mini|Blick zum Aegidiitor mit Bootsanleger für das Solar-Boot Solaaris mini|Torminbrücke, Verkehrsverbindung über den Aasee Der Aasee ist ein Stausee in Münster, Westfalen. Mit seinen anliegenden Wiesen und einem kleinen Wäldchen gilt er als innerstädtisches Naherholungsgebiet.
Geografie Der in südwestlicher Richtung stadtauswärts gelegene See hat eine Fläche von 40,2 Hektar und eine Länge von etwa 2,3 km. Er ist bis zu zwei Meter tief. Der See wird von zahlreichen Grünflächen umgeben und ist damit der größte Naherholungsraum im Stadtgebiet von Münster.
Der See staut das Wasser der Münsterschen Aa, dient also dem Hochwasserschutz und sorgt für Frischluftzufuhr, weil die vorwiegend aus Südwesten einfließenden Luftmassen abgekühlt werden. Somit hat er eine bedeutende ökologische und städtebauliche Funktion für die Stadt. Dies gilt auch für die zunehmend naturnah gestaltete Umgebung des Sees, die zahlreichen Arten Brut- und Lebensraumgebiet bietet und ein beliebtes Naherholungsgebiet der Münsteraner ist. Der Wasserstand des Sees schwankt um bis zu einem Meter.
Geschichte Bei der Belagerung von Münster durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen brachen am 18. Dezember 1660 zwei Erdwälle, mit denen die Stadt von der Wasserversorgung abgeschnitten worden war, woraufhin Großteile des Stadtgebietes überschwemmt wurden. Münster ergab sich daraufhin dem Belagerer. Die Wassermassen des Dammbruchs waren noch Jahre später an der Stelle des heutigen Aasees zu sehen.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts befanden sich dort Feuchtgebiete und sumpfige Wiesen, die von der Aa durchflossen wurden. Es kam zu regelmäßigen Überflutungen dieser Wiesenflächen, bisweilen erreichte der Wasserstand solche Ausmaße, dass die Altstadt Münsters überflutet wurde. Nicht nur, um den Pegelstand der Aa besser kontrollieren zu können, sprach sich der Münsteraner Zoologieprofessor Hermann Landois bereits 1888 für den Bau eines „Aa-Bassins“ aus. Zugleich wollte Landois mit dem Stausee die Trinkwasserversorgung der Stadt sicherstellen, Sportangebote wie Rudern, Segeln und Schwimmen ermöglichen, zur Verschönerung der Stadt beitragen, aber auch aus hygienischer Sicht durch die Spülung des Aabetts die Quelle von Krankheitserregern reduzieren, da die Aa zugleich als Abwasserkanal der Stadt genutzt wurde. Erst ein Vierteljahrhundert nach den ersten Ausführungen Landois’ und neun Jahre nach dessen Tod, im Frühjahr 1914, begannen italienische Arbeiter mit der Umsetzung seiner Vision, um die Hochwassergefahr für die Stadt Münster zu reduzieren.
Der Aushub des künstlich angelegten Aasees wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch im selben Jahr unterbrochen. Die Arbeiten wurden erst nach einem schweren Hochwasser 1925 während der Amtszeit von Oberbürgermeister Georg Sperlich weitergeführt. Schließlich wurde der See 1934 vollendet mit einer Wasserfläche von 20,7 Hektar. Zur Zeit des Nationalsozialismus gab es Planungen, wonach auf den Aasee-Wiesen ein Tempel entstehen sollte. Nach Kriegsende wurden diese Pläne verworfen und stattdessen von 1972 bis 1976 im Zuge der Baumaßnahmen für den Allwetterzoo Münster der Aasee südlich der Torminbrücke um 19,5 Hektar auf fast die doppelte Fläche erweitert. Ebenfalls 1976 wurden die Parkflächen um 50 Hektar auf insgesamt 90 Hektar vergrößert, die von rund zehn Kilometern Spazierwegen durchzogen werden und etwa 18 Hektar Liegewiesen umfassen.
