Die südafrikanische Cricket-Nationalmannschaft, auch bekannt als Proteas (früher SpringboksDie südafrikanische Rugby-Union-Nationalmannschaft heißt noch heute so.), vertritt Südafrika auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Cricket South Africa (CSA) geleitet und ist seit 1889 Vollmitglied im International Cricket Council. Die Mannschaft besitzt somit Teststatus.
Südafrika ist die drittälteste Nationalmannschaft im Test Cricket und bestritt seinen ersten Test 1889 gegen England in Port Elizabeth. Während der Zeit der Apartheid musste Südafrika aufgrund von Boykottmaßnahmen unter anderem auf die Teilnahme an den ersten vier Cricket-Weltmeisterschaften in den Jahren 1975, 1979, 1983 und 1987 verzichten. 1991, nach dem Beginn der Verhandlungen zum Ende der Apartheid, wurde Südafrika wieder zum offiziellen internationalen Cricketbetrieb zugelassen. Seitdem gewann Südafrika die ICC KnockOut 1998, das Cricketturnier bei den Commonwealth Games 1998 und die World Test Championship 2023–2025. Größte Erfolge bei Weltmeisterschaften waren das fünfmalige Erreichen des Halbfinales bei Cricket World Cups (1992, 1999, 2007, 2015 und 2023) sowie das Erreichen des Finales beim T20 World Cup (2024). Neun ehemalige südafrikanische Spieler wurden in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Cricket mini|hochkant|Donald Currie stiftete den Currie Cup Wie in anderen Teilen der Welt brachten britische Siedler Cricket nach Südafrika, wo es schnell an Beliebtheit gewann. Das erste überlieferte Cricketspiel in Südafrika fand 1808 zwischen zwei Dienstmannschaften in Kapstadt um ein Preisgeld von Tausend Reichstaler statt.
1843 gründete sich der älteste Cricketclub Südafrikas, der Port Elizabeth Cricketclub. Ab 1862 fand in Kapstadt ein jährliches Turnier „Mutterland gegen in der Kolonie Geborene“ statt. Ende der 1840er Jahre breitete sich das Cricketspiel außerhalb seiner frühen Wurzeln am Kap aus und weckte auch das Interesse der Buren in den Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Transvaal, obwohl diese überwiegend von Niederländern abstammten. 1876 schlug die Stadt Port Elizabeth die „Champion Bat“ als Turnier zwischen südafrikanischen Städten vor, folglich war Port Elizabeth der erste Austragungsort. Die Mannschaft aus King William’s Town gewann die Turniere der Jahre 1876 und 1877.
1888 finanzierte Donald Currie die erste Tour Englands nach Südafrika. Organisiert wurde sie von Robert Warton und der spätere Hollywood-Schauspieler C. Aubrey Smith führte die englische Mannschaft als Kapitän an. Diese Tour markierte rückwirkend den Beginn von First-Class- und Test Cricket in Südafrika. Currie stiftete den Currie Cup, der sich zur Trophäe der nationalen Meisterschaft zwischen den südafrikanischen Provinzmannschaften entwickelte. Bei der ersten Austragung 1889/90 gewann ihn Transvaal. Kurz nach der Einführung des verbandsorganisierten Crickets in Südafrika wurde der Sport ab den 1890er Jahren durch getrennte Verbände für die südafrikanischen Bevölkerungsgruppen organisiert.
Erste Tests mini|Die südafrikanische Mannschaft des ersten Tests 1889 Die erste Tour einer englischen Mannschaft nach Südafrika fand 1888/89 statt, während der Südafrika unter Kapitän Owen Dunnell sein erstes Test Match im St George’s Park in Port Elizabeth austrug und sich damit als dritte Testnation etablierte. Kurz darauf folgte der zweite Test im Newlands Cricket Ground in Kapstadt. Beide Spiele besaßen zunächst, wie alle anderen Spiele der damaligen South Africa XI gegen besuchende Mannschaften, keinen offiziellen Teststatus. Dieser Status wurde ihnen erst ab 1909 zuerkannt, nachdem Südafrika am 15. Juni 1909 zusammen mit Australien und England im Londoner Lord’s Cricket Ground die Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC) gegründet hatte, obschon die Südafrikanische Union erst ab 1910 bestand.
