Paul Jeserich (* 27. Januar 1854 in Berlin; † 17. November 1927Paul Jeserich †. In: Chemiker-Zeitung, 51. Jahrgang, Nr. 96, 3. Dezember 1927, , S. 933.Jahrbuch für Photographie, Kinematographie und Reproduktionsverfahren, Band 31, Teil 1, S. 36 (). (nach abweichenden Angaben: 18. November 1927Meteorologische Zeitschrift, Bände 44–45, S. 459 ().) ebenda) war ein deutscher Chemiker und Pionier auf dem Gebiet der Blutspurenkunde.

Jeserich promovierte in Jena und arbeitete in Berlin zunächst als Assistent des Gerichtschemikers Franz Leopold Sonnenschein, dessen Labor er nach dessen Tod übernahm. Er war vor allem auf dem Gebiet der Forensik tätig, insbesondere der Biologischen Spurenkunde, und der Ballistik, wo er als einer der ersten Wissenschaftler mittels Mikrofotografie eine abgefeuerte Kugel der richtigen Waffe zuwies.E. J. Wagner: Die Wissenschaft bei Sherlock Holmes und die Anfänge der Gerichtsmedizin. Wiley, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-50378-0 ().Hamby, Brundage, Thorpe: The Identification of Bullets Fired From 10 Consecutively Rifled 9MM Ruger Pistol Barrels – A Research Project Involving 468 Participants from 19 Countries. (pdf; 358 kB), abgerufen am 13. Januar 2010. Jeserich untersuchte im Auftrag der Polizei außerdem Blutspuren an Tatorten und auf beschlagnahmten Beweisstücken. Er sagte vor Gericht als Sachverständiger aus, so zum Beispiel 1904 im Mordfall Lucie Berlin.

Neben seiner Tätigkeit in der Forensik beschäftigte sich Jeserich gemeinsam mit C. A. Meinert mit der Gewinnung von Speisefetten aus Kokos- und Palmkernöl und entwickelte dafür ein Verfahren, das im April 1882 beim Deutschen Patentamt mit der Nummer 19819 eingetragen wurde.Leo Ubbelohde (Hrsg.): Handbuch der Chemie und Technologie der Öle und Fette; Chemie, Analyse, Gewinnung und Verarbeitung der Öle, Fette, Wachse und Harze; Band 2. S. Hirzel, 1926 ().Ludwig Darmstaedter: Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik. 2. Auflage. Springer, Berlin 1908, S. 803 (online; pdf; 2,3 MB, abgerufen am 13. Januar 2010). Außerdem arbeiteten Jeserich und Meinert einige Jahre an einer Studie, bei der Gefangene im Strafgefängnis Plötzensee vorwiegend vegetarisch ernährt wurden.Arnold Lorand: Health and Longevity Through Rational Diet. P. A. Davis Company, Philadelphia 1912, S. 104 ().

Jeserich war als Ballonfahrer, Radfahrer, Schwimmer, Bergsteiger, Segler, Motorbootsportler und Skifahrer auch sportlich vielfach aktiv. Er war Mitglied im Deutschen Verein zur Förderung der Luftschifffahrt und erstellte 1884 gemeinsam mit Georg von Tschudi die vermutlich ersten Luftaufnahmen Deutschlands. Als erster Ballonfahrer erreichte er 1886 in Berlin eine Höhe von etwa 600 m.Hippolyt von Norman (Hrsg.): Deutsches Sportlexikon. Schwabacher, Berlin 1928 (abgerufen über WBIS online).

Jeserich starb nach kurzer Krankheit und wurde auf dem St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof I in Berlin begraben, seine Grabstätte ist nicht erhalten.

Veröffentlichungen Über die Methoden zur Zerstörung und Extraktion von Leichenteilen etc., behufs Ausführung der Untersuchung auf anorganische Bestandteile und eine neue derartige Methode. In: Repertorium der analytischen Chemie. Band 2, 15. Dezember 1882, S. 369–373 ().

Die Mikrophotographie auf Bromsilbergelatine bei natürlichem und künstlichem Lichte unter ganz besonderer Berücksichtigung des Kalklichtes. Julius Springer, Berlin 1888 (). Bericht über ausgedehnte Ernährungs-Versuche in der kgl. Strafanstalt Plötzensee auf Veranlassung der Act.-Ges. Carne pura ausgeführt und bearbeitet. C. Stahl, Berlin o. J., .

Einzelnachweise

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