Geographie und Wirtschaftskunde (kurz: GWK, GuWK, GuW oder GW) ist der Name eines Unterrichtsgegenstandes, der ausschließlich in Österreich unterrichtet wird. Der Gegenstand heißt seit der Lehrplanreform 2023 in der Sekundarstufe 1 „Geographie und wirtschaftliche Bildung“.
Allgemeines Dieses Fach wird ab der Unterstufe (5. Schulstufe der Sek I = HS, NMS, AHS) eigenständig unterrichtet. In der Volksschule (Primarstufe) werden Inhalte dieses Fachbereichs als „Gesamtunterricht“ im Rahmen des Gegenstands „Sachunterricht“ gelehrt. An sich sind hier viele Inhalte, die auch in der 5. und 6. Schulstufe (etwa Kartenarbeit, aber auch Inhalte der Wirtschaft etc.) propädeutisch vorhanden. Beobachtungen von Sek I-Lehrkräften weisen aber immer wieder darauf hin, dass der Sachunterricht in den VS leider sehr heterogen in seinen Resultaten unterrichtet wird.
In der Sek I umfasst der Unterrichtsauftrag in Geographie und Wirtschaftskunde (GWK) das Übermitteln von geographischen und wirtschaftlichen Inhalten und Zielen (besser und zeitgemäßer ausgedrückt als: „Wirtschaftserziehung“): Geographie und Wirtschaftskunde in Österreich wird daher als ein doppelpoliges Zentrierfach (unter Miteinbeziehung der Politischen Bildung)Vgl.: Wie politisch ist GW? positioniert, das sich heute mit dem „Handeln des Menschen in Raum und Wirtschaft“ beschäftigt. Entstanden ist diese Fächerkombination auf den Sekundarstufen I und II ab 1962 im Zuge der Neuordnung des österreichischen Schulwesens im sogenannten SCHOG 62SCHOG – Schulorganisationsgesetz in: BGBl. der Republik Österreich Nr. 242 vom 25. Juli 1962. gemeinsam mit der ebenfalls damals eher additiven Verbindung Geschichte und Sozialkunde, bzw. etwas später auch Biologie und Umweltkunde (wo insbesondere in den AHS-Klassen 3 und 6 viele physiogeographische Inhalte unterrichtet werden). Der Paradigmenwechsel 1985 von einem ehemals (Lehrpläne 1963/64) primär beschreibend und länderkundlich strukturierten Geographieunterricht (dem man im Schulgesetzwerk 1962 die „Wirtschaftskunde angehängt hatte“) zu einem thematischen Konzept mit integrativer Verbindung des G mit dem W, unterscheidet die Ausrichtung des Schulfaches in Österreich grundlegend von den Ansätzen etwa in deutschsprachigen Nachbarländern (vgl. die Genese in der Dissertation von Sitte Christian 1989, univieSitte Ch. (1989): Entwicklung des Unterrichtsgegenstandes Geographie, Erdkunde, Geographie und Wirtschaftskunde an den allgemeinbildenden Schulen in Österreich nach 1945. Dissertation Universität Wien Teil 1 bzw und in Teil 2 reichhaltige Dokumentationin Teil 2 bei Sitte Ch 1989 reichhaltige Dokumentation ) und in vielen (früheren) Beiträgen der seit 1978 bestehenden Zeitschrift „GW-Unterricht“.auf gw.schule.at Exemplarisch zeigte das in dieser Zeitschrift ein jüngerer Beitrag zu einem noch immer wichtigen (traditionellen) Teilbereich des Unterrichtsgegenstandes – nämlich der Anteile von PhysiogeographiePhysiogeographie im Geographieunterricht In: GW-Unterricht 138/2015 in den Sek I und Sek II-Lehrplänen in Österreich, bzw eine nur online verfügbare resumierende Zusammenfassung „30 Jahre nach dem Paradigmenwechsel in der österreichischen Schulgeographie 1985/1989“. Sitte Ch. o. J., „Post triginta annos“ – 30 Jahre nach dem Paradigmenwechsel in der österreichischen Schulgeographie 1985/1989: Strukturwandel und Probleme - mit Bibliographie Sie schildert die Entwicklung bis 2023, als mit dem neuen Sekundarstufe I - Lehrplan (LP) auch der Unterrichtsgegenstand in „Geographie und wirtschaftliche Bildung“, durchaus damit auch programmatisch gemeint (vgl. Ch. Fridrich 2016)Fridrich Ch.(2016): Basiskonzepte in Geographie und Wirtschaftskunde - ein Vorschlag für die Sekundarstufe 1. In: GEOGRAZ H. 59. S.24-31 - bzw auch Fridrich Ch. (2018), Sozioökonomische Bildung an den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I und II in Österreich. In: Engartner T. et al, Sozioökonomische Bildung und Wissenschaft, S. 81-108 Springer Wiesbaden, umbenannt wurde.
