miniatur|Karte des heutigen Somalilands Die Geschichte Somalilands ist die Geschichte eines Teils des von Somali bewohnten Gebietes, welches im 19. Jahrhundert als Britisch-Somaliland kolonialisiert wurde und sich 1960 mit Italienisch-Somaliland zu Somalia verband. Sie ist somit eng verbunden mit der Geschichte Somalias sowie mit der Geschichte der Somali in den Nachbarländern Äthiopien und Dschibuti. Nach dem Zusammenbruch der somalischen Regierung 1991 erklärte sich Somaliland für unabhängig und durchlief seither eine weitgehend vom übrigen Somalia getrennte Entwicklung.

Einen tabellarischen Überblick bietet die Zeittafel Somalia.

Frühe Geschichte mini|Detail der Höhlenmalereien in Laas Geel mini|Mensch und Kuh

Belege für die Besiedlung des Horns von Afrika vor Beginn der christlichen Zeitrechnung sind spärlich. Erste Spuren menschlicher Zivilisation wurden in Laas Geel bei Hargeysa entdeckt. Dort wurden Höhlenmalereien gefunden, die auf die Zeit zwischen 4000 und 3000 v. Chr. datiert werden. Weitere Höhlenmalereien befinden sich u. a. in Karin Heegan und Dhambalin.

Die heutigen Bewohner der Region, die Somali, führen ihre Herkunft auf Einwanderer von der Arabischen Halbinsel zurück, von denen alle Somali patrilinear abstammen sollen. Die Sprachwissenschaft sieht ihre Ursprünge hingegen eher im südlichen äthiopischen Hochland, wo andere Ethnien leben, die wie die Somali kuschitische Sprachen sprechen, und legt damit den Schwerpunkt auf den kuschitisch-afrikanischen Teil ihrer Abstammung. Nach diesen Theorien trennten sich die Vorfahren der Somali um 500 v. Chr. von den verwandten Gruppen zwischen den Flüssen Omo und Tana und besiedelten bis etwa 100 n. Chr. das ganze Horn von Afrika.Countrystudies.us: Somalia – Origins, Migrations, and Settlement

Vorkoloniale Zeit Die Somali entwickelten ihre bis heute bestehende Wirtschaft und Lebensweise, die hauptsächlich in nomadischer Viehwirtschaft sowie im Süden des heutigen Somalia in Ackerbau im Gebiet der Flüsse Jubba und Shabeelle besteht. Die Lebensweise der Nomaden in Nordsomalia/Somaliland galt lange als prototypisch für die Somali, doch sie entwickelte sich wahrscheinlich später als die sesshaft-agropastoralistische Lebensweise der südsomalischen Rahanweyn.Herbert S. Lewis: The Origins of the Galla and Somali, in: The Journal of African History, Vol. 7, No. 1 (1966)Abdi Kusow: The Somali Origin: Myth or Reality, in: Ali Jimale Ahmed (Hrsg.): The Invention of Somalia, Red Sea Press 1995, ISBN 0932415997

Das Clansystem der Somali wurde wahrscheinlich von der patrilinearen Stammesgesellschaft der Araber beeinflusst und verdrängte die ursprüngliche, möglicherweise matrilinear organisierte Gesellschaftsform.Countrystudies.us: Somalia – Coastal Towns Schon in vorkolonialer Zeit kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Clans, insbesondere um knappes Land und Wasser. Die in der Region natürlicherweise auftretenden Dürren führten regelmäßig zu Hunger, insbesondere unter den Nomaden im Norden und Zentrum SomaliasLänderbericht von Human Rights Watch zu Somalia 1992#The Impending Famine; dort zitiert aus M. Boothman, A Historical Survey of the Incidence of Drought in Northern Somalia, in I. M. Lewis (ed.) Abaar: The Somali Drought, London, 1975..

Seehandel und Einführung des Islam Das Königreich von Aksum erstreckte sich auf dem Höhepunkt seiner Macht (ca. 4. bis 6. Jahrhundert) bis in den Nordwesten SomaliasCountrystudies.us: Ethiopia – The Aksumite State, über die Auswirkungen seiner Herrschaft ist wenig bekannt.

Durch den Seehandel über Küstenstädte wie Zeila (Saylac) und Hobyo kamen die Somali mit arabischen und persischen Einflüssen in Berührung, so auch mit dem Islam ab dem 7. Jahrhundert. Noch weiter verbreitete sich der Islam im 11., 12. und 13. Jahrhundert mit der Ankunft muslimischer Patriarchen. Zeila stieg bis zum 16. Jahrhundert zum Handelszentrum für Kaffee, Gold, Zibet, Straußenfedern sowie Sklaven aus Äthiopien (siehe auch: Ostafrikanischer Sklavenhandel) und zum Zentrum des Islam in Somalia auf. Es wurde mit dem Nahen Osten, Indien und China Handel getrieben.

