Sboriw (; ) ist eine ukrainische Stadt im Westen der Oblast Ternopil und war bis Juli 2020 das Zentrum des gleichnamigen Rajons. Sboriw liegt im ehemaligen Galizien, wo es ab 1904 Sitz einer Bezirkshauptmannschaft war. mini|links|Rathaus im Ort
Geographie Die Stadt liegt 35 Kilometer nordwestlich der Oblasthauptstadt Ternopil und 85 Kilometer südöstlich von Lwiw (Lemberg) am Ufer der Strypa auf der Wolhynisch-Podolischen Platte. Die Stadt wird erschlossen durch die Fernstraße Lwiw – Winnyzja (N 02) und die Eisenbahnstrecke Lwiw–Ternopil.
Ethnien In der Stadt leben Ukrainer, Polen, Juden und andere Nationalitäten, wobei die Ukrainer die Mehrheit bilden.
Geschichte In der Umgebung von Sboriw wurden steinzeitliche Funde gemacht.
Erstmals erwähnt wurde die Stadt in einem Dokument aus dem Jahr 1166. 1241, während des Einfalls der Mongolen wurde es gebrandschatzt und zerstört. 1639 wurde Zborów die Stadtrechte verliehen. Der heutige Name soll mit dem Namen der polnischen Adelsfamilie Zborowski verwandt sein. Während des Chmelnyzkyj-Aufstands wurde in der Nähe der Stadt die polnische Armee von einer kosakisch-krimtatarischen Armee geschlagen, wonach zwischen den beiden Seiten der Vertrag von Sboriw unterzeichnet wurde.
1772 kam der Ort unter österreichische Herrschaft und wurde ein Teil Galiziens. Nach einer Verwaltungsreform war der Ort von 1854 bis 1867Reichsgesetzblatt vom 24. April 1854, Nr. 111, S. 401. und erneut ab 1904 Sitz der Bezirkshauptmannschaft ZborówReichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1904, XLVI. Stück, Nr. 88: „Kundmachung des Ministeriums des Innern vom 17. August 1904“ und blieb dies bis 1918, parallel dazu wurde 1876 ein Bezirksgericht des Bezirks Złoczów (bis 1904, danach Bezirk Zborów) errichtet. Während dieser Zeit, am 22. Dezember 1870 wurde bei der Stadt ein Bahnhof der Strecke nach Tarnopol eröffnet.
1913 hatte Zborów etwa 6000 Einwohner, davon 1300 Polen, 2400 Ukrainer and 2300 Juden. Während des Ersten Weltkriegs war die Umgebung der Stadt Schauplatz einer Schlacht der tschechoslowakischen Legionäre gegen die k.u.k. Armee (Schlacht bei Zborów, 2. Juli 1917).
Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie während des Ersten Weltkriegs im November 1918 wurde die Stadt Teil der Westukrainischen Volksrepublik (WUVR). Im Juli 1919 besetzte Polen auch die letzten Teile dieser Republik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien für eine Zeitdauer von 25 Jahren Polen zu.
Nach dem Krieg kam Zborow zu Polen und war Sitz eines Powiat innerhalb der Woiwodschaft Tarnopol.
mini|Zborów am Strypa, Franziszeische Landesaufnahme, um 1869
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Juli 1941 von der Wehrmacht erobert. Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ermordeten kurz darauf die jüdische Bevölkerung der Stadt. Im Sommer 1944 wurde die Stadt während einer Offensive der Roten Armee völlig zerstört.
In der Ära der Sowjetunion (1944–1991) wurde Zborów, nunmehr ukrainisch Sboriw genannt, wieder aufgebaut. Kleinere Industriebetriebe (Bauindustrie, Lebensmittelindustrie) wurden in den 1960er Jahren angesiedelt. Der staatseigene Landwirtschaftsbetrieb (Sowchos) in Sboriw galt als einer der besten der Region.