Später wurden am Ufer des neuen Aasees Flachwasserzonen angelegt, durch welche die Nährstofffracht des zufließenden Wassers vermindert werden sollte. 1996 wurde die Flusslandschaft der Umgebung bis zum Haus Kump naturnah umgestaltet. 2008 wurden am stadtnahen, nördlichsten Punkt des Gewässers die „Aaseeterrassen“ eröffnet. Das Aasee-Areal beherbergt drei Restaurants, Bootsverleih und -schule sowie drei Segelvereine, den Segel-Club Münster, den Segelclub Hansa Münster und den Segelclub Westfälisch-Holsteinische Seglervereinigung mit Hochschulsegelclub Münster (WHS/HSC).
Im Jahr 2009 wurde der Aasee-Park als „Schönster Park Europas“ ausgezeichnet, nachdem er bereits 2008 zu „Deutschlands schönstem Park“ gewählt worden war.
In der ersten Jahreshälfte 2012 wurde die „Fischaufstiegsanlage Badestraße“ gebaut, die die Durchgängigkeit des Aaseewehres für Wasserlebewesen gemäß den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie ermöglichen soll. Aufgrund der beengten innerstädtischen Platzverhältnisse wurde für diese Fischtreppe die sogenannte „Schlitzpassbauweise“ gewählt.
Leben am Aasee mini|hochkant=3|Aaseeterrassen
Heute ist der See Kernstück eines beliebten Naherholungsziels nahe dem Stadtzentrum. Am Aasee angesiedelt sind eine Jugendherberge,jugendherberge.de mehrere Studentenwohnheime, die Mensa am Aasee, der Sportpark Sentruper Höhe, der Allwetterzoo Münster mit dem Westfälischen Pferdemuseum Münster, das LWL-Museum für Naturkunde mit Planetarium und das Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster. Es gibt zwei kleine Segelboothäfen mit Gastronomie. Ein Wanderweg von etwa 5,7 km Länge, der auch zum Joggen benutzt wird, führt um den See.
mini|Ruder-Regatta im April 2010
Jedes Jahr im Frühling findet eine Ruder-Regatta statt. Bei der 42. Frühjahrsregatta am 20. und 21. April 2013 nahmen rund 900 Ruderer in 470 Booten teil. Junioren ab 17 Jahren gingen ebenso an den Start wie die erwachsenen Teilnehmer über die olympische Distanz von 2000 Metern, die sich über die gesamte Länge des Aasees erstreckt. Jüngere Sportler konnten sich auf einer Distanz von 1500 Metern messen, wohingegen die Älteren über 1000 Meter an den Start gingen.
Seit 2009 ist der Aasee einer der Austragungsorte der Ruder-Bundesliga.Westfälische Nachrichten: Der Aasee als Jubiläumsgeschenk: Rudern: Münster trägt im Oktober die 100. Deutschen Meisterschaften im Achter aus, Lokaler Sport, Ansgar Griebel, 28. Februar 2013 Im September 2012 wurden die deutschen Sprint-Meisterschaften in Münster ausgetragen. Vom 11. bis 18. Oktober 2013 fand die 100. deutsche Meisterschaft der Achter-Ruderer auf der langen Distanz statt.
Am 12. und 13. April 2013 wurde auf dem Aasee zum dritten Mal eine Ranglistenregatta der paralympischen Einmannkielbootklasse 2.4mR ausgetragen.Westfälische Nachrichten: Ranglistenregatta auf dem Aasee, Lokaler Sport, Segeln, 12. April 2013
Seit 2012 findet jährlich im Spätsommer ein Tretbootrennen zugunsten der Kinderkrebshilfe Münster statt.Westfälische Nachrichten: Erstes Tretbootrennen, Peter Sauer, 2. September 2012Westfälische Nachrichten: Auf dem Aasee für den guten Zweck: Mehrere Rekorde beim Tretbootrennen, Münster, Münster, Helmut P. Etzkorn, 1. September 2025
Auf den Aasee-Wiesen findet seit 1969 mit der Montgolfiade die älteste Heißluftballon-Veranstaltung Deutschlands statt. Sie wird jeweils im August vom Freiballonsport-Verein Münster und Münsterland e. V. in Kooperation mit dem Sportamt der Stadt Münster ausgerichtet. mini|Das Naherholungsgebiet dient zwei Segel-Clubs als Segelrevier
Im Herbst findet auf dem stadtnäheren Teil des Sees der vom Segel-Club Münster veranstaltete Aaseepokal der Piraten statt. Auf dem oberen Aasee, dem Stadtzentrum ferneren Teil des Sees, werden alljährlich die Piraten-Regatta „Bockwurst-Challenge“, der „Laser-Cup“ für alle Laserrigg-Klassen sowie die Optimist „Kiepenkerlregatta“ als Ranglistenregatten vom Segelclub „Hansa Münster“ veranstaltet.
