mini|hochkant|Albert Eitel 1907 oder früher – Foto: Hermann Brandseph Albert Eitel (* 29. Januar 1866 in Stuttgart; † 25. August 1934 ebenda) war ein deutscher Architekt, der dem Historismus und der Reformarchitektur zugerechnet wird. Die überwiegende Zahl der ca. 100 von ihm (teilweise zusammen mit Eugen Steigleder) erbauten Gebäude befindet sich in Stuttgart und Umgebung. Der größte Teil ist bis heute erhalten und steht teilweise unter Denkmalschutz.
Hinweis: Der Standort von Stuttgarter Gebäuden wird in der Regel nur durch die Straße ohne Ortsnamen angegeben.
Leben Eitel wurde in der Münzstraße 5 in Stuttgart geboren, wo seine Eltern zur Miete wohnten. Sein Vater Emil Eitel (1840–1938) war Sohn eines Bäckers und Enkel eines Rotgerbers und arbeitete sich vom GalanteriewarenarbeiterEs liegt nahe, dass Emil Eitel als Galanteriewarenarbeiter mit der Herstellung von Lederwaren beschäftigt war. zum Ledergalanteriewarenhändler (1867–1868) und schließlich zum Portefeuillefabrikanten hoch (1868–1890). Die Galanteriewarenherstellung war sehr einträglich und machte Emil Eitel zu einem reichen Mann. Neben wechselnden Villen,Dazu gehören die Häuser Humboldtstraße 8, Humboldtstraße 20 und Hohenzollernstraße 1. die er von renommierten Architekten und ab 1898 von seinem Sohn erbauen ließ, besaß er zwei große Geschäftshäuser in bester Innenstadtlage.Er war Inhaber des Kaiserhofs, ein Warenhaus in der Marienstraße 10, und bis 1917 des Romingerbaus in der Königstraße 35 (beide nicht mehr vorhanden). Die letzten 48 Jahre seines Lebens verbrachte er als Privatier und handelte mit Grundstücken und Immobilien. Er starb vier Jahre nach seinem Sohn Albert mit fast 98 Jahren.
Eitels Mutter Charlotte Eitel geb. Trost (1842–1917) stammte aus einer Stuttgarter Weingärtnerfamilie. Sie gebar 11 Kinder, von denen drei nicht den ersten Geburtstag erlebten. Albert wurde als zweites Kind geboren. Seine beiden jüngeren Schwestern verheirateten sich mit Kaufleuten. Alberts fünf Brüder wanderten ab 1890 einer nach dem anderen nach Chicago aus. Emil Eitel jun., Karl, Robert und Max Eitel betätigten sich dort als Hotel- und Gastronomie-Unternehmer, und Otto Eitel machte sich einen Namen als Landschaftsgärtner. Zu den „amerikanischen“ Brüdern siehe: Eitel (Brüder).
Ausbildung mini|hochkant|Eitels Frau Elisabeth.
Dank der Wohlhabenheit seines Vaters kam Albert Eitel in den Genuss einer gediegenen Ausbildung. Er absolvierte seine Studien an der Technischen Hochschule Stuttgart#Dressler 1930. sowie in Düsseldorf und Dresden. Danach war er Mitarbeiter in dem Architekturbüro Schilling & Graebner in Dresden und bei Alfred Messel in Berlin.#Dressler 1930 schreibt irrtümlich Adolf Messel. 1896 reiste er nach Chicago,#Amtsblatt 1953. wo er bei seinen Brüdern unterkam, und arbeitete in dem renommierten Architekturbüro D. H. Burnham and Company, damals das größte Architekturbüro in Chicago.#Dressler 1930 schreibt irrtümlich Burnheim und Root. Nachdem John Wellborn Root 1891 gestorben war, benannte Daniel H. Burnham sein Architekturbüro um in D. H. Burnham and Company (#Condit 1964, S. 108). Spätestens 1899 kehrte er nach Stuttgart zurück.Es ist nicht bekannt, wie lange er sich in Chicago aufhielt. – Ab 1899 wurden in Stuttgart die ersten Gebäude nach Entwürfen von Albert Eitel gebaut.
Familie Am 20. März 1902 heiratete Eitel die um sechs Jahre jüngere Elisabeth Hoffmann (1872–1961), eine Tochter des Stuttgarter Verlegers Julius Hoffmann (1833–1904).#Familienregister. Die Hochzeitsreise führte das Ehepaar nach Italien.Laut einem Eintrag im Gästebuch der Villa Allers auf Capri besuchten die beiden frisch Vermählten am 4. April 1902 in Capri den Maler Christian Wilhelm Allers, den Bruder von Emma Keitel, die mit dem Konsul Paul Keitel in Stuttgart verheiratet war (#Fahrenhorst 2009). Die Familie wohnte (außer um 1920) nacheinander in drei Häusern, die Albert Eitel nach eigenen Entwürfen und auf eigene Rechnung erbaute.
Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Lore Eitel (1903–1984) wurde Keramikerin und blieb unverheiratet.Grabinschrift des Familiengrabs von Albert Eitel (siehe Abbildung); #Adressbücher 1936–1041; #Kunst 1939 S. 159, 160. Hans Eitel (* 9. Juli 1906 in Stuttgart; † 15. Juli 1991 Sigmarszell) wurde ebenfalls Architekt und arbeitete mit seinem Vater in dessen beiden letzten Lebensjahren zusammen, danach als freier Architekt in Stuttgart. 1964 zog er nach Sigmarszell und setzte sich dort zur Ruhe.
Tod mini|Grab von Albert Eitel auf dem Pragfriedhof Stuttgart Albert Eitel starb nach kurzem Leiden am 25. August 1934 in Stuttgart#Merkur 1934.2. und wurde auf dem Pragfriedhof, Abteilung 16, beerdigt. Im gleichen Grab liegen auch seine Eltern, seine Frau und seine Tochter Lore. Der letzte Familienwohnsitz in der Pischekstraße 53 in Stuttgart wurde nach Albert Eitels Tod 1935 verkauft. Die Witwe und die beiden Kinder bezogen im gleichen Jahr das Haus Silberpappelweg 1 im Stadtbezirk Degerloch, das Hans Eitel entworfen hatte.#Adressbücher 1934–1936.
Werk Im Jahr 1899 begann Albert Eitel in Stuttgart seine Arbeit als freier Architekt. Bis zu seinem Tod 1934 baute er allein oder zusammen mit Eugen Steigleder, zuletzt auch mit seinem Sohn Hans über 100 Stadtvillen, Wohn-, Miet- und Siedlungshäuser, öffentliche Bauten und Geschäftshäuser, meist in Stuttgart und Umgebung. In dieser Zahl sind nur die Gebäude enthalten, die in Büchern und Zeitschriften Erwähnung fanden. Sein Haupttätigkeitsfeld war der Bau von Wohnhäusern und Villen (über 70 Gebäude und Siedlungen). Von den erhaltenen Gebäuden sind mindestens 40 in der Liste der Kulturdenkmale eingetragen.
Nach Dietrich W. Schmidt oszillierten Eitels Architekturauffassungen
Villen und Wohnhäuser Eitels bürgerliche Wohnhäuser sind zur Jahrhundertwende „noch deutlich von eklektizistischen Tendenzen geprägt, nehmen aber auch (z. B. 1902, 1904 in der Gänsheidestraße)Die Häuser Gänsheidestraße 15 (Baujahr 1903, nicht 1904) und 15a (Baujahr 1902). Modeströmungen wie die des „Swiss Cottage“Auch Schweizer-Chalet-Stil oder Schweizer Chaletarchitektur. auf, die sich in Material- und Farbenvielfalt der abwechslungsreichen Fassaden aus Werkstein, Putz und Fachwerk zeigen.“
Als eines von Eitels Hauptwerken (das er zusammen mit Steigleder entwarf) wird das Adelspalais der Villa Gemmingen in der Mörikestraße 12 in Stuttgart angesehen (1910–1911). Bauherr war Fritz von Gemmingen-Hornberg (1860–1924), der mit Gustav von Siegles Tochter Dora verheiratet war. Für Siegles Witwe Julie von Siegle (1845–1921) erbaute Eitel vor 1911 in unmittelbarer Nähe an der Stelle des heutigen Biergartens auf der Karlshöhe ein elegantes Gartenwohnhaus im Park der Villa Siegle. Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg unversehrt, wurde jedoch nach 1955 abgerissen und durch eine Unterstehhalle für die Bundesgartenschau 1961 ersetzt.#Hagel 1989. Neben der Villa Ostertag-Siegle in der Mörikestraße 24 legte Eitel für den Industriellen Carl von Ostertag-Siegle einen Park an, der sich an italienischen Terrassengärten der Renaissance orientierte. Aus der privaten Anlage ging 1950 das Städtische Lapidarium Stuttgart hervor.
Öffentliche Gebäude Als Gewinner eines „Preisausschreibens für ein Wirtschaftsgebäude am Kursaal in Cannstatt“ errichtete Albert Eitel 1906 bis 1908 den Jugendstilbau des Kleinen Kursaals, der sich harmonisch an den Großen Kursaal von Nikolaus von Thouret anschloss. Zusammen mit Steigleder baute er das Alte Schauspielhaus Stuttgart (1909) und den Wilhelmsbau des Karl-Olga-Krankenhauses (1910). Außerdem war Eitel an der Planung des UFA-PalastsObjektbeschreibung ehemaliger UFA-Palast – Konstruktion von 1925/26. In: baufachinformation.de, archiviert vom Original. in der Bolzstraße (1925) und des Hindenburgbaus gegenüber dem Hauptbahnhof beteiligt (1926–1929).
