miniatur|hochkant|Turmfassade zur Bolkerstraße Die Neanderkirche ist eine evangelische Kirche an der Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt.

Geschichte mini|Kirchenraum mit Kanzel (rechts) und Emporen an Ost- und Südwand mini|Kirchenraum mit Orgel Nach Beginn der Gegenreformation in Düsseldorf wurden die Aktivitäten der reformierten und evangelischen Kirche in Düsseldorf noch von 1609 bis 1614 geduldet. 1610 wurde deshalb auf dem Grundstück der späteren Neanderkirche ein Predigthaus errichtet. Mit Ende der Duldung musste dieses Haus 1614 geschlossen werden.In: Stadtarchiv Düsseldorf, Geschichtendatei, Band Q–S, S. 156. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durften die evangelischen Christen in der Altstadt wieder Kirchengebäude errichten. Die Neanderkirche wurde von der Reformierten Gemeinde fast gleichzeitig mit der Lutherischen Berger Kirche errichtet. Nach der Grundsteinlegung 1683 wurde die Kirche nach Entwurf und unter der Bauleitung von Michael Cagnon bis 1687 errichtet.In 57. Neanderkirche. Bau und Reparatur, Bd. 1, Aktenzeichen 57-2,1: „Neubau 1678-1685, Kampf um die Bauerlaubnis 1678, Entwurf und Bauleitung: Ing. und Architekt Cagnon, Rechnungen für Baumaterial, Rechnung des Ing. Joh. Spilberg für Anfertigung von Abrissen und 10-monatiger Bauaufsicht 1685.“ S. 99 (archiv-ekir.de)Ernst von Schaumburg, in: Historische Wanderung durch Düsseldorf, Vortrag vom 5. April 1866, S. 57.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf Entwürfe für die Innenausstattung, die große Kirchentür und den Engel mit Posaune als Wetterfahne für den Turm lieferte der Hofmaler Johannes Spilberg.Gunter A. Eberhard (Hrsg.): Geschichtliche Miniaturen. Neanderkirche Düsseldorf. Rheinland-Verlag, Köln 1984, ISBN 3-7927-0842-6, S. 11 Kirchweihe war bereits 1684.Duesseldorf-Altstadt.de Die Benennung nach Joachim Neander erfolgte 1916.Duesseldorf-Altstadt.de

Die Neanderkirche entstammt dem frühen BarockStadt Düsseldorf und hat wegen der calvinistischen Zurückhaltung eine schlichtere Gestaltung, als es im Barock üblicherweise war. Aufgrund der im Herzogtum Berg vorherrschenden römisch-katholischen Glaubensrichtung, der auch der Landesherr aus dem Hause Pfalz-Neuburg anhing, und aus Gründen der durch die Gegenreformation bestehenden Vorbehalte gegen Protestanten, durften protestantische Kirchen nicht als Kirchenbau in Erscheinung treten. Daher musste die Neanderkirche als so genannte Hinterhofkirche errichtet werden, das heißt in einem uneinsehbaren Innenhof einer Blockrandbebauung und somit nicht unmittelbar an einer öffentlichen Verkehrsfläche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die an der Bolkerstraße vorgelagerten Häuser zerstört und nicht wieder aufgebaut, so dass die Kirche heute von dieser Seite aus sichtbar ist. Der auf den Grundstücken der zerstörten Häuser entstandene Kirchhof wird von der gegenüberliegenden Brauerei zum Schlüssel gelegentlich als Biergarten genutzt. Zusätzlich zum Zugang von der Bolkerstraße aus, besteht ein Durchgang zur Andreasstraße neben der Traditionsgaststätte Benders Marie.

Kirchlich gehört sie zur Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte.

