Feletheus (auch Feva, Feba, Foeba, Fevva, Fevvanus, Theuvanus; † 487 in Ravenna) war König der Rugier von 475 bis 487.
Familie Feletheus war der Sohn des Königs Flaccitheus und Bruder des Ferderuchus.
Feletheus heiratete die als grausam beschriebene Gotin Giso (auch Gisa), möglicherweise eine amalische Cousine von Theoderich dem Großen, was das Bündnis mit den Ostgoten einleitete. Mit ihr hatte er den Sohn Fredericus.
Leben Nach dem Tod seines Vaters nahm Feletheus wahrscheinlich 475Ludwig Schmidt: Die Ostgermanen, München, 2. Aufl., 1941, S. 120 den Titel rugorum rex (König der Rugier) an. Rugiland, sein Herrschaftsbereich, erstreckte sich nördlich der Donau von Favianis (Mautern an der Donau) bis Boiodurum (bei Passau). Er teilte die Macht mit seinem Bruder Ferderuchus, der im Osten die Gegend um Favianis beherrschte.; Eugippius, Vita Sancti Severini 42.
476 unterstützten rugische Krieger die Heruler und Skiren unter Odoaker beim Sturz des letzten weströmischen Kaisers. In den Augen römischer Beobachter galt Odoakar daher als herulischer oder rugischer König.Herwig Wolfram (Hrsg.): Die Geburt Mitteleuropas. Verlag Kremayr und Scheriau, Wien 1987, ISBN 3-218-00451-9, S. 40ff Das „rugische Regnum“ fungierte daraufhin als „einigermaßen berechenbare Schutzmacht über Norikum Ripense etwa zwischen dem Wienerwald und Enns“.
Severin von Noricum, der schon seinem Vater beratend zur Seite stand, ermahnte ihn oft von seinen Freveln Abstand zu nehmen.Historia Langobardorum I, 19 Dennoch hatte der Arianer Feletheus ein gutes Verhältnis zu dem katholischen Abt, den er schon von Jugend an kannte und oftmals besuchte. Im Gegensatz dazu war Königin Giso eine überzeugte Arianerin, die Katholiken bekehrte und der Severin feindselig gegenüberstand.Eugippius, Vita Sancti Severini 8. Als einige „barbarische“ Goldschmiede, die gefangengehalten wurden um für Feletheus und Giso Schmuck anzufertigen, Fredericus, den Sohn der Königin als Geisel nahmen, um ihre Freilassung zu erzwingen, empfand Giso das als Strafe für ihr Verhalten gegen Severin.
Wegen der Bedrohung von Lauriacum durch Thüringer und Alamannen nahm Feletheus die bedeutende Stadt, in der sich zahlreiche Flüchtlinge aufhielten,Eugippius, Vita Sancti Severini Kap. 31 schließlich (vor 482) selbst ein. Feletheus wollte die romanische Bevölkerung evakuieren und in ihm tributspflichtigen Orten ansiedeln. Severin trat ihm entgegen und bat darum, ihm den Schutz der „Verschleppten“ zu übertragen, was der König ihm zugestand.
Als die Rugier vom oströmischen Kaiser Zenon zum Kampf gegen Odoaker angestiftet wurden, kam es zum Konflikt zwischen Feletheus und seinem Bruder Ferderuchus. Da letzterer Odoakar unterstützte, wurde er um 486/487 von seinem Neffen Fredericus getötet.Patrick J Geary: Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen. Verlag Beck, München 2003, ISBN 3-406-49426-9, S. 14.Friedrich Lotter: Völkerverschiebungen im Ostalpen-Mitteldonau-Raum zwischen Antike und Mittelalter (375–600). Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. 39, Verlag de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017855-9, S. 25f. und 114. Odoaker kam daraufhin selbst einem möglichen Angriff von dieser Seite zuvor und schlug ein rugisches Heer in der Nähe des Wienerwaldes. Das Reich der Rugier wurde trotz Unterstützung durch die römischen Provinzialen 487/488 in zwei Kriegen von Odoaker zerstört. Feletheus und seine Frau wurden gefangen genommen und in Ravenna 487 hingerichtet.Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-593-37800-8, S. 173.
Quellen Paulus Diaconus: Historia Langobardorum. In: Ludwig Konrad Bethmann, Georg Waitz (Hrsg.): Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX. Hahn, Hannover 1878. Eugippius: Vita Sancti Severini.
Literatur
Friedrich Lotter: Severinus von Noricum, Legende und historische Wirklichkeit. Untersuchungen zur Phase des Übergangs von spätantiken zu mittelalterlichen Denk- und Lebensformen. Stuttgart 1976.
Walter Pohl: Die Gepiden und die gentes an der mittleren Donau nach dem Zerfall des Attilareiches. In: Herwig Wolfram, Falko Daim (Hrsg.): Die Völker an der mittleren und unteren Donau im fünften und sechsten Jahrhundert. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1980, ISBN 3-7001-0353-0, S. 239–305.
Weblinks
Paulus Diaconus: History of the Langobards (englisch) Eugippius, Vita Sancti Severini (englisch)
Anmerkungen
Kategorie:König (Rugier) Kategorie:Person der Spätantike Kategorie:Rugier (Person) Kategorie:Herrscher (5. Jahrhundert) Kategorie:Rugierreich Kategorie:Arianer Kategorie:Geboren im 5. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 487 Kategorie:Mann