Der Landkreis Stolp, ursprünglich Kreis Stolp, war bis 1945 ein preußischer Landkreis im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Seine Kreisstadt Stolp bildete seit 1898 einen eigenen Stadtkreis. Das ehemalige Kreisgebiet liegt heute größtenteils im Powiat Słupski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geschichte mini|Der Kreis Stolp im 18. Jahrhundert mini|Das Kreisgebiet 1905 mini|Darstellung des Landkreises von Rudolf Hardow

Nachdem Hinterpommern 1648 an Brandenburg-Preußen gefallen war, ging aus der mittelalterlichen Landvogtei Stolp der Kreis Stolp hervor. Bei der hinterpommerschen Kreisreform von 1724 blieb der Kreis unverändert. Der Kreis umfasste im 18. Jahrhundert die Stadt Stolpe, die königlichen Ämter Schmolsin und Stolp sowie eine größere Anzahl von adligen Dörfern und Gütern.

Infolge der preußischen Provinzialbehörden-Verordnung vom 30. April 1815 wurde der Kreis Teil des Regierungsbezirks Köslin in der Provinz Pommern. Auch bei der pommerschen Kreisreform von 1818 wurde die Abgrenzung des Kreises nicht geändert.R. v. Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern. Nicolai, Berlin/Stettin 1827, S. 251–266, S. 251–266.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis Stolp zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Zum Kreis gehörten 1871 die Stadt Stolp, 170 Landgemeinden und 177 Gutsbezirke.

Zum 10. August 1876 fanden zwecks Aufhebung mehrerer Enklaven folgende Veränderungen der Kreisgrenzen statt: Die Landgemeinden Kunsow, Quackenburg und Scharsow sowie die gleichnamigen Gutsbezirke wechselten aus dem Kreis Rummelsburg in den Kreis Stolp. Die Landgemeinden Dünnow, Lindow, Muddel und Saleske sowie die gleichnamigen Gutsbezirke wurden aus dem Kreis Schlawe in den Kreis Stolp umgegliedert. Im Gegenzug wechselten die Landgemeinden Görshagen, Marsow, Schlackow und Vietzke sowie die gleichnamigen Gutsbezirke aus dem Kreis Stolp in den Kreis Schlawe.

Am 1. April 1898 schied die Stadt Stolp aus dem Kreis aus und bildete seitdem einen eigenen Stadtkreis. Die Bezeichnung des Kreises Stolp änderte sich dadurch in Landkreis. Zum 30. September 1928 fand im Kreis Stolp wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Sonderamtsblatt der Preußischen Regierung in Köslin vom 28. September 1928: Nach Stück 38

Im Frühjahr 1945 wurde das Gebiet des Landkreises Stolp von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung Unter den Einwohnern des Kreisgebiets gab es 1867 noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt).Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, Ziffer 4.

Jahr Einwohner Quelle 1797 34.815 1816 38.107 1846 70.284 1871 91.788 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871 1890 98.762 1900 75.310 1910 77.629 1925 84.020 1933 83.730 1939 82.287 Die Stadt Stolp wurde 1898 aus dem Kreis Stolp ausgegliedert.

Politik Landräte ?–1694: Kaspar Ewald von Massow (1629/1639–1694) (1694–1712)?: Christoph George von Hoym (1672–1712) (...) 1724–1740: Bogislaw Ulrich von Puttkamer (~1690–1740) 1740–1771: Alexander Dietrich von Puttkamer (1712–1771) 1771–1806: Friedrich Bogislaw von Puttkamer (1732–1806) 1806–1818: Leopold Nicolaus George von Zitzewitz (1761–1818) 1818–1824: Carl Christoph Ludwig von Kösteritz 1824–1831: von Below 1831–1848: Christian Ludwig Friedrich von Gottberg (1789–1850) 1853–1873: Hans Hugo Erdmann von Gottberg (1812–1890) 1875–1885: Bernhard von Richthofen (1836–1895) 1886–1898: Richard von Puttkamer (1826–1898) 1899–1905: Kurt von Schmeling (1860–1930) 1905–1906: Karl Bonaventura Finck von Finckenstein (1872–1950) 1907–1918: Walter von Brüning (1869–1947) 1918–1919: Walter von der Marwitz (1880–1945) 1919–1921: Theodor Kramer (1876–1921) 1922–1937: Friedrich Wilhelm Dombois (1890–1982) 1937–1938: Siegfried von Campe (1885–1972) 1938–1944: Hans Janzen (1885–1944) 1944–1945: Hermann Weißenborn