Die besuchende englische Mannschaft unter Robert Warton trat nicht als offizielle repräsentierende Mannschaft Englands an und die Presse pries die Spiele als Major Warton’s XI v/s South African XI an. Die teilnehmenden Spieler waren sich daher nicht bewusst, dass sie internationales Cricket spielten, und die südafrikanische Mannschaft galt als schwach. C. A. Smith, ein Medium-Pacer aus Sussex, führte die Mannschaft an und für zwei Spieler aus der Mannschaft Major Warton’s XI, Basil Grieve und Charles Coventry, läuteten die Tests den Beginn ihrer First-Class-Karrieren ein. Die junge südafrikanische Mannschaft stand noch am Anfang ihrer Entwicklung und verlor beide Spiele gegen England deutlich; der englische Spin-Bowler Johnny Briggs erzielte im zweiten Test in Kapstadt 15 Wickets für 28 Runs. Albert Rose-Innes schrieb dennoch Geschichte als erster südafrikanischer Bowler, der fünf Test-Wickets erzielte (in Port Elizabeth).
Südafrikas erste Tests stellen mit zehn Niederlagen ein Negativrekord unter allen heutigen Testnationen dar; erst bei der englischen Südafrikatour 1905/06 gelang in Johannesburg nach 17 Jahren der erste Sieg. Der Tiefpunkt dieser frühen unergiebigen Periode für Südafrika war die Tour der englischen Mannschaft 1895/96, als England alle drei Tests gegen Südafrika gewann. Südafrika, mit einem Team in voller Stärke, verlor die drei Tests mit jeweils 288 Runs, einem Innings und 197 Runs, sowie einem Innings und 32 Runs.
Etablierung als Cricket-Nation mini|links|hochkant|Reggie Schwarz ist Erfinder des Spin-Bowlings und der „Spin Bowling Revolution“ in Südafrika und einer der ersten besten Spin-Bowler weltweit mini|hochkant|Aubrey Faulkner gilt als der erste beste All-rounder Südafrikas im internationalen Cricket. In einer legendären Testkarriere über 25 Spiele zwischen 1906 und 1924 erzielte er 1754 Runs mit einem Batting Average von 40,79 und 82 Wickets mit einem Bowling Average von 26,58 mini|links|hochkant|Herbie Taylor erzielte als erster Südafrikaner den Meilenstein von 2500 Runs im Test-Cricket mit einem Average von 40,77. mini|hochkant|Jimmy Sinclair stellte den Rekord für die höchste Strike rate in der Geschichte des Test-Crickets auf Im frühen 20. Jahrhundert etablierte sich die erste südafrikanische Cricketmannschaft an der Weltspitze. Neben ihren Batter wie Sinclair (der Batter mit der höchsten Strike-Rate in Tests), Nourse, Tancred, dem All-rounder Faulkner, Sherwell, Snooke und White, entwickelte Südafrika den ersten Angriff weltweit, der sich auf Spin-Bowling spezialisierte. Der beste des südafrikanischen „Spin-Quartetts“ war Reggie Schwarz, der, inspiriert vom englischen Spin-Bowler Bernard Bosanquet, als Erfinder des Spin-Bowlings gilt, und zum damals dominierenden Spin-Bowler wurde. Er teilte seine Erfahrungen des Spin-Bowlings mit Faulkner, dem Medium-Fast-Bowler Vogler und dem spezialisierten Batter White, und sie bildeten so ein Quartett, das Südafrika an der Weltspitze des Test-Crickets etablieren sollte. Ein anderer wichtiger Faktor für Südafrika waren die Leistungen der All-rounder Faulkner und Llewellyn. Faulkner galt als damals bester All-rounder im internationalen Cricket und wird zu den besten All-rounder vor dem Ersten Weltkrieg gezählt.