Geschäfts- und Verwaltungsbauten mini|hochkant=1.2| Verwaltungsgebäude der Papierfabrik Scheufelen in Oberlenningen, Baujahr vor 1915
Albert Eitel erbaute drei repräsentative (heute zerstörte) Geschäftshäuser in Stuttgart: 1906–1907: WMF-Geschäftshaus in der Königstraße 31B. Das Haus wurde in der Zeit von nur einem Jahr für 400.000 MarkNach dem Artikel Deutsche Währungsgeschichte#Mark (1871–1923) entsprachen 400.000 Mark um 1910 etwa 2 Millionen € (1 Mark = ca. 5 €). nach den Plänen von Albert Eitel und dem zehn Jahre jüngeren Architekten Eugen Steigleder erbaut.#Architektur 1911, Heft 3, S. 33–34, Tafel 67; #Bauformen 1908, S. 41–43, 48; #Pfleiderer 1929, Tafel 3; #Rundschau 1908, Heft 7, S. 56, Tafel 53–54. – Heute steht an der gleichen Stelle ein moderner Bau, der nach wie vor als Geschäftshaus der WMF dient. Dies war das erste Gebäude, das Eitel und Steigleder gemeinsam erbauten. 1908: Kaiserhof, Warenhaus Geschwister Knopf in der Marienstraße 10 in Stuttgart, zusammen mit Steigleder. Das Haus gehörte Emil Eitel. 1912: Württemberger Kunstgewerbehaus von Johannes Rominger (Romingerbau), ein Kaufhausgebäude in der Königstraße 35, das Eitels Vater und ihm selbst gemeinsam gehörte.#Adressbücher 1913–1914; #Bauhütte 1913, S. 596, 601; #Bauzeitung 1914, S. 165; #Häuselmann 1916, S. 125–126; #Neudeutsche 1914, S. 499, 504; #Rundschau 1913, Heft 8, S. IX–X, Tafel 126. – Emil und Albert Eitel verkauften das Haus 1918 an den Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein a. G. Albert Eitel behielt jedoch sein Büro in dem Hause bei.
In der Johannesstraße 86 baute Eitel 1916 ein Verwaltungsgebäude für die Landwirtschaftliche Genossenschafts-Zentralkasse, welches heute das Arbeitsgericht beherbergt. In den Jahren 1925 bis 1926 entwarf er die künstlerische Innenausstattung des Bismarck Hotel in Chicago und zusammen mit dem Architekturbüro Rapp and Rapp dessen Fassade.
Siedlungsbau Siehe auch: Albert Eitel, Siedlungsbau (Wikimedia Commons).
Außer Villen und Einfamilienhäusern baute Eitel auch Doppelhäuser und Hausgruppen, z. B. einen Block mit sechs Einfamilienhäusern in der Römerstraße 77–87 (1901–1902, siehe Abbildung). Von 1918 bis 1934 übernahm er mehrere Siedlungsbauprojekte, die er allein abwickelte oder an denen er zusammen mit anderen Architekten beteiligt war:
1918–1919: Wangener Kleinwohnungssiedlung, Carré aus 10 dreieinhalbstöckigen Miethäusern und 12 zweieinhalbstöckigen Einfamilienhäusern. 1919–1920: Durlehausiedlung in Stuttgart-Weilimdorf zusammen mit Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer, vier Häuserblocks mit anderthalbstöckigen Doppelhäuschen. 1922: Arbeitersiedlung der Kammgarnspinnerei Merkel & Kienlin in Esslingen. 1927–1928: Städtische Wohnsiedlung an der Sickstraße mit drei dreieinhalbstöckigen Doppelhäusern. 1933: Albert Eitel und sein Sohn Hans waren, neben 22 anderen Architektenbüros und Einzelarchitekten, am Bau der Kochenhofsiedlung mit einer Doppelhaushälfte beteiligt. 1934–1939: Albert Eitel und sein Sohn Hans bauten den Bauabschnitt Botnanger Straße 6–14 der Vogelsangsiedlung.
Nach Dietrich W. Schmidt ist im „Spätwerk der frühen 30er Jahre (… Kochenhofsiedlung … Vogelsangsiedlung) … eine deutliche Annäherung an die konservative Auffassung der Stuttgarter Schule von Paul Schmitthenner erkennbar.“
Eitel & Steigleder Mit dem Bau des WMF-Geschäftshauses 1906–1907 begann die Zusammenarbeit zwischen Albert Eitel und dem zehn Jahre jüngeren Architekten Eugen Steigleder. 1908 richtete Eitel im vierten Obergeschoss dieses repräsentativen Gebäudes sein Bureau für Architektur und Innenausstattung ein.#Adressbücher 1908. Bis zu diesem Jahr hatten Eitel und Steigleder außer dem WMF-Haus bereits fünf gemeinsame Projekte durchgeführt: den Bau zweier Villen und eines Doppelhauses sowie den Umbau des Schlosses Kleiningersheim und des Warenhauses Kaiserhof in Stuttgart. Im folgenden Jahr trat Steigleder formell in Eitels Bureau für Architektur und Innenausstattung ein.#Adressbücher 1909. Aus der darauffolgenden Zusammenarbeit von 1909 bis 1913 gingen noch einmal mindestens 15 Bauwerke hervor, von denen einige teilweise weithin Beachtung fanden.