Kommunalverfassung Der Kreis Stolp gliederte sich in die Stadt Stolp, in Landgemeinden und – bis zu deren Auflösung im Jahre 1928 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Amtsbezirke und Gemeinden Amtsbezirke Der Kreis war in den 1930er Jahren in 54 Amtsbezirke gegliedert. Amtsbezirk Arnshagen Amtsbezirk Bandsechow Amtsbezirk Bewersdorf Amtsbezirk Bochowke Amtsbezirk Bornzin Amtsbezirk Budow Amtsbezirk Dünnow Amtsbezirk Gambin Amtsbezirk Gatz Amtsbezirk Giesebitz Amtsbezirk Glowitz Amtsbezirk Groß Brüskow Amtsbezirk Groß Dübsow Amtsbezirk Großendorf Amtsbezirk Groß Garde Amtsbezirk Groß Machmin Amtsbezirk Groß Nossin Amtsbezirk Groß Silkow Amtsbezirk Groß Strellin Amtsbezirk Grumbkow Amtsbezirk Hebrondamnitz Amtsbezirk Klein Gluschen Amtsbezirk Kose Amtsbezirk Krampe Amtsbezirk Kunsow Amtsbezirk Langeböse Amtsbezirk Loitz Amtsbezirk Lossin Amtsbezirk Lübzow Amtsbezirk Lüllemin Amtsbezirk Lupow Amtsbezirk Mahnwitz Amtsbezirk Mickrow Amtsbezirk Mützenow Amtsbezirk Muttrin Amtsbezirk Rathsdamnitz Amtsbezirk Reitz Amtsbezirk Ritzow Amtsbezirk Rumbske Amtsbezirk Saleske Amtsbezirk Schmolsin Amtsbezirk Schurow Amtsbezirk Schwarz Damerkow Amtsbezirk Sorchow Amtsbezirk Starnitz Amtsbezirk Stojentin Amtsbezirk Stolpmünde Amtsbezirk Virchenzin Amtsbezirk Weitenhagen Amtsbezirk Wendisch Karstnitz Amtsbezirk Wintershagen Amtsbezirk Wobesde Amtsbezirk Wundichow Amtsbezirk Zezenow

Gemeinden Der Landkreis Stolp umfasste zuletzt 193 Landgemeinden. 1937 fanden zahlreiche Umbenennungen statt, die in der folgenden Liste noch nicht berücksichtigt sind. Adlig Kublitz Alt Damerow Alt Gutzmerow Alt Jugelow Arnshagen Bandsechow Beckel Bedlin Benzin Bewersdorf Birkow Bochowke Bornzin Budow Daber Damerkow Dammen Dargeröse Darsin Darsow Deutsch Buckow Deutsch Karstnitz Deutsch Plassow Dresow Dumröse Dünnow Flinkow Freist Gaffert Gallensow Gambin Gatz Giesebitz Glowitz Gohren Granzin Grapitz Groß Brüskow Groß Dübsow Großendorf Groß Gansen Groß Garde Groß Gluschen Groß Machmin Groß Nossin Groß Podel Groß Rakitt Groß Runow Groß Silkow Groß Strellin Grumbkow Grünhagen Gumbin Hebrondamnitz Hermannshöhe Hohenstein Holzkathen Horst Jerskewitz Jeseritz Karwen Karzin Klein Brüskow Klein Gansen Klein Garde Klein Gluschen Klein Machmin Klein Nossin Klein Podel Klein Rakitt Klein Silkow Klein Strellin Klenzin Kleschinz Klucken Kose Kottow Krampe Krien Kriwan Krussen Kublitz Kulsow Kunsow Labehn Labuhn Labüssow Langeböse Lankwitz Lessaken Liepen Lindow Loitz Lojow Lossin Lübzow Ludwigslust Lüllemin Lupow Mahnwitz Malzkow Mellin Mickrow Muddel Muttrin Mützenow Neitzkow Nesekow Neu Damerow Neu Gutzmerow Neu Jugelow Neurakitt Niemietzke Nippoglense Poblotz Podewilshausen Poganitz Pottangow Quackenburg Rathsdamnitz Reitz Rexin Ritzow Roggatz Rotten Rowe Rowen Rumbske Ruschütz Sageritz Sagerke Saleske Sanskow Scharsow Schierwens Schlochow Schmaatz Schmolsin Schöneichen Schönwalde Schorin Schurow Schwarz Damerkow Schwetzkow Schwolow Selesen Sochow Sorchow Stantin Starkow Starnitz Steinwald Stohentin Stojentin Stolpmünde Stresow Strickershagen Überlauf Ulrichsfelde Vargow Varzmin Veddin Velsow Vessin Viatrow Vieschen Vietkow Vilgelow Virchenzin Vixow Warbelin Warbelow Weitenhagen Wendisch Buckow Wendisch Karstnitz Wendisch Plassow Wendisch Silkow Wintershagen Wittbeck Wittstock Wobesde Wollin Wottnogge Wundichow Wutzkow Zechlin Zedlin Zemmin Zezenow Zietzen Zipkow Zirchow Zitzewitz

