Frank Williams Racing Cars war ein britischer Rennstall, der zwischen 1968 und 1975 mit unterschiedlichen Bezeichnungen in der Formel 2 und in der Formel 1 antrat. Der Rennstall war der Vorläufer des seit 1977 in der Formel 1 engagierten Teams Williams F1. Frank Williams Racing Cars war in den ersten Jahren eng mit Piers Courage verbunden; später traten zahlreiche weniger bekannte Fahrer für das britische Team an.

Unternehmensgeschichte mini|Francis Owen Garbatt „Frank“ Williams Frank Williams Racing Cars wurde 1965 von Frank Williams gegründet. Williams hatte bis 1966 als aktiver Rennfahrer an zahlreichen Rennen, vor allem in der Formel 3, teilgenommen. Parallel dazu baute er ab 1965 in London einen Handel für Rennwagenzubehör auf. Zwei Jahre später begann er, auch komplette Rennwagen zu verkaufen. Als Ende 1967 ein Kunde den Kauf zweier Formel-2-Fahrzeuge stornierte, entschied sich Williams dazu, die Wagen mit Piers Courage unter eigenem Namen in der Formel-2-Saison 1968 einzusetzen. Bereits 1969 stieg das Team in die Formel-1-Weltmeisterschaft auf. In den folgenden Jahren ging das Team zweimal Allianzen mit italienischen Automobilherstellern ein. Im ersten Fall lieferte de Tomaso 1970 das Rennauto, während Williams den Renneinsatz organisierte; im Falle von Iso (1973 und 1974) dagegen stellte Williams auch die Autos selbst her. Während dieser Jahre war das Team erheblich unterfinanziert und hoch verschuldet. Deshalb musste es nicht selten mit gebrauchtem Material und zahlenden Fahrern antreten. Ende 1975 verkaufte Frank Williams seinen Rennstall an den kanadisch-österreichischen Industriellen Walter Wolf, der ihn ab der Formel-1-Saison 1977 unter dem Namen Walter Wolf Racing an den Start brachte. Frank Williams war zunächst noch bei Wolf angestellt, verließ das Team aber im Spätsommer 1976 und gründete zum Ende des Jahres einen neuen Rennstall, der ab 1977 zunächst unter der Bezeichnung Williams Grand Prix Engineering, später als Williams F1, wieder in der Formel 1 antrat. Wolf Racing hingegen gab Ende 1979 auf. Das Material wurde vom konkurrierenden Rennstall Fittipaldi Automotive übernommen, der bis Ende 1982 weiter in der Formel 1 vertreten war.

Frank Williams Racing Cars war von 1968 bis 1971 in Cippenham bei Slough ansässig; mit Beginn der Saison 1972 wechselte der Sitz des Teams in eine 450 m² großen Garage in der Bennet Road in Reading, von der aus später auch Walter Wolf Racing operierte.Hamilton: Frank Williams. The inside Story of the man behind Williams-Renault, S. 21, 39.

Frank Williams Racing Cars in der Formel 2 1968 mini|Piers Courage am Nürburgring 1968 Frank Williams Racing Cars bestritt seine erste Formel-2-Saison mit zwei dunkelblau lackierten Brabham-BT23C-Fahrzeugen, die mit einem Cosworth-DFA-Motor ausgerüstet waren. Stammfahrer war Piers Courage, der seit einigen Jahren eng mit Frank Williams befreundet war. Courage fuhr einige Erfolg versprechende Resultate für Williams ein. Er konnte aber nicht an allen Formel-2-Rennen für Williams teilnehmen, da er 1968 auch einen Stammplatz bei Reg Parnell Racing in der Formel 1 hatte. Bei Terminkollisionen sprang Jonathan Williams für Courage ein. Jonathan Williams erzielte bei der Lotteria Monza den ersten Sieg für Frank Williams Racing Cars in der Formel 2.

1969 Parallel zum beginnenden Formel-1-Engagement trat Frank Williams Racing Cars 1969 ein weiteres Mal in der Formel 2 an. Einsatzfahrzeuge waren zumeist weiterhin die Brabham BT23C, später kam ein Brabham BT30 hinzu. Piers Courage, der fester Bestandteil in Williams’ Formel-1-Programm war, fuhr nur noch selten in der Formel 2. Die meisten Rennen bestritt hier Malcolm Guthrie, immer wieder ergänzt durch andere Fahrer wie Jacky Ickx, Derek Bell, Alistair Walker, Graham McRae oder Franco Bernabei. Einen Sieg konnte das Team in diesem Jahr nicht einfahren. Das beste Ergebnis wurde beim VI. Grote Prijs van Limborg in Zolder erreicht: Hier gingen die Platzierungen zwei bis vier an Williams’ Fahrer. Einen weiteren zweiten Platz erreichte Richard Attwood beim 31. Großen Preis von Deutschland auf der Nordschleife des Nürburgrings.

