Alles Nichts Oder?! war eine Comedy-Spielshow und erster Erfolg des damals noch jungen Kölner Privatfernsehsenders RTL. Die Moderatoren Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder waren mit dieser Sendung zu deren Beginn sehr erfolgreich, obwohl sie anfangs noch mit kleinem Budget und minimaler Ausstattung arbeiten mussten. Das Produktionsteam setzte sich zusammen aus Rainer Bertram, Klaudi Fröhlich (Regie), Winni Gahlen (Produzent) sowie Jacky Dreksler, Klaus De Rottwinkel und Marie Reiners (Autoren). Es existiert eine Schallplatte, auf der die Gesangseinlagen der geladenen Sänger enthalten sind.Der helle Wahnsinn – Die Platte zur Torte zur Show, LP 840 963-1.
Konzept Grundidee der Sendung ist ein „Kindergeburtstag“ für Erwachsene. In jeder Sendung war ein prominenter Gast zu Besuch, der an wahnwitzigen, albernen und oft absichtlich „schwachsinnigen“ Spielen teilnehmen musste. Beide Moderatoren mussten sich gegen den jeweiligen Gast in verschiedenen Spielen behaupten. Nach einem verlorenen Spiel gab es eine Torte für den Gast, nach einem gewonnenen Spiel eine Torte für die Moderatoren Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder. Nach meist 6 bis 8 Spielen gewann derjenige, der die wenigsten Torten für sich bestimmen konnte. Meist verloren die Gastgeber, die dann am Ende die Köpfe durch eine bemalte Pappwand mit zwei Löchern stecken mussten, um dann die Torten von ausgewählten Personen aus dem Publikum ins Gesicht geworfen zu bekommen. Gäste, die Torten ins Gesicht bekamen, waren unter anderem Harald Schmidt, Jürgen von der Lippe, Rex Gildo sowie Klaus & Klaus. Bei Harald Schmidt und Klaus & Klaus war dies jedoch von Anfang an geplant.
Populär wurde die Sendung unter anderem wegen regelmäßig auftretender verbaler Schlagabtausche zwischen den Moderatoren. Diese siezten sich vor der Kamera und gifteten sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Typische Floskeln waren meist „Sie magersüchtiges Frettchen“ von Hella von Sinnen und „Sie kleine fette Schnecke“ von Hugo Egon Balder. Da er in dieser Zeit auf dem Sender auch mit der Show Tutti Frutti als Moderator zu sehen war, war dies ebenfalls ein regelmäßiges Ziel des Spottes von Hella von Sinnen. Aufsehen erregten außerdem die künstlerisch aufwendigen Kostüme Hella von Sinnens, die von den Kölner Kunststudenten Anne Jendritzko, Ralph Hazy Hartlieb und Silvia Boucké entworfen wurden.
Die Torten wurden stets von Tortengirl Regine hereingetragen, die ebenfalls abenteuerliche Kostüme trug. Die Torten waren nicht echt, sondern aus Lebensmittelfarbe und geschlagenem Eiweiß konstruiert. Vieles an der Sendung war improvisiert. Insbesondere die Anfangssequenz, in der Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder debattierten, war nie abgesprochen. Als Satire zu den Mainzelmännchen des ZDF wurden ab Januar 1990 in der Werbepause oft die Heinzelmannen gesendet. Hierbei handelt es sich um kurze Clips, in denen unter anderem Klaus De Rottwinkel und Hannes Kopp Sketche vortrugen oder Werbespots verballhornten („Drei-Wetter-Saft“). Die nachfolgenden Jahresrückblicke wurden ebenfalls von ihnen präsentiert.
Daten und Fakten Von 1988 bis 1992 wurden von RTL 107 Sendungen zu je 60 Minuten produziert. Der ursprüngliche Ausstrahlungstermin ab der Erstausstrahlung am 8. April 1988 war freitags 23 Uhr. Ab 16. Juli 1988 wurde die Sendung immer samstags ab 22 Uhr nach dem Hauptabendprogramm im wöchentlichen Wechsel mit Dall-As gesendet. Zeitweilig wurden Sendungen sogar live produziert und gesendet. Wiederholungen der Sendungen liefen in den 1990er Jahren bis Anfang der 2000er Jahre auf Super RTL, allerdings wurden einzelne Szenen und der Abspann oft geschnitten.
