mini|Dornier Do 23, u. a. im KG 455 in Giebelstadt ab Sommer 1935 Der Flugplatz Giebelstadt ist ein Verkehrslandeplatz 16 Kilometer südlich von Würzburg.
Geschichte des Flugplatzes Fliegerhorst der Wehrmacht Der Flugplatz wurde 1935 als Fliegerhorst von der Luftwaffe erbaut und am 17. September 1936 bei einer Truppenparade von Adolf Hitler eröffnet. Die ersten stationierten Flugzeuge waren Bomber des Typs Dornier Do 23, die zum Kampfgeschwader 455 Fliegergruppe Giebelstadt gehörten. Im Juli 1938 wurden die Heinkel He 111 Bomber der III. Gruppe des Kampfgeschwaders 355 vom Flugplatz Illesheim nach Giebelstadt verlegt. Aus der III. Gruppe des KG 355 ging am 1. Mai 1939 durch Umbenennung die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 53 (III./KG 53) hervor, welche auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Giebelstadt stationiert war. Vom Flugplatz Giebelstadt aus wurden im Zweiten Weltkrieg etliche Einsätze an die Front in Frankreich geflogen; außerdem wurden hier unter strenger Geheimhaltung die ersten Versuche mit der düsengetriebenen Messerschmitt Me 262 und der raketengetriebenen Messerschmitt Me 163 gestartet. Um diese Tests geheim zu halten, wurde der Name „Giebelstadt“ von allen deutschen Landkarten gestrichen. Der Flugplatz Giebelstadt wurde gegen Kriegsende das Ziel schwerer Bombenangriffe. Die Schäden am Fliegerhorst wurden dann 1944 durch Häftlinge des KZ Flossenbürg repariert und diese auch zum Ausbau des Fliegerhorstes eingesetzt.
Die folgende Tabelle listet vollständig alle fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe auf, die hier zwischen 1937 und 1945 stationiert waren.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–1945 Germany (1937 Borders), S. 218–220, abgerufen am 29. August 2014
Von Bis Einheit AusrüstungOktober 1935April 1936Kampfgeschwader 455 „Fliegergruppe Giebelstadt“ Dornier Do 23, Junkers Ju 52, Junkers W 34 April 1936Februar 1938I./KG 155 (I. Gruppe des Kampfgeschwader 155) Dornier Do 23, Dornier Do 17EJuli 1938Mai 1939III./KG 355 Heinkel He 111E, He 111HMai 1939Februar 1940III./KG 53 Heinkel He 111HFebruar 1940Mai 1940I./KG 2 Dornier Do 17ZOktober 1940März 1941I./KG 76 Dornier Do 17Z, Junkers Ju 88AJuni 1941Juni 1941III./KG 1 Junkers Ju 88ADezember 1941Januar 1942Stab, I./KG 77 Junkers Ju 88A-4April 1942Mai 1942II./KG 76 Junkers Ju 88A-4, Ju 88C-6August 1944September 1944III./KG 100 Dornier Do 217K-2, Do 217K-3, Do 217M-1, Do 217E-5August 1944März 1945Stab, I./KG(J) 54 Messerschmitt Me 262A-2, Me 262B-1März 1945März 1945Stab, I./KG 51 Messerschmitt Me 262A-1, Me 262A-2
Giebelstadt Airfield/Air Base/Army Airfield Noch vor der Kapitulation der Wehrmacht wurde der Flugplatz am 3. April 1945 von Truppen der amerikanischen 12th Armored Division eingenommen und am 5. April von den United States Army Air Forces (USAAF) als Advanced Landing Ground ALG Y-90 ausgewiesen und als Einsatzflugfeld von der Ninth Air Force der United States Army Air Forces in Betrieb genommen. Sie nutzte ihn zunächst bis zum 21. Mai 1945 als Jägerflugplatz mit Republic P-47 Thunderbolt und Northrop P-61 Black Widow.
Ab dem 9. Mai 1945 wurde der Platz in „AAF Station Giebelstadt“ umbenannt und permanent betrieben. Später wurde der neue Name in „Giebelstadt Army Airfield“ geändert und schließlich in „Giebelstadt Airfield“. mini|USAFE Douglas RB-66B Destroyer der 1st TRS (Tactical Reconnaissance Squadron), 10th TRW, aus Alconbury (UK) in Giebelstadt, Juni 1961 Im Jahr 1947 wurde die Landebahn auf ihre jetzige Länge ausgebaut. Stationiert waren hier unter anderem U2-Spionageflugzeuge. Vom 15. Januar 1948 bis 1950 war der Flughafen geschlossen und nur mit einer Wachmannschaft besetzt. Die United States Air Forces in Europe nutzten den Platz bis 1968.
Später wurde der Flugplatz durch Raketeneinheiten der US-Armee und durch die Bundeswehr genutzt. Ab 1981 waren in Giebelstadt Hubschrauberverbände der United States Army stationiert.
Zivile (Mit-)Nutzung mini|Flugplatz im Jahr 2012
Bereits in den 1980er Jahren wurden auf dem Flugplatz verschiedene Rennen ausgetragen. Dies waren Motorradrennen in verschiedenen Klassen, veranstaltet durch den ADAC-Ortsclub Würzburg, aber auch Dragsterrennen, die von der Hanau Auto Racing Association (H.A.R.A.) veranstaltet wurden.