In den 1980er Jahren wurde die Stadt durch staatliche Investitionen weiter entwickelt. Es entstand ein Kino, ein agrarischer Handelsbetrieb, eine neue weiterführende Schule, ein Bootsverleih, ein Fußballstadion, ein Rathaus und ein Kulturhaus.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Planwirtschaft erlitt auch die lokale Wirtschaft einen erheblichen Niedergang. Seit den 1990er Jahren verließen daher viele arbeitsfähige Einwohner die Stadt, um als günstige Arbeitskräfte in Westeuropa oder Russland zu arbeiten. Heutzutage gibt es aber viele Einwohner, die täglich nach Ternopil und Lwiw pendeln, um dort zu arbeiten.
Verwaltungsgliederung Am 2. November 2018 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Sboriw (), zu dieser zählten auch noch die 37 Dörfer Awhustiwka (Августівка), Chorobriw (Хоробрів), Chorostez (Хоростець), Chrabusna (Храбузна), Futory (Футори), Harbusiw (Гарбузів), Hodiw (Годів), Iwatschiw (Івачів), Jaroslawytschi (Ярославичі), Jartschiwzi (Ярчівці), Jossypiwka (Йосипівка), Kabariwzi (Кабарівці), Kalne (Кальне), Kalyniwka (Калинівка), Kortschunok (Корчунок), Krasna (Красна), Manajiw (Манаїв), Meteniw (Метенів), Monyliwka (Монилівка), Mschana (Мшана), Nyschtsche (Нище), Olijiw (Оліїв), Perepelnyky (Перепельники), Pidhajtschyky (Підгайчики), Plisnjany (Плісняни), Pohribzi (Погрібці), Roshadiw, Schabynja (Жабиня), Schukiwzi (Жуківці), Slawna (Славна), Welyka Plawutscha (Велика Плавуча), Wilschanka (Вільшанка), Wirliw (Вірлів), Wolossiwka (Волосівка), Wowtschkiwzi (Вовчківці), Zezeniwka (Цеценівка) und Zyzory (Цицори),Про перші вибори депутатів сільських, селищних, міських рад об’єднаних територіальних громад і відповідних сільських, селищних, міських голів 29 жовтня 2017 року bis dahin bildete sie zusammen mit dem südöstlich gelegenen Dorf Futory die gleichnamige Stadtratsgemeinde Sboriw (Зборівська міська рада/Sboriwska miska rada) im Westen des Rajons Sboriw.
Am 12. Juni 2020 kamen noch weitere 15 in der untenstehenden Tabelle aufgelistetenen Dörfer zum Gemeindegebiet.Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 724-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Тернопільської області"
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Ternopil.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Sboriw Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Awhustiwka Августівка Августовка (Awgustowka) Augustówka Berymiwzi Беримівці Беримовцы (Berimowzy) Beremowce Bsowyzja Бзовиця Бзовица (Bsowiza) Bzowica Chrabusna Храбузна Храбузна Chrabużna Chorobriw Хоробрів Хоробров (Chorobrow) Chorobrów Chorostez Хоростець Хоростец Chorościec Futory Футори Футоры Futory Harbusiw Гарбузів Гарбузов (Garbusow) Harbuzów Hodiw Годів Годов (Godow) Hodów Hrabkiwzi Грабківці Грабковцы (Grabkowzy) Grabkowce Hukaliwzi Гукалівці Гукаловцы (Gukalowzy) Hukałowce Iwatschiw Івачів Ивачев (Iwatschew) Iwaczów Jaroslawytschi Ярославичі Ярославичи (Jaroslawitschi) Jarosławice Jartschiwzi Ярчівці Ярчовцы (Jartschowzy) Jarczowce Jossypiwka Йосипівка Йосиповка (Jossipowka) Józefówka Kabariwzi Кабарівці Кабаровцы (Kabarowzy) Kabarowce Kalyniwka Калинівка Калиновка (Kalinowka) Cecowa Kalne Кальне Кальное (Kalnoje) Kalne Korschyliw Коршилів Коршилов (Korschylow) Korszyłów Kortschunok Корчунок Корчунок (Kortschunok)