Namensänderungen Durch Erlass des Oberpräsidenten in Stettin vom 29. Dezember 1937 fanden im Kreis Stolp Änderungen von Ortsnamen statt. Nicht typisch deutsch klingende Ortsnamen erfuhren lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder wurden durch neue Wortschöpfungen ersetzt (mit heutigen polnischen Namen): Gemeinden Bochowke → Hohenlinde (Pom.), polnisch Bochówko Deutsch Buckow → Bukau (Pom.), Bukówka Deutsch Karstnitz → Karstnitz, Karżniczka Deutsch Plassow → Plassow, Płaszewko Niemietzke → Puttkamerhof, Podkomorzyce Sagerke → Brackenberg, Zagórki Viatrow → Steinfurt, Wiatrowo Wendisch Buckow → Buchenstein, Bukowa Wendisch Karstnitz → Ramnitz, Karznica Wendisch Plassow → Plassenberg, Płaszewo Wendisch Silkow → Schwerinshöhe, Żelkowo Wottnogge → Mühlental (Pom.)., Otnoga

Gemeindeteile und Wohnplätze Amerika (Gemeinde Giesebitz) → Heidenhof, Ameryka Boyrk (Gemeinde Schorin) → Unterberg, Zagorne Buckower Mühle (Gemeinde Wendisch Buckow) → Buchmühle Chims (Gemeinde Holzkathen) → Schims Czapock (Gemeinde Holzkathen) → Schabbock Dambee (Gemeinde Schmolsin) → Eichweide Dambee (Gemeinde Wottnogge) → Eichen, Dąbie Gesorke (Gemeinde Lojow) → Kleinwasser, Jeziorka Groond (Gemeinde Gambin) → Grund Jaggork (Gemeinde Klein Machmin) → Jagen, Gogorki Kamillowe (Gemeinde Quackenburg) → Keudellshof, Komiłowo Kolischen oder Stregonke (Gemeinde Selesen) → Bismarckstein Koloschnitz (Gemeinde Groß Podel) → Riesenhof Kutusow (Gemeinde Kose) → Priemfelde, Kotuszewo Lesnie (Gemeinde Groß Dübsow) → Berghof, Leśnia Mockree (Gemeinde Groß Podel) → Husarenberg, Mokre Monbijou (Gemeinde Poganitz) → Bandemersruh, Będziemierki Muskowski (Gemeinde Klein Gansen) → Friedrichshöhe, Muskowo Niemietzkermühle → Puttkamermühle Nimzewe (Gemeinde Muttrin) → Roden, Niemczewo Novienne (Gemeinde Groß Runow) → Runow-Forsthof Paris oder Paschnik (Gemeinde Giesebitz) → Weidenhof Piaschke (Gemeinde Groß Gansen) → Paschke, Piaszki Poddamp (Gemeinde Klein Machmin) → Waldhof, Gogorki Saviat (Gemeinde Wottnogge) → Seeblick, Zawiaty Schottofske oder Schottowske (Gemeinde Groß Nossin) → Schottow, Skotawsko Forsthaus Sotocken (Gemeinde Nippoglense) → Forsthaus Krahmerwald, Zatoki Swantee (Gemeinde Lessaken) → Schwansee, Święte Vangerske (Gemeinde Groß Runow) → Wiesenberg, Węgierskie Wocholz (Gemeinde Muttrin) → Waldesruh, Ochodza Wussowske (Gemeinde Groß Nossin) → Waldliebe, Osowskie Zerowe (Gemeinde Klein Gansen) → Südhof, Sierówko Zerowe (Gemeinde Nippoglense) → Stolpenau, Sierowo

Verkehr Als erste Eisenbahn durchzog ab 1870 die Strecke Köslin–Stolp–Danzig der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft den Kreis von West nach Ost >111.0<. Von der Kreisstadt aus führte die Preußische Ostbahn ab 1878 Linien nach Stolpmünde an der Ostsee und auch nach Zollbrück >111.r+u<.

Den äußersten Südosten des Kreises durchzog ab 1902 die Strecke Lauenburg – Bütow der Preußische Staatsbahn >111.w<, und 1911 bekam Stolpmünde eine zweite Bahnlinie nach der benachbarten Kreisstadt Schlawe >111.p<.

Der Ausbau des Kleinbahnnetzes begann 1894 im Süden des Kreises mit der Linie Stolp–Rathsdamnitz, die von der Stolpethalbahn AG angelegt, 1895 bis Muttrin und schließlich 1906 bis Budow verlängert worden war >113.t<.