Sultanate in Nordsomalia Im 13. Jahrhundert setzte eine Wanderungsbewegung der Somali nach Süden ein, die bis in das 19. Jahrhundert andauern sollte. In dieser Zeit begannen sich auch Staatswesen zu bilden, insbesondere das Sultanat Ifat in Äthiopien und Nordsomalia, Vorläufer des von muslimischen Somali und Afar geführten Sultanats Adal. Dieses reichte von seiner Hauptstadt Zeila bis Jijiga und Harar im heute äthiopischen Ogaden und blieb lange friedlich gegenüber dem benachbarten christlichen Kaiserreich Äthiopien. Die Beziehungen der beiden Staatswesen verschlechterten sich jedoch, als der äthiopische Negus Isaak (Yeshaq) muslimische Ansiedlungen im Tal östlich von Harar angriff und 1415 Ifat eroberte. Nach seinem Sieg erlegte Isaak den Muslimen Tribut auf und ließ eine Hymne zur Besingung dieses Sieges schreiben. In dieser Hymne erscheint das Wort Somali erstmals in geschriebener Form.

Im 16. Jahrhundert waren es wiederum die Muslime, die Äthiopien angriffen. Unterstützt vom Osmanischen Reich drangen sie, geführt von Ahmed Gurey (Gran), weit in das Land vor, richteten Verwüstungen an und dezimierten dabei die Bevölkerung. Mit Hilfe einer portugiesischen Expedition unter Cristóvão da Gama – einem Sohn Vasco da Gamas – und des Einsatzes von Kanonen gelang es Äthiopien, die Eroberung schließlich abzuwenden.Countrystudies.us: Somalia – Emergence of Adal Nach dem Fall Ahmed Gureys in der Schlacht von Wayna Daga am 21. Februar 1543 wurden die Muslime zurückgeschlagen. In der darauf folgenden Zeit zerfiel Adal in kleinere Staaten, darunter das Sultanat Harar. Dieses kam, ebenso wie äthiopische Gebiete, unter Druck von Seiten der Oromo, die nun von Süden her vordrangenNordic Africa Institute: Local History of Ethiopia: .

Die Portugiesen waren seit der Zeit von Heinrich dem Seefahrer der Küste Afrikas entlang gesegelt und waren so bis nach Somalia gelangt. Ab dem 16. Jahrhundert kam es zu Überfällen portugiesischer Seefahrer auf somalische Küstenstädte. Zeila verlor infolge portugiesischer Angriffe 1517 und 1528 sowie Überfällen somalischer Nomaden aus dem Umland an Bedeutung und wurde zur Besitzung der jemenitischen Stadt Mokka. Berbera nahm seine Rolle ein, wurde aber ebenfalls Besitzung Mokkas. Der Jemen wiederum, und damit auch Mokka, geriet seinerseits zeitweise unter osmanische Herrschaft. 1875 versuchte Ägypten unter Ismail Pascha eine Invasion in Äthiopien, wobei Harar und Zeila für kurze Zeit unter ägyptische Kontrolle kamen.

Kolonialzeit miniatur|Karte des Golfs von Aden um 1860 miniatur|Das Horn von Afrika um 1900 Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr das von den Somali bewohnte Gebiet die Aufteilung, die bis heute nachwirkt und teilweise Bestand hat. Harar und damit ganz Ogaden geriet durch die Eroberungen Meneliks II. unter die Herrschaft Äthiopiens. Süden und Osten des heutigen Somalia wurden von Italien als Italienisch-Somaliland, der Norden (Britisch-Somaliland) sowie Kenia von Großbritannien und Dschibuti (Französisch-Somaliland) im Nordwesten von Frankreich kolonisiert.

Erste Schutzverträge Großbritannien hatte 1827 einen ersten Schutzvertrag mit einem lokalen Clan an der Nordküste des von Somali bewohnten Gebietes abgeschlossen und hatte seit 1839 Abgesandte in den Hafenstädten Zeila und Berbera, um die Seehandelsrouten durch das Rote Meer nach Indien zu sichern. 1884–1886 schloss es weitere Verträge mit verschiedenen Clans und sicherte sich damit das Gebiet, das vorwiegend von nomadischen Somali-Viehzüchtern aus den Clans der Isaaq sowie Dir und Darod bewohnt war.

