Gabriela Signori (* 6. Februar 1960 in Basel) ist eine deutschsprachige Historikerin, die das Spätmittelalter erforscht. Signori lehrt seit 2006 als Professorin für die Geschichte des Mittelalters an der Universität Konstanz. Zu ihren vielfältigen Forschungsgebieten gehören die Frömmigkeits- und Geschlechtergeschichte.

Leben und Wirken Gabriela Signori studierte Geschichte, Romanistik und Philosophie an den Universitäten Basel, Genf, Lausanne und Paris. In Basel wurde sie bei František Graus promoviert. Von 1992 bis 2000 war sie Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl von Klaus Schreiner an der Universität Bielefeld. Anschließend war sie 2000/2001 Heisenberg-Stipendiatin. Signori lehrte von 2001 bis 2006 als Professorin für die Geschichte des Spätmittelalters und der historischen Hilfswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2004 sagte sie eine Nomination für die Professur zur Geschichte des Spätmittelalters an der Harvard University ab. Einen 2005 erfolgten Ruf an die Ruhr-Universität Bochum lehnte sie ab und nahm stattdessen einen Ruf an die Universität Konstanz an. Dort lehrt sie seit 2006 als Professorin für die Geschichte des Mittelalters. Sie ist Mitglied im Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Frömmigkeitsgeschichte, die Ideengeschichte, die Rechtsgeschichte, Gender Studies, die Geschichte des Alters, die monastische Kultur des späten Mittelalters und die historischen Hilfswissenschaften. In ihrer 2001 veröffentlichten Habilitationsschrift befasste sie sich mit kinder- und familienlosen Erblassern im spätmittelalterlichen Basel.Vgl. dazu die Besprechungen von Matthias Steinbrink in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 89 (2002), S. 213; J. Friedrich Battenberg in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 50 (2002), S. 460–462; Kathrin Utz Tremp in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58 (2002), S. 360 (online). Dazu wertete sie siebzig Testamente kinderloser Erblasser für den Zeitraum von 1450 bis 1500 aus den Fertigungsbüchern des Großbasler Schöffengerichts aus. Im Jahr 2005 legte sie eine Sammlung von Aufsätzen vor, die zu einem besseren Verständnis des 15. Jahrhunderts beitragen sollen. Das 15. Jahrhundert war bislang vielfach nur aus dem Blickwinkel der Reformation und als eine Zeit des Verfalls und Niedergangs aufgefasst worden. Signori legt in ihrer Darstellung den thematischen Schwerpunkt auf den spätmittelalterlichen Kirchenraum, „als Kommunikationsraum, als Raum, der benutzt, besetzt, bemalt und beschrieben wird, als Raum auch, den unterschiedliche soziale Gruppen und Kräfte für sich beanspruchen und um den sie, falls nötig, auch kämpfen“.Gabriela Signori: Räume, Gesten, Andachtsformen. Geschlecht, Konflikt und religiöse Kultur im europäischen Mittelalter. Ostfildern 2005, S. 9. Sie zeigt eine Vielzahl an Geschriebenen im Kirchenraum auf. Angesichts von zahlreichen Tafeln und Texten in den Kirchen beispielsweise zur Katechese oder zur Erhöhung der Kirchenzucht ging Signori ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von einer deutlich höheren Lesefähigkeit aus.Gabriela Signori: Bild oder Schrift? Katechese in Büchern, auf Tafeln und Kirchenwänden. In: Dies.: Räume, Gesten, Andachtsformen. Geschlecht, Konflikt und religiöse Kultur im europäischen Mittelalter. Ostfildern 2005, S. 36–73, hier: S. 73. In einem weiteren Beitrag konnte Signori feststellen, dass die Reformation vielmehr zunächst die Kirchen „entstuhlte“.Gabriela Signori: Stehen oder Sitzen? Die Geschichte eines Mythos. In: Dies.: Räume, Gesten, Andachtsformen. Geschlecht, Konflikt und religiöse Kultur im europäischen Mittelalter. Ostfildern 2005, S. 74–95, hier: S. 95. Damit korrigierte Signori die Sichtweise, dass erst die Reformation das Kirchengestühl hervorgebracht habe. Außerdem geht sie der Frage nach den Kopfbedeckungen und Barhäuptigkeit von Männern und Frauen beim Betreten der Kirche nach. Zunächst gab es unterschiedliche Normen für Männer und für Frauen. Im Spätmittelalter mussten alle ihr Haupt bedecken, jedoch auf unterschiedliche Art und Weise.Gabriela Signori: Stehen oder Sitzen? Die Geschichte eines Mythos. In: Dies.: Schleier, Hut oder Haar? Gedanken zur Rezeptionsgeschichte von 1 Korinther 11,3–16. Ostfildern 2005, S. 96–113, hier: S. 113. Mit dieser Arbeit legte sie einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des 15. Jahrhunderts vor.Besprechung von Arnd Reitemeier in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 7/8 [15. Juli 2006] (online); Bea Lundt in: Das Mittelalter 13 (2008), S. 183–184.