Krasna Красна Красная (Krasnaja) Krasna Kudobynzi Кудобинці Кудобинцы (Kudobinzy) Kudobińce Kudyniwzi Кудинівці Кудиновцы (Kudynowzy) Kudynowce Lawrykiwzi Лавриківці Лавриковцы (Lawrikowzy) Ławrykowce Lopuschany Лопушани Лопушаны Łopuszany Manajiw Манаїв Манаев (Manajew) Manajów Meteniw Метенів Метенев (Metenew) Meteniów Mlyniwzi Млинівці Млыновцы (Mlynowzy) Młynowce Monyliwka Монилівка Мониловка (Monilowka) Moniłówka Mschana Мшана Мшана Mszana Nyschtsche Нище Нище (Nischtsche) Nuszcze Olijiw Оліїв Олиев (Olijew) Olejów Oserjanka Озерянка Озерянка Jezierzanka Perepelnyky Перепельники Перепельники (Perepelniki) Perepelniki Pidhajtschyky Підгайчики Подгайчики (Podgaitschiki) Podhajczyki Plisnjany Плісняни Плесняны (Plesnjany) Pleśniany Pohribzi Погрібці Погребцы (Pogrebzy) Pohrebce Pryssiwzi Присівці Присовцы (Prissowzy) Presowce Roshadiw Розгадів Розгадов (Rosgadow) Rozhadów Saruddja Заруддя Зарудье (Sarudje) Zarudzie Schabynja Жабиня Жабыня Żabin Schukiwzi Жуківці Жуковцы Żukowce Slawna Славна Славная (Slawnaja) Sławna Trawotoloky Травотолоки Травотолоки (Trawotoloki) Trawotłoki Tustoholowy Тустоголови Тустоголовы (Tustogolowy) Tustogłowy Welyka Plawutscha Велика Плавуча Великая Плавуча (Welikaja Plawutscha) Płaucza Wielka Wilschanka Вільшанка Ольшанка (Olschanka)
Wirliw Вірлів Вирлов (Wirlow) Urlów Wolossiwka Волосівка Волосовка (Wolossowka) Wołosówka Wowtschkiwzi Вовчківці Волчковцы (Woltschkowzy) Wołczkowce Zeziwka Цецівка Цецовка (Zezowka) Cecówka Zyzory Цицори Цицоры (Zizory) Cecory
Politische Zugehörigkeit Im Zeitraum von 1550 bis heute (2008), gehörte Ternopil zu folgenden Staaten:
1569–1772 in der Wojewodschaft Ruthenia, einer administrativen Einheit von Polen-Litauen; 1772–1918 Kaiserreich Österreich, ab 1867 Österreich-Ungarn; 1918–1939 Teil der Wojewodschaft Tarnopol, einer administrativen Einheit der Zweiten Republik Polen; 1939–1991 Teil der Sowjetunion; ab 1991 Teil der Ukraine
Söhne und Töchter der Stadt Rafajil (Saborowskyj) (1676–1747), Metropolit von Kiew, Heiliger der Orthodoxe Kirche der Ukraine Mikolaj Skorodynski (1751/1757–1805), griechisch-katholischer Bischof von Lemberg Milena Rudnyzka (1892–1976), politische Aktivistin, Pädagogin, Journalistin und Schriftstellerin, polnische Parlamentsabgeordnete und Feministin Andrij Sybiha (* 1975), Diplomat und Jurist
Siehe auch Schlacht bei Zborów (1917)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Ternopil Kategorie:Massaker (Zweiter Weltkrieg) Kategorie:Ersterwähnung 1166 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1639 Kategorie:Rajon Ternopil Kategorie:Ort an der Strypa