285px|mini|Hafenpanorama – Victoria Peak, 2008 285px|mini|Hafenpanorama – Tagansicht ICC, 2011 285px|mini|Victoria Harbour – Nachtansicht ICC, 2013

Der Victoria Harbour (, kurz: ) ist ein natürlicher Hafen zwischen Hong Kong Island und der Halbinsel Kowloon in Hongkong. In der alten chinesischen Literatur wurde das Gewässer meist als Jiānshāzuĭ Yángmiàn () oder Zhōngmén () bezeichnet.

Der Name Victoria Harbour wurde zu Ehren der britischen Königin Viktoria von den Engländern vergeben, nachdem Hongkong von 1843 bis 1997 zum Vereinigten Königreich und somit zum Britischen Empire angehörte. Die Tiefe des Hafenbeckens sowie die Breite der Wasserstraßen zusammen mit seiner strategisch günstigen Lage im Südchinesischen Meer waren ausschlaggebend dafür, dass Großbritannien Hongkong zu einer Kronkolonie machte.

Bereits frühzeitig erkannten die Engländer das Potential des Hafens. Nach dem Ersten Opiumkrieg wurde zuerst Hong Kong Island übernommen und später Kowloon an die Briten ausgeliehen. Der Victoria Harbour wurde zum Hauptstützpunkt des englischen Seehandels in Ostasien. Der Hafen hatte in den beiden vergangenen Jahrhunderten die Geschichte und die Kultur Hongkongs entscheidend geprägt. Er gab den entscheidenden Impuls für die Entwicklung dieses Standortes, der ihn bis heute zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszentren der Welt werden ließ.

Durch die Aussicht, die sich vom Hafen auf die umliegende Kulisse bietet, ist er heute eine der Hauptattraktionen von Hongkong, wo er den Mittelpunkt des urbanisierten Gebietes der Stadt bildet. Der Hafen ist alljährlich ebenso Schauplatz für das Feuerwerk anlässlich des Chinesischen Neujahrs. Seine Promenade ist ein populärer Anziehungspunkt gleichermaßen für Touristen und Einwohner.

Geographie mini|Victoria Harbour – Umgebungskarte, 2006

Gemäß den Angaben aus dem Jahr 2004 hat der Victoria Harbour eine Fläche von insgesamt 41,88 Quadratkilometern, wobei die durchschnittliche Wassertiefe mit 12 Meter angegeben wird. Der tiefste Punkt des Hafenbeckens ist Lei Yue Mun (), wo der Hafen 43 Meter tief ist. Die seichteste Stelle liegt bei Yau Ma Tei (). Hier besitzt der Hafen eine Durchschnittstiefe von sieben Meter. Die Wasserhöhe variiert zwischen Ebbe und Flut um etwa einen Meter.

Als östliche Grenze wird allgemein der Abschnitt vom östlichen Ende von Siu Chau Wan () nach A Kung Ngam () angesehen. Die westliche Grenze wird durch eine Linie bestimmt, die vom westlichsten Punkt von Hong Kong Island zum westlichsten Punkt von Green Island gezogen wird, von wo aus sie sich weiter zum südöstlichen Punkt von Tsing Yi erstreckt. Dort zieht sie sich entlang der östlichen und nördlichen Küstenlinien zum westlichsten Ende der Halbinsel Tsing Yi, ehe eine weitere gerade Linie, die von dort nach Norden zum Festland gezogen wird, den Abschluss bildet.

Inseln und Halbinseln Im Folgenden sind die Hauptinseln aufgelistet, die in Verbindung mit dem Hafen zu nennen sind:

Green Island Little Green Island Kowloon Rock Tsing Yi Island

Aufgrund der Landgewinnung wurden folgende ehemaligen Inseln nun an angrenzenden Landflächen oder größeren Insel angeschlossen.

Stonecutters Island (nun angeschlossen an Lai Chi Kok Bay, New Kowloon) Channel Rock (nun angeschlossen an Kwun Tong, New Kowloon) Kellett Island (nun angeschlossen an Causeway Bay, Hong Kong Island) Hoi Sham Island (nun angeschlossen an To Kwa Wan, Kowloon) Nga Ying Chau (nun angeschlossen an Tsing Yi Island, New Territories) Pillar Island (nun angeschlossen an Kwai Chung, New Territories) Mong Chau (nun angeschlossen an Kwai Chung, New Territories) Chau Tsai (nun angeschlossen an Tsing Yi Island)

