Das Königreich Champasak war neben Luang Phrabang und Vientiane eines der drei laotischen Reiche, die infolge des Zerfalls von Lan Xang entstanden. Das größtenteils im Süden des heutigen Laos entlang des Mekongs gelegene Königreich hatte von 1713 bis 1778 als unabhängiges Land Bestand, ohne jemals die Bedeutung der anderen beiden laotischen Staaten zu erreichen. Nach der Eroberung durch Chaophraya Chakri wurde es, im Rang herabgestuft, eine autonome Provinz Siams. Mit der Abtretung des Gebiets an Französisch-Indochina hörte das Reich 1904 faktisch auf zu existieren, blieb aber formal bis zum Thronverzicht 1946 bestehen.

Die Hauptstadt war die gleichnamige Stadt Champasak, die jedoch erst im 19. Jahrhundert an die heutige Stelle verlegt wurde.

Die Region Champasak mini|Champasak vom Mekong aus gesehen Der Name des Königreiches leitet sich von der Region Champasak ab, einem Gebiet am mittleren Mekong im heutigen Südlaos. Benannt ist das Gebiet nach dem Volk der Cham und deren Reich Champa, welches sich bis in die Region erstreckt haben soll. Es ist allerdings wissenschaftlich nicht gesichert, dass das Gebiet jemals von den Cham besiedelt war.Martin H. Petrich: Vietnam, Kambodscha und Laos: Tempel, Klöster und Pagoden in den Ländern am Mekong. Dumont

Champasak erlebte Ende des 5. Jahrhunderts eine Blütezeit, geriet danach für lange Zeit in den Einflussbereich des Khmer-Reichs von Angkor und wurde erst spät Teil des laotischen Königreiches Lan Xang. Der abgelegene und größtenteils von nicht-laotischen Ethnien bewohnte Landstrich hatte allerdings für den in Luang Prabang und Vientiane residierenden Herrscher keine größere Bedeutung, abgesehen von einigen wenigen Tempelanlagen. Eine kulturelle und politische Blüte unter laotischer Herrschaft erlebte die Region deshalb erst mit der Entstehung des Königreiches Champasak.

Im modernen Laos existiert eine Provinz Champasak, die jedoch nur einen kleinen Teil des damaligen Königreichs ausmacht. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung umfasste Champasak den Großteil des heutigen Südlaos, Gebiete im Norden Kambodschas sowie bedeutende Landflächen westlich des Mekongs, die heute zu den Nordostprovinzen Thailands gehören.

Geschichte Entstehung Um 1700 war Champasak ein bedeutendes Zentrum der Kui, einer den Khmer verwandten austroasiatischen Ethnie. Diese erkannten den Khmer-König in Oudong (Banteay Pich) als Oberherrscher an. Das Gemeinwesen hatte ein weibliches Oberhaupt, Fürstin Nang Pheng (oder Nang Phaen). Diese war der Legende nach die uneheliche Tochter der Fürstin Nang Phao des bis dahin relativ unbedeutenden Stammesfürstentums Champasak mit dem Lao-Fürsten Thao Pang-Kham, dem angeblichen Verfasser des laotischen Nationalepos Sinsai.

Nach dem Tod von Sulinyavongsa, dem letzten großen König von Lan Xang, um 1690 oder 1694 zerfiel das aus mehreren voneinander abhängigen Fürstentümern zusammengesetzte Reich der Lao. Zwischen verschiedenen Aristokraten und ihren Anhängern brachen Kämpfe auf. 1707 entstanden zwei separate Königreiche in Vientiane und Luang Prabang. Eine Gruppe von etwa 3000 Lao unter Führung des populären Mönchs Phra Khru Phon Samet (oder Phra Kou Nhot-Keo) verließ die Gegend von Vientiane und wanderte südwärts. Als sie 1708 in Champasak ankamen, verzichtete Nang Pheng zugunsten Phon Samets auf die Herrschaft. Dieser konnte die zuvor herrschenden Unruhen und das Bandenunwesen in Champasak beenden, errichtete neue Pagoden, führte eine Verwaltung, Kultur und Bräuche nach dem Vorbild von Vientiane ein, sodass eine Art „Klein-Vientiane“ entstand. Bei der Bevölkerung wurde der Fürst-Mönch sehr populär, teilweise sogar als Heiliger verehrt. Er war sich jedoch seiner nicht-königlichen Abstammung bewusst und trat das Fürstentum 1713 an Prinzessin Soumangkhala, die Tochter Soulingvongses, die nach dem Tod ihres Vaters ebenfalls aus Vientiane geflohen war, um der Ehe mit einem hohen Beamten zu entgehen, und deren Sohn Nokasad ab. Nokasad ließ sich 1714 unter dem Namen Soi Sri Samut (auch Soi Sisamouth oder Soi Si Samut) zum König von Champasak krönen. Nach Luang Prabang im Norden und Vientiane in der Mitte war das südlich gelegene Champasak damit das dritte aus den Überresten Lan Xangs hervorgegangene Königreich.Schultze: Geschichte von Laos. 1994, S. 61f.Volker Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand, 1892–1992. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1995, S. 112–113.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3, S. 88–89.

