Malstatt ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Mitte der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Dort leben rund 29.500 Menschen; Malstatt ist somit nach St. Johann der zweit-einwohnerstärkste Stadtteil.

Bis 1874 war Malstatt eine eigenständige Gemeinde. Anschließend gehörte Malstatt mit dem benachbarten Burbach zur Stadt Malstatt-Burbach, bis diese 1909 mit Alt-Saarbrücken und St. Johann zur Stadt Saarbrücken fusionierte.

Geografie Malstatt liegt im Nordwesten der Landeshauptstadt Saarbrücken. Südliche Begrenzung ist die Saar. Malstatt gehört zum Stadtbezirk Mitte und grenzt in diesem an die Stadtteile Burbach im Norden und Westen, St. Johann im Südosten und Alt-Saarbrücken im Süden. Im Norden grenzt es zudem an die Gemeinden Riegelsberg, Heusweiler und Quierschied sowie im Osten an den Stadtbezirk Dudweiler mit den Stadtteilen Herrensohr und Jägersfreude.

Name Der Ortsname rührt von einer gleichnamigen Gerichtsstätte (Malstätte) her.Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 105: Mahlstatt. Online In der lokalen Mundart lautet er Mòòlschd. (Das ò steht für das lange, offene „o“, das es im Hochdeutschen nicht gibt. Es entspricht ungefähr einem länger gesprochenen „o“ in „noch“.)

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Malstatt im Jahr 960.Evangelisches Pfarramt Malstatt (Hrsg.): Tausend Jahre Kirche in Malstatt 960–1960, Saarbrücken 1960, S. 3. Der Ort gehörte nacheinander zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken,Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 192. zur Ersten Französischen Republik,Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 179–181. zum Königreich Preußen, zum Völkerbundsmandat „Saargebiet“, zum NS-Gau Westmark, zum autonomen Saarstaat und schließlich zum bundesdeutschen Saarland.

Die bis dahin eigenständige Gemeinde Malstatt wurde 1874 mit dem Nachbarort Burbach zur Stadt Malstatt-Burbach und diese schließlich 1909 unter Federführung ihres Bürgermeisters Paul Schmook mit Alt-Saarbrücken und Sankt Johann an der Saar zur kreisfreien Groß- und heutigen Landeshauptstadt Saarbrücken vereinigt, in der Malstatt dem Stadtbezirk Mitte angehört.

Demografie Mit Stand vom 31. Dezember 2018 lebten in Malstatt 29.374 Menschen. Darunter waren 4371 (14,9 %) jünger als 15 Jahre und 5764 (19,6 %) älter als 65 Jahre. Die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen 21.802 Einwohner (74,2 %). 7572 Einwohner (25,8 %) waren Ausländer, darunter besaßen 2405 (8,2 %) die Unionsbürgerschaft und 5167 (17,6 %) waren Nicht-EU-Ausländer. 57,5 % der Haushalte waren Ein-Personen-Haushalte; nur in 17,5 % der Haushalte lebten Kinder.

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit gilt Malstatt und besonders die südlichen Distrikte 123 (Unteres Malstatt), 124 (Leipziger Straße) und 125 (Jenneweg) als sozialer Brennpunkt. In den genannten drei Bezirken bezogen am 31. Dezember 2018 zwischen 44,5 % und 48,1 % der Bevölkerung Arbeitslosengeld II oder andere Transferleistungen nach dem Arbeitslosengesetz. Im gesamten Stadtteil betrug die Zahl 31,2 %.

Dennoch gibt es erste Anzeichen von Gentrifizierung: gerade die Nähe zur Innenstadt, die günstigen Mieten und die gute Verkehrsanbindung durch die Saarbahn machen das Stadtviertel attraktiv für junge Menschen und Kreative, wodurch ein Anstieg der Mieten befürchtet wird.

Einwohnerentwicklung

1802: 719 Einwohner 1820: 1181 Einwohner 1830: 1349 Einwohner 1841: 1930 Einwohner 1849: 2395 Einwohner 1856: 2728 Einwohner 1858: 3145 Einwohner 1861: 4488 Einwohner 1864: 5769 Einwohner 1869: 6920 Einwohner 1871: 9615 Einwohner 1875: 12.487 Einwohner 1880: 13.157 Einwohner 1885: 14.950 Einwohner 1890: 18.379 Einwohner 1895: 23.677 Einwohner 1900: 31.200 Einwohner 1905: 38.554 Einwohner 1910: 46.031 Einwohner

Politik Parteipolitische Tendenzen Analysen der Stadt Saarbrücken zum langfristigen Wahlverhalten ihrer Bewohner bezeichneten die Malstatter Bezirke 123, 124 und 125 als Hochburgen der Partei Die Linke, die auch im Rest des Stadtteils stets Ergebnisse über dem gesamtstädtischen Ergebnis erzielte. Auch die SPD erzielte, jedoch in geringerem Umfang, über einen längeren Zeitraum überdurchschnittliche Ergebnisse. Die Ergebnisse der FDP und von Bündnis 90/Die Grünen waren stets deutlich unter dem stadtweiten Durchschnitt.

