mini|299px|Lage in Deutschland mini|400px|Topographie und Landschaften Nordrhein-Westfalens Bestimmendes Merkmal der Geographie Nordrhein-Westfalens ist die Lage des Nordteils des Landes in der Norddeutschen Tiefebene und des Südteils in den Mittelgebirgen. Der Norden Nordrhein-Westfalens in der flachen Tiefebene ist waldarm, wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und ist dicht besiedelt. Der bergige Süden ist stärker bewaldet und bevölkerungsärmer. Das Klima in der Tiefebene ist deutlich milder und trockener als in den bergigen Landesteilen. Von Süd nach Nord durchfließen der Rhein und die Weser das Land. Dem Rhein fließen von Ost nach West die Lippe und die Ruhr zu. Nördlich davon verläuft die Ems.

Lage und Topographie mini|400px|Landschaften und Flüsse Nordrhein-Westfalens mini|Der Langenberg ist der höchste Berg des Landes. mini|An der Porta Westfalica verlässt die Weser die Mittelgebirge und fließt in das Norddeutsche Tiefland

Nordrhein-Westfalen liegt im Westen der Bundesrepublik Deutschland. Der planimetrisch festgestellte Mittelpunkt Nordrhein-Westfalens liegt im Süden Aplerbecks in der Aplerbecker Mark ().

Der westlichste Punkt liegt bei Selfkant an der niederländischen Grenze, der östlichste bei Höxter an der Weser und der südlichste bei Hellenthal in der Eifel im Südwesten des Landes. Der NRW-Nordpunkt bei Rahden liegt im Nordosten des Landes in der Norddeutschen Tiefebene. Die größte West-Ost-Ausdehnung beträgt rund 235 km.

Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 190 km. Die maximale Ausdehnung von Südwest bis Nordost beträgt rund 260 km. Die Gesamtfläche Nordrhein-Westfalens beträgt rund 34.098 km². Nordrhein-Westfalen ist damit das flächenmäßig viertgrößte Land der Bundesrepublik, repräsentiert damit etwa 10 Prozent der Fläche des Bundes. Die westlichste Siedlung Deutschlands, Isenbruch in der Gemeinde Selfkant, und der westlichste Festlandspunkt Deutschlands, ein bei Isenbruch markierter Punkt an der dortigen Kreisstraße 1 im Grenzverlauf zu den Niederlanden, liegen in Nordrhein-Westfalen.

Die tiefste natürliche Senke befindet sich im Kranenburger Ortsteil Zyfflich mit (PDF; 390 kB) im Nordwesten des Landes. Der tiefste oberirdische Punkt ist jedoch durch den Bergbau entstanden. Der Tagebau Hambach erreicht bei Niederzier eine Tiefe von .

Etwa die Hälfte des Landes liegt in den relativ flachen Regionen des Westfälische Bucht und des Niederrheinischen Tieflandes sowie dem Westfälischem Tiefland ganz im Norden nördlich der Mittelgebirgsschwelle, wo das Land an zwei Stellen weit in die eigentliche Norddeutsche Tiefebene hineinragt. Das Münsterland nimmt den Kernraum der Westfälischen Bucht ein. In der Tiefebene liegen einige wenige isolierte Höhenzüge, darunter die Halterner Berge (Haard, Hohe Mark (mit Rekener Kuppen) und Borkenberge), die Beckumer Berge, die Baumberge und die Stemmer Berge. Die Niederrheinische Bucht (auch als Kölner Bucht bekannt) reicht im Süden bis an die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz, wo sich der Rhein tief in das Gebirge eingeschnitten hat und das Mittelrheintal durchfließt.

Im Süden sowie im Osten des Landes steigt das Terrain an. Dort hat das Land Anteil an den deutschen Mittelgebirgsregionen. Dazu zählen das Weserbergland mit Eggegebirge, Wiehengebirge, Wesergebirge und Teutoburger Wald im Osten, das Sauerland, das Bergische Land, das Siegerland und Siebengebirge im Süden sowie die Eifel und Ville linksrheinisch im Südwesten des Landes. Das Rothaargebirge im Grenzbereich zu Hessen weist Erhebungen von über auf. Der höchste unter diesen Bergen ist der Langenberg mit . Die links- und rechtsrheinischen Gebirgszüge im Süden des Landes sowie die südlich angrenzenden Gebiete in den Nachbarländern bilden das Rheinische Schiefergebirge, dessen Untereinheit Süderbergland wiederum in etwa dem rechts des Rheines gelegenen nordrhein-westfälischen Anteil daran entspricht.

