Manfred G. Dinnes (* 2. Oktober 1950 in Regensburg; † 23. August 2012 in Pettendorf) war ein deutscher Maler, Bildhauer, Autor, Regisseur sowie Leiter der Galerie Atelier & Galerie, St. Johann in Pfatter bei Regensburg. Außerdem war er Kulturressortleiter von Europeonline-magazine.
Leben Manfred G. Dinnes unternahm zum Studium anderer Kulturen Reisen durch Europa (Spanien), den Vorderen Orient (Türkei, Syrien und Irak) und Nordafrika (Marokko, Algerien, Mauretanien). Zur Finanzierung der Reisen arbeitete er als Hafenarbeiter, Bordmechaniker, Lastwagenfahrer. Nach schwerer Erkrankung kehrte er 1972 nach Europa zurück. 1973/74 absolvierte er eine Ausbildung als Kirchenmaler und Restaurator. Er lernte außerdem das Handwerk der Glasmalerei und Glasbläserei an der Glasfachschule Zwiesel kennen. 1974 begann er ein Studium der Freien Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Gerhard Wendland, Ludwig Scharl und Franz Winzinger. 1976 heiratete er die Regensburgerin Karin Hahn. In Nürnberg erhielt er 1977 und 1978 Akademiepreise. 1978 wurde er Meisterschüler von Gerhard Wendland.
Er schloss das Nürnberger Akademiestudium am 31. März 1979 „mit sehr gutem Erfolg“ ab. Dinnes ging in die freiberufliche künstlerische Tätigkeit und richtete sich ein Atelier ein. 1980 organisierte er die Ausstellung „Europa an der Schwelle – Junge Kunst in Europa“ im Auftrag des Thomas-Dehler-Instituts. Die in Regensburg unter Beteiligung von 30 Künstlern aus neun Ländern gezeigte Ausstellung wurde anschließend in Berlin, Bremen, Nürnberg, Stuttgart, Rom, Straßburg und München gezeigt. 1980 wurde ihm der Kulturförderpreis der Stadt Regensburg durch Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher verliehen und aus diesem Anlass eine Ausstellung im Museum der Stadt Regensburg/Galerie des 20. Jahrhunderts ausgerichtet. Hierzu erschien die Künstlermonographie „Spiegel des Werdens“ mit einer Einführung von L. Fischer, Los Angeles. 1988 bildete er sich mit einem Studium an der Hochschule der bildenden Künste, Berlin (Kulturpädagogische Arbeitsstelle des Fachbereichs II) fort. In den 1990er Jahren begann er seine kunstpädagogische Arbeit mit Schülern mehrerer Regensburger Schulen.
1990 folgte er der Einladung zu zwei Studienaufenthalten nach Počitelj in Bosnien-Herzegowina. Es entstand der Gemäldezyklus „West-östlicher Diwan“, eine Hommage an Johann Wolfgang von Goethe, als Ausdruck der Kulturbegegnung. 1991 begann die Zusammenarbeit mit dem Geisteswissenschaftler und Augenarzt Nadim Sradj. Gemeinsam entwickelten sie eine Wahrnehmungstheorie, welche die Grundlage für die axiomatische Theorie und ihre Anwendung in der Kunst bildet. Hier werden die verschiedenen Wahrnehmungen ein und desselben Gegenstandes durch verschiedene Kulturen thematisiert, die z. B. auch Ursachen von Konflikten sein können. Zu den Erkenntnissen wurden auch mehrere Ausstellungen und Buchvorstellungen in Regensburg, Paris, Aleppo (Syrien) organisiert. Höhepunkt dieser Projektarbeit war der Vortrag der Theorieergebnisse durch Sradj bei den Vereinten Nationen in New York am 12. April 2007.
1992 hatte er einen Studienaufenthalt in Helsinki auf Einladung der finnischen Kulturbehörden und der Kunststation Kleinsassen. 1992 stellte sich Manfred Dinnes, zusammen mit der Künstlerin Johanna Obermüller und dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler schützend vor den Künstler Erwin Eisch gegen rechtsradikale Angriffe. Er bezog als Künstler auch bei anderen Gelegenheiten Position gegen rechtsradikale Tendenzen. Ende 1992 schickte er seinen Gemäldezyklus „West-östlicher Diwan“ auf dem ukrainischen Schiff MS Moldavia donauabwärts auf die Reise, um mit Kunst nach der Grenzöffnung 1989 auf der europäischen Wasserstraße als alter Kulturverkehrsader eine Verständigung zwischen den Völkern der Anrainerstaaten zu fördern.