In den Allgemeinbildenden Schulen (Hauptschulen bzw. NMS und Gymnasien / AHS-Unterstufen) wird der Unterrichtsgegenstand (nach der Normstundentafel, die aber schulautonom verändert werden kann) noch auf allen Jahrgangsstufen / Klassen bis hin zur Reifeprüfung („Matura“) unterrichtet. Etwas dünner sieht die Situation an den Oberstufen der berufsbildenden Schulen (BHS und BMS) aus. Hier wird in den großen Typen GWK bevorzugt in den unteren Jahrgängen unterrichtet. Allerdings sind in den Lehrplänen der letzten Jahre wieder Möglichkeiten, GWK maturabel zu machen, eröffnet worden – allerdings nur in Kombinationsfachvarianten mit anderen Gegenständen.
Der Bereich Fachdidaktik „Geographie und Wirtschaftskunde“ in und zu Österreich ist gut aufgeschlossen: So gibt es schon lange ein großes Einstiegsportal den „gw.eduhi.at“,gw.eduhi.at hier findet man online einen breit angelegten Einstieg in den Unterrichtsgegenstand, zu Lehrplänen, Fachdidaktik- und Methodikbereichen, aber auch reichhaltiges Material für die Unterrichtsgestaltung.
Die Universität Wien gab 2001 unter der Federführung der beiden damals in Österreich maßgeblichen GW-Fachdidaktikern Wolfgang Sitte und Helmut Wohlschlägl ein eigenes „Handbuch GW“ heraus, das später auch online verfügbar gemacht worden ist. Seine vielfältigen Stichwortartikel und die dort zitierte Literatur geben einen guten Überblick. Im „Ausbildungscluster Österreich Mitte“ (Salzburg/Linz) ist als möglicher Nachfolger eine offene ONLINE-Fachdidaktik-GW im Aufbau.ONLINE-Fachdidaktik-GW der PH-Linz (Hrsg. A. Koller u. a.) Einen Überblick über die in den Ausbildungsgängen erstellten fachdidaktisch ausgerichteten Diplomarbeiten und (wenigen) österreichischen Dissertationen zu GW findet man über eine Auflistung an der Universität Wien bzw. Bachelorarbeiten an der PH für NiederösterreichBachelorarbeiten (LA für Hauptschulen bzw. NMS) in GW an der PH für Niederösterreich ferner einige aus der KPH-Wien u. a.Fachdidaktikarbeiten bei I.Schwarz – u. a. an der KPH-Wien und mitunter auch in GEOGRAZ.GEOGRAZ – Fachdidaktikdissertation
Seit 1978GW-U Heft 1 1978 besteht eine eigene Fachdidaktikzeitschrift „GW-Unterricht“,GW-Unterricht.at die seit einigen Jahren auch frei online verfügbar ist. Sie spielte insbesondere in der Reformperiode der 1980er Jahre eine bedeutende Rolle – siehe dazu in ihrem online-Inhaltsverzeichnis. Sie konnte – dank eines damals großzügigen Sponsorings – lange Jahre gedruckt an bis zu 8000 Lehrerinnen kostenfrei verschickt werden (bis zur Nummer 115 / 2009siehe Editorial GW-Unterricht H. 116 – seither ist sie eine Online-Ausgabe). Ihre Hefte sind daher in vielen einschlägigen Bibliotheken sowohl in Österreich als auch dem Ausland als Dokument dieser Entwicklung vorhanden. Sie ist noch immer (neben den Schulbüchern) die aktuelle Informationsquelle zur Fachdidaktik/Schulgeographie in Österreich, obwohl ihr direkter Praxisbezug in den Jahren der – damit auch unter anderer Herausgeberschaft stehenden – Online-Ausgaben leider sehr zurückgegangen ist. Die Dichte der Dokumentation über die schulgeographische Entwicklung(en) in Österreich ist damit heute ungleich geringer geworden – viele Entwicklungen lassen sich heute daher leider nicht mehr dokumentarisch nachvollziehen. Auch die Verbreitung unter den ehemaligen Adressanten – den Lehrkräften in den Schulen draußen – ließ nach. Damit ging auch ein wichtiger „Transformationsriemen“ zwischen Fachdidaktik und Praxis verloren. Einen kleinen Ersatz dafür stellen heute nur mehr die regelmäßigen aktuellen Materialinformationen für den Unterricht im „Hölzel_Journal“ dar.
