Karlstein ist ein Gemeindeteil der Stadt Bad Reichenhall und eine Gemarkung im Landkreis Berchtesgadener Land.

Im Zuge der Gebietsreform wurde die Gemeinde Karlstein 1978 nach Bad Reichenhall eingemeindet.

Geographie mini|Kurgarten Karlstein an der Staufenstraße Geographische Lage Das Dorf Karlstein liegt am westlichen Ende des Reichenhaller Talkessels. Vom Stadtkern ist der Ortsteil durch die Saalach getrennt. Auf der 25,53 km² großen Gemarkung liegen die Gemeindeteile Karlstein, Kirchberg, Nonn und Thumsee. Alte Flur- und Hofnamen (z. B. Siebenpalfen, Fager, Garnei, Seeweber) sind immer noch gebräuchlich, auch wenn diese nicht mehr in einem öffentlichen Verzeichnis auftauchen. Im Bereich von Karlstein und Nonn befinden sich der Hochstaufen und der Zwiesel im Norden, der Gebersberg und Teile des Jochbergs im Westen und der Müllnerberg, der sich vom Westen bis in den Süden erstreckt.

mini|Thumsee im Herbst

Gewässer Eingerahmt von Bergen liegt im Westen der Thumsee. Er ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Stadt und umliegende Gemeinden. Das Wasser des Sees, das von einem oberirdischen Zulauf und unterirdischen Quellen gespeist wird, fließt im Anschluss durch das Seemösl und danach über den Seebach weiter nach Karlstein, heißt etwa ab der Weitwiese Hosewasch oder auch Hoswaschbach und vereinigt sich im Osten von Nonn mit der Saalach.

Das Amerangbachl entspringt am Müllnerberg und vereinigt sich im Bereich der Seebachkapelle mit dem Seebach.

Der Listsee liegt auf ca. 630 m oberhalb des Nonner Oberlandes und ist nur 0,4 Hektar groß. Der Bergsee wird unterirdisch gespeist, das Wasser läuft über den Hammerbach in die Hosewasch ab. Die Quellen rund um den Listsee dienen der Stadt Bad Reichenhall als Trinkwasserversorgung.

Klima Wie auch im übrigen Stadtgebiet von Bad Reichenhall ist das Klima in Karlstein, begünstigt vor allem durch die geschützte Lage im Talkessel und gemäßigt durch das Wasser der Saalach. Bad Reichenhall wird deshalb auch gern als „Meran des Nordens“ bezeichnet. Eine Besonderheit sind starke, warme Fallwinde, die vor allem im Bereich von Kirchberg auftreten und in anderen Ortsteilen wenig bis gar nicht wahrgenommen werden. Aufgrund der Windrichtung (aus Westen) werden diese im Volksmund gerne als „Kugelbachwind“ bezeichnet nach dem in dieser Richtung liegenden Bauernhof.

Geschichte Frühgeschichte mini|hochkant|Hinweistafel auf die Ausgrabungen in Karlstein Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der Glockenbecherzeit und wurden durch den Archäologen Josef Maurer bei Ausgrabungen an den Nordhängen des Pankrazfelsens entdeckt.Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, S. 31 Ausgrabungen beweisen zudem, dass mindestens seit der Frühen Bronzezeit, das heißt seit dem Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrtausends, der Reichenhaller Talkessel fortdauernd besiedelt gewesen ist.Hubert Vogel: Geschichte von Bad Reichenhall – Vom viertausendjährigen Karlstein (S. 200)

Die umfangreichsten Funde stammen von den vorgeschichtlichen Siedlungsplätzen von Karlstein sowie aus dem Langackertal. In der Bronze- und Eisenzeit befanden sich dort Siedlungen, deren Größe und Reichtum in keinem Verhältnis zum landwirtschaftlichen Potential der Landschaft stehen. Vermutlich war damals schon das Salz aus den Solequellen Grundlage für den Handel, der hier einen Knotenpunkt der Wege in den Norden über Inzell und den Chiemsee, Richtung Süden über Salzburg und die Tauern bis an die Adria und Richtung Westen über die Garnei, den Thumsee, den Pinzgau bis nach Tirol hatte. Die Funde beweisen auch, dass hier Metallwaren aus Bronze und Eisen hergestellt wurde, insbesondere Karlstein dürfte während Bronze- und Eisenzeit ein Metallurgiezentrum mit regionaler Bedeutung gewesen zu sein.

