von 30 Spielen, mit 6:14 (1922) beziehungsweise 7:14 (1923) beide gegen die Mannschaft der University of Nebraska.Michael R. Steele: The Fighting Irish Football Encyclopedia. Sports Publishing LLC, Champaign 2002, ISBN 1-58261-286-2, S. 49–56 (1922: S. 49–51; 1923: S. 51–53; 1924: S. 53–56). 1922 siegte die Mannschaft in acht Spielen bei einem Unentschieden und einer Niederlage, ein Jahr später erreichte sie eine Bilanz von neun Siegen bei einem verlorenen Spiel. Im Jahr 1924 gewann das Team alle zehn Saisonspiele, darunter mit einem klaren 34:6 gegen die Nebraska Cornhuskers, und anschließend im Januar 1925 den Rose Bowl mit 27:10 gegen die Mannschaft der Stanford University.Michael R. Steele: The Fighting Irish Football Encyclopedia. Sports Publishing LLC, Champaign 2001, ISBN 1-58261-291-9, S. 54/55. Für diese Saisonbilanz wurden die Notre Dame Fighting Irish, beginnend 1926 mit dem als Dickinson System bezeichneten Auswahlverfahren des Wirtschaftsprofessors Frank G. Dickinson, von Football-Statistikern und verschiedenen Organisationen wie der College Football Researchers Association, der Helms Athletic Foundation und der National Championship Foundation nachträglich nahezu einhellig zum Landesmeister des Jahres 1924 gekürt. Lediglich der Sporthistoriker Parke H. Davis, der stattdessen die Mannschaft der University of Pennsylvania favorisierte, wich von dieser Einschätzung ab.

Zur damaligen Zeit spielten die Spieler einer Mannschaft in allen Bereichen, da aufgrund beschränkter Auswechslungen noch nicht zwischen Offense und Defense getrennt wurde.David M. Nelson: The Anatomy of a Game: Football, the Rules, and the Men Who Made the Game. University of Delaware Press, Newark 1994, ISBN 0-87413-455-2, S. 470 (siehe dort Angaben zu Regeländerungen in den Jahren 1922 und 1941). Darüber hinaus konnte ein Spieler, der das Spielfeld verlassen hatte, während der laufenden Halbzeit nicht mehr in das Spiel zurückkehren. Aus beiden Gründen waren die Anforderungen an die Vielseitigkeit und an die physischen Fähigkeiten der Spieler höher als in der Gegenwart, wodurch individuellen Spielern eine größere Bedeutung zukam. Ihren Spitznamen erhielten die vier Spieler durch den Sportreporter Grantland Rice. Dieser begann einen Bericht über ein Spiel, das die Fighting Irish am 18. Oktober 1924 mit 13:7 gegen die Black Knights der United States Military Academy gewonnen hatten, mit folgenden Sätzen, die in dramatisierender Weise auf die Apokalyptischen Reiter der Bibel sowie auf die Uniformfarben der Nord- und Südstaaten während des Amerikanischen Bürgerkrieges Bezug nahmen:The Four Horsemen - Grantland Rice versus Reality. In: Murray A. Sperber: Shake Down The Thunder: The Creation of Notre Dame Football. Indiana University Press, Bloomington 2002, ISBN 0-253-21568-4, S. 173–182.

Bis zu diesem Spiel, dem dritten in der Spielzeit von 1924 für die Notre Dame Fighting Irish, hatten beide Mannschaften keines ihrer Spiele der laufenden Saison verloren. Miller erzielte mit einem Touchdown im zweiten Viertel die Führung für Notre Dame, die von Crowley im dritten Viertel durch einen weiteren Touchdown ausgebaut wurde, bevor die Black Knights nach einem schwachen Punt der Fighting Irish zum Endstand verkürzten. Der Spielbericht von Grantland Rice, der in rund 100 Zeitungen des Landes nachgedruckt wurde, gilt als der bekannteste und einflussreichste Presseartikel in der amerikanischen Sportgeschichte.William David Sloan, Lisa Mullikin Parcell: American Journalism: History, Principles, Practices. McFarland, Jefferson 2002, ISBN 0-7864-1371-9, S. 198. Er trug wesentlich zur Etablierung individueller Spieler als „Sporthelden“ bei, die in den 1920er Jahren begann,Sport, Heroic Athletes, and Popular Culture. In: Gerald R. Gems, Linda J. Borish, Gertrud Pfister: Sports in American History: From Colonization to Globalization. Human Kinetics, Champaign 2008, ISBN 978-0-7360-5621-2, S. 228. und veränderte grundlegend den Charakter des Sportjournalismus, den Status des College Football sowie die Freizeitkultur in den Vereinigten Staaten.Allen Barra: The Sports Story That Changed America. In: The New York Times. Ausgabe vom 17. Oktober 1999, S. 42.