Wahlergebnisse

Wahl Wahlbeteiligung SPD CDU Die Linke B’90/Grüne FDP sonstige Stadtratswahl 2009http://www.saarbruecken.de/media/download-53355186b2240 36,5 % 30,2 % 24,1 % 23,0 % 9,6 % 7,7 % 5,4 % Landtagswahl 2009http://www.saarbruecken.de/media/download-532aef57eccbc 55,0 % 23,5 % 25,5 % 31,7 % 7,4 % 8,0 % 3,9 % Bundestagswahl 2009http://www.saarbruecken.de/media/download-5915a373d595a 63,0 % 23,6 % 22,0 % 31,4 % 8,4 % 9,9 % 4,7 % Landtagswahl 2012http://www.saarbruecken.de/media/download-532aef57c7b0a 48,7 % 30,1 % 26,0 % 24,2 % 6,3 % 1,1 % 12,3 % Bundestagswahl 2013 60,6 % 32,1 % 28,6 % 15,7 % 7,6 % 3,4 % 12,6 % Stadtratswahl 2014http://www.saarbruecken.de/media/download-5c7942a3f1415 36,5 % 33,8 % 24,9 % 15,3 % 8,4 % 2,5 % 15,0 % Landtagswahl 2017http://www.saarbruecken.de/media/download-58d90f9daf46e 57,3 % 28,9 % 30,2 % 20,7 % 5,3 % 3,0 % 11,9 % Bundestagswahl 2017http://www.saarbruecken.de/media/download-59c8d2b3cb853 65,5 % 26,1 % 24,6 % 18,7 % 7,9 % 6,3 % 16,4 %

Rathaus mini|Rathaus in Malstatt um 1900 (Stadtarchiv Saarbrücken)

Das heutige Technisch-Gewerbliche-Berufsbildungszentrum II der Stadt Saarbrücken in der Paul-Schmook-Straße (vormals Rathausstraße) wurde im Jahr 1874 als Rathaus der ehemals selbständigen Stadt Malstatt-Burbach erbaut. Nach der Städtevereinigung wurde das Rathausgebäude zwischen 1909 und 1910 zur Schule umgebaut.

Wappen mini|hochkant|Wappen der ehemaligen Stadt Malstatt-Burbach Die bis dahin eigenständige Gemeinde Malstatt wurde 1874 mit der Nachbargemeinde Burbach zur Stadt Malstatt-Burbach zusammengeschlossen. Dieser Stadt wurde am 4. Oktober 1897 durch Kaiser Wilhelm II. ein Wappen verliehen. Es ist geteilt: Oben in blauem, von silbernen Fußwiderspitzenkreuzen besäten Feld ein steigender silberner Löwe mit goldener Krone (Löwe der Grafen von Saarbrücken-Commercy). Unten schwarz in silbernem Feld Hammer und Schlägel gekreuzt, die Stielenden belegt mit einer schwarzen, gestürzten offenen Zange (Symbole der Industrie Malstatt-Burbachs). Außerdem durfte eine dreitürmige Mauerkrone geführt werden. Als Stadtfarben Malstatt-Burbachs wurden Blau-Weiß-Schwarz festgelegt.Kurt Hoppstädter: Die Wappen des Saarlandes, Teil 1, hrsg. v. Historischer Verein für das Saarland e. V. in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Regierung des Saarlandes, Saarbrücken, 1953, S. 77–79.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 187–188.

Diese beiden Wappen wurden von der Stadt Malstatt-Burbach bis zu ihrem Zusammenschluss mit Saarbrücken und St. Johann zur neuen Stadt Saarbrücken im Jahr 1909 geführt.Hermann Lehne, Horst Kohler: Wappen des Saarlandes, Landes- und Kommunalwappen. Saarbrücken 1981, S. 30–34. In deren späteres Wappen wurden Hammer, Schlägel und Zange als Hinweis auf Malstatt und Burbach wieder aufgenommen.