1993 richtete er im Auftrag des Berufsverbandes Bildender Künstler in Regensburg die Ausstellung „60 Jahre nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten“ aus. 1994 entschloss sich Dinnes zur praktischen Hilfe für die kriegsbetroffenen Gebiete in Bosnien-Herzegowina. Er wurde zum Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Gesellschaft „Brücken – für Humanität, Kultur, Toleranz und Dialog e. V.“ In Zusammenarbeit mit dem in dieser Zeit eingesetzten EU-Administrator vor Mostar organisierte er zahlreiche Hilfstransporte, die neben Lebensmittelspenden den Aufbau eines Notkrankenhauses, die Sicherung zahnärztlicher Versorgung und die Einrichtung eines Containerkindergartens ermöglichten. Als freier Mitarbeiter der Mittelbayerischen Zeitung lieferte er zahlreiche Berichte aus dem Krisengebiet. Er veröffentlichte zwei Bücher zum Thema: 1995 im MZ-Buchverlag „Sarajewo – ein bosnisches Tagebuch“ und 1998 „Hommage an Mostar“, in dem auch die künstlerische Verarbeitung der Problematik dokumentiert wurde.
1997 wurde er zum Professor für interkulturelle Zusammenarbeit an der Dzemal Bijedic Universität Mostar und zum Professor für Freie Malerei und Glasgestaltung an der Kunstakademie Sarajewo ernannt. Zugleich erhielt er den Auftrag zum Aufbau eines Kultur- und Künstlerhauses auf dem Campus der Universität Mostar. Bis 2002 übte er diese Professuren aus, pendelte von Regensburg immer wieder nach Sarajewo und Mostar, organisierte weitere Hilfstransporte und brachte als Mitbegründer und zeitweise Präsident des Deutsch-Bosnisch-Herzogovinischen Wirtschaftsklubs e. V. Projekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf den Weg. Gleichzeitig wurde er Redaktionsleiter der zweisprachigen Zeitschrift „Dialog“.
Ab 2002 konzentrierte er sich nach seinem Engagement in Südost-Europa dem Aufbau seines 1999 gegründeten neuen Projekts „Atelier & Galerie St. Johann“ im Umland von Regensburg. 2005 wurde er als „Ambassador“ zur Organisation des World oriental Music Festival in Sarajevo eingeladen, um hier auf dem Gebiet der Musik zur Normalisierung der Verhältnisse beizutragen.
2005 nahm er an der Intercultural conference: Shaping Communities in Times of Crisis (Narratives of Land, Peoples and Identities) im International Center of Bethlehem in Palästina teil. Hier wurde er von Reverend Mitri Raheb, dem Leiter dieses Centers, der 2008 den Aachener Friedenspreis erhielt, als Berater eingeladen. Die Veranstalter suchten seine Erfahrungen und Einschätzungen im Konfliktgebiet Mostar für den Konfliktherd Palästina kennenzulernen und nutzbar zu machen. Raheb will auch mit dem Mittel der Kunst, etwa dem Aufbau einer Kunstakademie, Konflikte überwinden.
2006 war er Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Kultur-Theaterkompanie „Regensburger Doana-Gsindl“, die sich dem Themen des Brauchtums (Raunachtstreiben) und historischer Szenen widmet. 2007 gehörte er zu den Mitbegründern der Gruppe „Visual – Kunst-Konzepte“. In der Folge schuf er Großskulpturen gemeinsam mit Armin Karl (technische Leitung). 2008 beteiligte sich Dinnes mit der Skulptur „Metamorphose 2008“ an der Entente Florale im Regensburger Herzogspark.
2009 führte er in Zusammenarbeit mit Wilhelm Kaltenstadler das Schauspiel „Haberfeldtreiben“ auf. Er organisierte im Rahmen des Kulturprogramms des Landkreises Regensburg „Kultur in Alten Mauern“ die „Kunst-Tage“ vom 15.–17. Mai 2009 in St. Johann. Im Herbst 2009 übernahm Dinnes die Redaktionsleitung des Kulturressort vom Europeonline-Magazine.
2010 und 2011 beteiligte er sich am Ausstellungszyklus „Die Goldene Straße – Rekonstruktion einer Kulturregion“. Im August 2010 veranstaltete er in seiner Galerie „Atelier & Galerie St. Johann“ die Ausstellung „Trivium auf Ab-Wegen“ mit Arbeiten von Karel Trinkewitz, Harald Bäumler und eigenen Werken, zu deren Vernissage eine Lesung von Wolf Euba stattfand.
