Flechtingen ist eine Gemeinde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Sie ist Mitgliedsgemeinde und zugleich Hauptsitz der Verbandsgemeinde Flechtingen sowie staatlich anerkannter Luftkurort.

Geografie Lage Flechtingen liegt im Nordwesten des Landes Sachsen-Anhalt im Gebiet des waldreichen Flechtinger Höhenzuges. Bis auf eine Öffnung nach Norden ist der Ort von Wäldern umgeben. In der Ortslage befindet sich der 13 Hektar große Schloßteich, der vom nach Norden abfließenden Spetzebach gespeist wird. Während der Ortskern zwischen 96 und 100 Metern Seehöhe liegt, steigt das Gelände in westlicher Richtung bis auf 130 Meter an. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen liegen östlich und nördlich des Ortes. Im Südwesten liegt ein seit Jahrhunderten genutztes Hartgesteinvorkommen.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Flechtingen gehören folgende Ortsteile: Behnsdorf Belsdorf Böddensell Flechtingen Flechtingen Bahnhof Hasselburg Hilgesdorf Lemsell

Geschichte mini|Ortsmitte mini|Wasserburg Flechtingen um 1857/58, Sammlung Alexander Duncker Flechtingen gehört zu den ältesten Orten der Altmark. Er wird bereits 961 in einer für das Magdeburger Moritzkloster bestimmten Schenkungsurkunde von König Otto I. erwähnt und gehörte seinerzeit zum Nordthüringgau. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert befand sich Flechtingen im Besitz des Bistums Halberstadt, das den Ort nach und nach vollständig an die ursprünglich Magdeburger Adelsfamilie Schenck als Lehen vergab. 1307 werden die Schencken als Inhaber der Wasserburg genannt, es ist die erste Erwähnung der Burg. Die Familie, zunächst als Schenck von Dönstedt genannt, nahm später den Namen Schenck von Flechtingen an. Im Laufe des 14. Jahrhunderts ging Flechtingen in den landesherrlichen Besitz der brandenburgischen Markgrafen über, unter denen die Schencken von Flechtingen 1442 Erbkämmerer und Erbschatzmeister wurden. Sie waren bereits 1436 als eines der acht schlossgesessenen Geschlechter der Altmark genannt, zusammen mit den Alvensleben, Bartensleben, Bismarck, Jagow, von dem Knesebeck, Platen sowie von der Schulenburg, die unmittelbar dem Landeshauptmann unterstanden und vom Kaiser und den Markgrafen als zum Heeresstande gehörend das Prädikat Edle bekamen.

1483 wurden Burg und Dorf von einem Großfeuer fast vollständig zerstört. Die von Schencks begannen jedoch noch im selben Jahr mit dem Wiederaufbau. Während des Dreißigjährigen Krieges lag das Dorf zwischen den Fronten der kaiserlichen und der dänischen Truppen. Im Sommer 1629 besetzte Wallenstein den Ort, der am 1. August 1631 samt Burg von seinen Soldaten vollständig ausgeplündert wurde.

Seit dem 16. Jahrhundert war Flechtingen administrativ dem Holzkreis des Erzstiftes Magdeburg unterstellt. Nach der Säkularisation des Erzstiftes übte das Herzogtum Magdeburg die landesherrliche Gewalt aus, bis dieses 1701 in das Königreich Preußen überging. Von 1807 bis 1813 gehörte der Ort zum Kanton Calvörde des vom Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte, regierten Königreichs Westphalen. Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Flechtingen in den Landkreis Gardelegen eingegliedert. Der Ort begann sich industriell zu entwickeln. Von großer Bedeutung war das Hartgesteinvorkommen des Flechtinger Steinbruches, das bereits für den Bau des Magdeburger Domes Verwendung gefunden hatte. Mit der Eröffnung des Eisenbahnabschnittes Neuhaldensleben – Oebisfelde 1872 erhielt Flechtingen einen eigenen Bahnhof, allerdings in drei Kilometern Entfernung vom Ortskern. Hier entstand im Laufe der Jahre der Ortsteil Flechtingen-Bahnhof.

