Mendig ist eine Stadt im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz und Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Mendig. Die Stadt ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Geographie Lage Die Stadt Mendig liegt in der Osteifel unweit des Rheins, etwa fünf Kilometer vom Laacher See entfernt im Laacher Vulkangebiet.
Geologie Viele Schlackenkegel und besonders der Laacher-See-Vulkan haben seit etwa 450.000 Jahren immer wieder durch Vulkanausbrüche die Landschaft geformt. So sind die bekannten Niedermendiger Mühlsteinbrüche in einem vor etwa 200.000 Jahren aus dem unweit des Laacher Sees gelegenen Vulkan Wingertsberg ausgetretenen Lavastrom angelegt worden. Die großen Lavakeller (Felsenkeller), heute eine der Attraktionen der Stadt, entstanden beim Basaltabbau der Mendiger Mühlstein-Lava. Die Lava ist von etwa 30 m Löss und Bimstuffen des Ausbruchs des Laacher See-Vulkans vor ca. 13.000 Jahren überlagert und wurde deshalb seit der Römerzeit (durch Münzfunde belegt) unterirdisch abgebaut.Wilhelm Meyer: Geologie der Eifel. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1986, ISBN 3-510-65127-8, S. 400.
Stollen im Berg Die temperaturstabilen Stollen (5–8 °C) wurden nach dem Niedergang der Mühlsteinindustrie aufgrund der Einführung von Stahlwalzen im Mühlenwesen ab 1843 zu Gär- und Lagerkellern für zeitweise 28 Brauereien. Mendig hat wegen dieser hohen Zahl von Brauereien bis heute den Ruf einer „Bierbrauerstadt“. Heute ist noch eine Brauerei ortsansässig und braut für die eigene Gaststätte und Abnehmer aus der Region. Die ehemaligen Bierkeller sind teilweise für Besucher zugänglich.
Stadtteile Mendig gliedert sich in die beiden Stadtteile Niedermendig und Obermendig. Zu Niedermendig gehören die Wohnplätze Brauerhof, Laachermühle, Laacherseehaus (Jugendherberge), Leimbachsmühle, Mathildenhof und Gewerbepark Flugplatz Mendig; zu Obermendig die Wohnplätze Elisabethbrunnen, Erlenmühle, Maxeimsmühle und Roderhöfe.
Berge Die höchsten Erhebungen der Stadt sind die Berge Hochstein (zwischen Obermendig und Rodder Höfe) mit und Schmitzkopf (bei Rodder Höfe) mit .
Geschichte Mendig wurde im Jahr 1041 als menedich erstmals urkundlich erwähnt.
Seit der Römerzeit bis in das 19. Jahrhundert blühte Mendig dank des Abbaus und der Verarbeitung der Basaltlava, vor allem als Mühlstein und für Werksteine. Mendiger Basaltlava ist bis heute ein Begriff für einen festen, beständigen Werkstein. Im 19. Jahrhundert wurden die unterirdischen Steinbrüche als Gär- und Lagerkeller für 28 Mendiger Brauereien genutzt.
In Niedermendig bestand eine jüdische Gemeinde von etwa 1760 bis 1938, eine Synagoge wurde 1886 eingeweiht. Um 1924 waren die Gemeindevorsteher Simon May und Moses Eggener, 1932 Moritz May und Julius Lukas. Als Lehrer kam Albert Levy aus Mayen regelmäßig nach Niedermendig. Er hatte im Schuljahr 1931/1932 vier Kinder in Niedermendig in Religion zu unterrichten: Günther Lukas, Hella Meyer, Alice Meyer, Edith Falk. Von ihnen hat nur Günther Lukas die NS-Zeit überlebt. 1933 lebten noch 40 jüdische Personen in Niedermendig. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert, vornehmlich nach Holland, in die USA und nach Südamerika. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört. Wer daran von den Mendiger Bürgern beteiligt war, ist unbekannt. Im Jahr 1938 wurden auch die letzten sieben jüdischen Mendiger deportiert und ermordet. Heute steht an der Stelle der damaligen Synagoge ein Gedenkstein.
Am 6. August 1950 erhielt Niedermendig als erste Gemeinde im neuen Rheinland-Pfalz die Stadtrechte. Durch Beschluss des Stadtrates von Niedermendig und des Gemeinderates von Obermendig wurde am 7. Juni 1969 die Stadt Mendig gebildet.
Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Mendig; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.842 1835 2.756 1871 3.748 1905 5.532 1939 5.517 1950 6.159 1961 7.267 1970 7.988 Jahr Einwohner 1987 7.281 1997 8.268 2005 8.736 2011 8.634 2017 8.832 2022 9.128 2024 9.034 mini|hochkant=1.5|Einwohnerentwicklung von 1815 bis 2024
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Mendig besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP Gesamt 2024 6 13 5 – 24 Sitze 2019 8 11 5 – 24 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 10 11 3 – 24 Sitze 2009 10 11 2 1 24 Sitze 2004 8 14 1 1 24 Sitze
Bürgermeister Achim Grün (CDU) wurde am 9. Juli 2024 Stadtbürgermeister von Mendig. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er mit 55,3 % der Wählerstimmen im ersten Wahlgang gewählt worden. Er löste Hans Peter Ammel (SPD) ab, der das Amt seit 2009 innehatte und 2024 nicht mehr angetreten war. So setzte sich Achim Grün (CDU) im ersten Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 63,2 % gegen Edgar Willi Girolstein (Grüne) und Claudia Marbach-Mais (SPD) mit einer absoluten Mehrheit durch.
Wappen
Städtepartnerschaften Die Stadt Mendig pflegt seit 1966 eine Partnerschaft mit der Stadt Yerres in Frankreich.
Infrastruktur Versorgung Es gibt sowohl Einzelhandelsgeschäfte als auch einige Supermärkte in der Stadt, Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen, vier Kindergärten, einen Jugendtreff, eine Grundschule und seit August 2010 die 'Realschule plus' in Mendig, welche aus der Fusion der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Realschule und der ehemaligen Geschwister-Scholl-(Haupt)Schule hervorgegangen ist. Seit 2012 kam die Fachoberschule hinzu, so dass die Schüler unter einem Dach die Berufsreife, den qualifizierten Sekundarabschluss I und die Fachhochschulreife erreichen können.
Straßen Mendig liegt an der Bundesautobahn 61, unmittelbar bei der Anschlussstelle Mendig. Die Bundesstraße 256 und die Bundesstraße 262 verlaufen nah am Stadtgebiet und verbinden Mendig mit Maria Laach, Mayen und Andernach.
Eisenbahn mini|Bahnhof Mendig Der Bahnhof Mendig liegt an der Eifelquerbahn und wird von der Lahn-Eifel-Bahn (Kaisersesch-Mayen-Andernach-Koblenz Hbf-Niederlahnstein-Bad Ems-Diez-Limburg an der Lahn) bedient. Hier verkehren nach dem Rheinland-Pfalz-Takt die Regionalbahnlinien RB 23 und RB 38 der DB Regio täglich im Stundentakt. Durch die Lage von Mendig im Landkreis Mayen-Koblenz gilt der Tarif des Verkehrsverbund Rhein-Mosel VRM.
Buslinien Regelmäßige Buslinien verkehren von/nach Andernach/Neuwied und Koblenz und nach Mayen (nach Westen). Die Stadt gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel an. Auch überregional ist sie mit Buslinien anderer Verkehrsbetriebe über den 2021 geschaffenen Zentralen Busbahnhof und auch mit Fernbussen angebunden, deren Direktverbindungen zum einen innerhalb Deutschlands mit der Linie über Bonn-Köln-Düsseldorf führen oder nach Trier, aber auch ins europäische Ausland nach Luxemburg, verschiedenen Städten in Frankreich (wie Metz oder Dijon) und bis nach Barcelona in Spanien.
Flugplatz Von 1958 bis 2007 war Mendig Garnisonsstadt. In der Gunther-Plüschow-Kaserne waren Heeresflieger der Bundeswehr mit Transport- und Verbindungshubschraubern stationiert, zuletzt die Heeresfliegerbrigade 3. Die Bundeswehr hat den Flugplatz Mendig im Zuge der Transformation aufgegeben.
Der Flugplatz hat nun eine Zulassung als ziviler Flugplatz (Sonderlandeplatz), den die Flugplatz Mendig GmbH mit der Stadt Mendig als Hauptgesellschafter betreibt.