Angrenzende Gebiete Nordrhein-Westfalen grenzt im Norden und Nordosten an Niedersachsen, im Südosten an die hessischen Regierungsbezirke Kassel und Gießen, im Süden an Rheinland-Pfalz und im Westen an die belgische Region Wallonien (inklusive des Siedlungsgebietes der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) und an die niederländischen Provinzen Limburg, Gelderland und Overijssel. Die Grenzlänge Nordrhein-Westfalens zu Niedersachsen beträgt 583 km, zu den Niederlanden 395 km, zu Rheinland-Pfalz 312 km, zu Hessen 272 km und zu Belgien 99 km.

Aufteilung Das Land lässt sich je nach verwendetem Konzept unterschiedlich gliedern. Besonders verbreitet ist eine Einteilung anhand mehrerer soziokultureller, historischer, naturräumlicher und landschaftlicher Bezüge. Demnach ist das Land Nordrhein-Westfalen zunächst in seine drei Landesteile Nordrhein (nördliches Rheinland, meist einfach als Rheinland bezeichnet), Westfalen und Lippe zu unterteilen, die 1946/1947 zum Land Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen wurden. Besonders zwischen Lippe und Westfalen auf der einen und dem Rheinland auf der anderen Seite bestehen deutliche historische und kulturelle Unterschiede. Der dritte Landesteil Lippe, der erst 1947/48 dem bereits bestehenden Land Nordrhein-Westfalen beitrat, gehört ebenfalls zum westfälischen Kulturraum, wird aber als ehemaliger deutscher Bundesstaat meist als eigenständige Region und als eigener Landesteil angesehen. Eine grobe weitere Unterteilung könnte je nach gewählten Merkmalen so erfolgen:

mini|Mittelgebirgsregion im Sauerland mini|Blick von der Burg Vogelsang zur Urfttalsperre in der Eifel

Rheinland Bergisches Land Eifel Region Aachen Niederrhein Rheinschiene Region Köln/Bonn Westfalen Münsterland Minden-Ravensberg Hochstift Paderborn Hellwegbörden Sauerland Siegerland Tecklenburger Land Lippe Lipper Land, die Region des ehem. Freistaates

Sonderregionen, die sich nicht in obiges Schema einordnen lassen, sind im Wesentlichen: das Ruhrgebiet, gehört historisch und kulturell zum Rheinland und Westfalen. Aufgrund der wirtschaftlichen und soziokulturellen Eigenbezüge hat das Ruhrgebiet ein eigenes Regionalbewusstsein, ohne auf das rheinische oder westfälische Bewusstsein zu verzichten. Ostwestfalen-Lippe, landesteilübergreifende Verwaltungseinheit mit dem Regierungsbezirk Detmold, der im westfälischen Landesteil die Regionen Minden-Ravensberg und das Hochstift Paderborn sowie den Landesteil Lippe mit dem Lipper Land umfasst.

Siehe auch: Liste der Landschaften in Nordrhein-Westfalen • Liste der naturräumlichen Einheiten in Nordrhein-Westfalen• Kulturlandschaften in Nordrhein-Westfalen

Gewässer mini|Der Rhein verlässt bei Bonn (Bildhintergrund) das Mittelrheintal und fließt in die Kölner Bucht. Aufnahme vom Drachenfels Der Großteil des Landes liegt zwischen der Maas im Westen, wenige Kilometer westlich in etwa parallel zur Landesgrenze fließend, und der Weser im Osten.

Der Rhein durchfließt Nordrhein-Westfalen als größter Fluss des Landes auf einer Länge von rund 226 km von Süd nach Nordhttps://www.flussgebiete.nrw.de/die-flussgebietseinheit-rhein. Das Land hat Anteil am Mittelrhein, Niederrhein und Deltarhein im Grenzbereich zu den Niederlanden. Am Rhein liegen mit Köln, Düsseldorf und Duisburg drei der fünf größten Städte des Landes. Im Einzugsgebiet des Flusses liegen als wichtigste Nebenflüsse flussabwärts betrachtet die Sieg, Wupper, Erft, Ruhr, Emscher, Lippe. Die Ruhr leiht dem Ruhrgebiet ihren Namen. An ihren Ufern liegen die dichtest besiedelten Gegenden des Landes. Westlich des Rheins hat das Land auch Anteil am Einzugsgebiet der Maas.

Die Weser durchfließt als zweitgrößter Fluss das Land im äußersten Osten des Landes in zwei Abschnitten in nördlicher Richtung, teilweise als Grenzfluss zu Niedersachsen. Ihre Länge in NRW beträgt rund 116 km (41 und 75 km).

Die Lippe ist mit einer Länge von 220 km der längste Fluss in Nordrhein-Westfalenhttps://www1.wdr.de/fernsehen/alle-augen-auf/fluesse-138.pdf.