Orgel mini|hochkant|Moderner Orgelprospekt mini|hochkant|Spielanlage der Orgel mini|Peter Planyavsky improvisiert über den Choral „Gelobet sei der Herr“ (1998) Die heutige Orgel der Neanderkirche wurde 1965 von der Orgelbaufirma Rieger (Schwarzach, Österreich) unter der Leitung von Josef von Glatter-Götz nach einem Dispositionsentwurf von Gerhard Schwarz, Hubert Meyers und Oskar Gottlieb Blarr erbaut.Eine Vorgängerorgel schuf 1694 Peter Weidtmann (1647–1715) aus Ratingen. Das Instrument hat mechanische Spiel- und Registertrakturen und dient insbesondere als Konzertinstrument.Näheres zur großen Orgel der Neanderkirche Zahlreiche Einspielungen (LP und CD) wurden hier realisiert. 2016 erfolgte eine Überholung mit verschiedenen Erweiterungen und Veränderungen (inkl. einer neuen, ungleichstufigen Stimmung) durch die Firma Seifert.

Von 1961 bis 1999 war Oskar Gottlieb Blarr hier Kantor und Organist; Nachfolger war Martin Schmeding, und seit 2003 ist Sebastian Klein der Stelleninhaber.

Die Disposition lautet: I Rückpositiv C–c4 Hohlflöte 8′ Rohrpommer 4′ Principal 2′ Terzsepta ′ Gemsquint ′ Scharff IV Holzregal 16′ Holzdulcian 8′ Tremulant II Hauptwerk C–c4 Gemshorn 16′ Principal 8′ Koppelflöte 8′ Octave 4′ Rohrflöte 4′ Sesquialter II ′ Spitzoctave 2′ Mixtur VI 2′ Buntzimbel ′ Cornett V 8′ Chamade 8′ Musette 8′ Clairon (Cham) 4′Tremulant III Schwellwerk C–c4 Principal 8′ Gedacktflöte 8′ Schwebung 8′ Geigenoctave 4′ Spitzgedackt 4′ Nazard ′ Q. de Nazard 2′ Terz ′ Octave 1′ Mixtur IV-VII 2′ Trompete 16′ Trompete 8′ Trompete 4′ Tremulant Pedal C–g1 Principal 16′ Subbass 16′ Quinte ′ Octave 8′ Rohrpfeife 8′ Sesquialter ′ Octave 4′ Hintersatz 4′ Octave 2′ Bombarde 16′ Sordun 8′ Chamade 8′ Chamade 4′ Tremulant Koppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P, Sub III, Sub III/II Nebenregister: Nachtigall Spielhilfen: 4000-fache Setzeranlage

Glocken Im Turm hängen zwei Glocken in den Schlagtönen fis' und a'. Die große Glocke wurde 1962 von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker im hessischen Sinn gegossen, die kleine Glocke ist eine sogenannte Leihglocke vom Hamburger Glockenfriedhof, deren Provenienz bisher unbekannt ist.

Literatur Theo Lücker: Steine sprechen. Kleiner Wegweiser durch die Düsseldorfer Altstadt. Verlag T. Ewers, Düsseldorf 1977, S. 80–81 [Nr. 39 Die Neanderkirche]. Gisela Vollmer: Die Neanderkirche in Düsseldorf. Beiträge zur Baugeschichte. In: Düsseldorfer Jahrbuch Nr. 49, 1959, S. 176–185. Ingo Beucker: Die Neanderkirche in Düsseldorf. Restaurierung und Einfügung in das Stadtbild in den Jahren 1957 bis 1959. In: Düsseldorfer Jahrbuch Nr. 49, 1959, S. 185–195.

Weblinks

Offizielle Seite der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte Musik in der Neanderkirche Einspielungen aus der Neanderkirche bei Discogs Klangbeispiele der Orgel (YouTube): Peter Rübsam (Dudelsack) und Oskar Gottlieb Blarr (Orgel) spielen Michael Praetorius: Tanzsuite aus Terpsichore (1977) Almut Rößler spielt den 4. Satz (Je Suis, Je Suis!) aus Olivier Messiaen: Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité (1998, live) Werner Jacob spielt Max Reger: Fantasie und Fuge d-Moll op. 135b und sein Werk Drei Metamorphosen über Themen aus Max Regers op. 135b (1998, live) Livia Mazzanti spielt Nino Rota: Valzer-Carillon (aus: Due Valzer sul nome BACH; 1998, live) Playlist Orgelpunkt Europa – 33 Jahre Rieger-Orgel in der Neanderkirche (1998)

Einzelnachweise

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