Vom Bahnanschluss profitierte neben dem Steinbruch das Schenck’sche Gut. Bereits 1853 war mit Karl Schenck von Flechtingen das letzte männliche Mitglied der Gutsherrenfamilie gestorben und damit der Schencksche Familienstamm ausgestorben. 1869 erhielt jedoch der Adoptivneffe Eduard von Peucker von Schenck (1823–1897) die Genehmigung, künftig das Gut weiterzuführen, und wurde neuer Gutsherr auf Flechtingen. Eduard von Schenck war Fideikommissherr und verheiratet mit Elisabeth von Treskow-Chodowo, die der briefadeligen Seite derer von Treschow entstammt. Der Gutsbezirk mit Gut und Vorwerk hatte 1910 konkret 185 Einwohner, während die Landgemeinde Flechtingen zu diesem Zeitpunkt 878 Einwohner zählte. Am 30. September 1928 wurde Hauptteil des Gutsbezirks Flechtingen (der vorher eigenständige kommunale Einheit war) mit der Landgemeinde Flechtingen vereinigt und das Vorwerk Damsendorf mit der Landgemeinde Belsdorf. Als Wirtschaftsbetrieb existierte das Schenck’sche Gut bis 1945. Zum Majorat, der Festlegung der Erbfolge an den ältesten direkten Nachkommen, Flechtingen gehörten Rittergüter Hilgesdorf, Damsendorf und Böddensell, gesamt etwa 2364 ha Land. Letzter Grundbesitzer war der Forstwirt Jakob von Schenck (1866–1948).

Im Rahmen der von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten Bodenreform wurden der Landbesitz und das Schloss 1945 enteignet. Die Ländereien wurden aufgesiedelt und an Neubauern vergeben, das Schloss diente zunächst ausgebombten Familien und Flüchtlingen aus den Ostgebieten als Wohnraum.

Flechtingen, das 1939 922 Einwohner zählte, war im April 1945 zuerst von amerikanischen, anschließend von britischen Truppen besetzt worden. Am 1. Juli 1945 wurde der Ort an die sowjetischen Besatzungstruppen übergeben. Neben der Bodenreform traten 1949 nach der Gründung der DDR weitere tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen ein. Die Flechtinger Steinbrüche wurden verstaatlicht und zum Betriebsteil des Volkseigenen Betriebes „VEB Zuschlagstoffe Haldensleben“. Als einer der größten Arbeitgeber entwickelte sich der Dämmstoffe produzierende VEB MIWOLL. Besonders einschneidend waren die Veränderungen in der Landwirtschaft. Im Jahr 1952 wurde in Flechtingen von drei Kleinbauern die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) namens „Frieden“ gegründet. Sie gab bereits 1953 wegen Unwirtschaftlichkeit wieder auf, und erst 1960 war nach massivem Druck der staatlichen Behörden Flechtingen „vollgenossenschaftlich“ geworden.https://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/mahlich-wolfgang-1999-06-25/HTML/mahlich-ch2.html Damit gaben auch die noch verbliebenen Züchter des Deutschen Edelschweins auf, die noch in den 1950er Jahren Herdbuchzucht betrieben hatten. Von besonderer Bedeutung für die landwirtschaftlichen Betriebe der umliegenden Region war die 1952 gegründete Maschinen-Traktoren-Station (MTS). 1964 hatte sich die Zahl der Einwohner Flechtingens auf 1280 erhöht.

Die politischen Wende von 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachten erneut einschneidende Veränderungen mit sich. Landwirtschaft und Industrie wurden wieder privatisiert, die Norddeutsche Naturstein GmbH übernahm den Steinbruch, die Rockwool GmbH das Mineralwollewerk, die MEDIAN-Gruppe errichtete 1993 und 1995 zwei neue Rehabilitationskliniken. Pläne, das Wasserschloss zu einem Hotel umzubauen, scheiterten bisher.

Flechtingen wurde 1999 als Luftkurort staatlich anerkannt.

Seit der DDR-Verwaltungsreform von 1952 lag Flechtingen bis 1994 im Kreis Haldensleben (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Gemeinde zum Ohrekreis, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Landkreises Börde.

1994 bis 2005 war Flechtingen Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Flechtinger Höhenzug und von 2005 bis 2010 der Verwaltungsgemeinschaft Flechtingen.