Die wichtigsten Funde stammen aus der Zeit um 100 v. Chr. Gegen Ende der La-Tène-Zeit wurden in einem Münzprägezentrum auf dem Haiderburgstein, einer dem Pankrazfelsen vorgelagerten Anhöhe zwischen Schmalschlägerstraße und Moserweg, Münzen hergestellt. Es handelt sich dabei um Silbermünzen mit der Prägung eines stilisierten Kugelpferdes und einem Durchmesser von etwa acht Millimetern, die nicht zum römischen oder griechischen Währungssystem gehören und auch keinem keltischen Stamm zugeordnet werden können. Dieses Kleinsilber, das im Ostalpenraum bis Slowenien nachgewiesen werden kann, wird deshalb auch „Kleinsilber Karlsteiner Art“ genannt und ist auch ein Beweis für die Bedeutung des Handels für die Siedlungen von Karlstein.Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, S. 51 ff.

Aus der römischen Kaiserzeit stammen Funde einer großen Villensiedlung mit Verbrennungsplatz und Friedhof im Bereich der heutigen Fischzuchtstraße im Langackertal. Die Funde zahlreicher Grabstätten der Bajuwaren in Kirchberg aus der Merowingerzeit (480 bis 700) deuten auf ein friedliches Nebeneinander von Germanen und Romanen hin. Als Siedlung könnten der Altstadtbereich von Bad Reichenhall oder der Kirchberg, aber auch andere Bereiche in der Umgebung gedient haben.

Ab dem Mittelalter mini|Burg Karlstein um 1700 Obwohl es in Karlstein keine Salzvorkommen gab, spielte die Siedlung Karlstein eine für die Salzerzeugung strategisch wichtige Rolle. So diente die Burg Karlstein zur Verteidigung der Stadt Reichenhall gegen Angriffe aus dem Westen und auch zur Sicherung der Transportwege des Salzes über den Thumsee und den Antoniberg in Richtung Tirol oder München. Wie Karlstein stand auch die Maut zu Karlstein unter dem Einfluss der Peilsteiner und später des Bayernherzogs. Die ehemaligen Burganlagen Fager (auch: Vager), Amerang und Kirchberg wurden im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg errichtet, der damit seine Macht über die Salzproduktion festigen wollte. Außer von der Burg Karlstein sind von den anderen Anlagen kaum noch sichtbare Überreste vorhanden. Sie dürften alle bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört worden sein. Die Steine wurden vermutlich von der Bevölkerung zum Bau ihrer Häuser fortgeschafft. Im dichten Wald wurden vereinzelte Spuren teilweise erst durch Johannes Lang als Stadtheimatpfleger der Stadt Bad Reichenhall sowie den Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall 2001 und 2002 wiederentdeckt und freigelegt.

Unter der Leitung des Hofbaumeisters Hanns Reiffenstuel wurde 1617 bis 1619 eine Soleleitung von Bad Reichenhall nach Traunstein mit zahlreichen Brunnhäusern (Pumpstationen) zur Überwindung des Höhenunterschiedes gebaut. Die zwei Brunnhäuser Fager und Seebichl sowie ein Themenwanderweg befinden sich in Karlstein. Die Reifenstuelstraße erinnert an den Baumeister.

Zeit des Kurbetriebes

Noch bevor man in Bad Reichenhall den Heilwert der Sole kannte, gab es Anfang des 18. Jahrhunderts im Karlsteiner Ortsteil Kirchberg schon einen Badebetrieb. Grundlage war die dortige Heilquelle, die südlich des heutigen Altenheims am Fuße des Müllnerbergs entspringt. Kirchberg gilt deshalb als Wiege des Kurbetriebs in Bad Reichenhall. Das Bad hatte jedoch wegen der sehr einfachen Ausstattung über hundert Jahre eine sehr geringe Bedeutung und den Ruf eines „Dienstbotenbades“. Das änderte sich langsam, als ab 1822 der Salinenarzt Osterhammer in Kirchberg Kuren mit Sole verschrieb und auch Aufzeichnungen über die Erfolge seiner Therapien anfertigte. Als sich ab 1846 der Kurbetrieb in Reichenhall rund um das Hotel Axelmannstein etablierte, kam es wegen der Konkurrenz des Öfteren zum Streit, jedoch begünstigte das Aufblühen des Kurbetriebs in der Nachbarstadt auch das Bad in Kirchberg. Im Jahre 1864 wurde der Kurbetrieb umfassend modernisiert, neue Gebäude errichtet und das Kirchberg zu einem überregional bekannten und beliebten Kurort gemacht. Die letzten 50 Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zählten zur glücklichsten Epoche von Kirchberg, nach dem Krieg wurde der Badbetrieb aufgegeben. Der Kurpark mit seinen vielen exotischen Pflanzen wurde mit dem heutigen Altenheim überbaut und außer dem Kirchberg-Schlössl sind nur noch sehr wenige alte Villen in der Umgebung erhalten geblieben. Die Kirchberger Heilquelle fließt heute in der Nähe der Kretabrücke ungenutzt in die Saalach.