Wasserhöhe und -güte Als 1962 der Taifun Wanda über Hongkong fegte, stieg das Wasser bis zu einem Pegel von 3,96 Metern und markierte die bis heute gültige Rekordmarke im Victoria Harbour. Zwischen 1954 und 2004 stieg das Wasser wegen der globalen Klimaerwärmung, aufgrund der Landgewinnung, der Sedimentation durch Ablagerungen des Perlflusses sowie durch Veränderungen der Meeresströmung im Südchinesischen Meer um ganze 12 Zentimeter. Zwischen 1987 und 1999 stieg das Wasser jährlich sogar um 22 Millimeter. Das ist das Zehnfache des globalen Durchschnitts. Seit 1999 ist die Wasserhöhe jedoch wieder rapid abgesunken. , Metro – , Metro Broadcast Corporation (Hongkong) – , 15. Juni 2004 (chinesisch).

Anfangs, als die Ufer noch die ursprüngliche und natürliche Küstenlinie bildeten, war die Wasserstraße des Victoria Harbours wesentlich breiter. Bis in die 1930er Jahre war der Ostteil des North Point ein öffentlicher Strandabschnitt und bis in die 1970er Jahre hinein konnte man bei Shau Kei Wan noch baden. — – deutsch etwa: „Das Kottektivgedächtnis des Victoria Harbours – Hundert Jahre Hafengeschichte“, , – Ming Pao Publishing, Hongkong 2008, ISBN 962-8872-68-0 (chinesisch). Heute hat die rasante Entwicklung der Metropole dazu geführt, dass das Schwimmen durch die Wasserverschmutzung im Hafen sowie aufgrund der durch die Landgewinnung verursachte hohe Wellengang und die stärkere Strömung innerhalb des Hafengewässers nicht mehr möglich ist. Im Zuge der Neuplanung des Hongkonger Flughafens in den 1980er Jahren gab es auch Pläne, die Hafenanlage außerhalb des Stadtkerns nach Rambler Channel oder Lamma Channel zu verlegen. Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt.

Geschichte mini|250px|Karte des Victoria Harbours – Pekinger Konvention, 1860

Bereits im Jahre 1841 besetzte England Hong Kong Island und nach der Ratifizierung des Vertrags von Nanking zwischen China und Großbritannien im Jahr 1843 erhielt die britische Krone das „ewige Besitzrecht“ für die Insel zugesprochen.

Den britischen Händlern war nun ein Ausgangspunkt und ein natürlicher Hafen für ihre Schiffe geschaffen worden. Der Hafen zwischen der Insel Hongkong und der Halbinsel Kowloon war tief und bot durch seine Lage eine geschützte Ankerstelle für die britische Handelsflotte. Durch seine strategisch günstige geographische Lage im Herzen des Südchinesischen Meeres und der Nähe von Kanton zu dem chinesischen Festland, entwickelte er sich zu einem Zentrum des Handels mit China.

Allmählich verlegten nun die verschiedenen Handelshäuser ihren Sitz nach Hongkong, wo sich ihnen eine Möglichkeit bot, ihre Schiffe zu warten. Nach den langen Seereisen waren oft Reparaturen und eine Überholung der Schiffe notwendig und der Victoria Harbor stellte einen idealen Zufluchtsort hierfür dar. Im Hafen Hongkongs konnten auch die Bestände an Nahrung und Wasser wieder aufgefüllt werden. Ab den 1840er Jahren dockten oft die sogenannten „Teeklipper“ in Hongkong an, die sich an dem legendären „großen Teerennen“ von China nach London beteiligten.

Am 21. Dezember 1854 verhaftete die Polizei mehrere bewaffnete Rebellen, die im Zuge des Taiping-Aufstands im Begriff waren, einen Angriff auf Kowloon City zu starten. Am 23. Januar 1855 kam es in den Hafengewässern fast zu einer Seeschlacht, als eine Flotte bewaffneter Dschunken der Taiping die chinesischen kaiserlichen Kriegsschiffe bedrohte, die den Hafen verteidigten. Die chinesischen Verteidiger wurden von der britischen Kolonialmacht jedoch abkommandiert. Diese Ereignisse verursachten zunehmende Spannungen, die schließlich mit ausschlaggebend für den Zweiten Opiumkrieg waren.Jung-fang TSAI: Hong Kong in Chinese History: community and social unrest in the British Colony, 1842-1913. Columbia University Press, New York 1995, ISBN 0-231-07933-8 (englisch).