Der Student George Strickler, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Teams zuständig war, arrangierte außerdem nach der Rückkehr der Mannschaft nach South Bend ein Foto, das er an verschiedene Presseagenturen im Land verschickte, so dass es in den folgenden Tagen landesweit vielfach gedruckt wurde. Es zeigte die vier Spieler in Spielkleidung und mit jeweils einem Football unter dem Arm auf Pferden sitzend, und wurde zu einer der bekanntesten Aufnahmen in der Geschichte des College Football. Der Erfolg der Four Horsemen fand seinen Höhepunkt einige Wochen später mit dem Gewinn des Rose Bowls und legte den Grundstein für die bis in die Gegenwart anhaltende herausragende landesweite Popularität der Footballmannschaft von Notre Dame als America’s Team.Chris Dufresne: When They Were Riding High. In: Los Angeles Times. Ausgabe vom 2. Oktober 2007. Die zweiwöchige Bahnreise zum Spiel von South Bend nach Pasadena wurde für die Mannschaft zu einem Triumphzug durch die Vereinigten Staaten. Da die Teilnahme am Rose Bowl für die Spieler rund vier Wochen Vorlesungsausfall zur Folge hatte, untersagte die Hochschulleitung von Notre Dame bis zum Cotton Bowl 1970 weitere Teilnahmen an Bowl-Spielen in der Nachsaison.

Persönlichkeiten mini|Die College Football Hall of Fame in South Bend, Indiana, in die Knute Rockne und alle vier Spieler der Four Horsemen aufgenommen wurden

Knute Rockne (1888–1931),Rockne, Knute Kenneth (1888–1931). In: Edward J. Rielly: Football: An Encyclopedia of Popular Culture. University of Nebraska Press, Lincoln 2009, ISBN 978-0-8032-9012-9, S. 312–313.Rockne, Knute. In: Michael R. Steele: The Fighting Irish Football Encyclopedia. Sports Publishing LLC, Champaign 2002, ISBN 1-58261-286-2, S. 419. der Trainer der Four Horsemen, war im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern aus Norwegen in die USA eingewandert. Er studierte ab 1910 Chemie an der University of Notre Dame, an der er auch als Laborassistent von Julius Arthur Nieuwland tätig war und dem Football-Team angehörte. Nachdem er sein Studium 1914 mit einem Abschluss in Pharmazie beendet hatte, verblieb er zunächst als Dozent für Chemie sowie als Trainer der Leichtathletikmannschaft und als Assistenztrainer des Footballteams an der Universität. 1918 übernahm er den Posten des Cheftrainers der Footballmannschaft, die während seines Wirkens bis 1930 fast 90 Prozent aller Spiele und sechs nationale Meisterschaften gewann. Rockne, der aufgrund dieser Bilanz als einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des College Football gilt, kam 1931 im Alter von 43 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Er wurde 1951 postum in die College Football Hall of Fame aufgenommen.

Harry Stuhldreher (1901–1965),Stuhldreher, Harry. In: Michael R. Steele: The Fighting Irish Football Encyclopedia. Sports Publishing LLC, Champaign 2002, ISBN 1-58261-286-2, S. 427/428. der aus Ohio kam und von deutschen Einwanderern abstammte, war in seiner Rolle als Quarterback ein hervorragender Läufer und Passwerfer, darüber hinaus zählte er zu den besten Punt-Returnern der Mannschaft. Er wurde dreimal zum All-American gewählt und hatte nach seiner Collegezeit sechs Einsätze für die kurzzeitig bestehende Profimannschaft der Brooklyn Horsemen. Danach fungierte er elf Jahre lang als Cheftrainer der Mannschaft der Villanova University sowie anschließend 13 Jahre lang als Cheftrainer und Sportdirektor an der University of Wisconsin–Madison. Nach seiner Zeit als Trainer war er als Geschäftsmann tätig. Über seine Footballerfahrungen verfasste er zwei Bücher, eines davon über Knute Rockne. 1958 wurde er in die College Football Hall of Fame aufgenommen, sieben Jahre später erhielt er von der American Football Coaches Association (AFCA) den nach Amos Alonzo Stagg benannten Amos Alonzo Stagg Award.