Der Stuttgarter Liederkranz 1824 e.v. ist ein deutscher Gesangverein mit Sinfonieorchester. Er gehört zu den größten und traditionsreichsten Konzertmusikvereinen Deutschlands. Unter seinem Dach musizieren mehrere Chöre verschiedener Ausrichtung und Leistungsstufen sowie ein Sinfonieorchester.

Geschichte Der Verein konstituierte sich im Mai 1824 unter dem Einfluss des Schweizer Musikpädagogen Hans Georg Nägeli. Am 22. Juni 1824 trat die erste Satzung in Kraft. Unter den Gründern waren zahlreiche Stuttgarter Bürger und Persönlichkeiten des kulturellen, geistigen und politischen Lebens, darunter der Jurist und Politiker Albert Schott, der den Vorsitz übernahm, der Dichter Gustav Schwab, der Bankier Gottlob Friedrich Federer und der Buchhändler und Verleger Heinrich Erhard. Chormeister wurde der Präzeptor Kübler, Komponist des Vereins der Stiftskirchenorganist Konrad Kocher, der schon 1819 die Gründung eines Vereins zur Pflege des mehrstimmigen Chorgesangs angeregt und einer Liedertafel als Vorläufer des Liederkranzes angehört hatte.

Am 6. Januar 1825 führte der Liederkranz erstmals das Oratorium Der Messias von Georg Friedrich Händel auf. Im gleichen Jahr beschloss er, künftig eine jährliche Gedenkveranstaltung zum Todestag Friedrich Schillers am 9. Mai zu veranstalten. Dem Liederkranz kommt für das Schiller-Gedenken in Stuttgart eine besondere Rolle zu. Er war es auch, der im Mai 1839 die Errichtung des Schiller-Denkmals von Bertel Thorvaldsen auf dem Stuttgarter Schillerplatz initiierte.

Die musikalische Leitung übernahm 1831 der damals erst 23-jährige Stuttgarter Komponist Louis Hetsch, der allerdings wenig später zur Fortsetzung seiner Ausbildung nach Wien übersiedelte. Der Stuttgarter Liederkranz wirkte in den folgenden Jahren beispielgebend für die Gründung weiterer Gesangvereine in Württemberg, die sich 1843 in Tübingen erstmals zu einem Schwäbischen Sängerfest vereinigten. 1845 nahm der Stuttgarter Liederkranz auch am ersten badischen Liederfest in Mannheim und am ersten deutschen Sängerfest in Würzburg teil.

Bald nach seiner Gründung verfügte der Stuttgarter Liederkranz durch den Beitritt der »Frauenzimmerstimmen« unter Emilie Zumsteeg auch über einen »Frauenzimmerchor«, was für das damalige Verständnis eine fast revolutionär anmutende emanzipatorische Leistung des Vereins darstellte. Einige Jahre später entstand das Orchester im Stuttgarter Liederkranz, dessen ursprüngliche Gründung auf den 15. Dezember 1780 zurückgeht.

An der Gründung des Schwäbischen Sängerbundes (1849) und des Deutschen Sängerbundes (1862) war der Stuttgarter Liederkranz maßgeblich beteiligt.

Von 1957 bis 1994 hat der Stuttgarter Liederkranz unter seinem Chordirektor Professor Walther Schneider im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle, im Gustav-Siegle-Haus sowie in anderen Konzertsälen im In- und Ausland mit herausragenden Konzerten, mit Erst- und Uraufführungen vor allem im oratorischen Bereich musikalische Marksteine gesetzt, ohne dabei die Pflege des Volksliedgutes zu vernachlässigen.

Im Juli 1995 übernahm Ulrich Walddörfer die musikalische Leitung des Stuttgarter Liederkranzes, mit dessen Sinfonieorchester und Konzertchören er große Opern- und Konzertprogramme erarbeitete. Er dirigiert seit 2019 das Sinfonieorchester Stuttgarter Liederkranz und leitet das Ensemble SLK Plus (Stand: 2026).

Im Februar 2017 gründete Andreas Großberger in Kooperation mit dem Stuttgarter Liederkranz 1824 e.V. das Vokalensemble „stuttgart vokal“ und war 2019–2023 künstlerischer Leiter der Konzertchöre des Stuttgarter Liederkranz 1824 e. V.

Seit September 2023 ist Sebastian Kunz künstlerischer Leiter des Stuttgarter Liederkranz 1824 e. V. und leitet den „KonzertChor Stuttgart“ und das Vokalensemble „stuttgart vokal“.

Am 21. April 2024 feierte der Stuttgarter Liederkranz 1824 e.V. sein 200-jähriges Jubiläum im Beethoven-Saal der Liederhalle.