Im Jahr 2006 veranstaltete Signori eine kulturwissenschaftliche Tagung über die „lesende Frau“. Dabei wurden drei Themenfelder von der Antike zur Moderne um die „lesende Frau“ erforscht. Gefragt wurde nach der lesenden Frau als Metapher in Wort und Bild, nach der Frau als Adressatin und als Leserin sowie nach geeigneten Lesestoffen und Erziehungsmodellen für Frauen. Die Beiträge wurden 2009 von Signori herausgegeben.Vgl. dazu die Besprechung von Pauline Puppel in: Nassauische Annalen 122 (2011), S. 516–519.

Im Jahr 2007 gab Signori einen Sammelband über das Siegel heraus.Vgl. dazu die Besprechungen von Doris Bulach in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65 (2009), S. 274–276 (online); Pauline Puppel in: sehepunkte 8 (2008), Nr. 5 [15. Mai 2008] (online); Carsten Woll in: Das Historisch-Politische Buch 56 (2008), S. 568–569 Tobias Weller in: Zeitschrift für historische Forschung 37 (2010), S. 113–115; Johannes Mötsch in: Historische Zeitschrift 290 (2010), S. 415–417. Der Band bündelt 18 Beiträge, die nach zwei einführenden Aufsätzen sich auf die Themenfelder kirchliche Siegelführung, weltliche Siegelführung und spezielle Siegelfunktionen konzentrieren. Die Darstellung versteht sich dabei nicht als Siegelkunde, sondern als „einführendes Lesebuch“ und will dem Leser „die kulturellen Dimensionen der vormodernen Siegelpraxis“ näher bringen. Im Blickpunkt stehen die zentralen Funktionen des Siegels „als Medium der Selbstdarstellung und der Stellvertretung“ sowie „als Mittel der Authentifizierung und der Authentizitätskontrolle“.Gabriela Signori: Das Siegel. Gebrauch und Bedeutung. Darmstadt 2007, S. 5. Der zeitliche Schwerpunkt des Buches liegt auf dem Hoch- und Spätmittelalter. Im Jahr 2007 legte sie eine historische Einführung über Wunder vor. Sie erläutert „Die christlichen Grundlagen“, geht auf die wichtigsten Quellen („Wunderberichte“) ein, erörtert die „Soziale Welt des Wunders“ und stellte mit „Wunderheilungen“ sowie „Gewalt und Wunder“ zwei wichtige von der Gesellschaft beeinflusste Phänomene vor.Besprechungen von Georg Scheibelreiter in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 119 (2011), S. 193–196 (online); Ralf Lützelschwab in: Zeitschrift für historische Forschung 36 (2009), S. 300–302; Michaela Hammerl in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2008, S. 170–173. Ebenfalls 2007 veröffentlichte sie eine Einführung in das 13. Jahrhundert.Besprechungen von Robert Gramsch in: H-Soz-Kult, 1. Juli 2009 (online); Uwe Israel in: sehepunkte 7 (2007), Nr. 9 [15. September 2007] (online); Knut Görich in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Bd. 66 (2010), S. 296 (Digitalisat); Martin Kaufhold in: Zeitschrift für historische Forschung 37 (2010), S. 127–128; Wolfgang Hasberg in: Das Historisch-Politische Buch 55 (2007), S. 262; Christof Paulus in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 56 (2008), S. 168–170; Thomas Vogtherr in: Das Mittelalter 15 (2010), S. 178; Wolfgang Stürner in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 67 (2008), S. 534–535. In ihrer Einführung ist das Besondere, dass „die Quellen, weniger die Forschungsliteratur im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen“.Gabriela Signori: Das 13. Jahrhundert. Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas. Stuttgart 2007, S. 7. Signori verzichtet damit in ihrer Überblicksdarstellung auf eine Einführung in die Forschungsgeschichte und Forschungskontroversen. Sie beginnt ihr Studienbuch über die „Grenzen der Welt“ des europäischen 13. Jahrhunderts. Dabei behandelt sie den vierten Kreuzzug, die Albigenserkreuzzüge, die Reconquista, die Kreuzzüge im Baltikum, die Kinderkreuzzüge und die Reise Wilhelm von Rubruks zu den Mongolen. Signori hebt den starken Anteil der Kreuzzugsgeschichte am 13. Jahrhundert hervor: „Das 13. Jahrhundert kann mit Fug und Recht als Jahrhundert des Kreuzzugs bezeichnet werden“.Gabriela Signori: Das 13. Jahrhundert. Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas. Stuttgart 2007, S. 28. Neben traditionellen politikgeschichtlichen Themen setzt Signori in ihrer Darstellung einen Schwerpunkt auf kulturgeschichtliche Aspekte. Die weiteren Kapitel behandeln die Kirche (II), die Bildung und Erziehung (III), die europäischen Mächte (IV), die Rechtskodifikationen (V), Stadt und Land (VI) sowie Literatur und Kunst (VII). Gemeinsam mit Birgit Studt organisierte sie im Herbst 2011 eine Reichenau-Tagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte mit dem Thema „Das Konstanzer Konzil als europäisches Ereignis“. Die drei Schwerpunkte des Bandes liegen auf „Begegnungen“, „Kommunikation“ und „Ritualen“.Vgl. dazu die Besprechungen von Jörg Schwarz in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 74 (2018), S. 846–849; Jürgen Miethke in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 9 [15. September 2015] (online); Harald Derschka in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 133 (2015), S. 314–315; Paul Srodecki in: Historische Zeitschrift 305 (2017), S. 201–203.

Im Jahr 2012 legte sie gemeinsam mit Marc Müntz das Rechnungsbuch des Konstanzer Goldschmieds Steffan Maignow, das einzig bislang bekannte Rechnungsbuch eines spätmittelalterlichen Goldschmieds im deutschsprachigen Raum, in einer kritischen Edition vor und machte es damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.Vgl. dazu die Besprechungen von Thomas Ertl in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 70 (2014), S. 712; Melanie Prange in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 73 (2014), S. 523–524. Das Dokument vermittelt Einblicke in die Arbeits- und Erfahrungswelt eines mittelalterlichen Kunsthandwerkers. Das Rechnungsbuch führte Maignow von 1477 bis zu seinem Tod 1501. Seine Witwe setzte es bis 1520 fort. Im Jahr 2014 veröffentlichte Signori eine kommentierte Edition des Schuldbuchs von Ludwig Kilchmann, einem Basler Kaufmann. Das Buch umfasst neben einem 24 Blätter zählenden alphabetischen Register 324 Blätter. Das Schuldbuch beginnt mit dem Jahr 1452 und endet in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts. Dadurch liegt ein wertvolles Zeugnis kaufmännischen Schriftgutes vor.Vgl. dazu die Besprechungen von Mechthild Isenmann in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 102 (2015), S. 413–414 (online); Thomas Ertl in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 73 (2017), S. 789–790 (online); Sabrina Stockhusen in: Jahrbuch für Regionalgeschichte 33 (2015), S. 147–149; Ulla Kypta in: Archiv für Kulturgeschichte 98 (2016), S. 488–490.