Entwicklung bis 1778 Unter König Soi Sisamouth (Nokasad) spaltete sich Champasak erfolgreich von den beiden anderen laotischen Reichen ab. Soi Sisamouth schuf innerhalb kurzer Zeit ein ansehnliches Reich, das unter anderem die Orte Don Khong, Attapeu (die er beide neu errichten ließ), Muong Manh (Provinz Saravane), Muong Sri-Nakorn-Taow (heute in der thailändischen Provinz Si Sa Ket), Muong Thong (thailändische Provinz Roi Et) und Chiang Taeng (heute Stung Treng in Kambodscha) umfasste; in den einzelnen Orten setzte er Statthalter ein. Das Königreich umfasste also außer dem Süden des heutigen Laos auch wesentliche Teile des heute thailändischen Isan und des nördlichen Kambodscha. Es war ein multiethnisches Gemeinwesen, in dem sich Lao, Khmer, „Kha“ und Kui mischten,Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. 1995, S. 113. wobei die Lao zunächst in der Minderheit waren.

Soi Sisamouths Regierungszeit endete um 1737/38, sein Sohn Sayakumane (Saya Kuman) folgte ihm als König Pothi auf den Thron. König Pothi hatte seinen Bruder Tammatevo Pudisatkhattinarat bereits 1728 zum Uparat (Vizekönig) ernannt und setzte den Aufbau des Königreichs fort. Im Laufe des 18. Jahrhunderts setzte sich die Migration von Lao-Aristokraten, die in den nord- und zentrallaotischen Zentren Luang Prabang und Vientiane keine Chance auf Beteiligung an der politischen Macht sahen, mit ihren jeweiligen Untergebenen und Anhängern in die bis dahin dünn besiedelten Gebiete im Süden und auf dem Khorat-Plateau (dem heutigen Isan) fort. Das Lao-Element im Herrschaftsbereich von Champasak wurde dadurch gestärkt.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 89–90.

Um 1766 begann Vorarad-Vongsa, ein bedeutender Würdenträger im Königreich Vientiane, eine Rebellion (Serk-Kha-Kabote) und versuchte so ein eigenes Reich am Mekong zu gründen. Sein Plan scheiterte, er unterwarf sich jedoch dem König von Champasak, was zum Konflikt zwischen Champasak und Vientiane führte. Später sagte sich Vorarad-Vongsa von beiden Reichen los und versuchte, sich Siam anzuschließen, wurde aber kurz darauf von Anhängern des Königs von Vientiane getötet. Dies führte, da das Verhältnis zwischen Siam und Vientiane bereits durch verschiedene Streitpunkte schwer gestört war, 1778 zum Kriegsausbruch. König Taksin von Siam sandte eine von General Chaophraya Chakri (dem späteren König Rama I.) geführte Invasionsarmee nach Osten; Ziele der Offensive waren neben Vientiane das vor allem als Reis- und Fischlieferant bedeutende Kambodscha sowie das Königreich Champasak, das zwar an sich unbedeutend, jedoch wegen seiner Lage zwischen den anderen beiden Angriffszielen von militärstrategischer Bedeutung war. Der erste Vorstoß richtete sich gegen Champasak, das Reich wurde ohne größeren Widerstand besetzt. König Pothi wurde als Gefangener nach Krung Thep (Bangkok) gebracht. Auch das Königreich Vientiane unterlag den Siamesen; die gleichnamige Hauptstadt wurde geplündert und zerstört. Luang Prabang hatte sich zwar im Krieg auf die Seite Siams gestellt, musste sich aber ebenfalls unterwerfen.Schultze: Die Geschichte von Laos. 1994, S. 56–59, 62.