Der Flugplatz wird für wiederkehrende Veranstaltungen genutzt. Dazu zählt die seit 2024 jährlich stattfindende Jalsa Salana der Ahmadiyya Muslim Jamaat.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Übersicht mini|Der Lava-Dome in Mendig mini|Die Lavakeller 32 m unter Mendig
Im Rahmen des Eifeltourismus gilt neben geologisch interessanten Landschaftsteilen auf Gemeindegebiet auch die Mendiger Innenstadt mit ihrer typischen Basaltarchitektur als sehenswert. Seit 1987 ist die Stadt Sitz der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Mendig
Lava-Dome Das Deutsche Vulkanmuseum Mendig „Lava-Dome“ in der Trägerschaft der Stadt Mendig, das auf die erdgeschichtliche Entstehung der Region, den Mendiger Basaltabbau und Vulkanologie spezialisiert ist, zieht seit Eröffnung im Sommer 2005 zahlreiche auswärtige Besucher an. Im August 2023 konnte hier von Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel der Millionste Besucher begrüßt werden. Lavakeller In den unterirdischen Felsenkellern, dem größten Basaltlava-Bergwerk der Welt, das sich über eine Fläche von mehr als 3 Quadratkilometern in über 30 Metern Tiefe unter der Stadt ausdehnt, wurde vor allem Material für Mühlsteine und Werksteine gewonnen. Bereits seit der Besiedlung durch die Römer bis ins 19. Jahrhundert brachte der Abbau und die Verarbeitung über und unter Tage den Mendiger Familien Arbeit und Wohlstand. Die Lavakeller, die durch den untertägigen Basaltlavaabbau entstanden sind, können im Rahmen von Führungen des Vulkanmuseums Lava-Dome und in der letzten verbliebenen Brauerei, dem Vulkan Brauhaus, besichtigt werden.
Brauwesen im 19. Jahrhundert Die gleichbleibend niedrige Temperatur von 6 bis 9 °C und die konstante Luftfeuchtigkeit von 72 % in den Lava-Kellern – boten im 19. Jahrhundert ideale Bedingungen als Gär- und Lagerkeller für 28 Brauereien, die sich in Mendig ansiedelten. Diese verhalfen der Ortsgemeinde Niedermendig zu überregionaler Bekanntheit als Bierbrauerstadt. Erst mit der Erfindung der Kühltechnik durch Carl Linde im Jahr 1876 wurde diese natürliche Kühlungsmöglichkeit überflüssig und die Brauereien wanderten nach und nach wieder ab. Heute existiert nur noch das Vulkan-Brauhaus (ehemals Wölker-Brauerei), welches bis heute naturbelassene, unfiltrierte Biere nach dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut, in den historischen Kellern gelagert und vermarktet werden.
Aus dieser traditionsreichen Historie ergab sich seit 1973 eine Festivität, welche Gambrinus, den Gott des Bieres, alle zwei Jahre würdigt und feiert (siehe Veranstaltungen).
Museumslay Die Museumslay ist eine Freiluftausstellung zum Basaltabbau und zur Basaltverarbeitung mit vielen historischen Ausstellungsstücken, die den historischen Abbau und die Steinbearbeitung nur von Menschenhand in den letzten 2000 Jahren begreifbar machen.
Kirchen Katholische Pfarrkirche St. Cyriakus in Niedermendig
mini|Pfarrkirche St. Cyriakus in Niedermendig Die katholische Pfarrkirche St. Cyriakus im Stadtteil Niedermendig bildet ein Ensemble aus einer kleinen, gewölbten, dreischiffigen Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert und einer großen neogotischen Hallenkirche.
Die alte Kirche ist Cyriakus von Rom, die neue Cyriakus und Barbara geweiht. Cyriakus ist als einer der 14 Nothelfer Patron gegen Versuchung und Besessenheit sowie Patron der Schwerstarbeiter. Barbara ist Patronin der Bergleute. Beide wurden von den Steinhauern in Mendig besonders verehrt.
Die dreischiffige romanische Basilika wurde zwischen 1166 (1175) und 1186 erbaut. Das Gewölbe und ein größerer Teil des Dachstuhls stammen aus dieser Zeit. Noch im Jahr 1216 war der Westturm im Bau, der 1474 aufgestockt wurde. Um 1460 wurde an den Chor noch eine gotische Kapelle angebaut.