Australien, damals auf dem Höhepunkt im „goldenen Zeitalter des australischen Crickets“, unternahm 1902/03 eine Tour nach Südafrika. Obwohl Südafrika die Testserie von drei Tests mit 0–2 verlor, vermied es erstmals eine Niederlage, als der erste Test in Johannesburg in einem Remis endete. Dabei wurden sie von der besuchenden australischen Mannschaft gelobt und vor allem der All-rounder Llewellyn tat sich mit seinen Leistungen hervor.
Der Marylebone Cricket Club (MCC) lud Südafrika 1904 zu einer Tour nach England ein, auf der es mehrere First-Class-Spiele absolvierte, jedoch nicht als erfahren genug für offizielle Tests angesehen wurde. Die Südafrikaner gewannen zehn der 22 Spiele, einschließlich eines Remis gegen Middlesex, das damals unter den besten vier Teams der County Championship war, vor allem dank des Spin-Bowlings von Schwarz. Ihm gelang die Wiederholung seiner Leistung gegen eine englische Mannschaft in voller Stärke, und Südafrika gelang ein Überraschungssieg von 189 Runs. Das Spiel galt jedoch nicht als offizieller Test.
1905/06 erfolgte der Gegenbesuch Englands in Südafrika, bei dem es fünf Tests absolvierte. Die besuchende englische Mannschaft war eine zweite Auswahl, bei der nur Colin Blythe, Schofield Haigh und Jack Crawford regelmäßiges Cricket für England spielten. Den von Sherwell und dem „Spin-Quartett“ angeführten Südafrikanern räumte man dennoch geringe Chancen ein. Sie ließen sich davon nicht beeindrucken und erzielten in Johannesburg einen Überraschungssieg mit einem Wicket über England, was gleichzeitig ihr erster Sieg in einem Test war. Schwarz, Vogler und Faulkner bereiteten dabei den Weg für Südafrika. Im zweiten Test in Johannesburg gelang der zweite Sieg mit neun Wickets, im dritten Test ein Sieg mit 243 Runs und im fünften Test in Kapstadt ein Sieg mit einem Innings und 16 Runs, wodurch es die Testserie mit 4–1 gewann. In der Serie erzielte Schwarz 18 Wickets für 17,22 und Faulkner 14 Wickets für 19,42. Vogler war weniger erfolgreich mit neun Wickets für 22,33. Mit der Testserie etablierte sich Südafrika unter den anderen Cricket-Nationen. Der MCC kam 1907 seinem Versprechen nach und lud Südafrika für eine offizielle Testserie nach England ein. Obwohl die Testserie in England 1907 nach zwei Remis mit 1–0 zugunsten Englands endete, wurde das Quartett um Schwarz, Faulkner, Vogler und White für ihre außerordentliche Qualität des Spin-Bowling gelobt, Schwarz und Vogler erhielten im folgenden Jahr als erste Südafrikaner überhaupt die Auszeichnung als Wisden Cricketers of the Year.
Während der englischen Südafrikatour 1909/10 war der Gastgeber wieder die dominierende Mannschaft und gewann die Testserie von fünf Tests mit 3–2, nachdem es den ersten Test in Johannesburg mit 19 Runs, den zweiten Test in Durban mit 95 Runs und den vierten Test in Kapstadt mit vier Wickets gewonnen hatte. 1910/11 unternahm Südafrika seine erste Australientour. Angeführt von Clem Hill und dem Batting des Victor Trumper gewann Australien die Testserie deutlich mit 4–1, dennoch gelang Südafrika am 13. Januar 1911 der erste Auswärtssieg über Australien im dritten Test in Adelaide. Die Tour war geprägt von der Etablierung Billy Zulchs als führenden Batter Südafrikas. Nach herausragenden 150 Runs im ersten Test in Sydney bei einer deutlichen Niederlage mit einem Innings, konnte er dennoch mit 105 Runs die höchste individuelle Anzahl Runs in Südafrikas ersten Auswärtssieg in Adelaide erzielen. Geprägt war das Spiel auch von den Leistungen des All-rounders Charlie Llewellyn und dem herausragenden Bowling von Reggie Schwarz.