mini|Schloss Brandenstein, Frontansicht. Schloss Brandenstein, auch bekannt als Burg Brandenstein, steht auf einem Zechsteinriff im Ortsteil Brandenstein der Stadt Ranis im Saale-Orla-Kreis in Thüringen.

Geschichte Die Burg war der Stammsitz des 1289 erstmals urkundlich erwähnten Geschlechts der Ritter und späteren Herren von Brandenstein. Diese hatten spätestens seit 1351 die Burg Brandenstein als Lehen der Wettiner inne. Sie besaßen aber auch schwarzburgische, orlamündische und lobdeburgische Lehen, traten jedoch meist als wettinische Gefolgsleute und Räte in Erscheinung und spielten als solche eine relativ bedeutende Rolle.

Die Brandensteiner waren Adlige, die auf Dauer durchaus gut mit einem Vasallenverhältnis zu den Wettinern leben konnten, insbesondere dann, wenn diese ihnen militärischen Schutz gewährten und die Zahlung der nicht unerheblichen Reichssteuern abnahmen.

1584 kam die Burg für 16.000 Taler an die Herren von Breitenbauch. Während des Dreißigjährigen Krieges, zum ersten Mal 1634, wurde Burg Brandenstein von kroatischen Truppen belagert. Die Burg wurde in dieser Zeit wohl sehr stark beschädigt und fand Erwähnung als „das Wüste Haus“ von Brandenstein.Bernd Wiefel: Bausteine zur Rittergutsgeschichte der Herrschaft Ranis. In: Studien zur Sozialgeschichte der Herrschaft Ranis. , Band 9/10, Olbernhau 2006. So wurde es von 1698 bis 1705 vom Landrat Christoph Adam von Breitenbauch im Stile des Hochbarocks zum Schloss umgebaut. Er ließ die Reste der alten Burg entfernen und gestaltete einen Schlosshof auf der Ostseite. Nachweisbar ist ein runder Gartenpavillon, dessen Grundmauern noch erhalten sind. Die Vorburg ließ er aus Steinen der Ruine Burg Stein wiedererrichten.M. H.: Die Burg „zum Stein“ auf dem Kochsberg. In: Hermann Ricke: Heimatklänge. Band 50, Hrsg. Freie Vereinigung Lausitzer Schriftsteller; Gesellschaft für Lausitzer Schrifttum. Teils: Supplement zu Bautzener Tageblatt, Verlag H. Müller, Bautzen, , 29. März 1925, S. 81 f. Weitere namhafte Vertreter des Adelsgeschlechts aus der Haus-Linie Brandenstein-Ranis, teil mit mehreren Begüterungen, waren u. a. Franz Traugott von Breitenbauch, sein Sohn Albert von Breitenbauch, sowie des Weiteren Arthur von Breitenbuch oder der württembergische General Gustav von Brandenstein.

mini|Schriftzug „Leni-Fleischer-Schule“ über dem Schlossportal. Bis Mitte des 20. Jh. blieb der Herrensitz im Besitz derer von Breitenbauch, die 1906 den alten Namen von Breitenbuch angenommen hatten. Das Schloss befand sich bis zur Bodenreform 1945 in ihren Händen.

Bis 1955 diente Schloss Brandenstein als Arbeiterwohnheim und Parteischule des Stahlwerks Maxhütte und der Keramischen Werke Hermsdorf (Leni-Fleischer-Schule). Von 1955 bis 1988 war das Schloss JugendherbergeThomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 219. mit ca. 18.000 Übernachtungen im Jahr. Nach 1988 stand das Schloss leer und war dem Verfall preisgegeben.

Die ursprüngliche Besitzerfamilie wollte das Schloss nach der Wende nicht rekonstituiert haben, da aufgrund der Landzersiedlung dem Schloss die ursprüngliche wirtschaftliche Grundlage entzogen wurde. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude von Holger Kahl, dem Vater des Kunsthändlers Fabian Kahl (bekannt aus „Bares für Rares“), aufgekauft. Seither wird das Haus schrittweise renoviert und rekonstruiert. Unkonventionell erscheint die heutige Farbgebung der Fassaden. Die Familie nutzt Teile der ersten Etage als Wohnbereich. Im zweiten Stock befindet sich der sogenannte Sonnensaal, der für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann. Seit 2007 ist im Keller des Schlosses ein kleines, veganes Burgcafé mit einer Hof- und einer Westterrasse für Gäste eingerichtet. Im Rahmen einer Seminarfacharbeit entstand ein kleiner Ausstellungsraum im Obergeschoss des Gebäudes, der einen Teil der Geschichte des Schlosses mit Fundstücken belegt und seit September 2009 zu besichtigen ist.

Galerie

Literatur (Auszug) Schloss/Haus Brandenstein, In: Clementine von Breitenbuch, Asta von Breitenbuch, Matthias Donath, Lars-Arne Dannenberg: Rote Sparren auf blauem Grund. Die Familie von Breitenbuch (Breitenbauch) in Sachsen und Thüringen. In: Adel in Sachsen. Band 8, Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2016, , u. a.: S. 13, 29, 34, 40 f., 45, 55, 59 f., S. 200–202-Nr. 134, S. 227–233, b. S. 446. Brandenstein: In: Agnes von Kopp-Colomb, Henning von Kopp-Colomb: Schicksalsbuch des Sächsisch-Thüringischen Adels. II , 1945 bis 1989 und von der Wende bis 2005. In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. N.F. Band 6, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2005, S. 69. Gut Brandenstein, In: Hans Werner Rothe: Burgen und Schlösser in Thüringer. Nach alten Stichen. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 12, Weidlich, Frankfurt am Main 1960, S. 92. Brandenstein/Schloss Brandenstein, In: Heinrich Bergner: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Ziegenrück und Schleusingen In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und Herzogtum Anhalt. Heft XXII, Hrsg. Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Verlag von Otto Hendel, Halle a. S. 1901, S. 32–33.

Weblinks

Website des Schlosses YouTube Paradiesvogel Fabian Kahl („Bares für Rares“) Kunsthändler auf dem elterlichen Schloss Brandenstein

Einzelnachweise

Kategorie:Museum im Saale-Orla-Kreis Brandenstein Kategorie:Brandenstein (Adelsgeschlecht) Brandenstein Kategorie:Kulturdenkmal in Ranis