Im Jahr 1994 wurde durch die US-Amerikaner auch die zivile Mitbenutzung des Flugplatzes erlaubt, die am 23. Juni 2006 endgültig abzogen. Bis 2003 wurde die Start- und Landebahn durch den Freistaat Bayern saniert.NATO Flugplatz Giebelstadt; Sanierung der Start- und Landebahn abgerufen am 25. April 2018 Von 2009 bis 2011 wurden 16 Tonnen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt.Christiane Gläser: Die Bombensuche geht zu Ende. In: Wertheimer Zeitung vom 3. Januar 2012 In der Zeit von 2006 bis 2009 wurde der Sport- und Geschäftsflugbetrieb von den ansässigen Flugsportvereinen, zeitweise durch ehrenamtliche Tätigkeiten, aufrechterhalten.
Der Flugplatz wurde anschließend von einer Holdinggesellschaft erworben, die aus dem Markt Giebelstadt und dem Unternehmen Knauf besteht.
Die Nutzung des Flugplatzes ist auch der „Zivile Mitbenutzung Flugplatz Giebelstadt GmbH“ möglich, einem Zusammenschluss der Unternehmen Knauf, s.Oliver und der Südzucker AG.
Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde der Mannschaftstransfer zu diversen Spielaustragungsorten abgewickelt. So flog die Nationalmannschaft von Ghana, welche während der WM ihr Quartier in Würzburg hatte, von Giebelstadt aus zu ihren Spielen. Auch die in Bad Kissingen einquartierte Nationalmannschaft von Ecuador nutzte diese Einrichtung.
Im Januar 2010 erteilte das Luftamt Nordbayern die Genehmigung für den Betrieb des Flugplatzes Giebelstadt als Verkehrslandeplatz. Es dürfen maximal 7500 Flugbewegungen pro Jahr stattfinden; der Flugbetrieb ist nur zwischen 6 und 22 Uhr gestattet. Im Januar 2012 wurde für beide Anflugrichtungen ein satellitengestütztes Instrumentenanflugverfahren eingeführt; bodengebundene Funknavigations- und Landehilfen besitzt der Platz nicht. Ein Flugplatzinformationsdienst wird unter dem Rufzeichen „Giebelstadt Information“ bereitgestellt; die Anflugkontrolle nehmen Langen Radar und Stetten Radar wahr.
Bekanntheit erlangte der Flugplatz unter anderem durch einen Wetterballonaufstieg von Schülern des Friedrich-Koenig-Gymnasiums, die Videoaufnahmen aus der Stratosphäre machten.Ballon steigt in die Stratosphäre (Main-Post)
mini|Bombardier Global 5000 mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier Im Jahr 2006, wie auch im Dezember 2012 erneut, wurde bekannt, dass der Billigfluganbieter Ryanair Giebelstadt in seinen Flugplan aufnehmen wolle. Entsprechende Anfragen von Ryanair wurden durch die Betreiber des Giebelstadter Flugplatzes wiederholt abgelehnt. Unter anderem wurde festgestellt, dass derartige Flüge technisch und luftrechtlich nicht möglich seien. Mainfranken24.de, abgerufen am 14. Dezember 2015
Im Mai 2026 landete ein Bombardier Global 5000 mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hier und holte ihn am nächsten Tag wieder ab.
Zwischenfälle Am 9. Juli 1947 kehrten die Piloten einer Boeing B-29 Superfortress der United States Army Air Forces (USAAF) (Luftfahrzeugkennzeichen 44-84074) kurz nach dem Start vom Flugplatz Giebelstadt wegen Motorproblemen zur Notlandung zurück. Der Pilot schätzte den Landeanflug falsch ein, und die Maschine prallte kurz vor der Landebahn auf dem Boden auf. Das Flugzeug zerbrach in mehrere Teile. Dennoch überlebten alle 8 Insassen den Unfall.Unfallbericht B-29 44-84074, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 2. April 2023.
Am 15. Mai 1951 verunglückte eine Douglas DC-3/C-47A-25-DK der United States Air Force (USAF) (42-93720) beim Start vom Flugplatz Giebelstadt. Es entstand Totalschaden.
Am 11. Juni 1973 verunglückte ein Hubschrauber des Typs Bell AH-1G Cobra der United States Army (70-16049) bei einer Vorführung. Der Unfall forderte vier Tote unter den Zuschauern; die zweiköpfige Besatzung überlebte.Unfallbericht AH-1 70-16049, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 19. März 2025.
Am 2. November 1984 kam es zur Bruchlandung einer Lockheed C-130E Hercules der United States Air Force (USAF) (68-10946). Im Endanflug wurde die Maschine von starken Winden erfasst, brach beim Aufsetzen das Fahrwerk zusammen und Triebwerk Nummer 1 fing Feuer. Die Luftschraube brach auseinander. Drei Besatzungsmitglieder wurden verletzt, es gab jedoch keine Toten.Unfallbericht C-130E 68-10946, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 24. März 2025.
Literatur Tustin, Joseph P.: From the Horse to the Jet Plane, a short history of Giebelstadt, 1947 Decker, Karl-Heinz: Geschichte des Fliegerhorstes Giebelstadt 1933–1945, Verlag J.H. Röll, Dettelbach 2010, ISBN 978-3-89754-357-7 Robert Popp: Giebelstadt und sein Flugplatz, Band 1: 1935–1945, Band 2: 1945–1956, Band 3: 1956–1965; alle Eigenverlag: Giebelstadt 2021–2022
Weblinks
Offizielle Homepage der Flugplatz Giebelstadt GmbH Homepage des Flugsportclub Giebelstadt
Einzelnachweise
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