Champasak als siamesischer Vasallenstaat Bereits 1780 durfte König Sayakumane als Vasall und Statthalter des siamesischen Königs nach Champasak zurückkehren. Als Vasallenstaat mussten die Herrscher, Thronfolger, ersten Minister und Vizekönige (Uparat) von Siam bestätigt werden; daneben hatten sich Angehörige der Herrscherfamilie als Geiseln in Bangkok aufzuhalten. Dazu kamen die üblichen Tributzahlungen (hauptsächlich lieferten die laotischen Staaten Holzprodukte, Vieh und Edelmetalle). Obwohl der Herrscher von Champasak also weiterhin über sein Reich herrschte, wurde er durch die Gesetze aus Bangkok in seinem Handlungsspielraum stark eingeschränkt.

Während die Könige der anderen beiden laotischen Reiche ihren Königstitel behalten durften, wurde das bedeutend kleinere Champasak von Siam im Rang herabgestuft, anstelle König (Chao Prathetsarat) hatte sich Sayakumane nur noch Chao Khong Nakhon (übersetzt ungefähr: Herrscher über ein autonomes Gebiet) zu nennen.Mahā Silā Vīravong: Prinz Phetsarat: ein Leben für Laos. S. 70. 1791 kam es zu einem von Xieng Keo angeführten Aufstand der Mon; als sich die Aufständischen der Hauptstadt näherten, starb Sayakumane 81-jährig an einem Herzinfarkt. Die Stadt wurde von den Rebellen eingenommen, kurz darauf wurden diese aber von hinzugekommenen Truppen besiegt. Nachfolger von Siams Gnaden wurde Fay Na (Fai-Na), der sich an der Niederschlagung des Aufstands erfolgreich beteiligt hatte. Er ließ die Hauptstadt nach Norden verlegen und regierte bis zu seinem Tod 1807 oder 1811. Ihm folgte No Muong, der Sohn des alten Königs Sayakumane, auf den Thron, der jedoch nach nur drei Tagen starb. Da sich der siamesische Gouverneur, der die Thronfolge bestätigen sollte, bereits auf dem Rückweg befand, folgte nun ein Interregnum bis 1813, als Manoi, ein Neffe Thammathevos, von Siam als Herrscher eingesetzt wurde. 1819 folgte ein weiterer Aufstand der „Kha“, der dieses Mal von einem Mönch namens Sa, der angeblich über übernatürliche Kräfte verfügte, angeführt wurde.Arthur J. Dommen: Laos. Keystone Of Indochina. Westview Press, 1985. Manoi floh vor den Aufständischen nach Bangkok, während Sa die Stadt Champasak eroberte und niederbrennen ließ. Nachdem siamesisch-laotische Truppen nach Champasak vorstießen, floh Sa in die Berge bei Attapeu, wurde aber kurz darauf von Rajabud Yoh, einem Sohn des Königs Anouvong von Vientiane, gefangen genommen und nach Bangkok gesandt.

Rajabud Yoh übernahm ab 1819 die Macht in Champasak, leitete den Wiederaufbau der Hauptstadt, die er mit Stadtmauern befestigen ließ, und reformierte die Verwaltung. Manoi blieb hingegen in Bangkok, vermutlich weil der siamesische König an seiner Loyalität zweifelte, und starb kurz darauf. Als Interimsherrscher wurde deshalb 1821 Rajabud Yoh, der de facto bereits herrschte, als Belohnung für seine Leistungen offiziell von Siam eingesetzt. Er erhielt den Titel eines Uparat. Durch seine Herrschaft wurde Champasak eng mit dem von seinem Vater Anouvong regierten Königreich Vientiane verbunden. Als König Anouvong kurz darauf eine Rebellion gegen Siam begann und so versuchte, die Einheit und Unabhängigkeit von Laos zu erringen, stellte sich Rajabud Yoh auf seine Seite und eroberte mit einer ungefähr 3000 Mann starken Armee einige siamesische Städte. Letzten Endes wurde der Aufstand jedoch niedergeschlagen und Vientiane samt seiner Herrscherdynastie ausgelöscht. Rajabud Yoh beging auf der Flucht durch einen Sprung von einer Pagode Selbstmord, nach anderen Angaben starb er als Gefangener in Bangkok.

mini|Residenz der Fürsten von Champasak