In den Jahren 1889 bis 1890 wurde die Lange Brücke über die Saalach durch eine moderne Bogenbrücke aus Stein, die Luitpoldbrücke, ersetzt. 1899 wurde diese bei einem Hochwasser schwer beschädigt.

mini|Elektricitäts-Werke Reichenhall um 1890 Im Jahre 1890 eröffnete Konrad Fischer in Kirchberg die Elektricitäts-Werke Reichenhall, das erste Wechselstromkraftwerk in Deutschland und das erste Elektrizitätswerk in Bayern. Fischer nutzte die Wasserkraft des Kirchberger Mühlbaches, um 1200 Glühlampen in Bad Reichenhall, Karlstein und Kirchberg zum Leuchten zu bringen.

Ab 1908 betrieb Albert Leuthenmayr in der Nonner Straße 10 eine Latschenkiefernölbrennerei. Bis dahin war Josef Mack der Einzige, der in Bad Reichenhall verschiedene Kurmittel aus dem Öl der Latschenkiefer anbot. Leuthenmayr war Gärtner und besaß seit den 1880er Jahren in Reichenhall eine Blumenhandlung, in der er Gartenblumen und Blumenbouquets anbot. 1913 erweiterte Leuthenmayr seine Fabrik auf zwei große Anlagen, da die Erzeugnisse aus der ersten, kleinen Destillationsanlage regelmäßig ausverkauft waren. Zu Leuthenmayers Kunden zählten der bekannte Chirurg Ferdinand Sauerbruch, die Königlich Bayerische Leib- und Hofapotheke sowie das britische Königshaus.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt/Aisch 2009; S. 607 f. In Bad Reichenhall gab es drei Vertretungen für „Leuthenmayrs Hochgebirgs-Latschenkiefer-Produkte“, darunter die Kronen-Apotheke in der Bahnhofstraße. Im Jahre 1943 wurde der Betrieb kriegsbedingt eingestellt, aber ab 1948 wieder aufgenommen. Im Jahre 1977 wurde der Betrieb endgültig aufgegeben, ab diesem Zeitpunkt fertigte die Engel-Apotheke in der Ludwigstraße die Leuthenmayrschen Produkte in Lizenz.Lang: Wellnesstrends „made in“ Bad Reichenhall in den Heimatblättern 07/2007 als Beilage des Reichenhaller Tagblatts vom 21. Juli 2007

Jahrhundertwende bis zur Nachkriegszeit Im Jahre 1912 wurde mit dem Bau des Saalachkraftwerks zur Elektrifizierung der Bahnstrecken Freilassing–Bad Reichenhall und Bad Reichenhall–Berchtesgaden begonnen. Es ist eines der ältesten Bahnkraftwerke, das noch in Betrieb ist und liefert außerdem bis heute Strom an die Stadt Bad Reichenhall.

Das Bad Kirchberg wurde im Ersten Weltkrieg in ein Lazarett umgewandelt, in das auch Schlössl eingegliedert war und das bis 1921 in Betrieb war. Das Kurhaus wurde 1924 an den Bayerischen Beamtenbund verkauft und kurz darauf als Beamten-Erholungsheim eröffnet. Damit endete der Badebetrieb in Kirchberg endgültig.

mini|Kabine der Predigtstuhlbahn Am 1. Juli 1928 nahm die Predigtstuhlbahn nach einjähriger Bauzeit ihren Betrieb auf. Sie ist die älteste original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt.

Die heutige Hochstaufen-Kaserne wurde in den Jahren 1934 bis 1936 in Karlstein erbaut. Da die Gebäude jedoch von vornherein für die Garnison Bad Reichenhall geplant waren, wurde das Gebiet per Regierungsbeschluss am 1. Juli 1937 in die Stadt Bad Reichenhall eingemeindet und ist heute Teil der Gemarkung Bad Reichenhall. Ab November 1938 war die Kaserne Standort des III. Btl. des Gebirgsjäger-Regimentes 100 mit Regimentsstab und 16. Panzer-Abwehr-Abteilung unter dem Kommando von Hubert Lanz und ab September 1939 von Willy Utz. Teile dieser Einheiten waren am Holocaust und unter anderem in Kreta, Kefalonia und Italien an Kriegsverbrechen beteiligt, welche tausende Opfer unter Kriegsgefangenen, Partisanen und Zivilisten forderten. Die Straße, an der sich die Kaserne befindet, wurde während der Bauarbeiten als Col-di-Lana-Straße benannt und wenige Jahre später in die heutige Nonner Straße umbenannt.