mini|hochkant|Carmen Cartellieri Carmen Cartellieri, gebürtig Franziska Ottilia Cartellieri; verheiratete Carmen Ziffer von Teschenbruck (* 28. Juni 1891 in Proßnitz in Mähren; † 17. Oktober 1953 in Wien) war eine österreichische Schauspielerin und Filmproduzentin.
Leben Die u. a. in Innsbruck aufgewachsene Ingenieurstochter Franziska Ottilia Cartellieri, seit Anfang 1910 Mutter einer Tochter, hatte bis 1918 als Hausfrau an der Seite ihres Ehemannes, des Chemikers, Malers, Bahnbeamten, Ingenieurs, Erfinders und kurzzeitigen Filmregisseurs Emanuel Ziffer Edler von Teschenbruck in der ungarischen Provinz gelebt. Angesichts der Tatsache, dass italienische Stummfilmschauspielerinnen wie Francesca Bertini oder Lyda Borelli zu jener Zeit als Inbegriff gefeierter Leinwanddiven galten, behauptete sie viele Jahre lang, um ihre eigene Biografie interessanter zu gestalten, in Mailand geboren zu sein.
Im letzten Kriegsjahr 1918 stieß Cartellieri, ohne über irgendeine künstlerische Erfahrung zu verfügen, in Budapest zum Film. Der Tiroler Regisseur Cornelius Hintner, den sie per Zufall kennengelernt hatte, wurde von Anbeginn ihr Förderer. Zunächst spielte sie in dessen ungarischen Inszenierungen, wechselte aber Ende 1919 infolge der politischen Umwälzungen im nachrevolutionären Ungarn mit ihrem Mann und Hintner nach Wien. Dort ermöglichte Hintner ihr noch im selben Jahr, unter dem Pseudonym Carmen Teschen, in seinem Film Anjula, das Zigeunermädchen ihr österreichisches Debüt.
In den kommenden acht Jahren wirkte Cartellieri in einer Fülle von Stummfilmproduktionen mit, überwiegend Dramen und Melodramen, seltener Lustspiele. Im Februar 1920 gründete sie ihre eine eigene Produktionsfirma, die Cartellierifilm Ges.m.b.H. Anfänglich, zu Beginn der 1920er Jahre, erhielt Carmen Cartellieri noch Hauptrollen in oft selbst produzierten (1921/22) Inszenierungen ihres Mannes. Bald musste sie sich jedoch mit größeren Nebenrollen begnügen. Ihre von Zeitgenossen gerühmte Attraktivität brachte ihr zeitgleich (1921–1923) mehrere Preise und Ehrungen (z. B. „schönste Wiener Schauspielerin“ und den Wiener Modepreis) ein.
In späteren Jahren durfte sie neben heiteren und unbekümmerten Figuren auch immer wieder dramatische und zwiespältige Charaktere verkörpern. Aus ihrem insgesamt künstlerisch eher bescheidenem Œuvre ragt einzig der von Robert Wiene inszenierte, expressionistische Klassiker des phantastischen Kinos Orlac’s Hände heraus, in dem sie die Regine verkörperte. Im Jahr darauf (1925) holte Wiene sie auch für seine Opernverfilmung Der Rosenkavalier und gab ihr dort die tragende Nebenrolle der Annina. In den 1920er Jahren trat Carmen Cartellieri auch immer wieder auf der Bühne auf, u. a. am Ronacher. 1926 sah man sie in der Pantomime Der Todesring.
Unmittelbar vor Anbruch des Tonfilmzeitalters – ihre letzte Kinorolle war der wichtige Part der historisch belegten Figur der als intrigant geziehenen Gräfin Marie Louise von Larisch-Wallersee in dem Mayerling-Drama Das Schicksal derer von Habsburg – war Carmen Cartellieris Karriere schlagartig beendet, und sie zog sich vollkommen ins Privatleben zurück.
Filmografie (Auswahl) 1918: A sors ökle 1918: Kettös álarc alatt 1918: Mária Terézia 1919: Az összeesküvók 1919: Teherán gyöngye 1919: Marion Delorme 1920: Az elrabolt szerencse 1920: Die Würghand (auch Produktion) 1920: Die Liebe vom Zigeuner stammt... 1920: Carmen lernt Skifahren (Kurzfilm, auch Produktion) 1921: Das Drama in den Dolomiten (Kurzfilm, auch Produktion) 1921: Der weiße Tod (auch Produktion) 1921: Der tote Hochzeitsgast 1922: Die Sünde der Inge Lars (auch Produktion) 1922: Die Frauen des Harry Bricourt 1922: Parema – Das Wesen aus der Sternenwelt (auch Produktion) 1922: Die Menschen nennen es Liebe... 1922: Die gelbe Gefahr (auch Produktion) 1922: Die Sportlady (auch Produktion) 1922: Töte sie! 1923: ...und es ward Licht! (Fiat Lux) 1923: Eines Vaters Söhne 1924: Das Geheimnis der Schrift 1924: Die Tragödie einer Frau 1924: Orlac’s Hände 1924: Indische Fürstenliebe (Die Puppe des Maharadscha) 1924: Was ist Liebe…? 1925: Pension Groonen 1925: Frauen aus der Wiener Vorstadt 1925: Der Rosenkavalier 1926: Das K. und K. Ballettmädel (Der Balletterzherzog) 1926: Salto Mortale 1927: Die Familie ohne Moral 1927: Infanterist Wamperls dreijähriges Pech 1927: Madame wagt einen Seitensprung 1927: Die große und die kleine Welt (Die Strecke) 1927: Die Ehe einer Nacht. Die Laune einer mondänen Frau 1928: Das Geheimnis von Genf 1928: Ein Wiener Musikantenmädel 1928: Die Hölle von Montmartre 1928: Herzog Hansl (Erzherzog Johann) 1928: Das Schicksal derer von Habsburg – Die Tragödie eines Kaiserreiches 1929: Der Mitternachtswalzer
Literatur Armin Loacker: Carmen Cartellieri. Der Stummfilmstar und sein Regisseur Cornelius Hintner (Edition Film Geschichte Österreich, Band 3). Wien 2017
Weblinks
Die Würghand
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