1971 Nach einjähriger Unterbrechung kehrte Frank Williams mit finanzieller Unterstützung des französischen Schmierstoffherstellers Motul in die Formel 2 zurück. Sein Team setzte mehrere March 712M mit Cosworth DFA-Motor ein. Stammfahrer waren Henri Pescarolo, der zeitgleich für Williams in der Formel 1 an den Start ging, und Carlos Pace. Teilweise fuhren auch Derek Bell – er bestritt die beiden Auftaktrennen der Serie in Bogotá –, Andrea de Adamich und Max Jean, der allerdings nur bei zwei französischen Rennen an den Start ging. Die Saison verlief unauffällig. Die Fahrer erreichten kaum zählbare Ergebnisse. Ausnahmen waren das Rennen in Mallory Park, das Pescarolo gewann, und der Gran Premio Città di Imola, den Carlos Pace für Frank Williams Racing Cars gewinnen konnte.

Nach dieser Saison beendete Frank Williams sein Engagement in der Formel 2, um sich ausschließlich auf den Grand Prix-Sport konzentrieren zu können.

Frank Williams Racing Cars in der Formel 1 1969 mini|Piers Courage im Brabham BT26 des Frank Williams Teams beim Großen Preis von Großbritannien 1969 Der Aufstieg in die Formel 1 war für Frank Williams eine konsequente Folge aus dem erfolgreichen Engagement in der Formel 2.Maurice Hamilton: Frank Williams, S. 25. Auf Umwegen gelang es ihm, einen aktuellen Brabham BT26A zu erhalten. Es handelte sich um den im Frühjahr 1968 aufgebauten BT26/1, der in diesem Jahr von Jack Brabham mit einem Repco-Motor eingesetzt und in den Wintermonaten 1968/69 auf ein leistungsstärkeres Cosworth-Triebwerk umgerüstet worden war.Renngeschichte des Brabham BT26/1 auf der Internetseite (abgerufen am 20. Oktober 2013). Ein baugleiches Auto setzte das Brabham-Werksteam in der Formel-1-Weltmeisterschaft ein. Brabham lieferte zu dieser Zeit keine Rennwagen der jüngsten Generation mehr an Kundenteams, um den Konkurrenzdruck für das Werksteam gering zu halten. Der BT26A/1 war Ende 1968 an einen britischen Sammler verkauft worden, der keine Formel-1-Ambitionen hatte. Frank Williams kaufte ihm das Auto ohne Kenntnis des Werksteams einige Wochen später ab. Jack Brabham äußerte sich über diese zusätzliche Konkurrenz mit Verärgerung.Hamilton: Frank Williams. The inside story of the man behind Williams-Renault, S. 27.

Williams ging 1969 in der Formel 1 mit Piers Courage an den Start. Courage hatte bereits eine vollständige Grand-Prix-Saison absolviert: 1968 hatte er mit dem privaten Reg-Parnell-Team vier Weltmeisterschaftspunkte eingefahren und belegte in diesem Jahr Rang 20 der Fahrerwertung.

Aus Kostengründen ließ Williams den ersten Weltmeisterschaftslauf des Jahres in Südafrika aus und debütierte erst beim zweiten Lauf in Spanien. Courage qualifizierte sich in bei dem Rennen in Montjuïc, zu dem sich lediglich neun Teams mit insgesamt 14 Fahrern meldeten, für den elften Startplatz. Im Rennen fiel er infolge eines Motorschadens aus. Bei den folgenden Veranstaltungen wiederholten sich technische Defekte: In den Niederlanden erlitt der BT26 einen Kupplungsschaden, in Frankreich brach das Chassis, und in Kanada kam es infolge eines Treibstofflecks zu einem vorzeitigen Ausfall. Nur beim Großen Preis von Deutschland führte ein Fahrfehler Courages zum vorzeitigen Ausfall. Im Laufe des Jahres kam Courage fünfmal ins Ziel, zweimal dabei auf einem Podiumsplatz: Beim Großen Preis von Monaco, dem zweiten Weltmeisterschaftslauf des Teams, musste er nur Graham Hill im Werks-Lotus den Vortritt lassen. Wichtiger war der zweite Platz beim Großen Preis der USA in Watkins Glen: Hier verdrängte er Jack Brabham im baugleichen BT26 des Werksteams auf den dritten Platz. Zusammen mit den Ergebnissen weiterer Platzierungen beendete Courage die Formel-1-Saison mit 16 Meisterschaftspunkten als Achter noch vor Jack Brabham.