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Behnsdorf, Belsdorf, Böddensell und Flechtingen zur neuen Gemeinde Flechtingen zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Diese wurde Mitgliedsgemeinde und Sitz der ebenfalls am 1. Januar 2010 gegründeten Verbandsgemeinde Flechtingen. (PDF; 3,5 MB)

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1.708 2005 1.832 2010 2.794 2015 2.857 2020 2.819 Jahr Einwohner 2021 2.812 2022 2.722 2023 2.694 2024 2.690 2025 2.646

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Religion 29 % der Einwohner von Flechtingen sind evangelisch, 2 % katholisch. Die Kirchen in Behnsdorf und Belsdorf gehören zum Pfarramt Behnsdorf, die Dorfkirche Flechtingen zum Pfarramt Flechtingen im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die wenigen Katholiken sind der Pfarrei St. Christophorus mit Sitz in Haldensleben zugehörig, deren nächste Kirchen die Heilig-Kreuz-Kirche in Calvörde, St. Liborius in Haldensleben sowie St. Josef und St. Theresia vom Kinde Jesu in Weferlingen sind.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Flechtingen besteht aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Wählergemeinschaft Gemeinde Flechtingen 56,9 % 8 39,6 % 6 AfD 9,0 % 1 17,6 % 2 CDU 12,8 % 2 13,3 % 2 Behnsdorfer Wählerliste – – 12,5 % 2 SPD 15,0 % 2 9,8 % 1 Die Linke 6,2 % 1 3,7 % 1 Einzelbewerber Dietmar Schrenke – – 2,1 % – Einzelbewerber Nils Rademacher – – 1,5 % – Insgesamt 100 % 14 100 % 14

Bürgermeister 1992–2017: Dieter Schwarz 2017–2022: Tim Krümmling (CDU) seit 2022: Mirko Buttgereit

Krümmling wurde bei der Bürgermeisterwahl am 23. Oktober 2016 mit 71,2 % der gültigen Stimmen gewählt. Er wurde im April 2022 zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flechtingen gewählt.

Buttgereit wurde bei der Bürgermeisterwahl am 17. Juli 2022 mit 62,2 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 17. Juli 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.

Wappen Das Wappen und die Flagge wurden am 18. August 2015 durch den Landkreis Börde genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf einem, mit silberner Wellenleiste belegten grünen Dreiberg ein gezinntes, schwarzgefugtes rotes Burgportal, im offenen Torbogen ein gestürztes grünes Lindenblatt.“

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Die Farben der Gemeinde sind Rot - Weiß.

Wappen des Ortsteils Flechtingen

mini|hochkant=0.6|Wappen von Flechtingen Blasonierung: „In Silber eine gezinnte rote Mauer, dahinter wachsend ein gezinnter roter Turm, begleitet von zwei aus der Mauer wachsenden grünen Kastanienbäumen, in der Toröffnung ein blaues Wasser.“

Die Blasonierung geht auf einen Beschluss der Gemeindevertretung von Flechtingen zurück, wonach „nunmehr gültige und für den Ort verbindliche Insignien zu tragen. Wappensymbol soll dabei das Flechtingen prägende Wasserschloss sein. Im neu geschaffenen Wappen wird das Wasserschloss durch einen aus einer Zinnenmauer wachsenden Zinnenturm dargestellt. Der Turm wird von je einem Kastanienbaum begleitet. Diese nehmen sowohl Bezug auf die gewaltigen und sehr alten Bäume, die den Zugang zum Schloss säumen, als auch auf die landschaftliche Lage von Flechtingen, das am Flechtinger Höhenzug liegt.“

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und dem Genehmigungsverfahren zugeführt. Es wurde am 26. Februar 1996 vom Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt und 1996 im Landeshauptarchiv Magdeburg hinterlegt.

Flagge Flaggenbeschreibung: „Die Flagge ist rot - weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt, das auf der Flagge zusätzlich eine weiße Außenkontur hat.“

Flagge des Ortsteils Flechtingen

Die Flagge ist rot-weiß gestreift mit dem aufgelegten Wappen.

Sehenswürdigkeiten

Wasserburg mini|Wasserburg Flechtingen mini|Kirche mini|Schlossmühle