Die Sprengelsche Deformität oder Sprengel-Deformität ist eine Dysostose mit axialer Beteiligung, die sich als einseitiger Schulterhochstand mit zu kleiner Skapula äußert. Die nach dem deutschen Chirurgen Otto Sprengel (1852–1915) benannte DeformitätO. K. Sprengel. Die angeborene Verschiebung des Schulterblattes nach oben. In: Archiv für klinische Chirurgie. Band 42, 1891, S. 545–549. kann im Rahmen des Klippel-Feil-Syndroms auftreten, aber auch zusammen mit weiteren Veränderungen wie Skoliose, Kyphoskoliose, Rippenfehlbildungen oder Spina bifida, Torticollis oder Hypoplasie von Schlüsselbein oder Oberarmknochen.
Ursächlich liegt eine Hemmung des Herabwanderns der Schulterblattanlage von Höhe des 5. HWK nach kaudal vor.Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Der Zeitpunkt der Schädigung wird im 3. Schwangerschaftsmonat angenommen, familiäre Häufung ist beschriebenH. Neuhof: Angeborener Schulterhochstand (Sprengel’s Deformität). Familiärer Typ. In: Zeitschrift für Orthopädie und Unfall-Chirurgie. Band 31, 1913, S. 519–525.N. Walker: Familiäres Vorkommen des Schulterblatthochstandes. In: Zeitschrift für Orthopädie und ihre Grenzgebiete. Band 110, 1972, S. 367–372.. Selten kommen familiäre Formen vor mit autosomal-dominanter Vererbung, beispielsweise beim Waaler-Aarskog-Syndrom.A. Ferlini, M. Ragno, P. Gobbi, C. Marinucci, R. Rossi, A. Zanetti, M. Milan, G. Camera, E. Calzolari: Hydrocephalus, skeletal anomalies, and mental disturbances in a mother and three daughters: a new syndrome. In: American journal of medical genetics. Band 59, Nummer 4, Dezember 1995, S. 506–511, doi:10.1002/ajmg.1320590419, PMID 8585573.
Häufig findet sich neben einer Verkürzung der Halsmuskulatur ein bindegewebiger oder knorpeliger Strang zwischen oberem Skapularand und Wirbelanhangsgebilden der unteren Halswirbelsäule. Ist dieser knöchern ausgeprägt, wird er als Omovertebralknochen, Os omo-vertebrale, bezeichnet und ist auf Röntgenaufnahmen erkennbar. In den anderen Fällen kann dieser Strang im Kernspintomogramm (MRT) dargestellt werden. mini|Sprengelsche Deformität mit rechts höher stehendem Schulterblatt mini|Os omo-vertebrale in Sprengel-Deformitaet, laterale Projektion HWS mini|links|Computertomographie mit Sprengelscher Deformität auf der linken Seite (Pfeil) und fusionierte Halswirbel bei Klippel-Feil-Syndrom Vorzugsweise sind Mädchen betroffen, auch die linke Seite etwas häufiger, obwohl die Erkrankung auch beidseits auftreten kann. Klinisch steht der fixierter Schulterblatthochstand mit Bewegungseinschränkung im Vordergrund sowie die begleitende Kyphoskoliose.
Einteilung Eine gebräuchliche klinische Einteilung ist die nach M. E. Cavendish:M. E. Cavendish: Congenital elevation of the scapula. In: The Journal of bone and joint surgery. British volume. Band 54, Nummer 3, August 1972, S. 395–408, PMID 4559837. Grad I: nur milde Deformierung, die bekleidet kaum sichtbar ist Grad II: nur geringe Deformierung mit sichtbarer Vorwölbung Grad III: deutlichere Deformierung von 2 bis 5 cm Anhebung der betroffenen Schulter Grad IV: ausgeprägte Anhebung von mehr als 5 cm, zusätzlich Hautstrang am Hals
Radiologisch kann nach P. Rigault unterschieden werden nach Lage des superomedialen Winkels des Margo medialis bezogen auf die Wirbelsäule:P. Rigault, J. C. Pouliquen, G. Guyonvarch, J. Zujovic: Surélévation congénitale de l’omoplate chez l’enfant. Etude anatomo-pathologique et thérapeutique à propos de 27 observations. In: Revue de chirurgie orthopedique et reparatrice de l'appareil moteur. Band 62, Nummer 1, 1976 Jan-Feb, S. 5–26, PMID 136019. Grad 1: unterhalb von TH2, aber oberhalb des Querfortsatzes von TH4 Grad 2: zwischen C5 und Querfortsatz von TH2 Grad 3: oberhalb des Querfortsatzes von C5
Geschichte Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1863 durch Michael Moritz Eulenburg.M. Eulenberg: Casuistische Mitteilungen aus dem Gebiete der Orthopädie. In: Archiv für klinische Chirurgie, Band 4, 1863, S. 304. Die nächste Fallbeschreibung erfolgte 1883 durch Alfred Willett und W. J. Walsham.A. Willett, W. J. Walsham: A Second Case of Malformation of the Left Shoulder-Girdle; removal of the abnormal portion of bone; with remarks on the probable nature of the deformity. In: Medico-chirurgical transactions. Band 66, 1883, S. 145–158.3, doi:10.1177/095952878306600111, PMID 20896607, .
Literatur Hans Zilch: Lehrbuch Orthopädie. De Gruyter, Berlin 1989, ISBN 3-11-010766-X. Wolfgang Dihlmann: Gelenke – Wirbelverbindungen. Thieme, Stuttgart 1987, ISBN 3-13-471203-2. F. Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis. Springer 1998, ISBN 3-540-61480-X, Seite 494f.
Weblinks
Ole Daniel Enersen: bei whonamedit.com Rare Diseases Radiopaedia emedicine.medscape
Einzelnachweise
Kategorie:Fehlbildung