1970 mini|Von Williams eingesetzt: De Tomaso 505 Angesichts des Umstandes, das Williams’ Fahrer Courage Jack Brabham 1969 mit gleichem Material geschlagen hatte, konnte Frank Williams nicht erwarten, dass Brabham ihm auch für 1970 ein konkurrenzfähiges Chassis bereitstellen würde. Lotus und McLaren lieferten ebenfalls keine aktuellen Chassis mehr an Kundenteams, sodass die Zukunft des Williams-Teams zunächst nicht gesichert schien. Im Herbst 1969 ergab sich allerdings die Möglichkeit einer Verbindung mit dem italienischen Sportwagenhersteller De Tomaso. Auslöser hierfür war ein Formel-2-Rennen, bei dem Piers Courage ein konstruiertes Formel-2-Auto von De Tomaso an den Start brachte. Courage erzielte beim Gran Premio di Roma 1969 die Pole-Position und beeindruckte Alejandro de Tomaso durch seinen Einsatz im Rennen. De Tomaso plante eine Ausweitung seines Motorsport-Engagements auf die Formel 1, wollte aber kein eigenes Team führen, sondern lediglich selbst konstruierte Rennwagen für bestehende Teams bereitstellen. Frank Williams ging daraufhin eine zunächst auf ein Jahr angelegte Partnerschaft mit De Tomaso ein: De Tomaso lieferte die Rennwagen, während Williams sie unter eigenem Namen in der Formel-1-Saison 1970 an den Start brachte.

Einsatzfahrzeug war der von Giampaolo Dallara konstruierte De Tomaso 505, ein als „simples Baukastenauto“ beschriebenes Fahrzeug, das mit zahlreichen britischen Komponenten und einem Cosworth DFV-Motor ausgestattet war.David Hodges: Rennwagen von A bis Z nach 1945, S. 78. Ein wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung war der Einsatz von Piers Courage, den de Tomaso sehr schätzte. Courage blieb dementsprechend bei Williams und schlug für dieses Engagement ein Vertragsangebot der Scuderia Ferrari aus.Maurice Hamilton: Frank Williams, S. 30

Die Formel-1-Saison 1970 verlief für das britisch-italienische Team erfolglos. De Tomasos Autos, von denen drei Exemplare (505/1, 505/2 und 505/3) hergestellt wurden, erwiesen sich als übergewichtig, unzuverlässig und problematisch im Handling.David Hodges: A-Z of Grand Prix Cars 1906–2000, S. 45. Das beste Ergebnis war Courages dritter Platz bei der nicht zur Weltmeisterschaft zählenden BRDC International Trophy in Silverstone. Bei den anschließenden Weltmeisterschaftsläufen gelang es Courage nicht, dieses Ergebnis zu wiederholen. Er kam bei keinem er der ersten vier Großen Preise gewertet ins Ziel. In Spanien kam Courage von der Piste ab und zerstörte sein Auto. Er selbst blieb unverletzt. Beim fünften Saisonrennen in den Niederlanden verunglückte Courage tödlich. Die Magnesium-Karosserie des Wagens fing Feuer. Die meisten Darstellungen gehen davon aus, dass Courage in dem Auto verbrannte. Nach anderen Quellen war bereits der vorangegangene Aufprall tödlich.

Frank Williams, der mit Courage einen engen Freund verloren hatte, ließ den folgenden Großen Preis von Frankreich aus, um für die nächsten zwei Rennen Brian Redman zu melden. Redman verpasste bei beiden Anläufen die Qualifikation. Zum Großen Preis von Österreich wurde er durch Tim Schenken ersetzt. Schenken qualifizierte sich bis zum Großen Preis der USA regelmäßig für die letzten Startreihen; ins Ziel kam er allerdings nie. Auf die Teilnahme am letzten Rennen des Jahres, dem Großen Preis von Mexiko, verzichteten Williams und de Tomaso einvernehmlich. Zum Jahresende wurde ihre Allianz aufgelöst. Alessandro de Tomaso gab seine Formel-1-Ambitionen daraufhin endgültig auf.

1971 mini|Stammfahrer 1971: Henri Pescarolo In der dritten Formel-1-Saison setzte Frank Williams Racing Cars einen March als Kundenfahrzeug ein. Beim ersten Saisonrennen in Südafrika war es noch ein March 701 (Chassisnummer 701/6); mit Beginn der europäischen Rennen kam dann ein March 711 zum Einsatz.