Leopold Breitenecker (* 14. April 1902 in Wien;Meldezettel: Leopold Breitenecker, geboren 14.04.1902, Wiener Archivinformationssystem, abgerufen am 19. November 2016. † 22. November 1981 ebenda) war ein österreichischer Nationalsozialist und Gerichtsmediziner.
Leben Leopold Breitenecker studierte an der Universität Wien und promovierte 1928 zum Dr. med. Er war seit 1920 Mitglied der Akademischen Burschenschaft Markomannia Wien,Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 56. einer schlagenden und deutschnationalen Studentenverbindung. Schon während seines Studiums arbeitete er bei Carl Sternberg an der Wiener Allgemeinen Poliklinik; 1929 wurde er dessen Assistent. 1930 wechselte er zu Albin Haberda (1868–1933) ans Wiener Institut für gerichtliche Medizin, wo er später auch Schüler Fritz Reuters (1875–1959) wurde. Er gehörte dem Freikorps „Ostmark“ an und war dadurch nicht nur früher Nazi, sondern auch Illegaler Nationalsozialist. Am 23. Mai 1938 beantragte er die Wiederaufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres, das Symboldatum der österreichischen Illegalen, aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.150.214).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4351602Ingrid Arias: Die Wiener Gerichtsmedizin im Dienst nationalsozialistischer Biopolitik. Abgerufen am 19. November 2016. Wiederaufnahme deshalb, weil der NS-Staat seine treuesten Streiter in einer zentral verwalteten Datei geführt wissen wollte und dies von Österreich aus bis zum Anschluss nicht möglich war.
Breitenecker habilitierte sich 1939 und wurde 1944 außerordentlicher Professor am Institut für Gerichtsmedizin.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 74. In der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich war er Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der Gauleitung Wien und Arzt für rassen- und erbkundliche Schulungen bei der Hitlerjugend und somit zentral mit der rassenpolitischen Ideologie des NS-Staates verwoben.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er zuerst aus dem Hochschuldienst suspendiert. Danach war er von 1945 bis 1956 als Prosektor im KH Wiener Neustadt tätig. Im Jahr 1956 wurde er zum Leiter des Volksgesundheitsamtes im Bundesministerium für soziale Verwaltung bestellt.
Ab 1953 war er als Privatdozent an der Universität Wien tätig, ab 1956 als außerordentlicher Professor und von 1959 bis 1973 gar als ordentlicher Professor (so wie andere Illegale, die ex lege nicht mehr in den Universitätsdienst zurückkehren hätten dürfen, z. B. Otto Höfler, Eberhard Kranzmayer, Richard Wolfram). Von 1959 an war er auch Vorstand des Gerichtsmedizinischen Instituts Wien. Zudem war er Landesgerichtsarzt und 1964/65, zur 600-Jahr-Feier der Universität Wien, Dekan der Medizinischen Fakultät. Des Weiteren war er Präsident des Landessanitätsrates und begründete die Österreichische Gesellschaft für gerichtliche Medizin, deren Ehrenpräsident er wurde. Ihm folgte Wilhelm Holczabek. Im Jahr 1967 war er Präsident des V. International Academy of Legal Medicine-Kongresses in Wien.
Breitenecker verfasste Schriften zur Pathologie des plötzlichen Todes, des gewaltsamen Todes, der Kohlenoxyd- und Alkoholintoxikation, der ärztlichen Kunstfehler, der Silikose, der ärztlichen Fortbildung und medizinhistorische Artikel. Er war Herausgeber der „Beiträge zur gerichtlichen Medizin“, Mitherausgeber der „Deutschen Zeitschrift für gerichtliche und soziale Medizin“, Mitglied des Obersten Sanitätsrates, der internationalen Akademie für gerichtliche und soziale Medizin und der österreichischen Studiengesellschaft für Atomenergie.
Breitenecker meinte 1967 in einem entlastenden Gutachten, erstattet für einen Prozess gegen Vergasungsärzte, über den Gaskammertod: „Es ist sicherlich eine der humansten Tötungsarten überhaupt.“Ks 1/66 GStA Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt a. M.
Er wurde am Döblinger Friedhof bestattet.
Auszeichnungen 1961: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB) 1973: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB) 1977: Ehrenring der Stadt Wien
Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsmediziner Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Ehrenringträger der Stadt Wien Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1981 Kategorie:Mann