Die erste Sendung wurde am 8. April 1988 mit Diether Krebs als Gast ausgestrahlt, die 107. und letzte Sendung erfolgte am 5. Dezember 1992 mit Frank Zander, Charles M. Huber, Wolfgang Völz, Eva Pflug, Tana Schanzara und Cleo Kretschmer. Die erste Live-Sendung wurde zu Beginn des Jahres 1990 mit Gaststar Wolfgang Völz ausgestrahlt. Durchschnittlich sahen 3,5 bis 4,0 Millionen Zuschauer die Sendung, zuletzt nur noch 1,5 bis 2,0 Millionen, was zur Absetzung Ende 1992 führte. Dazu gab es noch sieben Best-of-Sendungen, die – zusammengerechnet mit den sonstigen 107 Sendungen – zu maximal 114 Sendungen führten.
Die beiden Erfinder der Sendung Hugo Egon Balder und Jacky Dreksler wollten mit dem ungewöhnlichen Sendungstitel die ARD-Quizsendung Alles oder nichts verballhornen. Balder und Dreksler hatten den Titel schon 1983 für eine Kabarettsendung, in der beide auftraten, verwendet, die vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Einer der Autoren der Sendung war Klaus De Rottwinkel, der viele Spiele für die Sendung erfand.
Spiele In der Sendung mussten die Gäste mehrere Aufgaben erfüllen, um zu gewinnen. Einige der Spiele wurden immer wieder gespielt, andere seltener oder nur einmal. Einige Spiele waren sogar speziell für den jeweiligen Gast entwickelt worden. Am Ende stand ein aufwändigeres Finalspiel, das sich von Staffel zu Staffel und manchmal auch bei einzelnen Gästen änderte.
10 Fragen 10 Fragen war kein Spiel und es gab demnach auch keine Torte. Meist anfangs auf der Couch stellten die Moderatoren dem Gast zehn Fragen, auf die er nur mit „ja“ oder „nein“ antworten durfte. Einmal durfte er einen Joker setzen und eine Frage unbeantwortet lassen. Die Fragerei diente dabei mehr dem Kennenlernen des Gastes. Es wurde seit dem Besuch Günther Jauchs abgehalten, der dies in seiner Show Stern TV genauso praktizierte. Zungenbrecher Das Spiel Zungenbrecher wurde während der gesamten Sendereihe gespielt. Der Gast musste einen Zungenbrecher dreimal möglichst fehlerfrei aufsagen. Das Konzept wurde später variiert, sodass der Gast einen Tischtennisball in den Mund nehmen und so einen Zungenbrecher zu Hella von Sinnen oder Hugo Egon Balder sagen musste. Erkannten sie den Satz nicht, gab es einen Punkt. Erkannten sie ihn, konnte der Punkt zurückgewonnen werden, indem der Gast den Ball in eine Tonne spuckte. Falls es sich um ein Gästepaar handelte, mussten diese sich gegenseitig die Zungenbrecher erzählen und erkennen. Höhepunkt dieser Spielrunde war oftmals die sinnlose Wortfolge „Wachsmaske – Messwechsel, Messwechsel – Wachsmaske“, die dreimal wiederholt werden musste. Zitate Nicht unbedingt einfach war das Erraten, welche Person ein bestimmtes Zitat gesagt habe. Die Moderatoren gaben abwechselnd fünf – teils sehr skurrile – Zitate vor und drei mögliche Urheber; in ebenfalls manchmal grotesken Situationen. Der Gast musste drei richtig erraten. Pantomime Sehr häufig mussten in Spielen Begriffe pantomimisch dargestellt und vom Publikum oder Partner erraten werden. Regelmäßig wurde ein Pantomimespiel meist am Anfang der Sendung gespielt. Hugo Egon Balder bediente dabei immer einen symbolisierten Gong, während Hella von Sinnen dem Gast die Begriffe reichte. Gästepaare mussten meist eine Doppelpantomime leisten, bei denen ein zusammengesetzter Begriff aufgeteilt dargestellt werden musste. In den ersten Sendungen war vom Publikum aus versehentlich ein Kontrollmonitor zu sehen, auf dem das aktuelle Fernsehbild eingeblendet war. Dadurch konnten diese die Begriffe eingeblendet sehen. In späteren Sendungen wurde diese Möglichkeit entfernt. Schüttelreim Bei diesem relativ einfachen Spiel mussten Schüttelreime vervollständigt werden. Hella von Sinnen oder Hugo Egon Balder trugen den Reim vor. Die letzten beiden Wörter musste der Gast daraus herleiten. Märchen Ein Spiel war das Erraten von Märchen, welche von Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder vorgetragen wurden. Klaus De Rottwinkel hatte hierbei bekannte Märchen der Brüder Grimm, von Hans Christian Andersen und anderen satirisch und in Reimform umgesetzt. Viele davon sind im Buch zur Show enthalten. In den späteren Staffeln