Von 1884 bis 1898 wurde das Protektorat von Bombay aus verwaltet, es galt als Gebiet der Kolonie Aden. Dessen Grenzen wurden in Verträgen mit Italien (1894) und Äthiopien (1897 und 1954) festgelegt. Bereits 1888 wurde mit Frankreich ein Abkommen getroffen. Dabei wurde u. a. die Insel Musha im Golf von Tadjoura zum Preis von zehn Säcken Reis von der indischen Regierung gekauft und abgetreten.Haithornthwaite, Philip; The Colonial Wars Sourcebook; London 1995; ISBN 1-85409-196-4, S. 174. Danach wurde Britisch-Somaliland vom Außenministerium und ab 1905 vom Colonial Office verwaltet.

Britischer Militärstützpunkt Die Briten nutzten die Kolonie als Militärstützpunkt und als Versorgungsstation für Schiffe und etablierten vor allem einen umfangreichen Exporthandel mit Lebendvieh, das sie zur Versorgung ihrer nahegelegenen Kolonie Aden brauchten. Verwaltungssitz der Kolonie war bis 1942 die Hafenstadt Berbera, über die diese Exporte abgewickelt wurden. Im Landesinneren führte der wachsende Handel dazu, dass sich Hargeysa und Burao als größere Orte und Handelszentren herausbildeten. Der Viehexport als bedeutender Wirtschaftsfaktor blieb über die Kolonialzeit hinaus erhalten, da ab den 1950er Jahren eine hohe Nachfrage aus den durch Erdölförderung wohlhabend gewordenen arabischen Staaten nach somalischem Vieh aufkam.

miniatur|Flagge 1950–60

An einer umfangreicheren Kontrolle und Entwicklung ihres Somaliland waren die Briten – im Unterschied zu den Italienern im angrenzenden Italienisch-Somaliland – kaum interessiert. Sie beschränkten sich weitgehend auf eine indirekte Herrschaft über das Gebiet, investierten kaum in seine Entwicklung und griffen wenig in die inneren Verhältnisse ein. So blieben lokale Strukturen wie die Ältestenräte (guurti), die traditionell für Friedensstiftung zwischen den Clans zuständig sind, weitgehend erhalten.

Nicht alle Clans unterstellten sich der Fremdherrschaft gewaltlos. Für Unmut sorgte dabei insbesondere der Grenzvertrag mit Äthiopien 1897, der Äthiopiens Hoheit über den Ogaden einschließlich des bedeutenden Weidelandes im Haud-Gebiet anerkannte. 1899–1920 führten insbesondere die Dolbohanta (Dhulbahante)-Darod unter Mohammed Abdullah Hassan einen religiös und nationalistisch motivierten Guerillakrieg gegen die Kolonialherrschaft. Im Laufe dieses Krieges, verbunden mit einer Hungersnot 1911–1912, kam etwa ein Drittel der Bevölkerung um.

Die neue ins Amt gelangte Regierung Baldwin bot im August 1934 ihrem Verbündeten in der Stresa-Front, Mussolini, den Ogaden an. Gleichzeitig sollte Abessinien durch einen Landstreifen als Korridor zum Hafen Zeila entschädigt werden.Brandon P.; The Dark Valley: a panorama of the 1930s; London 2000; S. 70.

Lokale Selbstverwaltung 1940 besetzte das faschistische Italien Britisch-Somaliland (siehe auch: Italienisch-Äthiopischer Krieg). Ein halbes Jahr später eroberte Großbritannien 1941 Britisch-Somaliland zurück und unterstellte es zusammen mit dem ebenfalls eroberten Italienisch-Somaliland bis 1950 einer Militärverwaltung. Deren Sitz wurde ab 1942 Hargeysa. Die Somali wurden nun in die Verwaltung einbezogen, ab 1947 bestand ein Advisory Council aus lokalen Vertretern, die einmal jährlich zusammentraten.

1950 wurde Italienisch-Somaliland als Treuhandgebiet an Italien zurückgegeben, während Britisch-Somaliland bei Großbritannien blieb. 1957 wurde die politische Beteiligung der Lokalbevölkerung erweitert, indem ein Exekutivrat (Executive Council) und ein Legislativrat (Legislative Council) gebildet wurden. Diese wurden teils gewählt und teils vom Gouverneur ernannt. Bei den ersten Wahlen zum Legislative Council im Februar 1960 erhielt die Partei Somalische Jugendliga 20 von 33 Sitzen.

Unabhängigkeit Vereinigung mit Somalia mini|Flagge des unabhängigen Somalia