Vereinslokale, Denkmäler und Liederhalle Schon 1827 gab es erste Überlegungen zur Errichtung einer Liederhalle für den Verein. Vereinslokal war zunächst das Wernersche KaffeehausWilhelm Ferdinand Schwarzmann: Wegweiser für die Kgl. erste Haupt- und Residenz-Stadt Stuttgart und ihre nächsten ausgezeichnetsten Umgebungen. Stuttgart 1829, S. 229., in den 1840er Jahren die Aktienbrauerei und nach deren Auflösung der Gasthof „Zum Kreuz“ hinter dem Rathaus. Im Oktober 1853 kaufte der Liederkranz einen Bauplatz vor dem Büchsentor. Hier wurde 1864 die Liederhalle errichtet, die in den Jahren 1955/56 kriegsschädenbedingt ersetzt und 1991 um den Kongressbau erweitert wurde.

Um seiner Schiller-Verehrung nachhaltig Ausdruck zu verleihen, beschloss der Verein, der Stadt Stuttgart ein gegossenes Schillerdenkmal zu stiften, das von Bertel Thorvaldsen, Bildhauer und Sohn des isländischen Galionsschnitzers, geschaffen und auf dem Schillerplatz aufgestellt wurde. Am 8. Mai 1839 wurde das erhabene Monument, das bis beute »eine der intimsten Schönheiten Stuttgarts geblieben ist« (Otto Borst) und als eine der gelungensten Porträtierung des Dichters gilt, unter der Anwesenheit von 5000 jubelnden Menschen vom zwölfjährigen Enkel Schillers enthüllt. Die Festrede, deren Original sich noch heute im Archiv des Stuttgarter Liederkranzes befindet, hielt Gustav Schwab.

Zu Ehren von Franz Schubert stiftete Otto Elben 1878 ein Denkmal im Garten der Liederhalle, das im Zweiten Weltkrieg beseitigt und 1999 als Nachbildung erneut durch den Liederkranz gestiftet wurde.

Auszeichnungen Zahlreiche Auszeichnungen wurden dem Stuttgarter Liederkranz im Laufe seiner Geschichte bereits zuteil, darunter die große Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des württembergischen Kronenordens (1888 durch König Karl verliehen), die Pro-Musica-Plakette des Orchesters und die Conradin-Kreutzer-Tafel.

Galerie

Ensembles und Repertoire Der KonzertChor Stuttgart ist das jüngste unter den verschiedenen Chorensembles. Seit Januar 2019 erarbeitet der neue Chor – seit 2023 unter der Leitung von Sebastian Kunz – anspruchsvolle weltliche und geistliche Werke der klassischen Chorliteratur für große gemischte Besetzungen. Es kommen sinfonische Chormusik, Opernwerke und Oratorien zur Aufführung – auch selten gehörte Programme und Stuttgarter Erstaufführungen sind mit dabei. Der KonzertChor probt regelmäßig einmal wöchentlich und an zusätzlichen Probetagen.

Im Sinfonieorchester Stuttgarter Liederkranz erarbeiten Amateure und Profis jährlich zwei bis drei Konzertprogramme. Das Repertoire umfasst vorwiegend klassische und romantische Sinfonien und Solokonzerte sowie oratorische Werke, welche zukünftig auch gemeinsam mit dem KonzertChor Stuttgart zur Aufführung gebracht werden. Das Orchester wird geleitet von Ulrich Walddörfer.

Das Vokalensemble stuttgart vokal wurde im Februar 2017 in Kooperation mit dem Stuttgarter Liederkranz 1824 e. V. von Andreas Großberger gegründet. Der Kammerchor formiert sich aus Musikstudenten, Musiklehrern und sehr ambitionierten Amateuren und probt wöchentlich in der Liederhalle. Das junge Ensemble hat das Ziel, als möglichst homogener Klangkörper auf hohem Niveau kammermusikalisch zu musizieren und anspruchsvolle geistliche und weltliche Chorliteratur aller Epochen aufzuführen.

Das Ensemble SLKplus ist ein zusätzliches Angebot unter der Leitung von Ulrich Walddörfer für alle, die Freude am lockeren gemeinsamen Singen in einem gemischten Chor haben. Die musikalische Bandbreite des Ensembles reicht vom Madrigal bis zum Musical.

Konzertreisen führten auch ins Ausland, wie nach Florenz, Wien, Budapest, Krakau und Rom. 2025 führte eine Konzertreise nach Brünn, die Partnerstadt Stuttgarts in Tschechien.Verständnis, Versöhnung und Hoffnung, auf meetingbrno.cz

Literatur Kurt Ehmer: „Rausche, Flügelschlag des Klanges …“ : Stuttgarter Liederkranz e. V.; Erinnerungsblätter zum 125jährigen Bestehen. Stuttgart . – Zeichnungen: Willy Widmann, Holzschnitte: Viktor Himmel. Erwin Schwarz (Red.): Stuttgarter Liederkranz 1824-1974. Stuttgart 1974 Schiller und der Stuttgarter Liederkranz.. In: Gustav Wais: Die Schiller-Stadt Stuttgart. Eine Darstellung der Schiller-Stätten in Stuttgart. Stuttgart 1955, Seite 70–76, Abbildung 104–112. 175 Jahre Stuttgarter Liederkranz. Stuttgart: Eigenverlag 1999.

Einzelnachweise

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