Schon früher (ab 1963) waren Teile der Fachbelange in der (heute ebenfalls online verfügbaren) Lehrerfortbildungszeitschrift des Unterrichtsministeriums „Wissenschaftliche Nachrichten“ diskutiert worden.Wissenschaftliche-Nachrichten In ihr ist (neben Abschnitten für anderen Nawi-Gegenstände) auch ein GWK-Abschnitt in jedem Heft am Ende vorhanden.- etwa WN H. 140 / 2001 Seite (43 und insbes.) 48-52 Leider stellte das Unterrichtsministerium diese Zeitschrift zunächst auf eine Online-Variante um und dann vor einigen Jahren aus Einsparungsgründen ganz ein. Die Lehrplan(ver)änderungen der Jahre 2014 bis 2016 sind in beiden Zeitschriften, wenn überhaupt, nur mehr leider sehr sporadisch dokumentiert. Fachdidaktische Hilfen bzw. Vorbereitungen von solchen Veränderungen, die damit im Vorsus eine breite Lehrerschaft erreichen könnten, ihnen innovative Praxisanwendungen nahebringen, erfolgen damit im Unterschied zu den Reformphasen des ausgehenden 20. Jahrhunderts heute dort nicht mehr. Innovationsträger sind nun im 21. Jahrhundert eher die methodisch sehr breit gestreuten Interpretationen der Lehrpläne durch die neuen Schulbücher. Insbesondere für die früheren Jahre findet man auch in den „Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft“vgl. 150 Jahre ÖGG – ihre schulbezogenen Beiträge in den „Mitteilungen“; in GW-Unterricht H. 103 2006 Beiträge zur Entwicklung des Unterrichtsgegenstandes in Österreich – mit einem Schwerpunkt Schulkartografie.
An der Universität Wien besteht ein „Regionales Fachdidaktikzentrum GW“. Dort wurden in einem sg. „fachdidaktischen Grundkonsens“Pichler H.,Ch Vielhaber: Der fachdidaktische Grundkonsens am Institut für Geographie u. Regionalforschung – eine zukunftsfähige Orientierungshilfe? In: GW-Unterr. 128 2012 erstmals Positionen in der Fachdidaktik GW formuliert. Der Fachdidaktiker Christian Vielhaber zog 2012 eine kritische Bilanz.Vielhaber Ch: Perspektiven des GW-Unterrichts. Zukunftsanzeiger oder Bedrohungsszenarien? In: GW-Unterr. 128/2012 Einen guten Aufschluss über die laufende Situation geben die Analysen der in Wien von den dort lehrenden Fachdidaktikern betreuten Diplom- und (heute Masterarbeiten).Diplomarbeiten in Fachdidaktik GW an der Uni Wien Ein weiteres regionales Fachdidaktikzentrum mit ebenfalls gut ausgebautem Webauftritt gibt es an der Universität Graz.Regionales Fachdidaktikzentrum an der Universität Graz In der dort herausgegebenen (auch online verfügbaren) Zeitschrift GeoGrazZs. GeoGraz findet man regelmäßig auch innovative Fachdidaktikbeiträge zu Österreichthemen.
Im November 2016 gründete ein Präponentenkomitee im Rahmen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft (ÖGG) gemäß § 41 ihrer Satzungen eine Fachgruppen „Geographische und sozioökonomische Bildung“ (GESÖB). Als Vorsitzender wurde bei der konstituierenden Sitzung PH-Prof. priv.Doz. Mag. Dr. Christian Fridrich BEd (PH Wien) gewählt.
Einen guten Informationseinstieg mit vielen weiteren Verlinkungen zur Fachdidaktik GW und Schulpraxisanwendungen gibt auch das Fachportal GWK an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich.Fachportal GWK an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich Dort findet man auch eine „Bibliographie Fachdidaktik GW“, die die in den letzten 30 Jahren für GW in Österreich wichtigen Beiträge zusammengestellt hat.
Informationen, wie der Unterricht in GW konkret aussehen kann, liefern auch diverse Verlagswebseiten. Die Geographie und Wirtschaftskunde – Schulbücher (und bei drei dieser Verlage auch Schulatlanten) verdeutlichen die sehr unterschiedlicher Art und Weise der Praxisumsetzung der Lehrpläne! Sie sind z. T. online als Quellen auch durchblätterbar: Die aktuellen Schulbücher für GW kommen von (in alphabetischer Reihenfolge): Bundesverlag,öbv.at Hölzel,hoelzel.at Jugend & Volk,Jugendvolk.at Trauner Verlag,trauner.at Veritas,veritas.at und Westermann (fusioniert mit Dorner). Digitale Lernmaterialien zu diesen Schulbüchern gibt es von eSquirrel.eSquirrel