In der Westfälischen Bucht stellt die Ems ein eigenes Flusssystem dar. Die Ems durchfließt das Land auf rund 156 km Länge in nordwestlicher Richtung. Westlich der Ems hat das Land im Norden außerdem Anteil am Teileinzugsgebiet der IJssel/Alten Issel, das ebenfalls zum Einzugssystem des Rheins gehört. Das Land Nordrhein-Westfalen wird über die aufgezählten Fließgewässer also vollständig Richtung Nordsee entwässert. Über das Rhein-Massdelta, die Bifurkationen des Schwarzwasserbachs aus dem Krollbach und die Bifurkation der Else aus der Hase sind alle Flusssysteme Nordrhein-Westfalens durch natürliche Fließgewässer miteinander verbunden.

Der Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet führte zu Bergsenkungen und ausgedehnten Polderflächen, die nur durch ständige wasserbauliche Maßnahmen künstlich trocken gehalten werden können; ohne menschlichen Eingriff ständen weite Teile des Ruhrgebiets unter Wasser.

In den bergigen Regionen im Süden Nordrhein-Westfalens befinden sich die meisten der Stillgewässer des Landes, darunter rund 70 Stauseen. Damit besitzt Nordrhein-Westfalen mehr Talsperren als jedes andere Land. Zu den größten Talsperren zählen die Rurtalsperre, die Urfttalsperre, die Wahnbachtalsperre, der Sorpesee, die Möhnetalsperre, die Große Dhünntalsperre sowie die Biggetalsperre. Insgesamt sind rund 1,8 Prozent der Landesfläche von Gewässern bedeckt.

Siehe auch: Liste der Flüsse in Nordrhein-Westfalen • Liste der Seen in Nordrhein-Westfalen • Wasserstraßen und Häfen

Geologie und Böden mini|Braunkohleabbau im Tagebau Hambach und tiefster Punkt des Landes Die naturräumliche Gliederung wird wesentlich durch seine vielschichtige geologische Gestalt bestimmt. Die südlichen und östlichen Landesteile wurden hauptsächlich durch gebirgsbildende Prozesse während des Paläozoikums und Mesozoikums gebildet. Im Norden und Westen ist die Topographie vor allem auf geologische Vorgänge während der letzten Eiszeiten zurückzuführen.

Die Eifel, das Bergische Land, das Sauer- und Siegerland weisen die ältesten Gesteine auf: Sandstein, Grauwacke, Schiefer und Kalkstein treten gefaltet an der Erdoberfläche auf und bilden teilweise das Rheinische Schiefergebirge. Durch die unterschiedlich schnelle Verwitterung und die allmähliche Heraushebung während der letzten ca. 1 Mio. Jahre finden sich im Rothaargebirge die höchsten Berge des Landes. Nördlich der bergigen Region im Süden findet sich das rheinisch-westfälische Steinkohlenrevier mit Kohleflözen aus dem Oberkarbon. Bedeckt ist dieser Teil des Landes durch nach Norden immer mächtiger werdende Schichten jüngerer Sedimente. Nur im Südwesten des Reviers treten die kohleführenden Schichten zutage, so dass hier Tagebau möglich wird.

Ostwestfalen-Lippe besteht geologisch aus Gesteinen des Mesozoikums (Trias, Jura, Kreide). Osning und Eggegebirge sind vielfach gefaltete und gebrochene Gebirgsformationen.

Die Münsterländer Bucht besteht im Untergrund aus Gesteinen des Mesozoikums. Diese werden aber fast vollständig von quartären Lockergesteinen, insbesondere Kreideschichten, die östlich bis zur Paderborner Hochfläche reichen, überdeckt. Ausnahme sind kreidezeitliche Sedimente, die als Halterner Sande, Beckumer und Baumberger Sande aus der quartären Überdeckung der Kreidemulde herausragen. Die quartären Lockergesteine des Pleistozäns und Holozän reichen südwestlich bis in die Kölner Bucht und in das Niederrheinische Tiefland. Das Niederrheinische Tiefland senkt sich seit dem Tertiär schollenweise ab. Durch diese geomorphologische Aktivität zählt das Gebiet zu einer Erdbeben gefährdeten Region. Ebenfalls im Tertiär entstanden im südlichen Niederrhein Braunkohleflöze, die heute ausgebeutet werden. Im Quartär lagerte sich auch hier Lockergestein in Form von Erosionsschutt (Flussschotter) des Rheinischen Schiefergebirges ab. In der Eiszeit des Pleistozän wurden diese Schichte teils zu Endmoränen geformt, die als Niederrheinischer Höhenzug zwischen Kleve und Krefeld sichtbar sind. (PDF-Datei; 2,93 MB)