wurde die lange Reimform der Gedichte zugunsten kürzeren Vorträgen als Limericks aufgegeben. Vahne forn Bei diesem Spiel mussten die Gäste Länder erraten, die durch witzige Comicbilder in Form von Fahnen stilisiert waren. Zum Beispiel zeigt eines der Bilder Frank Elstner, wie er im Geld schwimmt. Das gesuchte Land ist also Frank + ist reich = Frankreich. Dieses Spiel wurde später ebenfalls in abgewandelter Form weiter gespielt. Viele der Bilder stammen auch hier von Klaus De Rottwinkel. Welches Tier versteckt sich hier? Es wurden Gegenstände ins Studio gebracht oder Szenen dargestellt. Dabei musste erraten werden, welcher Tiername hierbei repräsentiert wird. Später wurde das Spielprinzip auf alle möglichen Themengebiete erweitert. Dieses Spiel war im Prinzip eine Variante von Vahne forn. Beispiel: Es sollten berühmte Buchtitel erraten werden. Eine Frau bringt eine rote Rose herein, an der ein großes Namensschild hängt. Buchtitel: Der Name der Rose Eine Biberpuppe mit Schlitzaugen und chinesischem Hut wird hereingefahren. Buchtitel: Die Bibel Röntgenbild Auf einer beleuchteten Fläche eines stilisierten Röntgenapparates wurden dem Gast angebliche Röntgenbilder präsentiert. Der Gast musste erraten, wen oder was das Bild darstellt. Es handelte sich natürlich nicht um echte Röntgenbilder, sondern um von Klaus De Rottwinkel comichaft gezeichnete Bilder, die mitunter Hinweise auf das Bild enthielten, die man eher nicht auf Röntgenbildern antrifft. So musste beispielsweise einmal Frankensteins Monster erraten werden – dargestellt von Boris Karloff. Das Röntgenbild stellte das Skelett als eine Ansammlung von Schrottgegenständen dar. Witz mit Störung In diesem Spiel sammelten Hella von Sinnen oder Hugo Egon Balder zunächst wahllos Begriffe im Publikum und schrieben diese auf große Blätter. Danach erzählte der Gast einen (längeren) Witz und die Zeit dafür wurde gestoppt. Hella von Sinnen oder Hugo Egon Balder mussten diesen Witz dann nacherzählen, dabei aber die Begriffe (Zitat Balder:) „ad hoc“ sinnvoll einbauen, die ihnen zufällig hingehalten wurden. Schafften sie es nicht, den Witz in der vorgegebenen Zeit nachzuerzählen, gewann der Gast. Dieses Spiel wurde mehrfach abgewandelt. Anfangs gaben sich Hella von Sinnen oder Hugo Egon Balder den Witz vor, doch seit dem Besuch Alfred Bioleks, der darauf bestand, seinen eigenen Witz zu erzählen, übernahm dies fortan der Gast. Schwampf Die Moderatoren gaben mehrere Sätze vor, die der Gast sinngemäß vervollständigen musste. Dabei musste man aber den ersten Satz mit „Schwampf“ und alle weiteren Sätze mit der Antwort des jeweils vorhergehenden Satzes ergänzen. Man musste sich also die eigentlich richtige Antwort für den nächsten Satz merken und als Antwort die richtige Antwort des vorhergehenden Satzes sagen. Einige Gäste, insbesondere Joy Fleming, hatten mit diesem Spielkonzept Probleme. Kofferpacken Es wurde im Wesentlichen das Spiel Kofferpacken gespielt, jedoch mussten alle Dinge, die eingepackt wurden, zusätzlich pantomimisch dargestellt werden. Es gewannen entweder Hella und Hugo, sobald der Gast sich vertat, oder der Gast, wenn einer der Moderatoren einen Fehler machte. Der Running Gag dieses Spiels war, dass Hugo Egon Balder öfter einen Kondomautomaten mitnahm. Fernseher/Anrufbeantworter Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder parodierten eine Fernsehsendung oder Werbespot, der Gast musste diese erraten. Später dann mussten Prominente anhand ihres (angeblichen) Anrufbeantworterspruches erraten werden, ebenfalls wieder satirisch von den Moderatoren vorgetragen. Telefonspiel Bei diesem ersten Finalspiel wurde eine Nummer zufällig aus einem beliebigen Telefonbuch Deutschlands herausgesucht und der entsprechende Teilnehmer angerufen. In einer festgesetzten Zeit (2 Minuten) musste der Gast den Angerufenen von seiner Identität überzeugen. Das Spiel war gewonnen, wenn der Angerufene sinngemäß sagte: „Ja, ich glaube, dass Sie … sind.“ Die Telefonbücher waren anfangs in einer Art Hängetisch angeordnet. Später wurde eine große drehbare Ananas gebaut, in welche die Telefonbücher wie in ein Regal eingestellt werden konnten. Riskant!