Nach der Unterzeichnung der Pekinger Konvention besetzten britische Truppen im Januar 1861 die Kowloon-Halbinsel. Im April wurde das Gewässer zwischen Hong Kong Island und Kowloon dann nach Königin Victoria in Victoria Harbour umbenannt.Gina Macdonald: James Clavell, A Critical Companion. Greenwood Press, Westport (CT) 1995, ISBN 0-313-29494-1. Davor wurde es in Dokumenten der Qing-Regierung zumeist als Jianshazui Yangmian (). oder als Zhongmen () bezeichnet. In gleicher Weise wurden der Victoria Park, Victoria City sowie der Victoria Peak nach dem damaligen Oberhaupt des britischen Königreiches benannt.

Da Hongkong über wenig ebene Landstriche verfügte, initiierte die Regierung bereits 1841 mehrere Landgewinnungsprojekte. Bereits im Jahre 1842, als die Queen’s Road und die Wyndham Street errichtet wurden, fielen große Mengen von Gestein als Schutt an, der direkt in das Meer gekippt wurde, um die Fläche von Hong Kong Island zu vergrößern. 1852 begann das Bonham Landgewinnungsprojekt, um die Fläche von Sheung Wan zu erweitern. Dies konnte als erstes offizielles Landgewinnungsprojekt bezeichnet werden. Auf der gewonnenen Landfläche wurden danach die Regierungsgebäude sowie die Hafenanlagen errichtet. mini|250px|links|Victoria City 1905 – Helles Schiff Bildmitte HMS Tamar (1863) – Versunken im Pazifikkrieg, wahrscheinlicher Wrack wiederentdeckt im Victoria Harbour 2014

Später wurden die Landgewinnungsprojekte auf die gesamte Nordseite von Hong Kong Islands sowie auf Kowloon erweitert. Die heute wirtschaftlich wichtigen Gegenden Des Voeux Road, Wan Chai, Causeway Bay, Tsim Sha Tsui East, Kai Tak, Hung Hom Bay, Kwun Tong Industrial Area, To Kwa Wan und West Kowloon stehen auf ehemaligen Wasserflächen.

Nach der Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1869 rückten Dampfschiffe als Frachttransporter in den Vordergrund. Aufgrund der Zunahme des Schiffsverkehrs war der Bau von Leuchttürmen nötig geworden. 1875 wurde der erste Leuchtturm Hongkongs, der Leuchtturm von Cape D’Aguilar, eröffnet. Im Jahre 1913 legten so mehr als 22.000 Schiffe im Victoria Harbour an.

Schon früh hatte die Royal Navy einen Marinestützpunkt im Victoria Harbour errichtet. Im Dezember 1941 besetzten im Zweiten Weltkrieg zahlenmäßig weit überlegene japanische Truppen die britische Kolonie innerhalb von 18 Tagen (Schlacht um Hongkong).

Als einer der wichtigsten Häfen Asiens war Hongkong bis in die 1970er Jahre hinein ein wichtiger Schiffbaustandort. Hongkong besaß zwei der größten Werften Asiens: Der Taikoo Dockyard am Quarry Bay sowie der Hong Kong and Whampoa Dock in Hung Hom. Die Werften beschäftigten über tausend Mitarbeiter, ihre Technik und Tonnage konkurrierten dabei mit den Werften Japans. Seit dieser Zeit erlebte der Schiffbau einen Niedergang und zugleich stieg der Grundstückpreis in Hongkong rapide an. Aus diesem Grund wurden die Werften in den 1970er und 1980er Jahren demontiert und ihre Anlagen nach Tsing Yi transportiert. Auf den Gebieten der ehemaligen Werften wurden stattdessen Wohngebäude und Einkaufspassagen errichtet.

Mitte der 1990er Jahre wurde der britische Militärstützpunkt nach Stonecutters Island verlagert. Es gab Pläne, auf dem ehemaligen Militärgebiet das neue Regierungsviertel zu errichten. Hongkong war und bleibt bis heute ein Freihafen, zudem befindet sich die Stadt im Mittelpunkt der fernöstlichen Wasserstraßen, weswegen vor der Rückgabe Hongkongs an China im Jahr 1997 viele englische und amerikanische Kriegsschiffe hier anlegten. Selbst nach 1997 wurde der Hafen oft von amerikanischen Kriegsschiffen angefahren, um sich hier mit Nachschub einzudecken.

Hafenanlagen und Verladestationen mini|250px|Frachthafen – Pier auf der Pedder Street (Küstenlinie 1893), Central 1905