Tobias Kratzer (* 17. Januar 1980 in Landshut) ist ein deutscher Regisseur, der sowohl im Bereich Oper als auch im Bereich Schauspiel aktiv ist. Seit Beginn der Spielzeit 2025/2026 ist Kratzer Intendant der Staatsoper in Hamburg.Tobias Kratzer. Intendant Staatsoper Hamburg.
Leben Nach einem abgeschlossenen Studium der Kunstgeschichte in München und Bern studierte Kratzer an der Bayerischen Theaterakademie August Everding Schauspiel- und Musiktheaterregie. Erste Inszenierungen legte er am Münchner Akademietheater (Die sieben Todsünden, 2006, Die Verlobung in St. Domingo, 2008) und in der Münchner Reaktorhalle (La traviata, 2006) vor. Hier arbeitete er erstmals mit seinen späteren regelmäßigen Bühnenpartnern, dem Ausstatter Rainer Sellmaier und dem Dirigenten Martin Wettges zusammen.
Beim Internationalen Regiewettbewerb „ring.award“ in Graz trat Kratzer im Frühjahr 2008 in wechselnder Verkleidung unter den Pseudonymen Ginger Holiday und Nedko Morakov gegen sich selbst an. Das Team ATEF, bestehend aus Kratzer, Sellmaier und Wettges, gewann mit seiner Produktion des Rigoletto im Grazer Schauspielhaus alle vergebenen Preise. Peter Konwitschny wies in seiner Laudatio insbesondere auf den kreativen Umgang mit dem Stoff bei gleichzeitiger Werktreue und die Einheit von gelungener musikalischer Ausführung und szenischem Konzept hin. Die internationale Euphorie auf den Grazer Rigoletto sorgte für Einladungen an zahlreiche Häuser, unter anderem an die Bayerische Staatsoper (Così fan tutte, 2009), das Theater Heidelberg (Die Zauberflöte, 2009), die Wermland Opera in Karlstad, Schweden (Rigoletto, 2009), das Schauspielhaus Graz, die Oper Leipzig (Admeto, 2010) und die Oper Graz (La sonnambula, 2010).
In der Saison 2010/11 realisierte Kratzer drei überregional beachtete Opernproduktionen: Der Rosenkavalier am Theater BremenLautsplitter, Der Rosenkavalier – Theater Bremen, Anna Bolena am Luzerner Theater (Nominierung zur Inszenierung des Jahres im Opernwelt-Jahrbuch 2011Opernwelt-Jahrbuch 2011, S. 120.) sowie Telemaco bei den Schwetzinger Festspielen und am Theater BaselGefährliche Heimwege. 2011/12 folgten Tannhäuser am Theater Bremen, eine szenische Version der Johannespassion an der Wermland Opera sowie die deutsche Zweitaufführung von Erkki-Sven Tüürs Oper Wallenberg am Staatstheater Karlsruhe.Tobias Kratzer – Vita
In den darauf folgenden Spielzeiten gelang es Kratzer, sich als "eines der größten Regie-Talente""Jungstar der Oper. Mit olle Hans Sachs beim Billig-Döner" seiner Generation zu etablieren. Für seine Inszenierung der Operette Die Csárdásfürstin am Stadttheater Klagenfurt war er für den Österreichischen Musiktheaterpreis 2015 in der Kategorie "Beste Regie", für Die Meistersinger von Nürnberg am Staatstheater Karlsruhe für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie "Beste Regie Musiktheater" nominiert.
Am 25. Juli 2019 hatte seine Neuinszenierung des Tannhäuser mit Valery Gergiev am Pult bei den Bayreuther Festspielen Premiere.Bayreuther Festspiele, Tannhäuser 2019, abgerufen am 28. Juli 2019 Sie wurde als „großer Wurf“,Peter Korfmacher: Bayreuth-Premiere: Tobias Kratzers fabelhafte Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“, haz.de vom 26. Juli 2019, abgerufen am 6. August 2019. „rasant, detailverliebt, witzig und emotional packend“,Sabine Lange: Bayreuth 2019 – so war "Tannhäuser", ndr.de vom 26. Juli 2019, abgerufen am 6. August 2019. „bunter Reigen mit Witz und doppelten Bildebenen“Martin Doerry: Eine kalkulierte Zumutung, Spiegel Online vom 26. Juli 2019, abgerufen am 6. August 2019. mit hervorragender Personenregie gelobt, die aber das zentrale Thema der Oper – die Freiheit – ausklammerePeter Huth: Mit dem Clown kamen die Lach-Tränen, welt.de vom 26. Juli 2019, abgerufen am 6. August 2019. und darum „letztlich wie eine Spiegelfechterei, aber mit Unterhaltungswert“ wirke.Christoph Schmitz: Tannhäuser im Kleinbus, Deutschlandfunk vom 26. Juli 2019, abgerufen am 6. August 2019. Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners begann Kratzer im Oktober 2024 mit seiner Inszenierung von Das Rheingold als Auftakt des gesamten Ring-Zyklus an der Bayerischen Staatsoper München.Stephan Schwarz-Peters: Gott ist tot, es lebe der Gott!. Rezension zur Produktion in München 2024. In: Oper!. Abgerufen am 22. November 2024 (eingeschränkte Vorschau).
Im September 2025 begann Tobias Kratzer seine Hamburger Intendanz mit einer szenischen Aufführung von Robert Schumanns weltlichem Oratorium Das Paradies und die Peri. Dabei öffnete er programmatisch die „vierte Wand“ zwischen Bühne und Publikum, indem er live im Zuschauerraum aufgenommene Videos zeigte und die Titelfigur über die Sitze des Parketts hinwegsteigen ließ.Interview: Die Bühne blickt zurück, Hamburgische Staatsoper.Peter Helling: "Das Paradies und die Peri" in Hamburg: Bewegendes Gesamtkunstwerk. ndr.de. Abgerufen am 23. Januar 2026. Am nächsten Tag folgte, ebenfalls von Kratzer selbst inszeniert, auf der Studiobühne Opera stabile die Kinderoper Die Gänsemagd von Iris ter Schiphorst.Die Gänsemagd, Hamburgische Staatsoper.
Auszeichnungen 2018: Deutscher Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Beste Regie im Musiktheater für Götterdämmerung am Badischen Staatstheater Karlsruhe 2020: Oper! Award in der Kategorie Bester Regisseur
Weblinks Wie die einstige Assistentin von Liz Taylor zur Opernregie wechselte – Porträt von Manuel Brug, 2010 Kritik Tannhäuser von Peter Krause, 2011 Kritik Johannespassion von Göran Forsling, 2012 Kritik Wallenberg von Jörn Florian Fuchs, 2012
Kritik Le prophète von Detlef Brandenburg, 2015 Kritik Les contes d'Hoffmann von Gerhart Wiesend, 2018 Website Hamburgische Staatsoper
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Opernregisseur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1980 Kategorie:Mann