Ehrenbürger Der einzige Ehrenbürger der ehemaligen Stadt Malstatt-Burbach ist Otto von Bismarck. Ihm wurde im Jahr 1895 im Rahmen einer Initiative anderer Städte der preußischen Rheinprovinz die Ehrenbürgerschaft Malstatt-Burbachs verliehen.Rolf Wittenbrock: Die drei Saarstädte (1860–1908): Kommunale Selbstverwaltung und politische Kultur, in: Rolf Wittenbrock: Geschichte der Stadt Saarbrücken, Bd. 2, Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart, Saarbrücken 1999, S. 11–38, hier S. 36.

Infrastruktur Verkehr ÖPNV Die Anbindung von Malstatt an den öffentlichen Personennahverkehr gilt gemeinhin als gut. Eine Analyse im Auftrag der Stadt Saarbrücken gibt für Malstatt den stadtweit höchsten Anteil an Zeitkartenbesitzern (39 %) an. S. 42 Der Stadtteil wird dabei mit sechs Haltestellen von der Saarbahn-Linie 1 im 7,5-Minuten-Takt bedient. Diese verbindet den Stadtteil mit Sankt Johann, Von der Heydt und dem Stadtbezirk Halberg in Saarbrücken sowie den umliegenden Orten Riegelsberg, Heusweiler, Lebach, Kleinblittersdorf im Saarland und Saargemünd in Frankreich.Fahrplan der Saarbahn Darüber hinaus ist der Distrikt Rodenhof über den Nordeingang des Saarbrücker Hauptbahnhofs erreichbar. Zudem ist Malstatt über 11 Buslinien der Saarbahn GmbH an nahezu alle Stadtteile in Saarbrücken ohne Umsteigen angeschlossen. Regionalbusse, die von Saarbrücken aus in die nördlichen Vororte führen, fahren in der Regel ebenfalls durch Malstatt, haben jedoch der Praxis kaum Bedeutung für Malstatt, da sie mehrheitlich entlang der Saarbahnlinie 1 führen.

Durch Malstatt führen außerdem zwei Bahnstrecken: die Bahnstrecke Saarbrücken–Trier und die weniger bedeutsame Fischbachtalbahn (Saarbrücken–Illingen). Seit der (nun ehemalige) Bahnhof Schleifmühle an der Fischbachtalbahn stillgelegt wurde, verfügt Malstatt aber nicht mehr über Haltepunkte der Deutschen Bahn. Im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Saarbrücken ist jedoch der Bau zweier Haltepunkte an der Bahnstrecke Saarbrücken-Trier vorgesehen.VEP Saarbrücken, Handlungsfeld C: ÖPNV

Individualverkehr Durch Malstatt verlaufen die Bundesstraßen 51 und 268. Im Norden Malstatts beginnen die Bundesautobahnen 1 und 623 knapp außerhalb Malstatts verläuft zudem die Bundesautobahn 620. Durch diese Lage zwischen fünf großen Straßen gibt es in Malstatt viel Durchgangsverkehr; besonders die Anwohner in der Nähe der Lebacher Straße (B268, führt zur A1) und der Camphauser Straße klagen daher über die Verkehrsbelastung und fordern teils LKW-Fahrverbote.

Bildung Im Jahr 1719 wurde auf Initiative des Dudweiler Pfarrers Barthels ein erstes Schulhaus in Malstatt errichtet und ein Schulmeister aus Burbach eingestellt. Vorher hatten die Malstatter Pfarrer die Kinder schulmäßig unterrichtet. Unterricht fand nur im Winterhalbjahr statt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Malstatter Schule auch von Kindern aus Burbach, Rußhütte, Rockershausen, Neudorf und Großwald besucht. Die erste Schule in Burbach wurde im Jahr 1822 gegründet. In Malstatt entstand im Jahr 1834 eine katholische Schule, im Jahr 1854 eine evangelische Schule in Burbach. Im Folgejahr 1855 wurde in Burbach eine katholische Schule eingeweiht.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 211–213.

Schulen In Malstatt gibt es aktuell folgende Schulen:

Grundschulen Grundschule Rodenhof Grundschule Rußhütte – Maria-Montessori-Schule Ganztagsgrundschule Rastpfuhl Grundschule Rastpfuhl Grundschule Wallenbaum Ganztagsgrundschule Kirchberg

Förderschulen Förderschule Lernen, Schule am Ludwigsberg Förderschule Geistige Entwicklung, Friedrich-Joachim-Stengel-Schule, Rastpfuhl

Berufsschulen Technisch-gewerbliches Berufsbildungszentrum, TGBBZ II Saarbrücken, Außenstelle Malstatthttps://www.tgbbz2.de/ Schulzentrum St. Hildegard, Zentrum für Gesundheitsfachberufe

Gemeinschaftsschulen Gemeinschaftsschule Ludwigspark

Campus Rastpfuhl der Hochschule für Technik und Wirtschaft