Am 23. August 2012 nahm sich Manfred G. Dinnes das Leben; am 26. August 2012 folgte ihm seine Frau Karin in den Tod.
Werke Gemälde
Dinnes war ein Künstler, der aus der Erfahrung des Kulturaustausches lebt und arbeitet. Zu seiner Identität gehörte es, Inspirationen aus der Heimat und aus der Ferne zu beziehen. Deshalb gehörten auch Reisen in verschiedenste Länder zu seiner Künstlerexistenz. Ergebnisse waren dann große Gemäldezyklen.
Glaskunst
Die in der Glasfachschule Zwiesel erworbene handwerkliche und technische Fähigkeit setzte Dinnes in die Lage, auch die Ausstattung von Kirchen zu übernehmen. In den 1980 und 1990er Jahren fertigte er eine Reihe von Glasskulpturen, z. B. auch die frei schwebende Glasskulptur in einem Foyer des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Er beteiligte sich an Ausstellungen „Zeitgenössisches Glas“ in Chartres (1985/1987) oder Nîmes (1987). 1984 entsteht die Glasfenstergestaltung St. Benedikt in Regensburg-Oberisling.
Skulpturen
Seit der Gründung der Gruppe „Visual–Kunstkonzepte“ 2007 realisiert Dinnes auch große Skulpturen von 7 bis 8 Metern Höhe, wie z. B. die Stele „Metamorphose 2008“ oder „Schrei der Sonne–Kosmogonia 2008“. Die technischen Detailausführungen erarbeitet dabei sein Partner Armin Karl.
Theaterprojekte Postum wurde 2013 das Schauspiel „Dante, Tod und Teufel“ zu Dantes „Göttlicher Komödie“ im Tucherschloss Nürnberg aufgeführt. Dinnes hatte vor seinem Freitod gemeinsam mit der Kulturmanagerin und Dramaturgin Susanne Größe und dem Choreografen Martin Gruber das Konzept entwickelt. (PDF; 139 kB)
Theoretiker im Dialog
Im Jahre 1989 begegnete er dem Augenarzt Nadim Sradj. In der Folgezeit entwickelt sich ein Dialog, ein interdisziplinäres Spannungsfeld, das auf die Brechung konventioneller Wahrnehmungsgewohnheiten abzielt und eine neue Begrifflichkeit konstituiert. In der Folgezeit entsteht eine Reihe von Büchern und Schriften „Dynamik des Sehens“ „Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit“ „Operationale Ästhetik“ „Politische Philosophie der operationalen Ästhetik zwischen Emotionalität und Rationalität“
Galerie Atelier & Galerie St. Johann
Über zehn Jahre hinweg leitete Dinnes die Galerie mit namhafter Künstlerpräsenz: Edel Rolinski (Malerei, Glasdruck) Werner Steinmassl (Kabarett) Susanne Harhausen (Theaterfigurinen) Alica Jakiovic (Maler aus Mostar) Reiner Thiele (Fotografie) Erwin Eisch (Glas und Malerei) Gräfin Menny Schwarz-Lerchenfeld (Malerei) Rudolf Pospieszczyk (1930–2003) (Malerei) Hans-Jürgen Bröckl (Malerei) Rudolf Flügel (Malerei) Tim Bremen (Keramik) Tom Neumeier (Fotoinstallationen) Werner Vikari (Form in Leder) Alois Geiwisch (Installationen) „Theatercompanie“ (Rauhnacht, Uraufführung sowie Haberfeldtreiben, Uraufführung) Benno Hurt (Literatur) Karel Trinkewitz (Collagen) Wolf Euba (Lesung) Harald Bäumler (Skulptur)
Kunsterziehung an Schulen Beschreitung neuer Wege als Künstler in der Vermittlung von Kunst an Schulen: Manfred Dinnes begnügte sich nicht damit, als Künstler selbst produktiv zu sein. Es war ihm ein großes Anliegen, moderne Kunst in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begreifbar und nachvollziehbar zu machen. 1991: Schulprojekt an der Hans-Hermann-Schule in Regensburg: „Eine Spur nach irgendwo... – Höchste Zeit für ein Zeichen“.(Veröffentlichung: Pädagogische Welt, Nov. 1991) 1992 und 1993: Zwei Schulprojekte an der Grundschule Königswiesen in Regensburg: „Das sind ja Kunstwerke“ und „Der Regenwald beginnt vor unserer Haustür“, (Veröffentlichung: Westermann Grundschule, Juli 1992 und Oktober 1993)