Viele Gäste kommen zum Grillen in das Naherholungsgebiet Aasee.
Die Freitreppe der Aasee-Terrassen bietet bei Veranstaltungen Platz für 2.000 Zuschauer.GIG-online.de: Münster erleben von Aasee bis Zoo, in: UNI-GIG, SS 2013, Nr. 43, S. 6 ff. Dort werden regelmäßig die Folgen der in Münster spielenden Kriminalserie Wilsberg gezeigt. Die als „AaSeerenaden“ bezeichneten klassischen Konzerte mit internationaler Besetzung finden seit 2010 ebenfalls an den Aasee-Terrassen statt und finden alljährlich ihren Abschluss in einem Feuerwerk. Intoniert wird regelmäßig ein musikalisches Programm von „Jazz bis Klassik, Orchester bis Chor, Pop bis Barock“. Intendant und künstlerischer Leiter ist Peter von Wienhardt.Westfälische Nachrichten: Bühne frei für die vierte Auflage – „AaSerenaden“: Rückblick und Ausblick. In: Extra: AaSeerenaden. 2. Juli 2012, S. 3. Mehr als 20.000 Besucher nehmen nach Angaben der Veranstalter jeweils an der dreitägigen Veranstaltung und ihrem Rahmenprogramm teil.
mini|Wintervergnügen auf dem zugefrorenen Aasee
Wasserbus mini|„Wasserbus Professor Landois“ auf dem Aasee
Der „Wasserbus Professor Landois“, der nach Hermann Landois, dem Gründer des Zoos in Münster benannt wurde, wurde 1974 in einer Werft am Dümmersee aus Mahagoni auf Eiche nach Vorbild eines niederländischen Grachtenbootes mit einer Länge von 17 Meter und einer Breite von 4,50 Meter gebaut. Er lag bei einem Gewicht von 17 Tonnen etwa 1,20 Meter tief im Wasser. Das Schiff konnte 75 Passagiere aufnehmen, für ein Bremsmanöver wurden 15 Meter benötigt. Mit dem Wasserbus konnten zwischen 1975 und 2011 der Allwetterzoo mit dem Westfälischen Pferdemuseum und das LWL-Museum für Naturkunde mit Planetarium sowie das Mühlenhof-Freilichtmuseum auf dem Wasserweg erreicht werden. Von der „Goldenen Brücke“ fuhr der Wasserbus von März bis Oktober mehrmals täglich mit 6 km/h die rund zwei Kilometer lange Strecke in 25 Minuten über das Freilichtmuseum Mühlenhof zum Allwetterzoo, auf dem Rückweg gab es einen Zwischenstopp an der Torminbrücke. Im Jahr 1984 wurde mit rund 40.000 Passagieren, mehrheitlich Touristen und auswärtige Gäste, das größte Passagieraufkommen registriert. In der 36-jährigen Dienstzeit wurden rund 400.000 Passagiere befördert. 2008 wurde das Schiff saniert. 2009 wurde es mit sieben Quadratmeter Solarzellen versehen, die einen Teil des Energiebedarfs des Schiffs decken konnten. Nach 36-jähriger Dienstzeit wurde der Wasserbus am 6. November 2011 nach seiner letzten Fahrt zu einer Werft nach Stralsund überführt. Dort wurde auch der Nachfolger gebaut. Nach der Renovierung wird der Wasserbus im Stettiner Haff eingesetzt werden.
mini|„Solaaris“ auf dem Aasee